Welcome-back-Nudelauflauf


Gestern bin ich nach Hildesheim zurückgekommen, nach fast drei überwiegend sonnigen Wochen in Süddeutschland. Hildesheim begrüßte mich mit Schneefall und seinem immergrauen Bahnhofsvorplatz, der sich mit dem Pforzheimer Busbahnhof (nur geschönte Fotos bei Google) um den Titel Germany’s most depressing place streitet. Den Schnee fand ich klasse, und beim Discounter gab’s Frühlingsblümchen. Da habe ich gleich mal zwei Edelgeranien mitgenommen, ebenso wie wunderhübsche Muschelnudeln.

Mit diesen Nudeln bereitete ich einen leckersten Auflauf zu, um meine Rückkehr in die neue Heimat zu feiern und mich für das Transportieren von ca. 30 Kilo Gepäck (Sommerklamotten! Campingausrüstung! Pürierstab! Mamas Marmelade!) viaTaxi, ICE und Linienbus zu belohnen. Und so lecker wie der Auflauf war, teile ich ihn mit euch.

Erst jetzt beim Schreiben – ehrlich, nicht früher!! – fällt mir ein, dass die Muschelnudeln ein bisschen wie Vaginas aussehen. Und please forgive me, falls sich die Beschreibung der Zubereitung stellenweise obszön anhört – ich beabsichtige auf keinen Fall, Frauen mit Essen gleichzusetzen – das haben berühmte Franzosen wie Flaubert, Maupassant und Balzac getan, und ich tu es ihnen nicht gleich. Muschelnudeln sind Muschelnudeln und Vaginas sind Vaginas. Was aber nicht heißt, dass man dieses Rezept nicht super für ein Date mit einer netten Frau zubereiten kann. Lecker schmeckt’s auf jeden Fall.

Ein bisschen Arbeit ist es, aber worth every second of it.

Also los gehts.

Bitte nimm 250 gr Conchiglioni (Muschelnudeln). Koch sie am besten als erstes, denn sie brauchen laut Packung 18-20 Minuten. Nimm sie aber 2-3 Minuten früher aus dem Wasser, denn sie werden ja noch gefüllt und überbacken.

Während die Nudeln kochen, kannst du irgendwas Dolles im Internet gucken, oder aber schonmal die Füllung machen. Diese besteht aus:

  • 1 kleine Zwiebel, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 eingelegte, geröstete Paprikaschote, fein gehackt (die Paprikaschoten gibt’s in großen Gläsern beim Discounter, in Essigmischung eingelegt)
  • ca. 0,5 EL von der Paprika-Einlegeflüssigkeit
  • 2 gehäufte Esslöffel Crème fraiche
  • 0,5 TL Oregano
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • evtl. ein bisschen Gorgonzola oder anderen Schimmelkäse
  • evtl. ein bisschen Schwarzkümmel
  • evtl. etwas Chilipulver

Einfach alle Zutaten mit einem Kartoffelstampfer etwas zerdrücken, im Mixer pürieren oder mit einer Gabel verrühren.

Nimm dann 4-5 Champignons, reibe sie mit einem Küchenkrepp ab und schneide sie in Scheiben. Die Champignon-Stücke sollten so groß sein, dass sie nachher in die Muscheln passen.

Dann machen wir noch eine kleine Tomatensoße. Dazu nimmst du einfach ca. 250 ml Tomatenpassata (bei mir war’s gestern – da ich es gestern noch nicht zum dm geschafft hatte – die günstige vom Discounter, aber sonst empfehle ich diese herrliche Tomatenpassata von Alnatura in der Flasche, die unwesentlich mehr kostet aber fünfmal so gut schmeckt. Hammerhammer. Das nur so nebenbei). Diese Passata habe ich mit ca. 1 EL Balsamico gewürzt, mit etwas Salz abgeschmeckt und ein bisschen getrocknetes Sojagranulat hinzugefügt. Das quillt nachher  in der Soße schön auf und sorgt für einen leicht herzhaften Geschmack. Zum Schluss gab ich noch 1 EL Olivenöl dazu.

Weil ich langsam Hunger bekam, heizte ich den Backofen auf 180 Grad vor, aber ansonsten musst du nicht vorheizen.

Ich legte dann ein Blech mit Backpapier aus (kannst aber auch eine Auflaufform mit Fett einreiben) und verteilte die Hälfte der Tomatensoße auf dem Blech. Dann breitete ich die Muschelnudeln auf dem Blech aus und legte die Champignonscheiben in die offenen Muscheln, die geschlossenen habe ich gelassen (sehr ihr, was ich meine?? :)) Dann verteilst du die Creme-fraiche-Füllung in – bzw. bei den eher geschlossenen Nudeln – auf die Nudeln. Träufle dann die restliche Tomatensoße über die Nudeln

Schneide eine Mozzarella-Kugel in Scheiben und verteile diese auf dem Nudelauflauf. Und ab in den Ofen damit! Das ganze buk bei mir 30 Minuten. Wenn das Ganze zu suppig wird, stell es eine Etage tiefer im Backofen.

Das war richtig gut. Jetzt ess ich gleich die Reste davon, juhu!

Jahresrückblick 2012


Hey Ihr Lieben,

bei AlexamAlex habe ich diesen Fragebogen für den Jahresrückblick gefunden, danke für die Inspiration.

Zugenommen oder abgenommen?

Weder noch. Ich habe seit Jahren mein Wohlfühlgewicht und genau die richtige Menge Hüftgold.

Haare länger oder kürzer?

Länger. Sie bekommen aber am 5. Januar einen neuen Schnitt von einer neuen Frisuerin. Ich habe eben sehr feine Haare, da sieht es ab einer gewissen Länge einfach nur platt aus.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Konnte noch nie kurzssichtig von weitsichtig unterscheiden 🙂

Mehr Kohle oder weniger?

Weniger, da ich anfange zu studieren. Ich kann aber mehr mit der wenigen Kohle anfangen, da die Mieten in Hildesheim niedrig sind. Ich kann ganz Niedersachsen bereisen dank tollem Studiticket.

Der hirnrissigste Plan?

Mich bei Gay-Parship anzumelden. War ja ganz nett und ich finde es schön, die K dort kennengelernt zu haben, aber es ist ein komisches, unromantisches Geschäftsmodell.

Die gefährlichste Unternehmung?

Küstenwanderung in Cornwall bei Nebel, Regen, Hitze, Wind. Aber auch sehr geil.

Mehr Sport oder weniger?

Zuerst mehr, da ich bei Wind und Wetter und Schnee und Hitze und allem gewalkt bin. Durch Verlagerung des Hauptwohnsitzes kann ich leider nicht mehr mit meiner Lieblingsgruppe walken. Außer jeden Tag in den 4. Stock Altbau klettern geht leider kaum Sport.

Die teuerste Anschaffung?

Ein Sofa vom Trödel.

Das leckerste Essen?

Hui, das kommt vielleicht morgen in Form eines sechsgängigen, vegetarischen Silvestermenüs. Und dann gibt es so viele leckere selbstgekochte Essen, an die ich mich ob ihrer Häufigkeit nicht mehr erinnern kann. Hightlights sind immer, wenn ich mit anderen Menschen zusammen esse, wie z.B. vorgestern mit zwei lieben Freundinnen eine einfache Bohnensuppe mit Kartoffeln, Zwiebeln, Nudeln und Broccoli.

Das beeindruckenste Buch?

Paradise von der guten A.L. Kennedy, das ich anlässlich eines Referats wieder angelesen und gemerkt habe, dass ich gerne so intensiv, furchtlos und ehrlich wie sie schreiben möchte. Auch sehr geil war Die Schatten des Windes von Zafon.

Das enttäuschendste Buch?

Gibt es in dem Sinne nicht, da ich Bücher, die mich nicht ansprechen, nach dem ersten Satz, spätestens aber nach dem ersten Kapitel zur Seite lege.

Der ergreifendste Film?

Oh je, ich vergesse immer, welche Filme ich geschaut habe. Hm, „Fremde Haut“ fand ich sehr klasse und ergreifend. Ist ja schon etwas alt, hat aber die beste Sexszene zwischen zwei Frauen, die ich kenne. Beste im Sinne von: ich kann die Anziehung zwischen den beiden Frauen förmlich spüren, es steht etwas auf dem Spiel, es ist schön gefilmt.

Der beste Theaterbesuch?

Das Ballett Fräulein von S. im Staatstheater Stuttgart

Die beste Musik?

Russische Pop- und Rockmusik, gerne aus den 90ern oder 80ern und vermischt mit internationalen Hits von Dr. Alban und Captain Hollywood. Zu finden auf diversen russischen Radiosendern, z.B. diesem hier für Pop und dem hier für Rock. Auch bei Radio Aktiv Hameln gibt es sonntags von 18-20 Uhr aktuelle russische Musik bei „Russian City“.

Und die jüngste tolle Entdeckung ist die Best-of-CD von Joan Armatrading, die mir eine liebe Freundin geliehen hat.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Arbeiten, Pendeln, dann ab Oktober: Schreiben, übers Schreiben schreiben, übers Schreiben nachdenken, reden, Referate halten. Yeah.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?

Oh, das ist nicht gerecht, da eine herauszupicken. Mit meinen lieben Freundinnen, meiner Familie, meinen neuen Kommilitonen, meiner Walking-Gruppe, mit mir selbst, mit fremden Frauen im Urlaub (nicht, was ihr denkt: alles platonisch!)

Vorherrschendes Gefühl 2012?

Yeah. Krass.

2012 zum ersten Mal getan?

Nach Schottland geflogen und süchtig geworden. Nach Cornwall gereist und ebenfalls süchtig geworden. Einen Steinkreis begangen.

2012 nach langer Zeit wieder getan?

Den überwiegenden Teil meiner Zeit dem Schreiben widmen. Eine WG aufmachen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Gar nix.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Mach ’ne Therapie.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ich glaube, der Samen für Trichterwinde an M.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Mich auf die Steinkreise in Cornwall hinweisen. Mich in der ersten Woche in Hildesheim beherbergen, obwohl sie mich kaum kannte.

Die schönste neue Bekanntschaft, die ich gemacht habe?

K. und S. und A. vom Studium. Endlich mal einen Abend mit M. und A. verbringen.

Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

und ja, ich finde es immer toll, wenn man solch mutige entscheidungen trifft
und etwas macht, was man irgendwie richtig für sich findet, was aber
unsicherheiten mit sich bringt und das, obwohl man doch endlich
sicherheiten hat. weil: wann, wenn nicht jetzt? und aus unsicherheiten
können ja wieder sicherheiten werden.

Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

wenn ich das wüsste.

2012 war mit einem Wort…?

Whow.

Danke an alle, die dazu beigetragen haben!!! Rutscht alle gut, sicher, elegant und achtsam rüber und habt ein tolles, neues Jahr!

cheers & hugs,

fraulinde

27 Tage


Also. Ich habe bisher (in chronologischer Reihenfolge):

sechs Monate in Toronto

neun Monate in Frankfurt

drei Monate in Barcelona

zwölf Monate in Boston

und einen Monat in Stawropol

gelebt. Ich habe gedacht, ach, Hildesheim für ein bisschen Studium, das ist doch nicht schwierig. Haha, lacht das Teufelchen auf meiner Schulter, da hast du dich mal schön getäuscht.

Ich kämpfe hier manchmal mit Heimweh und Einsamkeit und dem Gefühl, fremd zu sein. Mir fehlen meine Mutter, meine Freunde, meine Wohnung, die  Wohnung meiner Mutter, meine Badewanne und meine Küche mit lautlos zugehenden Schubladen.

Heute bin ich zum ersten Mal seit 27 Tagen außerhalb von Hildesheim gewesen. Ich bin zum ersten Mal seit 27 Tagen wieder Zug gefahren, nach Hannover. Dort habe ich im Bahnhof die erste Brezel seit mehr als 27 Tagen gegessen, und traf draußen auf Menschenmengen wie Samstagmittags auf der Stuttgarter Königstraße. Der verkaufsoffene Sonntag in Hannover heute hat mich kalt erwischt.

Zum ersten Mal seit 27 Tagen wieder in einer Großstadt, in einer Fußgängerzone, die breiter als fünf Meter ist, in der Menschen wuseln und aus keinem erkennbaren Grund vor meiner Nase stehenbleiben (Hildesheim wuselt nicht, Hildesheim schleicht, geht am Rollator, aber dazu später mehr). Ich habe Beklemmungen bekommen. Ich ging mit dem Strom und weiter, fand den Fluss, einen ruhigen Weg, dann den Maschpark und dann so ein herrliches riesiges altes Gebäude da dran (Landtag? Rathaus?). Es dämmerte schon und die Farben der Bäume knallten ins Blau des Himmels. Dieses Gelb! Ich war glücklich und ein bisschen high und ließ fünf-Kilo-Brocken von meiner Seele purzeln. Ja, es ist toll hier. Es ist ein Riesenglück, hier zu sein.

Ich dachte zum ersten Mal, dass ich mich hier wohlfühlen könnte, auch über die zwei Jahre hinaus. Dass die zwei Jahre Masterstudium hier kein Provisorium sind, sondern dass ich vielleicht in der Ecke bleiben könnte. Dass ich mich auf einmal von meiner Heimat Stuttgart löse und mich woanders niederlasse.

Vielleicht ist das der Unterschied zu den oben genannten Aufenthalten in anderen Städten. Dass ich hier hängen bleibe?

Erster Besuch


Ich habe den Tipp meiner lieben Blog-Leserinnen befolgt und mir Besuch eingeladen.

Am Mittwoch bin ich eingezogen. Die Frau, bei der ich in meiner ersten Hildesheimer Woche gewohnt habe, war heute zum Tee da, und wir haben spontan zusammen gekocht und uns gut unterhalten. Yeah. Sie findet meine Lampe vom Trödel schick, wir haben über den lahmen Herd gelacht und ein paar Teelichter angezündet. Und es freut mich total, dass sie auf meinem mit Olivenöl aufgemöbelten Stuhl die Beine ineinander verschränkt hat und dass sie nicht nach einer halben Stunde gegangen ist, dass sie meine Wollsocken getragen hat, von den Dominosteinen und Mamas Gebäck gegessen hat. Dass wir uns über Eltern, WGs, Anhäufungen von Gegenständen, Kochen unterhalten haben.

Gut zu wissen, dass das in der neuen Wohnung geht.

Möbel kriegen


Trödelläden rocken. Ich habe zwei Favorites in Hildesheim: den Trödel Shop Labora in der Osterstraße und Lucky’s Antik in der Orleansstraße. Beim ersten habe ich mir ein Sofa, einen Sessel, einen Hocker und einen Stuhl besorgt und gaaaanz viel Geschirr. Das Sofa kommt erst in zwei Wochen, die Lieferung ist gratis. Lucky’s liefert sofort und ab einem Wert von 100 € gratis. Er hat eine sehr große Auswahl an Möbeln, Lampen, Spiegeln und die Preise sind sehr günstig (Kleiderschrank für 50 Euro, Lampe für 5 Euro). Dort fand ich auch zwei antike Stühle mit original geflochtener Rückenlehne, das Holz sah etwas fertig aus. Zuhause habe ich gemerkt, dass ich das abgewetzte Holz nur mit etwas Aldi-Olivenöl einreiben muss, damit es wieder schick aussieht. Morgen, also am Samstag, checke ich den Flohmarkt bei Lucky’s, da gibt’s dann Küchenutensilien zuhauf.

Ich finde es so hammergeil, Möbel aus Trödelläden zusammenzukaufen. Ich schone dabei die sibirischen Wälder, die gerne mal für irgendwelche schrottigen Zweimal-aufbauen- und-das-war’s-Möbel abgeholzt werden, ich kann die Möbel sofort mitnehmen bzw. liefern lassen, die kleineren Möbelstücke werden für die Lieferung nicht zerlegt, so dass ich sie nicht zusammenbauen muss, und außerdem gefallen sie mir so viel besser als moderne Sachen. Ich brauchte noch einen Waschbeckenunterschrank, die sind ja meistens leider aus Pressspan wahlweise mit Buchenfurnier oder weiß gestrichen, und beides finde ich nicht schön. Beim Trödel gab’s aber sehr schicke Kinderhocker, und da habe ich einfach drei von denen gekauft und die schön aufeinander gestapelt und mein eigenes kleines, lässiges Regal rund um den Siphon gebaut.

Gestern dachte ich noch, dass ich vielleicht keinen Kleiderschrank brauche, wenn ich weniger Klamotten hätte. Aber heute hatte ich Spaß daran, mir ein paar Möbel zu besorgen und es mir zuhause (merkt ihr, ich benutze das z-Wort für meine Wohnung in Hildesheim?!) nett zu machen. Wäre ja schade, wenn die zweite Hälfte meines Bettes dauerhaft durch Klamottenstapel belegt wäre 🙂

Eigentlich finde ich ja „stuff“ gar nicht wichtig. Andererseits umgebe ich mich gerne mit schönen Dingen, was ich super auf meinen Waage-Aszendenten schieben kann. Ich habe einfach riesig viel Spaß daran, Wohnungen einzurichten und zu dekorieren, Möbel auszusuchen, zu gucken, was passt zusammen, wo entstehen schöne Kontraste, wie ist die Energie in einem Raum. Und es macht mich glücklich, Dinge, die andere Leute wegwerfen, für mich brauchbar zu machen.

Was haltet ihr von Trödel? Geil oder eklig? Gibt’s bei euch auch Altes und Gebrauchtes, oder IKEA, oder vielleicht sogar selbstgebaut?

Minimal


Heute habe ich eine Portion Bratkartoffeln von einem Kuchenteller gegessen, von einem kleinen noch dazu. Ich habe drei Mal nachgeschöpft. Ich trinke Rotwein aus einem Wasserglas. In anderen Wassergläsern sind Teelichter, die angezündet  den Raum in ein Zuhause verwandeln. Ich habe heute nicht einmal in den Spiegel gesehen, weil ich in der Wohnung keinen habe. Auf dem Herd sind nur kleine Platten, und es braucht ewig, bis die neue Pfanne warm genug ist, aber was soll’s, ich habe Zeit.

Als ich vor 2,5 Wochen hierhergekommen bin, hatte ich erst einmal nur ein paar Klamotten dabei. Heute habe ich mein restliches Gepäck abgeholt, das mir meine Mutter nachgeschickt hat und war überrascht, was ich alles eingepackt hatte. Diese wenigen Klamotten vom Anfang hätten mir auch gereicht. Jetzt habe ich noch 15 langärmelige Tops und 15 Unterhosen mehr.

Ich verstehe, warum ich so viel mitgenommen habe. Ich wollte eine große Auswahl an Klamotten haben und vielleicht – inspiriert durch die ganzen anderen kreativ gekleideten Studentinnen – neue Kombinationen entdecken. Aber jetzt denke ich: eigentlich reichen mir 7 Tops und zwei Westen, vielleicht noch ein Pulli, zwei Jeans und gut is. Die luftigen Blusen und dreiviertelärmeligen Tops kann ich eigentlich gleich bis zum Sommer verstauen, da meine Uni-Klamotten ob der zugigen Räume Zwiebellook-fähig sein müssen.

Ich habe mir die letzten Tage den Kopf zerbrochen, wo ich einen Kleiderschrank herbekomme und wo ich ihn hinstelle. Ich brauche eigentlich nur einen Schrank, weil ich so viele Klamotten habe. Eine Kommilitonin von mir hat wenig Klamotten und packt sie alle in ein Regal mit Körben. Ich finde es auch nicht verwerflich, einen Schrank zu haben, aber den ganzen Stress mache ich mir nur, weil ich dachte, ich muss mich kreativ kleiden, deshalb brauche ich viele Klamotten, deshalb habe ich heute beim Hochschleppen der Taschen ins 4. Altbauobergeschoss 6000 Kilo verbraucht und deshalb werde ich einen gebrauchten Schrank kaufen und Männer bezahlen, die ihn hochtragen und aufbauen. Und ich werde dennoch ständig die gleichen 7 Tops tragen, weil ich hier nämlich an der Uni bin und nicht mehr bei meinem früheren Job, bei dem ich irgendwie dachte, ich müsste etwas darstellen und seriös wirken, denn und nun bin ich Autorin und kann tragen, was ich will, denn die Menschen außerhalb der Uni himmeln mich an, egal was ich trage, und vielleicht noch mehr, wenn ich verwaschene Sachen mit einer „das muss so sein“-Haltung trage.

Habe ich alle Dinge in Stuttgart aus Langeweile oder Frust oder Belohnung angeschafft? Es ist mir gerade wirklich egal, welches Oberteil ich trage und woraus ich meinen Rotwein trinke. Es kostet so viel Zeit und Kraft, Dinge anzuschaffen: überlegen, wo ich es kaufe, hingehen, Produkt auswählen, bezahlen, nach Hause tragen, spülen, benützen, abspülen, einen Platz dafür finden bzw. erst schaffen. Und klar ist es schön, Rotweingläser zu haben. Aber ich kann gerade super darauf verzichten. Ich glaube, es schafft Klarheit in den Gedanken, wenn man weniger hat.

Fazit: Teelichter in einer leeren Wohnung sind unverzichtbar, Weingläser schon; ein Kissen ist eine feine Sache, irgendwann sollte ich mal wieder in einen Spiegel gucken und meine Daunendecke ist das Größte.

Welcome home


Gestern überkam mich hier zwei Mal das Gefühl von zuhause.

Das erste Mal war bei Lidl in der Nähe meiner neuen Wohnung. Der Lidl sieht ganz genauso aus wie ein Lidl in Stuttgart, zu dem ich ab und zu gehe. Als ich den Lidl hier betreten habe, war ich für einen Moment zuhause in Stuttgart und habe außerdem einen Wäscheständer dort gefunden. Danke, lieber Lidl. Zuhause fühlen bei Aldi geht nicht, denn hier sind wir in der Aldi-Nord-Zone sind, so dass die Produkte ganz anders aussehen als bei Stuttgart in Aldi-Süd-Territorium.

Während der letzten zwei Wochen in der neuen Stadt, als ich zuerst bei einer Kommilitonin und danach in einer Gästewohnung gewohnt habe, konnte ich es kaum erwarten, eine eigene Wohnung zu haben, Zeug beim Trödel zu kaufen, Lebensmittel anzuschaffen und die Wohnung zu putzen. Gestern war der Tag, an dem ich all dies endlich tun durfte, und es hat sich gar nicht toll angefühlt.

Die neue Wohnung roch ganz leicht nach Rauch, es gab beim Trödel nicht mehr so superschönes Geschirr, sondern nur noch ok Geschirr, und ich habe Putzzeug, eine Energiesparlampe, Nudeln, Olivenöl, einen Wäscheständer, Klopapier, Zewa und noch ganz viel mehr geschleppt und wusste: noch sehr lange werde ich Einkaufslisten abarbeiten und Zeug durch die Gegend tragen. Und natürlich denke ich bei jeder Klobürste, jedem Topfschwamm, jedem Paket Nudeln: hm, brauche ich das jetzt schon, oder kaufe ich es besser woanders oder zu einem günstigeren Preis? Ich hatte Angst vor der nächsten Zeit, wenn alles noch provisorisch ist, ich keinen Kleiderschrank habe, keine Mülleimer, keine Lampe im Bad. Ich wollte aber auch nicht zurück nach Stuttgart, weil ich mich davon schon verabschiedet habe.

Und als ich dann vom zweiten Einkaufstrip vollbeladen in den 4. Stock geklettert bin, roch es in meiner geputzten, leeren Wohnung schon ein klein weniger fremd, und ich war froh und fühlte mich ein bisschen zuhause. Merke: Zuhause ist, in ein Bett zu fallen, das nicht wochenweise vermietet wird, sondern erst einmal nur für mich ist. Irgendwie dachte ich, ich müsste mich ca. 5 Minuten nach Ankunft in Hildesheim zuhause fühlen und 10 Minuten später gute Freunde gefunden haben. Nun merke ich, dass es etwas länger dauert, und dass es am Anfang nur einzelne Momente des Zuhause-fühlens sind. Und das ist ok so.

Fühlt ihr euch eigentlich zuhause zuhause? Oder eher woanders zuhause? Habt ihr ein oder mehrere „Zuhause“?

Mein neues Viertel, die Hildesheimer Nordstadt, ist übrigens alternativ und vergleichbar mit dem frühen Kreuzberg, meinte heute eine Kollegin aus der Heimat, die hier studiert hat. Yeah.