Ohne Worte


Heute haben wir an der Uni etwas Revolutionäres gemacht. Wir haben Texte geschrieben. Jaha. Im Masterstudiengang Literarisches Schreiben haben wir heute Texte geschrieben. Jeder. Mussten vorlesen, unsere Lieblingstexte wählen und die besten Spontanautoren bekamen einen Stern. Für wen sich das jetzt nach Kindergarten anhört – dem oder der würde ich auf die Schultern klopfen, Recht haben Sie.

Das Ganze war inspiriert von einem Buch, das ich hier nicht nennen werde. Es schlägt verschiedene Szenarien vor und enthält Würfel mit Piktogrammen. Man nimmt fünf Würfel und schreibt dann eine Geschichte zu den fünf gewürfelten Bildern. In drei Minuten.

Es gab fünf Runden. Nach der ersten Runde habe ich mir überlegt, was ich vortäuschen kann, um sofort das Seminar verlassen zu können. Denn wenn ich sonst etwas schreibe, durchläuft es mindestens 23 Runden, wahrscheinlicher aber 72 Runden der Selbstkritik und Überarbeitung, bevor überhaupt irgendein menschliches Wesen das lesen darf. Seit diesem Seminar weiß ich: manche Menschen können spontan druckfähige Texte verfassen, so wie manche Menschen druckreif reden können. Ich gehöre zu keiner von den beiden Gruppen, sondern immer noch zu denen mit 23 bzw. 72 Überarbeitungsrunden.

Ich fragte mich: Wurde diese Aktion in der letzten Sitzung oder per Mail angekündigt? Und wie konnte ich das verpassen? Dafür bin ich aufgestanden?

Und nachdem ich zwei Mal zwei grottenschlechte Texte (Kostproben? Wirklich? Wenn du dir absolut sicher bist, dann scroll weiter runter, aber überleg’s dir vorher nochmal gut) vorgelesen habe und mich aus meiner Sicht vor meinem halben Jahrgang komplett zur Äffin gemacht hatte und ich mal so gar keine Sternchen, nicht mal einen herausgepressten Lacher bekommen habe, passierte etwas Wunderbares. Es war mir egal.

Genau. Was blieb mir auch übrig? Wir sollten uns eigentlich alle viel öfters zu Affen machen, denn in den meisten Fällen wird

NICHTS

passieren. Außer, dass wir entspannt werden, so war es zumindest bei mir. Geholfen hat auch, dass ab der dritten Runde doch mal eine Stimme für mich oder ein Lacher kam.

Also Freundinnen und Freunde: wann habt ihr euch das letzte Mal richtig blamiert?

Und für alle, die jetzt Bock auf Fremdschämen haben, hier meine Texte, oder etwas, das einem Text äußerlich ähnelt. Die kursiven Wörter sind die erwürfelten Begriffe, die man im Text unterbringen musste. Vor jedem Würfeln musste man außerdem ein „Szenario“ wählen.

Szenario „Wahrsager“:

Die Wahrsagerin war ein Drache, aber einfach die Beste. Sie ließ sich nicht mit Geld bezahlen, sondern mit Geschenken. Am Telefon hatte sie mir mit einem osteuropäischen Akzent gesagt: „einen Fußball, für meinen Sohn.“ Durch die ganze Stadt war ich gehetzt, tat so, als wäre ich eine Mutter (Maske)

Szenario „Moderne Kunst“

Der Drache zieht den Gewichtheber nach oben, die Stadt sieht von oben aus wie ein Schaltkreis (ja, in dem Spiel gibt’s wirklich so Fiesigkeiten wie Schaltkreis), sicher wurden die Farben mit dem Föhn getrocknet, Daumen hoch.

Szenario „Heiratsantrag“

Liebling, ohne dich könnte ich genauso wenig sein wie ohne meinen Fernseher, aber du bist viel mehr, meine Liebe für dich ist so groß wie ein Blauwal. Du füllst immer rechtzeitig die elektrischen Salz– und Pfeffermühlen auf. Magst du die Säulen in meinem Leben sein?

[Untergekriegt habe ich nicht: Thermometer]

Szenario  „Patentamt“

Ich melde ein Patent für Superameisen an, die niedere Tätigkeiten verrichten können. Sie werden Polizeiautos steuern können, Wohnungen streichen [Farbrolle] und bei der Victoria’s Secret-Modenschau [Unterhose] mitlaufen.

Szenario „Seemannsgarn“

Kürzlich am Amazonas, als ich meiner Frau ein Parfümimitat kaufen wollte, kam plötzlich ein Teddybär angerudert. Er trug eine Schwimmweste und war ganz aufgeregt, weil er gerade einer Quietscheente das Leben gerettet hatte. Ein Zirkel steckte in ihrem Hals, der Teddy hatte sie mit einem Luftröhrenschnitt gerettet.

Die Beschmissenheit


Seit Tagen geht mir ein umständliches Wort im Kopf herum, das meine Situation hier ziemlich gut beschreibt. Beschmissenheit.

Normalerweise nehme ich Philosophen und andere Menschen, die umständliche Wörter kreieren, nicht ernst. Martin Heidegger sprach z.B. von der Geworfenheit des Menschen in die Welt, was bei mir, als ich das Wort in einer Vorlesung hörte, einen Lachanfall auslöste. Geworfenheit soll ausdrücken, dass der Mensch sich nicht ausgesucht hat, auf der Welt zu sein. Ich habe einen Abschluss in Philosophie, finde aber, dass man – sollte man es notwendig finden, über dieses Phänomen zu reden – auch eine Verbkonstruktion verwenden kann (es sei denn, man ist JuristIn).

Das würde dann so lauten: „Der Mensch wurde in die Welt geworfen“.

Oder: „Die Annahme, dass der Mensch in die Welt geworfen wurde, ist eine wichtige Voraussetzung für blablabla“.

Oder: (gerade noch so): „Das Geworfen-Sein…“

Und jetzt tu ich das auch. Ich rede von meiner Beschmissenheit, und zwar im Master Literarisches Schreiben. Manche überlesen vielleicht auch das m in Beschmissenheit, diese Doppeldeutigkeit ist gewollt. Für eine Kommilitonin ist das Studium hier beschissen, sie geht zurück in ihren alten Beruf. Wir haben sie gestern verabschiedet und dabei alle zusammen ein paar Runden übers Studium gemeckert. Sie war im ersten Semester meine Lieblingskommilitonin, meine Stütze, bei der ich mich oft ausgekotzt habe. Es war schön mit ihr. Aber auch sehr meckerig. Und gerade will ich mal nicht meckern.

Es sind noch zehn Tage bis Semesterbeginn und egal was andere jetzt schon Schlechtes über die Seminare und Dozenten prophezeien: ich find’s geil. Ich weiß nicht, was kommt, aber ich finde es geil, hier zu sein. Wegen der Beschmissenheit.

Ich fühle mich wie ein Kind in einem riesengroßen Sandkasten, das die ganze Zeit mit Dingen beschmissen wird. Ich darf den ganzen Tag spielen und ausprobieren und entdecken, und es kommt immer mehr dazu, Berge von Spielzeug, Wagenladungen von Sand, auch ganz viel heiße Luft, ganz viel Scheiß, giftiges Spielzeug, das unter dubiosen Bedingungen produziert wurde, Vintage Stuff (leider viel zu wenig davon), ich muss aufpassen, davon nicht erdrückt zu werden, und manchmal landet das Zeug auch am Kopf oder anderen empfindlichen Stellen, das tut weh und bewirkt im Nachhinein, dass ich entweder einen großen Bogen um den Werfer mache oder aber mich freue und mit viel mehr Spaß weiterspiele. Und manchmal schiebe ich das alles zur Seite und suche mir außerhalb etwas zum Spielen.

Und ja, der Spielplatz ist mir zu unorganisiert, manchmal viel zu oberflächlich und gleichgültig, manchmal viel zu schwierig.

Trotzdem glaube ich, dass ich sehr viel aus dieser Beschmissenheit ziehe. Ich habe am Anfang gemeint, ich werde mit Konfetti beworfen und kann mir die Taschen damit vollschaufeln. Aber es sind große, schwere Brocken, von denen ich Rücken- und Kopfschmerzen kriege, wenn ich sie alle einpacke.

Gefühlt kann ich von all dem Zeug zwischen 3 und 5% brauchen. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das eine ganz schlechte Investition, vor allem angesichts der 780 Euro Semestergebühr. Aber da die insgesamte Beschmissenheit so unvorstellbar groß ist, kommt da richtig viel zusammen.

Wie beim Goldsuchen. 

Neue Frisur


Also gut. Eigentlich fand ich es ein zu banales Thema. Aber nachdem die Lobhudeleien und bewundernden Blicken nicht abreißen, schreibe ich doch darüber.

Ich habe jetzt kurze Haare. Für alle, die mich nicht live kennen: ich hatte vorher überschulterlange Haare. Nun sind gerade noch die Ohren etwas bedeckt. Ursprünglich hat mich ja die hotte Casey Legler zum Haarelassen inspiriert. Ich dachte kurzzeitig sogar daran, mir die selbe Frisur machen zu lassen, weil ich ihren Look so scharf finde. Schließlich studiere ich gerade und kann im Prinzip mit meinen Haaren machen, was ich will.

Gegenüber der Friseurin habe ich mich allerdings nicht getraut, ein Foto von Casey zu zeigen, weil ich die Friseurin noch nicht kannte und sie nicht einschätzen konnte. Aber nach meiner Versicherung, dass ich kurze (gerne auch richtig kurze) Haare will und ich für alles offen bin, meinte sie geheimnisvoll: „ich habe da schon eine Idee“. Bevor sie die Schere ansetzte, wollte ich doch ungefähr wissen, welche Idee das ist, also zeigte sie mir auf ihrem IPad Fotos von Christiane Paul mit kurzem Haar (warum kennt eigentlich fast niemand Christiane Paul?) Ich finde sie seit „Das Leben ist eine Baustelle“ super, dachte aber, ihre Frisur steht mir nie, weil Christiane so zierlich ist. Aber die tolle Friseurin hat den Haarschnitt genau auf meine Gesichtsform, meine feinen Haare und meine Wirbel angepasst.

Der Schnitt sieht selbst direkt nach dem Aufstehen klasse aus. Ich muss nur einmal durch die Haare wuscheln, um einen neuen Style zu haben, weil die Haare so kurz und unregelmäßig geschnitten sind.

Und wenn ich in meiner ungeputzten Hildesheimer Wohnung noch lange Haare im Waschbecken sehe, freue ich mich, weil ich in Zukunft nur noch halb oder ein Drittel so viel Haar wegputzen muss. Ich glaube sogar, ich verliere seitdem weniger Haare. Oh, es ist so toll! Und Freunde, die mich mit der neuen Frisur sehen, überschütten mich mit Komplimenten. Eine halbe Stunde später starren sie immer noch auf meinen Kopf und sagen, wie toll es aussieht. Das ist echt die beste Frisur, die ich jemals hatte!

Gleich nach dem Friseurbesuch bin ich zum H&M shoppen gegangen und stellte fest, dass mir jetzt ganz andere Klamotten stehen. Ich trug bisher immer hüftlang und eher schlabbrig. Jetzt stehen mir auf einmal eng anliegende Oberteile, die auf der Taille enden. Ohne Scheiß! Ich fühle mich locker drei Jahre jünger und 10 Kilo leichter. Und weiblicher, obwohl ich jetzt kurze Haare habe. Es ist echt der Hammer.

Gibt’s auch einen Nachteil? Ja, der Hildesheimer Wind pfeift jetzt ungebremst in meine Ohren. Aber darauf pfeife ich (sorry für den Kalauer).

Ich würde jetzt gerne meine supertolle Frisur durch ein Foto mit euch teilen, aber ich lasse das aus zwei Gründen: ich habe welche mit meiner analogen Kamera gemacht, und der Film ist noch nicht voll. Zweitens will ich hier anonym bleiben, also zumindest mein Gesicht anonym halten, nachdem ich sonst ja so ziemlich alles mit meinen LeserInnen teile.

Hattet ihr auch schon mal so tolle Friseurinnenerlebnisse? Please share! Habt ein schickes Wochenende.

Casey Legler


It’s official, I have a new crush, and her name’s Casey Legler. She makes me wanna run to the best hairdresser in town and have my hair cut the same way and throw away all my pink tops.

Check her out! Hier gibt’s ein Video-Interview von ihr, und hier ein paar hotte Fotos.

Gestern habe ich mich nämlich bei einer Freundin zum „Germany’s next top model“-Gucken eingeladen und auf ihrem wunderbar großen Fernseher haben wir anschließend noch red! geguckt. Darin kam ein kurzer Bericht über Frauen, die als Männermodels und Männer, die als Frauenmodels arbeiten, u.a. mit Casey Legler. Sie ist als Frau geboren und identifiziert sich auch als Frau, soweit ich das verstanden habe, arbeitet aber ausschließlich als Männermodel. Und das Schöne ist, dass sie im Anzug genauso gut aussieht wie in High Heels.

Eine wunderschöne, spannende Frau. Sie inspiriert mich gerade total. Gestern Abend lag ich im Bett und habe mir schon überlegt, welche meiner Klamotten ich noch tragen kann, wenn ich mich wie Casey style. Ich überlege schon länger, etwas mit meinen Haaren zu machen, ich will sie aber nicht einfach nur kurz schneiden. Ich glaube, wenn ich eine Typveränderung mache, dann will ich auch androgyn rüberkommen, weil ich Menschen wunderschön und spannend finde, die gleichzeitig sehr weiblich und sehr männlich wirken. Und was mir an Casey super gefällt, ist, dass sie nicht die ultracoole Butch raushängen lässt, sondern viel lacht und sich auch weich gibt.

Und klar, ich möchte andere auch nicht kopieren, ich bin ich, und Casey ist so cool, weil sie was Eigenes macht, aber ich würde riesig gerne wissen, ob ihr sie auch so hot findet!

Und an alle Lesenden, die mich auch in echt kennen: würde mir ihre Frisur stehen? Casey ist jedenfalls mein größter Crush seit Jon Bon Jovi!

Schreib-Weisheiten


Mein erster Schreibprofessor brachte uns Anfang des vergangenen Jahrzehnts bei: SchreiberInnen brauchen Ausdauer und Beharrlichkeit (zu englisch: Perseverance; der ganze Spaß fand in den USA statt). Er habe sehr talentierte Schreiber scheitern sehen, weil sie keine Perseverance hatten. Erfolg beim Schreiben bestehe zu 20% aus Talent und zu 80% aus Perseverance. Nun ist ja Ausdauer etwas, mit dem sich Männer gerne in Dating-Portalen schmücken, berichtete mir eine Freundin. Fast alle angemeldeten Männer bezeichnen sich als ausdauernd, und wir können uns wahrscheinlich alle vorstellen, in welcher Hinsicht ausdauernd, oder? Das nur nebenbei.

Der Professor sagte auch: „get in bed with failure“. Also, hab Sex mit dem Scheitern, gewöhn dich ans Scheitern. Als SchreiberIn wirst du immer wieder scheitern. Sagt er.

Ich finde, dass diese beiden Weisheiten zusammen genommen ziemlich hilfreich sind. Also einerseits Beharrlichkeit und Ausdauer zu haben und andererseits das Scheitern als natürlichen Teil des Schreibens zu sehen. Wobei ich „Scheitern“ viel zu negativ finde und eher von Rückschlägen, die einen weiterbringen können, reden würde.

Ich interpretiere das für mich so: Ich brauche Geduld, ich muss warten können, bis eine Geschichte oder eine Figur oder eine Szene fertig ist. Ich brauche Beharrlichkeit, um mich immer wieder hinzusetzen, obwohl ich diese eine Szene schon fünfzig Mal überarbeitet habe und nicht weiß, ob ich heute eine bessere Version hinbekomme. Ich brauche Vertrauen, dass es schon irgendwie wird. Ich brauche Uneitelkeit, um eine Szene oder Figur, die doch nicht funktioniert, loszulassen. Ich brauche Zeit, um dasitzen zu können, bis ich endlich das richtige Wort für etwas finde, und es ist eben keine verschwendete Zeit, wenn ich eine Stunde brauche, um zwei Sätze so zu überarbeiten, dass sie endlich fließen (sage ich mir zumindest).

Und damit komme ich zur nächsten Schreibweisheit: „Sie müssen es fließen lassen“, sagten mir unabhängig voneinander zwei Frauen, die sich sehr für Autoren interessieren und für sich selbst schreiben. Irgendwie kriege ich die Krise, wenn dieser Satz mir mit aufgerissenen Augen und einer theatralischen Handbewegung präsentiert wird, als wäre er die Lösung meiner Schreibprobleme. Es fließen zu lassen erinnert mich an Toilette und schlechte Eso-Workshops. Was sie meinen, glaube ich, ist Schreiben nach Gefühl oder einer inneren Stimme, ohne so sehr den Kopf einzuschalten. Fließen lassen erinnert mich an (und ich dachte nicht, dass ich jemals dieses blöde Hildesheimer Wort verwenden würde, aber hier passt es) GENIEÄSTHETIK, nach der ein Autor sich hinsetzt und einen Roman in einem Rutsch runterschreibt so innerhalb einer Woche, dass es nur noch ein paar Schönheitskorrekturen bedarf, und fertig ist der neueste Beitrag zur Weltliteratur. Ich arbeite eher so, dass ich da sitze und die Worte hin und her drehe bzw. warte, bis ich passende Wörter finde. Das passiert gerne auch mal auf der Toilette (insofern passt fließen lassen wieder) oder wie heute beim Wäscheaufhängen.

Die vierte Schreibweisheit heißt also: viel trinken und bei Bedarf Wäsche waschen.

doch kein Spam


Heute war eine Nachricht im Spamordner mit dem Titel: „Ihr Förderantrag“, doch der Absender ließ mich aufhorchen. Ich erinnerte mich, da mal etwas hingeschickt zu haben, ich öffnete die Mail und scannte sie – wie alle anderen Schreiben von Förderungen und Wettbewerben – nach den Worten „leider“ oder „nicht“. Diese Worte gab’s nicht, also las ich die ganze Mail, und da stand, dass sie für mein Romanprojekt eine Förderung von 1.500 € bewilligt haben und dass der Kassenwart sich mit mir in Verbindung setzen wird. Ich flipp aus. Das erste Geld für meinen Roman, das erste Stipendium!

Was mach ich mit dem Geld?

Das erzähle ich sofort meinem Mentor morgen.

Habe ich das verdient?

Das kommt sofort in meinen Lebenslauf.

Wie sag ich’s meinen Schreibkolleginnen? Sag ich’s ihnen überhaupt?

Es ist unwirklich.

Und jetzt, Stunden später, ist es immer noch ein bisschen unwirklich, ich freue mich, und natürlich ist es eine Bestätigung meiner Arbeit, gleichzeitig könnte ich mir wieder schöne Geschichten ausmalen, wie denen ein Fehler unterlaufen ist oder dass sie zum Jahresende noch Geld loswerden mussten, genau.

Ich glaube, ich hänge gerade nicht mehr so sehr davon ab, ob andere meiner Arbeit ein Gütesiegel verpassen. Ich bin natürlich hier, um zu lernen. Morgen im Mentorat wird der Professor mir die lektorierte Fassung meines Romananfangs präsentieren und die Blätter werden furchtbar vollgemalt aussehen, wie das eben beim Lektorat so ist, ich bin gespannt, ob er etwas zu der Frauenerotik im ersten Kapitel sagt, und was er an den Figuren- und Raumskizzen gut findet. Ich freue mich auf ein anregendes, respektvolles Gespräch und habe etwas Angst davor, weil ich mir dabei verletzlich vorkomme.

Aber ich weiß auch, dass ich mit dem, was ich bisher geschrieben habe, sehr viel anfangen kann, es ist noch längst nicht fertig, aber es hat eine Stimme, ein Anliegen und eine Dringlichkeit und es fühlt sich so an, als ob der ganze Roman, die ganzen Figuren schon irgendwo in mir sind, ich muss sie nur nach und nach erkennen. Oder so.

Romane austragen


Ich stelle mir unseren Jahrgang im Masterstudiengang Literarisches Schreiben gerade als eine Gruppe von Schwangeren vor. Wir sitzen alle mit unseren Riesenbäuchen im Blauen Salon (Seminarraum) und reden in leisem, bedächtigen Ton über unsere Projekte, erzählen, wie wir uns fühlen, wie weit wir schon sind, wie weit das Projekt im Bauch ist, was es noch braucht, und dass manche kaum noch die Treppen hochkommen und wir fühlen uns alle miteinander verbunden und unterstützen uns gegenseitig und singen vielleicht etwas gemeinsam oder meditieren zusammen. Welche Kraft und welche Wärme daraus entstehen könnte.

Ich fühle mich schon seit ich hier bin schwanger mit meinem Romanvorhaben, und das ist toll, weil ich vielleicht nie mit einem Baby schwanger sein werde, aber jetzt trotzdem weiß, wie sich das anfühlt, wie man damit lebt. Es ist ein Geschenk. Mich riesig freuen, alles dafür tun, damit es dem Baby gut geht, zuschauen, wie es wächst und sich verändert, daran verzweifeln, hoffen, sich wieder riesig freuen. Mit meinem Mentor über meine Fortschritte reden, ihm Skizzen mailen und vor dem nächsten Termin zittern, seine Diagnose ersehnen und fürchten, aber tief drinnen fühlen, dass alles gut ist und ich – wir – auf dem richtigen Weg sind.