Warum ich aufgehört habe Tiere zu essen


Ich war fünf, als ich aufhörte Tiere zu essen. Das war, als ich begriff, dass „Fischstäbchen“ nicht einfach nur ein Name ist, sondern tatsächlich Fisch enthält. Und dass eine Bratwurst aus Tieren gemacht wird. Dass auf dem Teller also tatsächlich Teile eines ehemals lebendigen Tieres liegen. 

Die Erkenntnis, dass ein Schnitzel, eine Wurst, ein Fischstäbchen aus Tieren hergestellt ist, war ein Schock für mich. Mit fünf wusste ich noch nichts von Massentierhaltung oder dem Schlachten von Tieren. Ich kannte glaube ich nur Tiere allgemein, also Katzen, Hunde, Kanarienvögel, Hasen, Hennen.

Aber ab da wollte ich keine Tiere mehr essen. Ich hatte sogar Angst, dass das Stück Fleisch auf dem Teller plötzlich wieder lebendig wird und mir vom Teller hüpft. Wie gesagt, ich war fünf. Eine Weile habe ich bei unseren Grillausflügen noch Bratwürste gegessen, vielleicht, weil es für mich einfach dazu gehört hat.

Die ehrliche Antwort, warum ich aufgehört habe Fleisch zu essen, ist also: weil ich Angst hatte, dass das tote Tier plötzlich wieder aufersteht.

Aus dieser Angst vor einer tierischen Wiederauferstehung hat sich ein Ekel vor Fleisch entwickelt. Ich mag es nicht anfassen, nicht zubereiten, zum Teil nicht einmal riechen. Manche Metzgereien riechen für mich nach Tod, der Geruch von frisch angebratenem Hackfleisch löst Kopfweh bei mir aus, eine Wohnung voller Schweinebratengeruch möchte ich gar nicht betreten.

Gleichzeitig bin ich kulinarisch sehr neugierig, und so wollte ich in den USA unbedingt einen Truthahn probieren. Leckerst! Wenn meine Mama Hähnchenbrust im Ofen in Tomatensoße schmort, schmeckt das auch vorzüglich. Eine Brühe aus Markknochen gehört zum Köstlichsten, was ich je gegessen habe. Kürzlich war ich mit Fleischliebhabern in Berlin unterwegs und habe unter anderem ein Schweinenackensteak und Lammschaschlik probiert. Es hat  lecker und knusprig geschmeckt. Wenn ich Fleisch esse, ist das jeweils nur eine etwa daumennagelgroße Menge. Mehr kann ich nicht.

Mein Ekel vor Fleisch kommt eben von dieser Wiederauferstehungsphantasie, aber auch davon, dass es unserem menschlichem Fleisch so ähnlich ist. Wenn ich ein Stück Fleisch esse, ist es, wie wenn ich in menschliches Fleisch beiße. Man kann natürlich einen Menschen bei unterschiedlichen Gelegenheiten beißen, als Kind den kleinen Bruder, weil er mir etwas kaputtgemacht hat, als Erwachsene die Geliebte beim Sex. Aber wir kauen menschliches Fleisch nicht. Wir zerschneiden es nicht und spießen es nicht mit der Gabel auf. Und genau dieser Umgang – das Kauen, Zerschneiden, Aufspießen – fühlt sich für mich falsch an.

Natürlich lehne ich das Töten von Tieren, Massentierhaltung und die Ressourcenverschwendung dabei ab. Natürlich finde ich vegetarische und vegane Gerichte oberlecker. Aber Vegetarierin bin ich geworden, weil ich als Kind eine lebhafte Phantasie hatte, und weil ich heute nicht zwischen menschlichem und tierischem Fleisch trennen kann. Ich bewundere alle Menschen, die nicht aus einem Ekelgefühl heraus, sondern aus moralischen Gründen auf Fleisch und / oder andere tierische Produkte verzichten.

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