Welcome home


Gestern überkam mich hier zwei Mal das Gefühl von zuhause.

Das erste Mal war bei Lidl in der Nähe meiner neuen Wohnung. Der Lidl sieht ganz genauso aus wie ein Lidl in Stuttgart, zu dem ich ab und zu gehe. Als ich den Lidl hier betreten habe, war ich für einen Moment zuhause in Stuttgart und habe außerdem einen Wäscheständer dort gefunden. Danke, lieber Lidl. Zuhause fühlen bei Aldi geht nicht, denn hier sind wir in der Aldi-Nord-Zone sind, so dass die Produkte ganz anders aussehen als bei Stuttgart in Aldi-Süd-Territorium.

Während der letzten zwei Wochen in der neuen Stadt, als ich zuerst bei einer Kommilitonin und danach in einer Gästewohnung gewohnt habe, konnte ich es kaum erwarten, eine eigene Wohnung zu haben, Zeug beim Trödel zu kaufen, Lebensmittel anzuschaffen und die Wohnung zu putzen. Gestern war der Tag, an dem ich all dies endlich tun durfte, und es hat sich gar nicht toll angefühlt.

Die neue Wohnung roch ganz leicht nach Rauch, es gab beim Trödel nicht mehr so superschönes Geschirr, sondern nur noch ok Geschirr, und ich habe Putzzeug, eine Energiesparlampe, Nudeln, Olivenöl, einen Wäscheständer, Klopapier, Zewa und noch ganz viel mehr geschleppt und wusste: noch sehr lange werde ich Einkaufslisten abarbeiten und Zeug durch die Gegend tragen. Und natürlich denke ich bei jeder Klobürste, jedem Topfschwamm, jedem Paket Nudeln: hm, brauche ich das jetzt schon, oder kaufe ich es besser woanders oder zu einem günstigeren Preis? Ich hatte Angst vor der nächsten Zeit, wenn alles noch provisorisch ist, ich keinen Kleiderschrank habe, keine Mülleimer, keine Lampe im Bad. Ich wollte aber auch nicht zurück nach Stuttgart, weil ich mich davon schon verabschiedet habe.

Und als ich dann vom zweiten Einkaufstrip vollbeladen in den 4. Stock geklettert bin, roch es in meiner geputzten, leeren Wohnung schon ein klein weniger fremd, und ich war froh und fühlte mich ein bisschen zuhause. Merke: Zuhause ist, in ein Bett zu fallen, das nicht wochenweise vermietet wird, sondern erst einmal nur für mich ist. Irgendwie dachte ich, ich müsste mich ca. 5 Minuten nach Ankunft in Hildesheim zuhause fühlen und 10 Minuten später gute Freunde gefunden haben. Nun merke ich, dass es etwas länger dauert, und dass es am Anfang nur einzelne Momente des Zuhause-fühlens sind. Und das ist ok so.

Fühlt ihr euch eigentlich zuhause zuhause? Oder eher woanders zuhause? Habt ihr ein oder mehrere „Zuhause“?

Mein neues Viertel, die Hildesheimer Nordstadt, ist übrigens alternativ und vergleichbar mit dem frühen Kreuzberg, meinte heute eine Kollegin aus der Heimat, die hier studiert hat. Yeah.

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letzte Gelegenheit


Habt ihr’s auch schon gehört? Am 31.12.10 schließen die Läden in der Stadt für immer. Letzte Gelegenheit also, einkaufen zu gehen. Danach gibt’s nichts, aber auch gar nichts mehr. Finito.

Wie, ihr glaubt mir nicht? Ihr denkt, das kann nicht sein?

Also ich war heute in der Innenstadt.

Ja, ich wollte shoppen gehen, nachdem ich aufgrund von Krankheit meiner Kollegin heute spontan arbeiten ging. Wollte mal gucken, was es in den Läden so gibt.

Menschen gibt es. Tüten mit eckigen Gegenständen, die sie mir in die Wanden rammen, als wir im Gänsemarsch Richtung Ausgang mehr auf der Stelle treten als gehen. Koffer gibt es, die Menschen im H&M hinter sich herziehen. Unentschlossene Familien, die abrupt stehen bleiben und den ganzen Strom straßenaufwärts blockieren, gibt es. Neue Staubsauger, reduzierte Hosen, Glühweingeruch, Schneematsch und die Putzleute, die vergeblich versuchen, den Eingang wenigstens für eine Millisekunde frei von Fußabrücken zu halten.

Da ich keine Zeitungen lese und keinen Fernseher habe, habe ich bestimmt die offizielle Meldung verpasst, dass die Läden am 31. Dezember 2010 für immer schließen. Aber ich habe keine andere Erklärung. Zumindest Hosen und Staubsauger wird man nicht mehr kaufen können.

Geflüchtet bin ich heute, ins Kino. The Tourist. Findet ihr eigentlich auch, dass Angelina etwas hager aussieht?

Guten letzten Einkauf noch!

von Lesben und Frauen


ich glaube, so etwas wie einen freien Willen haben wir Frauen nicht, oder? Wir sind keine selbstbestimmten Wesen, sondern nur von unseren Reproduktionsorganen und Männern gesteuert.

Es ist doch für uns Lesben so: wenn du am Anfang deines Coming Outs stehst und was mit Frauen anfängst, heißt es: „hattest du schonmal nen Freund?“ (das heißt es eigentlich später auch immer wieder) oder „du bist noch nicht dem richtigen begegnet“ oder „das ist vielleicht bei dir auch noch nicht so festgelegt“ (O-Ton meine Mutter). Hm. Kann man ignorieren. Aber unterschwellig heißt es ja, dass dein Interesse für Frauen hinterfragt wird. Bzw. dein Desinteresse an Männern. „Bist du dir wirklich sicher, dass du nichts von Männern willst?“

Auch die anderen Lesben wollen ja mit sogenannten Bi-Frauen gar nichts zu tun haben – und bi bist du irgendwie schon, wenn du mal nen Mann nackt gesehen hast und nicht schreiend davongelaufen bist. So. Irgendwann hören diese Fragen vielleicht mal auf. Du bist mit Frauen zusammen. Willst Frauen. Findest es total klasse. Wirst verletzt, verliebst dich wieder, und so weiter.

Und irgendwann verliebst du dich vielleicht in einen Mann. Ja, die Frauen, die sich in meinem Umkreis in einem Mann verliebt haben, waren durchschnittlich 32,41 Jahre alt. So alt wie ich gerade. Und die meisten Freunde, Außenstehende, erklären dieses sich in einen Mann verlieben mit der biologischen Uhr. So als ob sie ihr Abtrünnigsein entschuldigen wollten. „Sie kann ja nichts dafür. Die Natur ist stärker.“

Bullshit! Dürfen wir uns vielleicht einfach verlieben in wen wir wollen? Ohne dass jemand unsere Gefühle hinterfragt oder für uns erklären oder entschuldigen will? Können wir bitte einfach mal etwas NICHT in Bezug auf Männer machen dürfen?

Es ist doch so: wenden wir uns von den Männern ab, finden das die Leute komisch, und wenn wir uns den Männern wieder zuwenden, ist es auch irgendwie nicht recht.

Hallo?!

Lasst uns einfach sein.

Hellsehen


Aaaalso.

Ich hab Tarot probiert. Astrologie. Numerologie. Feng Shui. Küchenpsychologie. Philosophie. Und ganz viele Freunde gefragt, und selbst auch ein bisschen nachgedacht.

Aber was mach ich nur mit ihr? Ihr = die Ex, die vielleicht ihren Ex-Status verlieren soll.

Mein Problem mit Entscheidungen ist, dass ich glaube, es gäbe EINE richtige Entscheidung. Diese Entscheidung gilt es, mit dem Denken, mit Tarot, Astrologie, … etc zu ermitteln. So nach dem Motto: wenn ich nur lange genug nachdenke, abwäge, analysiere, fühle, werde ich wissen, was die richtige Entscheidung ist.

Aber das wäre Hellsehen.

Es gibt keine richtige Entscheidung, die man im Voraus erkennen kann. Es stellt sich immer erst im Nachhinein heraus, welche Entscheidung richtig oder falsch war. Und dann kann man eigentlich nicht von richtig oder falsch sprechen.

Eine richtige Entscheidung ist die, die man getroffen hat. Ich für mich bin froh, wenn ich eine Woche lang dieselbe Meinung über eine Sache habe. Z.B. als ich aus meiner alten Wohnung ausgezogen bin. Da habe ich ewig überlegt, und habe immer wieder meine Meinung geändert. Am Stuttgarter Bahnhof klebt in Leuchtbuchstaben ein Spruch von Hegel: „… dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum ist“. Ja, ewig zaudern bringt auch nichts, aber man kann auch nicht einfach drauflos und kopflos alles umschmeißen.

Und jetzt mit der Ex: sie ist nicht die Frau, die ich mir für eine Beziehung vorgestellt habe. Aber ich mag sie sehr und denke manchmal, dass auch etwas, das abseits meiner Vorstellungen und Erwartungen ist, sehr gut und schön sein kann. Aber bin ich bereit für eine lockere Beziehung mit einer Frau, die sich nicht binden will, die über ihre Gefühle nicht so spricht… Ist es zuviel Arbeit? Wieweit bin ich bereit, frustriert zu sein, mich zu ärgern, nicht die Kuscheleinheiten zu bekommen, die ich mir wünsche und ein Stück weit in einer Beziehung auch erwarte… In wieweit bin ich bereit, mich selbst in Frage zu stellen…

Reicht es zu denken, dass wir eine gute, tolle Beziehung haben könnten, wenn wir die vielen Dinge geklärt haben? Wenn sie endlich eingesehen hat, dass sie doch eine Beziehung will. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass nicht nur sie das Problem sein kann (ach nee!) Wie sang doch der gute Michael:

I’m starting with the man in the mirror
I’m asking him to change his ways
And no message could have been any clearer
If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make a change

My thoughts on Wirtschaftskrise


Abgesehen davon, dass ich das Wort W-Krise nicht mehr hören kann, abgesehen davon, dass ich an die Krise nicht glaube…

Die Banken wünschen sich bei einem größeren Kredit, dass der Antragssteller eine Festanstellung hat und aus der Probezeit raus ist. Die Vermieter wollen natürlich auch, dass man in einer unbefristeten Beschäftigung ist. Klar, ich würde auch gerne mal mit Gisele Bündchen schlafen, aber leider ruft sie nie zurück.

Unbefristet Beschäftigte, die nicht von Kurzarbeit betroffen sind, die mehr als 1300 Euro netto verdienen, und die von heute aus gesehen bis zur Rente bei ihrer Firma bleiben können, sind wie Supermodels. One in a million. Das macht uns die W-Krise bewusst.

Wenn mir jemand etwas gibt, Geld leiht oder eine Wohnung vermietet, will er sich sicher fühlen. Sicher, dass ich die Rate oder die Miete zahlen kann. Und der Banker, der mich wegen einer Kreditanfrage berät, ist sicher so ein Supermodel. Der denkt, naja, so viel verlangt ist das doch nicht, ein unbefristeter Job.

DOCH, ist es. Sogar Ingenieure werden befristet eingestellt. Sogar die Stadtverwaltungen befristen ihre Neueinstellungen, zwar bis zum 1. Juli 2012 oder dem 25. August 2016 (der Banker denkt dabei wahrscheinlich: schön blöd, wer sich auf einen 3-Jahres-Vertrag einlässt).

Und let s face it: die Wirtschaftskrise hat nicht alles unsicherer gemacht. Es war alles schon immer unsicher. Die Krise hat es uns nur gezeigt. Im Leben ist nicht nur der Jobverlust das größte Risiko. (obwohl gerade alle so tun, als wäre es das). Es gibt noch Krankheit, Unfall, Liebesentzug, Einsamkeit, Obdachlosigkeit, Mangel an Ideen und Visionen.

Wenn ich meinem Banker sagen würde, meinem Supermodel: „hey, ich hab nur befristete Verträge, einer davon ist eine Honorartätigkeit, aber ich konnte bisher immer meine Miete gut bezahlen.“ Oder: „ich habe viele Kontakte, so dass ich bald wieder etwas Neues finde, wenn ein Vertrag mal endet. Mir fällt immer was ein.“

Was fällt dem Banker ein? Der guckt mich kurz an, ob meines selbstbewussten Auftretens, als hätte er gerade ein Einhorn gesehen, greift zu seinem Taschenrechner und sagt: „tut mir leid, bei diesem Einkommen kann ich Ihnen keinen Kredit geben. Aber es spricht ja für Sie, dass Sie so ehrlich sind.“

Jeder will Sicherheit. Aber die gibts nicht. Die Personalchefs wollen Studienabschlüsse und Zertifikate und Weiterbildungen und 5 Jahre Berufserfahrung, und anschließend, wenn er nicht aufpasst, kriegt sich die neue Kollegin mit einer alten in die Haare, weil diese aus einem Dorf stammt, das mit ihrem Heimatdorf verfeindet ist. Oder die Kandidatin mit 5 Jahren exakt passender Berufserfahrung hat ein Gedächtnis wie ein Sieb. Mir sagte mal ein Chef, dass er keinen türkischen Mitarbeiter einstellen kann, da einer seiner Kollegen Albaner ist. Mir sagten Vermieter, ganz im Vertrauen: „Und das mit den Ausländern hält sich hier wirklich in Grenzen“. Sie dachten, es würde für die Wohnung und für sie als Vermieter sprechen. Tja.

Jeder will Sicherheit. Aber wie schon John Lennon sagte: Life is what happens to you while you re busy making other plans. (Leben ist das, was dir passiert, während du andere Pläne schmiedest)

Philosophie Lektion 1


Ich vertrete nach wie vor die Auffassung, dass eine Frau kompatibler mit mir ist, wenn sie irgendwann mal ein Logik-Proseminar absolviert hat und mindestens mit „ausreichend“ bestanden hat.

Ich weiß, nicht jeder kommt so einfach in den Genuss eines Logikseminars. Deshalb werde ich ab jetzt in loser Folge kleine Einheiten Logik präsentieren. Pflichtlektüre für alle Frauen, die mit mir ins Bett wollen. Ich kann irgendwie das Philosophie-Studium nicht mehr aus meinem Leben und meiner Denkweise löschen…

Lektion 1:

Wahrheitstheorien. (Ach ja, das Folgende ist übrigens nicht zitierfähig, und außerdem gehe ich kreativ mit den Fragmenten meines mal zusammengetragen rhapsodischen Wissens von vor 4 Jahren um)

Die Korrespondenztheorie der Wahrheit besagt, dass ein Begriff sich auf etwas Eindeutiges, Reales bezieht. Wenn ich also „Stuhl“ sage, gibt es auch etwas, das ein Stuhl ist. Ist eigentlich klar. Aber was macht man mit so Begriffen wie „Seele“? Oder „Sein“, „Rot“,… „Beziehung“? Bei dem Begriff Stuhl ist klar, was damit gemeint ist. Aber was bedeutet Seele? Gibt es überhaupt eine Seele? Was ist denn das Sein? Kann man es anfassen?

Die anderen zwei Wahrheitstheorien kann ich gerade nicht beim Namen nennen…

Der überaus geniale und küssenswerte Philosoph Wittgenstein (er verschenkte in jungen Jahren sein gesamtes Vermögen) sagte: weil es diese Beziehung zwischen Begriff und Gegenstand gibt (Begriff Stuhl zum realen Stuhl) glauben wir, dass, sobald es einen Begriff gibt, es auch einen entsprechenden Gegenstand dazu geben muss. Weil es das Wort Seele gibt, glauben wir, dass es eine Seele geben muss. Sonst hätten wir ja kein Wort dafür. Aber wer weiß denn, ob es eine Seele gibt? Und wenn ja, was ist sie, was bedeutet sie, was macht sie? Er nennt das „die Verhexungen unseres Verstandes mit den Mitteln der Sprache“: Unser Verstand wird also verhext, weil er dazu verleitet wird, Dinge anzunehmen, die es vielleicht gar nicht gibt. Oder auch zu denken: ok, ich weiß, was mit diesem Begriff gemeint ist.

Ich übertrage das auf das Wort Beziehung. Die Dame, die ich bis vor kurzem gedatet hatte, wollte keine Beziehung. Ich war mir noch nicht sicher, ob ich eine Beziehung mit ihr will, aber schloss Beziehungen schonmal nicht kategorisch aus. Sie wollte keine Beziehung. Punkt. Dabei ist doch wichtig, was man unter einer Beziehung versteht. Ob Beziehung bedeutet, dass man sich fünf Mal die Woche sieht und nach zwei Monaten zusammenzieht. Oder ob man sich ein bis zweimal die Woche sieht. Man muss sich darüber verständigen, was für beide das Wort Beziehung bedeutet. Aber vielleicht war ihr das schon wieder zuviel Gefasel und drumrum-Reden – denn für sie war ja die Sache klar: keine Beziehung.

Ich weiß nichtmal, ab wann man merkt, dass man eine Beziehung hat. Ob eine Beziehung immer Monogamie und Nähe bedeutet. Ob sie Liebe beinhalten muss. Langsam hasse ich das Wort Beziehung. Weil wir uns immer darüber uneinig waren. Sie sagte, dass sie keine Beziehung will, hat mir aber unterstellt, dass ich eine will und in sie verliebt bin. Thanks for figuring me out – the wrong way. Sie glaubt zu wissen, was ich denke, und nutzt diesen Umweg gleichzeitig, um in mein Verhalten Dinge reinzuinterpretieren, die sie wiederum so auslegen kann, dass es nichts mit uns wird. Hey, man könnte fast meinen, sie hat Philosophie studiert.

Logik


Ab sofort kommen mir nur noch Frauen ins Bett, die irgendwann mal, z.B. im Rahmen des Philosophie-Studiums, ein Proseminar in Logik gemacht haben. Und die Klausur bestanden haben. Krass?

Wie kann man eine Beziehung führen mit jemandem, der nur A und B kennt. Der sagt, wenn du nicht A sagst, meinst du B. Ok, Beispiel:

Die Frau, die ich datete, sagte mir gestern: „ich bin nicht in dich verliebt, deshalb kann ich nicht mehr mit dir schlafen.“

Ich sage:  „ich kann nicht mit dir platonisch befreundet sein (nein, platonisch habe ich nicht gesagt, da sie dieses Wort nicht kennt, genausowenig wie PMS: ich sagte: nur so mit dir befreundet sein), da wir miteinander geschlafen haben und ich dich als Liebhaberin/Freundin sehe. „

Sie sagte: „Also ging es dir doch nur um Sex.“

Ich sagte: „Nein!“

Also: Sex plus Freundschaft ergibt … hm, eine Affäre, eine heiße Freundschaft, den Beginn einer Beziehung vielleicht. Friends with benefits.  Wenn man dann das eine Element, in unserem Fall Sex, herausnimmt, abzieht, heißt das nicht, dass nur Freundschaft übrig bleibt. An der „Freundschaft“ hängt noch die Erinnerung an Sex, und an die Nähe mit dieser Person.

Ihr ist Sex nicht so wichtig. Sie braucht das nicht so. ICH AUCH NICHT, auch wenn ich hier ständig davon schreibe. Aber ich muss Sex auch nicht meiden wie andere Leute Kohlehydrate. Aber das nur am Rande.

Hätte sie besagtes Logik-Proseminar besucht, könnte sie vielleicht solche Feinheiten nachvollziehen: dass A plus B mehr ist als die Summe seiner Teile. Man lernt dort z.b.:

  1. Der Satz „Nicht alle Vögel sind schwarz“ bedeutet nicht unbedingt, dass einige Vögel weiß sind.
  2. „Kein Vogel fliegt“ bedeutet das gleiche wie „Alle Vögel fliegen nicht.“
  3. „Einige Vögel zwitschern“ heißt nicht, dass die anderen Vögel schweigen…

An die Frau, die ich datete: ja, es ging mir „nur“ um Sex. Es ging mir um die Nähe, die ich dabei zu dir hatte. Wie kann ich jemals so tun, als wärst du eine normale Freundin, als wüsste ich nicht, wie sich die Haut zwischen deinen Brüsten, wie sich deine Zunge anfühlt? Wie groß und strahlend deine Augen sind, wenn du neben mir liegst?

Und abgesehen davon: Sex macht einfach zuviel Spaß, um ihn zu lassen! Besonders wenn man jemanden hat, mit dem man sich gut versteht. Kuscheln würde sie übrigens noch mit mir. Das kann ich aber wiederum mit ihr nicht, ohne total scharf zu werden. Kuscheln geht bei mir nur mit schwulen Freunden.

Äh, das wird mir jetzt auch zu durcheinander; ich sollte mich zum Wintersemester zu einem Logikseminar an der Uni anmelden. Und mir dabei gleich die passende Frau suchen.