Schrotthandys im Literaturbetrieb


Gestern im Seminar habe ich erfahren, dass ich ein Lubit (oder so ähnlich bin). Ich sage schon einmal gleich, dass ich das Wort falsch verstanden habe und keine Ahnung habe, wie es richtig heißt.

Im Seminar ging’s unter anderem um den Literaturbetrieb und die LeserInnenn. Diese lassen sich in verschiedene Segmente fassen, was uns der Dozent am Beispiel des Smartphones erklärt hat.

  • Die Innovatoren erfinden das Smartphone.
  • Dann kommt die Avantgarde, die als Multiplikator fungiert. Die Avantgarde ist also begeistert vom Smartphone und erzählt allen davon.
  • Das Smartphone kommt beim frühen Mainstream an, also denen, die vor dem Gravis Store übernachten, wenn das neue Smartphone herauskommt, obwohl sie es fünf Wochen später über Amazon bestellen können.
  • Dann breitet es sich auch auf den späten Mainstream aus. Spätestens dann wird das Smartphone zum Bestseller.
  • Und dann kommen die Lubiten-oder-so-ähnlich. Sie verweigern sich dem Neuen und greifen das Smartphone als letztes auf, und zwar genau dann, wenn es keine anderen Handys mehr gibt. Stellt euch hier ein Foto von mir vor (natürlich mit einer analogen Kamera aufgenommen, im Fotolabor entwickelt, eingescannt und hochgeladen).

Ich wusste schon lange, dass ich mir erst ein Smartphone kaufen werde, wenn es keine anderen Handys mehr gibt, und dann auch erst, wenn meine ganzen anderen gebrauchten Handys kaputt sind. Aber es ist toll, einen – wenn auch falsch verstandenen –  Namen für dieses Phänomen zu haben. Meine Seminarkollegen kann ich zum richtigen Namen übrigens nicht befragen, denn sie haben auf ihren Zetteln gemalt, auf ihren MacBooks geklimpert, die Smartphones bedient und Haarspitzen auf Spliss kontrolliert.

Der Dozent meinte, wir sind die Innovatoren, wir Literarisches-Schreiben-Studenten. Aha. Auch das ist interessant zu wissen. Und wir müssen dann die Multiplikatoren von unserem literarischen Smartphone überzeugen. Natürlich hat er das nicht als ultimative Weisheit ausgegeben, sondern nur ein Modell, und ich nehme das mit diesem Blogartikel schon viel zu ernst. Aber kann ich wirklich eine literarische Innovatorin sein, wenn ich handymäßig eine Neuheiten-Verweigererin bin?

Mein Handy ist ein Nokia 3410 mit schwarz-weißem Display und analogen Klingeltönen. Ich habe es mir 2005 neu gekauft, da war es schon mehrere Jahre auf dem Markt. Es hat ich weiß nicht wie viele Stürze aus 1,50 m Höhe sowie zwei neuere Nokia-Modelle mit polyphonen Klingeltönen (die Halloween-Titelmelodie!!) und Kamera überlebt. Das eine ging an ein bisschen Wodka auf einer Party zugrunde nach nur einem halben Jahr gemeinsamen Weges, das andere verabschiedete sich mit einem permanenten weißen Bildschirm nach 1,5 Jahren. Also bin ich zum ersten Nokia zurückgekehrt. Eine andere Masterstudentin rief, als ich vor Seminarbeginn kürzlich mein Handy checkte, begeistert aus: „cool, auch ein Schrotthandy!“ und legte ihres, das aus der gleichen Epoche stammen dürfte, daneben. Yeah.

Meine Freunde – Multiplikatoren bzw. früher Mainstream – sagen, dass ihr i-phone super zum Surfen, für Apps, für so ziemlich alles ist, man nur nicht gescheit damit telefonieren kann. Einer ist wieder zu seinem alten Handy zurückgekehrt. Was nützt mir also ein innovativer Text, wenn ich die Zeichen nicht lesen kann (ich suche noch nach der richtigen Analogie)?

Ich denke, mein Roman wird thematisch etwas neues darstellen, aber meine Erzählweise wird klassisch sein. Ja, ich will eine Geschichte erzählen und die Menschen unterhalten und berühren, und wenn ich mich hier umsehe, habe ich Angst, dass so etwas für die anderen ein Schrotthandy ist. Dafür können Schrotthandys auch ziemlich unverwüstlich sein.

Mein Roman wird über dem Niveau eines Heftromans sein (das sind die für € 1,50 in den Bahnhofsbuchhandlungen) und sprachlich gewandter als 50 Shades of Grey ausfallen, kürzere Sätze als bei Thomas Mann, dafür eindeutigere homoerotische Tendenzen aufweisen, und ob Elke Heidenreich beim Lesen meines Romans weint oder nicht (ich finde die Frau klasse, keine Frage), ist beim Schreiben jetzt auch noch kein Kriterium.

Ich will einfach mein eigenes Ding machen, und ob ich dabei konservativ (warum hat unser lieber Dozent eigentlich nicht einfach dieses Word anstatt des komischen L-Wortes verwendet) oder innovativ oder sonstwas bin, ist mir jetzt mal egal.

Wie alt sind eure Handys? Habt ihr nun auch Lust, euch für den Master hier zu bewerben 🙂 ? Und wie ist eure Meinung zu Elke Heidenreich?

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Bist du meine neue Wohnung?


Die letzte Wohnung, die ich in der neuen Stadt besichtigt habe, war 15 Quadratmeter groß. Wir reden hier nicht von einem WG-Zimmer, sondern von einer kompletten Wohnung. In meiner Heimatstadt war mein Arbeitszimmer 15 Quadratmeter groß, ich konnte mir nicht vorstellen, wie man eine Wohnung darin unterbringen kann, also habe ich einen Besichtigungstermin ausgemacht. Hohe Decken, hohe Fenster mit Blick auf den Garten und auf eine urban anmutende Backsteinmauer, Tomaten vor dem Fenster. Das Bett war natürlich in der Höhe eingebaut, darunter ein ordentlich großes Bad. Eine kleine Küchenzeile mit Bartisch und -Hockern, ein Schreibtisch und sogar ein Sessel passten in den Rest des Kleinods. Es war eine der charmantesten Wohnungen, die ich je gesehen habe, und für einen kurzen Moment überlegte ich: Bist du meine neue Wohnung? So etwas Originelles, dann könnte ich mich auch originell und künstlerisch fühlen. Genau, wie eine Künstlerin im Schlafwagenabteil, nur dass sie da nicht nach 10 Stunden aussteigt, sondern dort WOHNT. Die derzeitige Bewohnerin ist eine der nettesten Menschen, die mir auf meiner Wohnungssuche begegnet sind. Wirkt gar nicht geduckt oder eingeengt, sondern fröhlich, authentisch, offen.

Ich denke oft, mit der Wahl meiner Wohnung ein Statement zu machen, mich irgendwie toll darzustellen. Ich denke zum Beispiel: hey, wenn ich in diese Siff-WG ziehe, kann ich hinterher sagen, ich habe in einer Siff-WG gelebt und mich über Rauch in der Küche geärgert und mich ob des Schimmels im Bad geschüttelt, das hat mich als Autorin geprägt. Und dass ich mich natürlich als viel geselligeren Menschen sehen könnte. Andererseits habe ich schon einmal vier Wochen in einem Studentinnenwohnheim in Russland gelebt und ich sag euch: da war genug Siff und so wenig Privatsphäre (keine Türen an den Toilettenkabinen), dass es zumindest für meine erste Lebenshälfte vollauf reicht. Also nein, Siff-WG, du bist nicht meine neue Wohnung.

Ich hätte mir natürlich auch die obere Etage einer Stadtvilla mit einer Frau und ihren zwei Kindern (2 und ca. 6 Jahre alt) teilen und mir dabei supertolerant, kinderlieb und lässig vorkommen können. Zumindest in den Momenten, in denen ich mich nicht dafür hasse, von den Kindern und ihren schrillen Stimmen genervt zu sein und hin- und herzuüberlegen, ob ich etwas sagen soll, kann, darf.

Ich hätte eine Wohnung ohne Einbauküche nehmen können und – obwohl ich beim Packen weder an Bohrmaschine, Schraubenzieher, nicht mal an einen Meterstab gedacht habe, ganz zu schweigen von muskulösen Hilfskräften – irgendwie eine Einbauküche besorgen, zusammenstückeln, einen Herd und die Spüle anschließen können (es gibt ja schließlich Youtube-Anleitungen), Schränke an die Wand dübeln, und mir dabei tough und selbständig und Frauenpowermäßig vorkommen können, nur hätte ich keinem von den blauen Flecken, Nervenzusammenbrüchen und Verwünschungen erzählen dürfen.

Was nehme ich nun, hoffend, dass es vollends klappt? Eine 2-Zimmerwohnung im 6. Stock mit Einbauküche, Waschmaschine, Lampen an den Decken und einem großen Bett. Und ich komme mir dabei weder originell, tough, gesellig, künstlerisch oder sonst etwas vor, sondern weiß, dass ich in einer Wohnung Platz, viel Licht, eine funktionierende Kochstelle und Privatsphäre brauche. Und das eingebaute Fitnessstudio ist auch nett.

Wer ist hier die coole Sau?


Gestern war ich mit Freundin M und ein paar anderen Menschen im Stuttgarter Palast der Republik. Vor dem Krieg war das vielleicht 15 Quadratmeter große Glasgebäude ein Klohäuschen. Der Palast gilt als coole, lässige Lokalität. Menschen holen sich drinnen ein abgestandenenes SchwabenBräu und setzen sich dann auf den Betonboden um das Häuschen oder stehen in Grüppchen herum. Dass sie dabei den Durchgangsweg für spät-arbeitende oder shoppende Menschen besetzen, passt schön zur Wir-sind-ja-so-genügsam-und-unkompliziert-Attitüde. So war das eigentlich immer.

Bis letztes Jahr Bänke am Palast auftauchten. Keine schrottigen Bierbänke, sondern solide Holzbänke mit Tischen. Seit diesem Jahr gibt es auch Plastikstühle, leere Bierkästen und runde Tische. Wenn die Herrentoilette im Untergeschoss nicht so stinken würde, könnte man fast meinen, man hätte es mit einem gediegenen Betrieb der Freiluftgastronomie zu tun. Also: früher war der Palast wirklich cool, jetzt ist er immer noch ganz ok cool. So cool, dass die Coolen ruhigen Gewissens hingehen und ihre farbenprächtigen Tattoos zur Schau stellen können. Und sich dabei ärgern können wahlweise über weiß-behemdete Männer aus Dörfern, die das Angebot an nackter weiblicher Haut begaffen und den Weg zur Bar blockieren, oder aber darüber, dass die Leuchtreklame aus dem Gravis-Store zu sehr blendet.

Beim Nachhauseweg mussten M und ich die Theodor-Heuss-Straße entlanggehen. Da sind auch viele, die denken, sie sind cool. Von denen wir aber denken, sie sind die Oberspießer. M schob ihr Fahrrad durch die Menschenaufläufe vor den In-Bars und musste aufpassen, dabei keins der Mädchen in 10-cm-Heels aus dem Gleichgewicht zu bringen. Alle haben sie sich in ihr schickstes Was-auch-immer geworfen, sind um halb zwölf schon sternhageldicht und erzählen morgen beim Sonntagsbraten, wie toll der Abend in der Stadt gestern war. M und ich fühlen uns in unseren verpöppelten Strickjacken und Schlabber-T-Shirts wie die Coolen aus Berlin und denken, dass die anderen bestimmt denken: „hey, da kommen zwei Mädels aus Berlin“. Vielleicht denken sie aber auch: „denen sieht man echt an, dass sie aus der Provinz kommen. Können die sich für einen Abend in der Stadt nicht ein bisschen schick machen?“

Osterschmarrn mit Banane und Pistazien


Ihr fragt euch, was fraulinde an Ostern macht, außer mit Frauen auf Lesarion zu chatten? Nee, nicht wirklich, gell, aber hier trotzdem die Antwort.

Fraulinde geht auf Reste-Jagd in Küchenschränken, Kühlschrank, Gefrierfach und Keller. Da findet sie nämlich bisher unangezapfte Vorräte, angebrochene Packungen, unentdeckte Möglichkeiten, ein neues Lieblingsgericht zu erschaffen. Das ist besonders schön an einem Sonn- oder Feiertag, wenn man eventuell fehlende Zutaten nicht einfach im Supermarkt kaufen kann, sondern aus dem Vorhandenen etwas Leckereres zaubert, als man es mit einem Rezept hätte tun können (so, das war jetzt alles, bloß kein Deutsch, aber wer diesen Teil nicht verstanden hat, egal, gleich kommt das Rezept).

Eine meiner lieben Kindheitserinnerungen ist Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Er hat sicherlich entscheidend dazu beigetragen, dass ich groß und stark geworden bin. Auch heute ist er ein gern gesehenes Mittagessen, Frühstück und Begleitung zum nachmittäglichen Kaffee. Doch selbst das Gutste kann mal eine Abwandlung vertragen. Und mit den schönen ungesalzenen Pistazienkernen musste unbedingt etwas getan werden.

Willst du es mir nachtun? Dann lies weiter:

Du nimmst:

  • 2 Eier
  • ca. 2 EL Zucker, z.B. feinen Rohrohrzucker
  • 0,5 TL Zimt
  • 1-2 TL Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 0,5 TL Weinsteinbackpulver
  • ein bisschen Mehl Type 550
  • 1 EL Kartoffelmehl
  • 1 Schuss Milch
  • ca. 20 geröstete, aber ungesalzene Pistazienkerne
  • 1 reife Banane
  • 1-2 EL Butter
  • 1 TL Sonnenblumenöl

Zuerst machst du den Grundteig: Du verrührst die beiden Eier mit Zucker mithilfe eines Schneebesens so lange, bis die Mischung leicht schaumig ist. Dann gibst du Zimt, Vanillezucker, Salz und Backpulver dazu und verrührst alles. Gib dann das Mehl und das Kartoffelmehl dazu und verrühre es. Nimm nur soviel Mehl, dass der Teig „cremig“ wird, sich aber noch gut rühren lässt. Nun gibst du noch etwas Milch hinzu (ca. 1 EL), so dass der Teig wieder ein kleines bisschen flüssiger wird.

Das ist dein Grundteig. Der darf jetzt etwas quellen. Es steht immer in den Kaiserschmarrn- und Pfannkuchen-Rezepten, dass der Teig 30 Minuten quellen soll; ich weiß nicht, ob das etwas bringt, aber da du eh noch die Pistazien puhlen musst, halte ich es für sinnvoll, den Teig zuerst zu machen. Der Teig darf ruhig auch merken, dass Feiertag ist.

Die Pistazien befreist du von der Schale und machst, sofern möglich, die ganz dünne, bräunliche Haut direkt auf den Kernen weg. Dann leuchten nachher die Pistazien schön grün aus dem Schmarrn. Die Pistazien hackst du grob und stellst sie beiseite.

Mit einer Gabel zerdrückst du die Banane und rührst sie unter den ausgeruhten, gequollenen Teig.

Dann setzt du eine kleine Pfanne auf, lässt bei mittlerer Hitze die Butter und das Öl schmelzen. Wenn die Butter anfängt zu brutzeln, gibst du den Teig hinein. Die Pistazienkerne streust du oben drauf.

Ich setze zu diesem Zeitpunkt meine Maquineta mit Espresso auf. Außerdem habe ich gestern mit fahrigen Händen einen neuen Film in die Kamera eingelegt, das Objektiv gewechselt, den Blitz geladen und dann doch vorhandenes Licht genutzt und gaaaanz schnell ein paar Fotos geschossen (die kriegt ihr zu sehen, wenn der Film mal voll ist, fraulinde fotografiert analog :))

Auf jeden Fall: wenn die die Unterseite des Teigs etwas fest gebacken ist, aber noch nicht braun ist, versuchst du das Ding irgendwie umzudrehen oder zusammenzuklappen. Dabei wird es wahrscheinlich zerlaufen und zerreißen, was perfekt ist, denn Schmarrn wird eh zerrupft. Du kannst dann grad den Schmarrn mit einem Spatel in weitere Stücke zerreißen und diese wenden, so lange, bis alle Stücke gebacken und auch innen durch sind.

Juhu! Der Osterschmarrn ist fertig! Durch die Banane wird er so schön saftig und locker und schmeckt für mich nach Kindsein und erinnert mich an meine heißgeliebten Nickipullis, in die ich schon seit 30 Jahren nicht mehr passe. Und mit Apfelmus ist das Kinderglück perfekt.

Mamas Mürbeteigrezept


Manche Dinge gehen einfach nicht besser. Dieser Mürbeteig zum Beispiel. Dieses Rezept folgt der „einfachen“ Formel 1-2-3, aber ich kann mir trotzdem nie merken, von welcher Zutat man welche Zahl nimmt 🙂

Deshalb schreib ich’s mir und euch hier für alle Ewigkeiten auf.

Du nimmst:

100 gr. Zucker

200 gr. Butter (weiche!)

300 gr. Mehl

1 Ei

(für ein ganzes rechteckiges Blech brauchst du 125 gr Zucker, 250 gr Butter, 375 gr Mehl und 1 Ei)

Die Zutaten verknetest du schnell zu einem glatten Teig. Du solltest nicht zu lang kneten, das tut dem Teig nicht gut.

So, und das ist das Besondere: in so ziemlich allen Kochbüchern steht, dass du den gekneteten Mürbeteig eine Stunde oder so in den Kühlschrank stellen sollst. Fraulindes Mama sagt: niemals! Denn sonst kannst du ihn später nicht mehr kneten. Du müsstest ihn weichkneten, also warum ihn erst hart und kalt werden lassen?

Zugegeben, dieser Mürbteig hier ist sehr weich, wenn man ihn ausrollt. Aber falls der Teig auseinanderreist, setzt du einfach die Teile wieder zusammen. Wenn die Hände beim Verarbeiten schön fettig von der weichen Butter werden, ist er genau richtig.

Mamas Mürbeteig ist natürlich lecker als Boden für alle möglichen Kuchen. Käsekuchen, Obstkuchen, … du kannst ihn mit so ziemlich allem belegen. Anschließend bäckst du ihn bei 180 Grad, bis der Belag durch ist.

Du kannst mit Mamas Mürbeteig aber auch die weltbesten Weihnachtsplätzchen von der ganzen Welt machen. Da nimmst du einfach einen Herzchenausstecher (ja, geht nur mit Herzchen :)) und stichst aus dem ausgerollten Teig  Herzchen aus. Die bäckst du auch ein bisschen und nimmst sie aus dem Ofen, wenn sie an den Rändern anfangen, leicht braun zu werden. Du kannst die Herzchen natürlich auch mit Guss bestreichen, mit Marmelade zusammenpappen… Rechne damit, auf die Knie zu sinken, wenn du sie probierst. Sie sind einfach so schön buttrig und lecker und – eben mürb.

Meine Mama backt an Weihnachten immer mehrere Sorten Plätzchen. Ich backe auch noch ein paar Sorten. Aber ehrlich: wenn es an Weihnachten nur die Herzchen-Ausstecher ohne alles geben würde und sonst keine anderen Plätzchen, wäre mir das auch sehr sehr recht. Die Ausstecher schmecken zu jeder Jahreszeit und halten sich (theoretisch) in der Keksdose über Wochen hinweg. Nur dass es ihnen nicht bestimmt ist, aufgehoben zu werden…

Ding


Man man man, da schreibe ich monatelang nichts, und krieg immer noch mindestens 15 Klicks pro Tag. Das macht mich ein bisschen stolz. Die Menschen kommen hierher, weil sie wissen wollen, wie man Country Potatoes macht oder wo man Sex auf Gran Canaria findet (Antwort zum letzteren: überall).

Mir passieren ja ständig blogwürdige Dinge, allein fehlt mir die Zeit zum Schreiben. Heute habe ich sie.

Diese Woche. Gute Freundin (M). Sie hat ne Neue. Wir in unserer Lieblingskneipe. Bei mir gibt’s Veggie-Burger und französischen Rotwein, bei M Hefeweizen und die eine oder andere frittierte Kartoffel von meinem Teller. Mir läuft so richtig schön die Ketchup-Mayo über die Finger, der handgehäkelte Veggie-Burger zerbricht in Achtel. Perfekt!

Wisst ihr eigentlich, was das Altern mit sich bringt? Größere Zahnzwischenräume. Sowas hatte ich früher nie, aber seit ich ca. 33,5 bin, bleibt mir immer wieder etwas zwischen zwei Backenzähnen hängen. Ich habe zusätzlich zur Haupt-Zahseide fürs Bad eine zweite Zahnseide angeschafft, die ich immer in meinem Rucksack herumtrage.

Also hängt nach dem leckeren Mahl etwas zwischen meinen Zähnen. Mein Rucksack ist zuhause. Die Kneipe hält für so etwas Zahstocher bereit, allein aufstehen will ich nicht, wir sind eingekeilt zwischen einem Mann-Frau-Paar und zwei Männern. Ich frage die Männer, ob ich einen Zahnstocher ihrer Oliven haben könnten. Der eine entsetzt: „die sind doch gebraucht!“ (na und, will ich mir deine Bakterien einfangen oder dir meine verpassen? Also.) Aber die Kellnerin eilt zum Tresen und bringt mir einen Zahnstocher. Das wollte ich ja auch nicht, sie wegen diesem Mini-Ding rennen lassen.

M fängt an, vom Sex mit ihrer Neuen zu erzählen. Ich halte die Hand vor den Mund und stochere. Stochere. Piekse. Probiere es von der anderen Seite. Kaue auf dem Zahnstocher. Nix. Wir reden über Oralsex, über Epiliergeräte und das erste Mal mit einer Neuen. Der Zahnstocher ist inzwischen von beiden Seiten stumpf. Die Freundin fragt: „haschs jetzt endlich“. Ich werde langsam verzweifelt. Mit Wein nachspülen hilft nicht. Ich überlege, eine dritte Zahnseide für Jacken anzuschaffen, so wie ich es auch mit den Labellos mache.

M sagt, dass die Neue voll abgeht, und dass es ein Geben und Nehmen ist.

Besonders hartnäckig sind Salatstücke und Kraut, der Killer Topaz-Äpfel.

„Nimm doch ein Haar. Geh aufs Klo und nimm ein Haar,“ quengelt M. Ich kenne die Neue noch nicht einmal, aber ich finde es schön, dass M und ich mal wieder so gut über Sex reden können. Da geh ich nicht aufs Klo. Ich fahre mir über den Kopf, suche die richtige Länge. Ziep. Als außer M gerade niemand zu gucken scheint, umwickle ich die Finger mit dem Haar und versuche mein Glück. Das Haar reißt.

Es geht um den intimen Geruch einer Frau und darum, ob man das gut finden muss / will, oder ob manchmal einfach eine Dusche angesagt ist. We agree to disagree.

M ist noch zum Kino verabredet. Auf dem Weg nach draußen verlange ich noch einen Zahnstocher, der genauso schnell stumpf wird. Eine halbe Minute später, und ich hätte den Bus nach Hause verpasst.

Die erste Zahnseide nach 1,5 Stunden Stochern? Unbezahlbar.

Nimm dir (bloß kei)nen Keks


Gestern bei einem Aushilfsjob, bei dem es Kaffee, Getränke, Kekse, Schokolade und Salzstangen kostenlos zum Knabbern gibt…

Unterhalten sich zwei Kolleginnen über Diäten. Die eine macht einmal im Jahr Brigitte-Diät, die andere achtet so auf ihr Gewicht. Ich trank gerade einen Gratis-Kaffee und aß den zweiten Gratis-Schokokeks. Und ich weiß gar nicht mehr, in welchem Zusammenhang genau, sagte die eine zu mir: „und das ist eh das schlimmste, was du machen kannst, so ein Keks hat 120 Kalorien.“

Ich murmelte mit vollem Mund: „weißt du, wie egal mir das ist?!“

Und hola, als ich in der Schule war, sagten die im Religionsunterricht immer sowas davon, dass Mord schlimm ist, oder Gott verfluchen, oder die Frau eines anderen zu begehren. Da ich ja nicht so genau die Nachrichten verfolge, ist es vielleicht tatsächlich so, dass man ab sofort in den Knast für das Verzehren von Schokokeksen kommt. Helft mir da mal kurz auf die Sprünge, bitte.

Es regt mich so auf, wenn andere Menschen mein Nahrungsaufnahme und meine Lebensmittel kommentieren. Dass überhaupt Lebensmittel teuflisisiert und kriminalisiert werden. Ja, so einen Blogeintrag gab es bei mir erst vor kurzem, aber ich rege mich noch einmal darüber auf. Mein Essen ist meine Privatangelegenheit, und wenn jemand meint, er dürfte oder ist sogar dazu verpflichtet, mir „Tipps“ zu geben, nur weil ich in seinen Augen zu dick bin / ungesund lebe, dann sag ich in Zukunft meine Meinung.

Wenn die Menschen sich wenigstens die Mühe machen würden, ihre Aussagen als Ich-Botschaften zu formulieren. Also nicht: das ist das schlimmste, was du machen kannst. Sondern: ich finde, dass solche Kekse ungesund sind und unnötig viele Kalorien haben und dick machen und deshalb finde ich es schlimm, wenn du sie isst. Ok, das ist auch keine nette Aussage, aber so formuliert sie es als ihre eigene, individuelle Aussage und nicht als allgemeines Gesetz. Ich sag ja auch nicht, dass die Brigitte-Diät Quatsch ist, sondern ich sage, wenn überhaupt, denn warum will ich einer Kollegin das Highlight des Jahres madig machen: ich finde die Brigitte-Diät nicht gut und umständlich.

Denn hallo, sind wir auf einmal alle Ärzte? Habe ich da noch etwas verpasst? Können wir auf einmal allen übergewichtigen Menschen ansehen, ob sie gesund oder nicht gesund sind?

Also, dann bitte: formuliert Ich-Botschaften oder lasst mich bitte in Zukunft meine übermäßigen Kalorien und Fettaugen genießen. Vielen Dank!