Warum ich aufgehört habe Tiere zu essen


Ich war fünf, als ich aufhörte Tiere zu essen. Das war, als ich begriff, dass „Fischstäbchen“ nicht einfach nur ein Name ist, sondern tatsächlich Fisch enthält. Und dass eine Bratwurst aus Tieren gemacht wird. Dass auf dem Teller also tatsächlich Teile eines ehemals lebendigen Tieres liegen. 

Die Erkenntnis, dass ein Schnitzel, eine Wurst, ein Fischstäbchen aus Tieren hergestellt ist, war ein Schock für mich. Mit fünf wusste ich noch nichts von Massentierhaltung oder dem Schlachten von Tieren. Ich kannte glaube ich nur Tiere allgemein, also Katzen, Hunde, Kanarienvögel, Hasen, Hennen.

Aber ab da wollte ich keine Tiere mehr essen. Ich hatte sogar Angst, dass das Stück Fleisch auf dem Teller plötzlich wieder lebendig wird und mir vom Teller hüpft. Wie gesagt, ich war fünf. Eine Weile habe ich bei unseren Grillausflügen noch Bratwürste gegessen, vielleicht, weil es für mich einfach dazu gehört hat.

Die ehrliche Antwort, warum ich aufgehört habe Fleisch zu essen, ist also: weil ich Angst hatte, dass das tote Tier plötzlich wieder aufersteht.

Aus dieser Angst vor einer tierischen Wiederauferstehung hat sich ein Ekel vor Fleisch entwickelt. Ich mag es nicht anfassen, nicht zubereiten, zum Teil nicht einmal riechen. Manche Metzgereien riechen für mich nach Tod, der Geruch von frisch angebratenem Hackfleisch löst Kopfweh bei mir aus, eine Wohnung voller Schweinebratengeruch möchte ich gar nicht betreten.

Gleichzeitig bin ich kulinarisch sehr neugierig, und so wollte ich in den USA unbedingt einen Truthahn probieren. Leckerst! Wenn meine Mama Hähnchenbrust im Ofen in Tomatensoße schmort, schmeckt das auch vorzüglich. Eine Brühe aus Markknochen gehört zum Köstlichsten, was ich je gegessen habe. Kürzlich war ich mit Fleischliebhabern in Berlin unterwegs und habe unter anderem ein Schweinenackensteak und Lammschaschlik probiert. Es hat  lecker und knusprig geschmeckt. Wenn ich Fleisch esse, ist das jeweils nur eine etwa daumennagelgroße Menge. Mehr kann ich nicht.

Mein Ekel vor Fleisch kommt eben von dieser Wiederauferstehungsphantasie, aber auch davon, dass es unserem menschlichem Fleisch so ähnlich ist. Wenn ich ein Stück Fleisch esse, ist es, wie wenn ich in menschliches Fleisch beiße. Man kann natürlich einen Menschen bei unterschiedlichen Gelegenheiten beißen, als Kind den kleinen Bruder, weil er mir etwas kaputtgemacht hat, als Erwachsene die Geliebte beim Sex. Aber wir kauen menschliches Fleisch nicht. Wir zerschneiden es nicht und spießen es nicht mit der Gabel auf. Und genau dieser Umgang – das Kauen, Zerschneiden, Aufspießen – fühlt sich für mich falsch an.

Natürlich lehne ich das Töten von Tieren, Massentierhaltung und die Ressourcenverschwendung dabei ab. Natürlich finde ich vegetarische und vegane Gerichte oberlecker. Aber Vegetarierin bin ich geworden, weil ich als Kind eine lebhafte Phantasie hatte, und weil ich heute nicht zwischen menschlichem und tierischem Fleisch trennen kann. Ich bewundere alle Menschen, die nicht aus einem Ekelgefühl heraus, sondern aus moralischen Gründen auf Fleisch und / oder andere tierische Produkte verzichten.

Und bei euch? Share your stories and thoughts!

Im Norden ist gut muscheln


Typisch: Ich gehe um die Ecke in den Supermarkt, um eine fehlende Zutat fürs Abendessen zu kaufen (heute: körniger Frischkäse, den ich so gerne zu Pellkartoffeln esse). Im Supermarkt komme ich ob der tollen Produkte dann auf neue Ideen. Heute fand ich z.B. ein Pülverchen, mit dem man Mac’n Cheese* machen kann. Das wäre ja auch was, dachte ich, kaufte das Pülverchen, und als ich zuhause war, hatte ich keine Lust mehr auf Mac’n Cheese, sondern auf einen Luxus-Nudelauflauf, also fing ich an, die zweite Packungshälfte von den Muschelnudeln zu kochen. Nach ein paar Minuten merkte ich, dass ich auch keine Lust auf Überbackenes hatte, sondern auf Gemüse. Und auf Aprikosen. Und Butterschmalz.

Was nach all der Verwirrung herauskam und in meinem Magen landete, lest ihr hier. Nennen wir das Ganze mal

Italienisch-marrokanische Muschelnudeln**

Dafür brauchst du:

  • ca. 250 gr. Muschelnudeln (Conchiglioni)
  • 0,5 EL Butterschmalz***
  • 1 Zwiebel, ca. 5 cm Durchmesser, fein gehackt
  • 1 Bio-Karotte, geviertelt und in Scheiben geschnitten
  • 1 Zucchini, geviertelt und in Scheiben geschnitten
  • 3 getrocknete Aprikosen, klein gehackt
  • 1 EL Tomatenmark
  • Saft einer halben Zitrone
  • 1 Kugel Mozzarella
  • Lesbisches Olivenöl zum Drüberträufeln
  • Salz und Pfeffer

Und das Ganze braten wir in einer großen Pfanne mit Deckel (Deckel ist ganz wichtig, wie du noch sehen wirst)

Was du tust:

Die Muschelnudeln kochst du in heißem Salzwasser. Die brauchen eine Weile, ca. 18 Minuten. Gieße sie aber 1-2 Minuten vor Ende der Kochzeit ab, sie sollten noch richtig gut al dente sein.

Die Zwiebelwürfel brätst du bei mittlerer Hitze im Butterschmalz an, bei aufgelegtem Deckel. Sie sollten hell bleiben. Wenn sie anfangen glasig zu werden, gibst du die Karottenstücke dazu und brätst die Mischung weiter bei aufgelegtem Deckel. Wenn die Karotten anfangen zu duften und nicht mehr ganz roh sind, aber auch noch nicht weich, gibst du die Zucchini dazu und brätst alles weiter bei – richtig! – aufgelegtem Deckel. Wenn die Zucchini anfangen, weich zu werden, salze die Gemüsemischung und würze sie mit Zitronensaft. Nicht mit dem ganzen auf einmal, sondern nach und nach, je nach Geschmack. Gib nun die Aprikosenstücke dazu, lass sie ein paar Minuten mitschmoren, und gib dann das Tomatenmark hinzu, verrühre es, so gut es geht und lasse alles noch ein bisschen bei aufgelegtem Deckel weiterschmoren.

Wenn die Mischung schön durchgeschmort ist, aber das Gemüse noch etwas Biss hat, kannst du die gekochten Muschelnudeln zum Gemüse geben und alles verrühren. Ich lege dann nochmal den Deckel drauf und lasse es ein paar Minuten leise köcheln, damit die Nudeln sich mit dem Gemüse vermischen. Die Mozzarella-Kugel drücke ich etwas mit der Hand aus und schneide sie in Würfel. Am Ende schöpfe ich die Muschelnudeln mit Gemüse auf einen Teller, verteile etwas Mozzarella darüber und beträufle das alles mit etwas Olivenöl. Dann kommt noch etwas frisch gemahlener Pfeffer drüber, und fertig ist die Herrlichkeit.

Das ist erstens mal viel hammerleckerererererer als Mac’n Cheese und zweitens viel gesünder und drittens kreativer. Das Besondere daran ist aus meiner Sicht das süß-säuerliche Aroma der Aprikose und ihre schöne fleischige Konsistenz in Verbindung mit dem frischen Geschmack des Mozzarella und dem zitronigen, sommerlichen Geschmack meines Lieblings-Olivenöls. Ein ganz neuer Geschmack, herzhaft und süß und frisch, wie bei 25 Grad am Mittelmeer! Da kann’s draußen hundertmal Minusgrade haben und der Nordwind unter sämtliche Kleidungsschichten und Fensterfugen kriechen. Hah!

Übrigens: ich schreibe glaube ich all diese Rezepte gar nicht auf, damit sie jemand nachkocht, wobei ihr das supergerne tun dürft, ich freue mich riesig darüber! Aber ich finde, es geht gar nicht darum, nach einem Rezept zu kochen, weil ich das fast nie tue, sondern mit ein paar Zutaten anzufangen, und dann immer wieder zwischendurch probieren, was noch dazupassen könnte. Ich glaube, ich will euch einfach dazu inspirieren, auch so geile Gerichte zu zaubern. Habt Spaß beim Kochen!

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*Maccaroni and Cheese; d.h. Röhrchennudeln mit Käsesoße überbacken

** italienisch, weil fast alle gute Pastagerichte italienisch sind, gell? Und marokkanisch wegen der Aprikosen und dem Sommer und weil zwei Freundinnen von mir dort waren. Hach!

*** Heute habe ich’s aber mit den Sternchen, ne? Natürlich kannst du auch Öl statt Butterschmalz nehmen, aber ich finde, dass der Schmalz das Gemüse langsamer und intensiver brät und einen schönen Buttergeschmack abgibt.

Niedersachsen kulinarisch


Nun wohne ich mittlerweile fast seit vier Monaten in Niedersachsen, und obwohl es nur 3:40 Stunden mit dem ICE von zuhause entfernt ist, komme ich mir manchmal wie im Urlaub vor. Denn es gibt so viel zu entdecken!

Meine neueste Entdeckung: Grünkohl! Den gibt es hier auf dem Markt säckeweise. Ich hatte den vor Jahren mal aus einem Glas probiert, aber wie das oft ist bei Gemüse aus dem Glas: es schmeckt nach Einlegeflüssigkeit und sonst nach nicht viel.

Eine einheimische Kommilitonin hat mich auf die Idee gebracht, tiefgefrorenen Grünkohl zu verwenden. Den gibt’s hier bei jedem Discounter, jedoch ist der mit Schweineschmalz zubereitet. Aber im Bioladen – von was träume ich: hier in Hildesheim gibt es nur EINEN Bioladen, und der ist in gerade mal zwanzig Minuten mit dem Bus zu erreichen, ich ging also in ein Reformhaus, die es wie Sand am Meer gibt. Dort fand ich tiefgefrorenen Grünkohl in Demeter-Qualität, nur Grünkohl und sonst nichts, dafür aber schön fein gehäckselt. Und ich sag nur: Grünkohl – du bist mein neuer bester Freund.

Gestern war Premiere, Grünkohl zusammen mit Pellkartoffeln und Butter. Wahnsinn!!! Das beste, was ich seit dem genialen 6-Gänge-Menü zu Silvester gegessen habe. Ich finde, Grünkohl schmeckt sehr schön erdig und angenehm nach Gras (dem auf der Wiese), viel herzhafter als z.B. Spinat und hat eine schöne stückige Konsistenz, weder glibberig noch matschig noch sonst etwas Komisches (haha!).

Und das Ganze ging echt einfach: ich habe Zwiebeln und Knoblauch in einer Pfanne leicht angebraten, dann die Packung TK-Grünkohl (450 gr) in die Pfanne getan, kurz auftauen lassen und dann mit etwas heißem Wasser gekocht, alles bei aufgelegtem Deckel. Ein Kilo festkochende Bio-Kartoffeln habe ich mit Schale in einem anderen Topf gekocht. Die gekochten Kartoffeln dann geschält, in Achtel geschnitten und zu den Kartoffeln etwas Butter gegessen, ebenso wie den Grünkohl. Es war so einfach und perfekt, ich war hin und weg!

Das Ganze reicht für 2 ordentliche Portionen.

Heute habe ich versucht, den restlichen Grünkohl zu Fertig-Käsetortellini zu essen. War nicht so doll. Es liegt glaube ich daran, dass die Tortellini so intensiv schmecken, weil sie mit Analog-Käse und allen möglichen Aromastoffen zugebombt sind. Deswegen war die Variante mit Pellkartoffeln so viel besser, weil beide einen feinen Eigengeschmack haben und keiner geiler sein will als der andere. So.

Habt ihr schonmal Grünkohl probiert? Auf der Tafel mancher Restaurants hier steht übrigens manchmal „Kohl und Pinkel“, oder auch „Braunkohl mit Wurst“, beides sehr befremdlich für mich 🙂 Aber Pinkel ist einfach eine Wurst (sehr naheliegend, gell!), und Braunkohl ist keine Braunkohle.

So langsam komme ich also an 🙂 Gleich zu Beginn ist mir aufgefallen, dass es in Bäckereien viel Hefeteiggebäck gibt. Also Rosinenbrötchen, Schokobrötchen, dann noch so Blechkuchen, der ein einziger Hefeteig, bestrichen mit Butter und Zucker, ist.

Und kürzlich war ich in der Becks-Kneipe in Bremen. Also da, wo das Becks herkommt. DAS Becks. Bremen ist zwar nicht Niedersachsen, aber davon umgeben sozusagen. Becks mochte ich noch nie – das grüne ist mir zu herb und das goldene zu süß, das Lemon ist mit Süßstoff versetzt – also bestellte ich mir ein Staropramen. Das ist ein tschechisches Bier, aber ich habe es in Hildesheim zum ersten Mal entdeckt.

cheers und Mahlzeit!

eure Niedersächsin

Penne mit Chicoree und Birnen


Oh Wunder, hier gibt’s mal wieder ein Rezept, bzw. einen Artikel, in dem es NICHT um Schreiben und Sex geht.

Ich dachte lange, dass Chicoree einfach nur bitter ist. Bitter ist er in der Tat, aber diese Bitterkeit wird beim Braten zu einer eleganten Bitterkeit und kommt ziemlich geil zusammen mit der Süße der Birne. Es ist wie bei den Menschen, ne? Jemand Bitteres und jemand Süßes können ganz toll aufeinander einwirken. Oder so. Auf jeden Fall dünste ich Chicoree meistens nur mit sanfter Hitze, und nicht zulange, denn sonst verliert er jeden Geschmack.

Und Pasta? Hach! Gerade kann ich davon unvorstellbare Mengen essen. Und klar gibt es auch noch andere leckere Beilagen. Kartoffeln, Reis, Bulgur. Aber keine hat ein so ein tolles Mundgefühl wie Pasta, und ich liebe alle ihre schönen Formen, von Capellini bis Tortiglioni, yam!

Du brauchst für 1,5 – 2 Portionen: (Ich bin ja Alleinesserin und esse die Reste gerne am nächsten Tag zu Mittag, es schmeckt durchgezogen und kalt auch sehr geil)

  • 250 gr. Penne
  • 1 rote Zwiebel (oder eine gelbe / weiße, wobei rot optisch mehr hermacht)
  • 1 Birne
  • 2-3 Chicoree-Köpfe
  • 10 Kalamata-Oliven
  • ca. 50 gr Schafskäse
  • 1,5 EL Olivenöl
  • Salz Pfeffer
  • evtl. etwas Zitronen- oder Limettensaft

Sööö.

  • Setz als erstes das Wasser für die Penne auf und koche die Penne nach Packungsanweisung.
  • Viertele die Birne der Länge nach, entferne die Kerne und schneide die Viertel in ca. 0,5 dicke Scheiben.
  • Erhitze etwas Olivenöl und brate die Birne langsam an, ca. 5 Minuten. Wenn die Birne noch sehr fest und unreif ist, gib auf jeden Fall noch etwas Zucker nach ein paar Minuten dazu. In jedem Fall auch die Birne mit einer Prise Salz würzen. Die Birne sollte keine braunen Stellen bekommen, sondern am Ende einfach schön weich, heiß und aromatisch sein. Wenn du hast, gib ein paar Spritzer Zitronen- oder Limettensaft auf die heißen Birnenstücke, das macht eine feine Säure und bringt die Süße der Birne noch besser heraus. Nimm die Birnenstücke aus der Pfanne.
  • Dann schneidest du die Zwiebel in feine Würfel. Hier gibt’s ne schöne Anleitung dazu.
  • Die Zwiebel brätst du sanft in Olivenöl an bei aufgelegtem Deckel
  • Befreie die Oliven vom Stein und schneide sie in feine Stücke, gib sie zu den Zwiebeln, sobald die Zwiebeln etwas angebraten sind. Die Oliven sollen der Zwiebelmischung Geschmack geben.
  • Dann kommt der Chicoree. Den Chicoree von eventuell unansehnlichen äußeren Blättern befreien und halbieren, größere Köpfe vierteln. Die Viertel oder Hälften dann in ca. 0,5 breite Stücke schneiden.
  • Wenn sich das Zwiebel- und das Olivenaroma gut vermengt hat, gib den Chicoree hinzu und lass ihn bei mittlerer Pfanne und aufgelegtem Deckel ebenfalls mitbraten.
  • Würze die Mischung mit Salz, aber nicht superviel, weil der Schafskäse ja auch noch Salz mitbringt.
  • Ca. 2 Minuten, bevor die Nudeln fertig sind, gibst du wieder die Birnen hinzu, ebenso den kleingeschnittenen Schafskäse.
  • Verrühre alles schön, gieße die Nudeln ab und vermische die Nudeln mit der Soße in der Pfanne.
  • Dann kommt noch etwas frischgemahlener Pfeffer obendrauf und fertig!!

Sind sie nicht ein herrliches Paar, Birne und Chicoree, die Süße und der Bittere? Lasst es euch schmecken!

Lesbisches Olivenöl


Es, vielleicht sollte ich sagen: sie stand da einfach so im Regal gestern bei Edeka, als ich nicht wirklich nach Olivenöl suchte, sondern einfach das Angebot sondierte. Zwischen Flaschen in Goldfolie oder mit Flamencotänzerin auf dem Etikett wartete sie auf mich, fast zum Übersehen. 9,99 €. „Lesbos“ steht in zurückhaltenden Großbuchstaben drauf.

Sie passt zu mir, beschloss ich und legte die 0,5-l-Flasche in den Einkaufswagen.

Andere tragen einen Ring am Daumen oder eine sportliche Kurzhaarfrisur oder einen Regenbogenpin, ich habe lesbisches Olivenöl im Einkaufskorb und auf meinem Esstisch.

Und sie sieht nicht nur gut aus, sondern ist einfach zum Niederknien, Dahinschmelzen, Süffeln, Dippen, herrlich. Sie schmeckt frisch, leicht und samtig, und ist einfach das i-Tüpfelchen auf Vollkornbrot, Käse, Rucolapesto (und gestern Abend war erst der Anfang). Sie ist aus der wilden Olive „Agrielia“ -Lesbos Varietät. Ja.

Ich freue mich auf einen schönen Sommer mit dir, liebes Olivenöl, auf die Tomaten, Salate, Soßen, die du adeln wirst. Und alle, die Griechenland und/oder Lesbos und/oder diese Olivensorte unterstützen möchten und/oder einfach ein geiles Olivenöl suchen: probiert es mal aus!

Was ist euer Lieblings-Olivenöl? Oder kann man euch damit jagen?

Yufka-Röllchen oder: der Sommer ist schon da


Nach einem langen Heimarbeitstag brauche ich frische Luft, Tageslicht und Bewegung. Meistens mache ich dann einen längeren Spaziergang zu irgendeinem Supermarkt. Dabei habe ich gestern einen netten türkischen Lebensmittelladen entdeckt. Ich liebe türkische Läden, weil ich Blatt-Petersilie gerne im Pfund kaufe. Neben der Petersilie lachten mich außerdem Yufka-Teigblätter an. Die Teigblätter kommentierte der Verkäufer an der Kasse anerkennend mit: „selber machen“. Und ich so: „ja, genau, schmecken viel besser.“ Im Riesensupermarkt deckte ich mich anschließend mit restlichen Lebensmitteln ein.

Zuhause rief ich diverse Freunde an, um sie auf Yufka-Röllchen einzuladen, aber bei der einen war das Handy aus und der andere bekam Essen bei den Eltern. Die Teile wurden so lecker, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, wie lecker sie geschmeckt hätten, wenn ich sie mit einer zweiten Person genossen hätte (ich finde, dass die Gesellschaft einer lieben Person den Geschmack des Essens mindestens verdoppelt. Is so!)

Ich habe das klassische Rezept für Zigaretten-Börek abgwandelt. Zigaretten-Börek sind mit Schafskäse oder „Balkan-Käse“ gefüllte Teigröllchen, die in der Pfanne gebraten werden. Sehr perfekt. Ich mag aber den Namen (Zigaretten und Essen?) nicht und wollte außerdem eine gemüsigere Variante kreieren. Mesdames et Messieurs: je vous présente Yufka-Sommerröllchen.

Du nimmst für eine sehr hungrige Person oder zwei nicht ganz so hungrige Personen:

  • Ca. 15 dreieckige Yufka-Teigblätter (gibt’s im türkischen Laden meistens im 50er Pack oder so)
  • 180 gr Schafskäse (ich bevorzuge Schafskäse, weil er gut schmilzt und intensiv schmeckt. Balkankäse aus Kuhmilch geht aber auch und ist etwas günstiger. Von fettarmen Käse-Varianten rate ich ab, da Fett ein Geschmacksträger ist, aber wenn du fettarmen Käse magst, go ahead and give it a try.)
  • ein Schlückchen Milch
  • 2 EL tiefgekühlte Erbsen
  • 1 Schalotte oder 1 kleine Zwiebel
  • 1 Karotte
  • 100-200 gr Blatt-Petersilie (mit Stängel gewogen)
  • 6 kleine frische Minzeblätter
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz und Pfeffer

Ein Dip dazu ist nicht unbedingt nötig, aber doch sehr lecker. Ich hatte noch Dosentomaten übrig. Die habe ich gleich zu Beginn in einem Topf zum köcheln aufgesetzt, bei aufgelegtem Deckel (weitere Empfehlungen s. unten).

Dann machst du dich an die Füllung:

  • den Schafskäse mit einer Gabel in einer Schüssel zerkleinern und ihn mit etwas Milch vermengen.

Die folgenden Zutaten sammelst du in einer extra-Schüssel:

  • Schalotte in sehr feine Würfel schneiden
  • die Karotte schälen und raspeln
  • von den Petersilienstängeln die Blätter abzupfen und die Blätter grob hacken. (Die Stiele kannst du in der Tomatensoße (s. oben) oder einer Brühe mitkochen).
  • Minzeblätter fein schneiden
  • die Knoblauchzehe pressen
  • die Erbsen dazugeben
  • das ganze Gemüse nur leicht salzen aber kräftig pfeffern.
  • Den Schafskäse zur Gemüsemischung geben und alles gut vermengen.

Das ist die Füllung.

Nun nimmst du ein Teigblatt heraus und legst es auf ein Brett.  Das breite Ende des Blatts soll zu dir zeigen. Am breiten Ende entlang verteilst du mit den Fingern ca. 1 EL der Füllung, so dass ein Streifen parallel zum breiten Ende entsteht. Lecke dir die Finger ab und rolle vom breiten Ende aus den Teig ein- bis zweimal um die Füllung. Dann klappst du die Enden um die Füllung und wickelst sie mit ein, so dass die Füllung gut verpackt ist. Rolle den Teig weiter zusammen und lege die Rolle mit der Spitze nach unten auf einen flachen Teller. Und so machst du weiter, bis die Füllung aufgebraucht ist.

Wenn du auch eine Tomatensoße nebenher köcheln hast, gib jetzt 1-2 TL Tomatenmark hinzu.

Nimm eine große Pfanne und erhitze ca. 1 EL Sonnenblumenöl drin (meine Herdplatten haben 9 Stufen, und auf Stufe 7 war genau die richtige Temperatur für Röllchen braten.)

Gib 4-5 Röllchen ins heiße Fett; dabei sollte die Teigspitze unten sein. Brate die Röllchen von allen Seiten hellbraun bis braun an (also nicht nur oben und unten, sondern auch links und rechts 🙂 ) Wenn etwas Füllung rausläuft, relax: frittierter Schafskäse ist oberlecker. Meine Röllchen haben gestern schwarze Stellen abbekommen – auch das macht nix, ich sag mir immer: dafür rauche ich ja nicht…

Lass die gebratenen Sommerröllchen ein paar Minütchen ruhen, denn heißer Schafskäse ist das Fieseste, was einer Zunge passieren kann. Während des Wartens (= Verzögerung der Vorfreue) kannst du die Tomatensoße abschmecken: höchstwahrscheinlich braucht sie etwas Zucker. Entferne auch die Petersilienstängel.

Brate die restlichen Röllchen in der Pfanne an und nasche nebenher von den fertigen.

Und vielleicht ist dann für dich auch schon Sommer! Yam!

Noch zu den Dips:

Die Tomatensoße finde ich sehr lecker, da sie fruchtig schmeckt und gut zur Minze und dem Schafskäse passt. Ajvar dazu schmeckt auch, hat aber einen sehr intensiven Eigengeschmack und könnte die Röllchen vielleicht etwas dominieren. Sehr gut schmeckt auch Sahne- oder 3,5%-iger Joghurt dazu.