show me the money


In letzter Zeit hatte ich drei Mal den Fall, wo ich nach meiner Gehalts- bzw. Honorarvorstellung gefragt wurde. Ich habe überlegt, was ich verlangen soll. Hab mir den Job bzw. den zu übersetzenden Text angeschaut. Nochmal angeschaut und mir überlegt, wielange ich dafür brauchen würde, wieviel Schmerzensgeld angemessen ist. Ich habe versucht, den Aufwand realistisch einzuschätzen, ebenso meine Qualifikationen. Und habe eine Zahl gesagt.

Ich habe alle drei Jobs bzw. Aufträge nicht bekommen, weil die Zahl zu hoch war. Einmal wollten sie 25% weniger, in einem anderen Fall nur ein Drittel von meiner Honorarvorstellung zahlen.

Lustig, wie mir das immer passiert. Man muss dazu sagen: auf den Job und die beiden Aufträge war ich nicht besonders scharf, und ich dachte: wenn ich das mache, dann muss es wenigstens gut entlohnt werden.

Aber es ist so: wenn ich eine Übersetzung mache, wenn ich egal welchen Job mache, mache ich ihn sehr gut. Fraulindes Übersetzung kostet vielleicht das doppelte, aber eine Übersetzung, von der sich die Übersetzerin nicht mal ein warmes Essen kaufen kann, macht auch nicht glücklich. Klar, manchmal reicht eine einfache Übersetzung, der man ihre Übersetztheit anmerkt und sogar noch auf die Originalsprache schließen kann. Aber bei sowas sträubt sich mir alles. Ich geb die Übersetzung erst aus der Hand, wenn sie meinem Anspruch an stilistisch einwandfreies Deutsch genügt (diesem Anspruch genüge ich hier selbst oft nicht, i know, aber das ist was anderes).

Tja, was tun?! Übersetzungen machen mir nur Spaß, wenn ich mir dafür etwas Zeit lassen kann. Und es ist auch schwierig, für eine Übersetzung viel Geld zu verlagen mit dem Argument, dass man sie besonders gut macht – denn gute Übersetzungen fallen nicht auf. Keiner liest ein Buch und sagt: Mensch, das ist aber eine super Übersetzung. Nein, wenn die Übersetzung gut ist, sagt der Leser: whow, das ist aber ein tolles Buch und der Autor kann so treffend schreiben.

Cheers to all translators! Falls jemand eine Tabelle mit Übersetzerhonoraren weiß, bitte einen Kommentar hinterlassen!

nochmal betr. VG / schönste Absagen Teil 2


Also ich habe mich ja letzte Woche bei einer gemeinnützigen Institution vorgestellt. Die, die eigentlich nicht viel zahlen kann, aber mir einen Berliner für den Heimweg mitgegeben hat.

Gestern hatte ich die Nummer dieser Institution auf meinem Handy. Ich dachte, oh whow, wollen die mich doch, whow, will ich diesen Job denn, für dieses Geld und mit diesen ungeregelten Arbeitszeiten? Eine andere Stimme sagte mir: WAS BRAUCHST DU DA ZU ÜBERLEGEN, DER JOB IST SOZIALVERSICHERT! NICHT NUR AUF DREI MONATE, SONDERN AUF GANZE ZWEI JAHRE BEFRISTET!!! Ich rief eine halbe Stunde später zurück und die Chefin fragte mich erstmal, wie’s mir geht, und senkte dann ihre Stimme. „Wir haben unser Bewerbungsverfahren abgeschlossen, und (seufz) haben uns für jemand anderen entschieden.“ Schon bei ihrem Seufzer fiel mir innerlich ein Stein vom Herzen. Aber ich war platt, dass jemand so nett ist, und mir telefonisch absagt. Sich die Mühe macht und mir sagt, wie toll sie mich findet, aber dass eine kleine Qualifikation fehlte, sonst wäre es perfekt gewesen. Whow. Und sie meinte noch, dass sie auf mich zurückkommen, wenn sie mal einen Dolmetscher oder Betreuer brauchen. Und dass es bei Ihnen immer einen Kaffee gibt. Wie nett!!!

Wie perfekt ist das: ich muss mich nicht den ganzen Sommer lang aufreiben und im Winter meine Überstunden abfeiern, sondern kann bei Gelegenheit etwas für sie machen.

Sozialversicherte Jobs sind definitv überbewertet.

Betr.: VG


Ich hatte ja das Vorstellungsgespräch vor ein paar Tagen, aufgrund der im Fieberwahn geschriebenen Bewerbung.

Also: nett waren sie ja schon, viel rumkommen würde ich bei dem Job auch, Freizeit hätte ich im Sommer wenig und sonst eher viel, der Arbeitsplatz ist nur 2 Kilometer Luftlinie von zuhause.

Nur zahlen wollen sie nicht viel. Man muss vielleicht dazusagen, dass es eine gemeinnützige Institution ist. Das Gespräch lief gut, bis zu dem Punkt, an dem sie nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt haben. Die nicht unverschämt ist, aber auch so, dass man nicht noch 3 andere Jobs nebenher braucht. Als ich die Zahl genannt habe, ging bei ihnen glaube ich der Rolladen runter, es wurde 2 Grad kälter im Raum.

Bis zu diesem Punkt sagten sie: „Ist ja toll, was Sie bisher gemacht haben, wie spannend. Ja, aha.“ Und als sie die Zahl hörten, las ich in ihren Augen: „Aber dass Sie bei uns Geld verdienen wollen, finden wir nicht so gut.“ Und einer sagte tatsächlich: „Wissen Sie, wir bezahlen unsere Angestellten – im Unterschied zum öffentlichen Dienst – nicht nach Alter und Gewicht. Bei uns müssen Sie erstmal beweisen, was Sie können.“

Die Frage, ob ich einen eigenen PKW habe, musste ich verneinen. Warum auch, ich habe zwei U-Bahn-Linien und eine Buslinie in der Nähe von meiner Wohnung. Einen PKW zu haben hätte mir sicher einen entscheidenden Vorteil verschafft, da man für diese Tätigkeit oft in entlegene Dörfer fahren muss. Aber selbst wenn ich ein Auto hätte, ist die Frage, ob ich es hätte behalten können, bei diesem Gehalt. Ok, ich übertreibe, ich habe schon deutlich miesere Gehaltsangebote gesehen, und außerdem reicht so ein großer Sack Reis sicher für einen ganzen Monat. Aber langsam nervt es mich, immer zu hören – falls ich denn mal ein VG (Vorstellungsgespräch) habe – wie interessant mein Lebenslauf ist. Und dass sie dann traurig gucken, wenn ich ein Jahresgehalt nenne, für das ein Ingenieur morgens nichtmal aufstehen würde. Als ob ich nicht genug an dieser Tätigkeit interessiert bin, denn wenn ich wirklich interessiert wäre, würde ich ja auch für 3 Euro die Stunde arbeiten. So ungefähr ist der Ton.

Die Leute glauben einfach, dass alles und jeder billig zu haben ist. Jaja, wir wissen, Sie sprechen alle Weltsprachen außer Chinesisch, haben auf verschiedenen Kontinenten gearbeitet, können Projekte schmeißen, Verhandlungen mit Bauern oder Beamten oder Künstlern führen, geilen Kaffee kochen und zudem noch schreiben, telefonieren, recherchieren. Finden wir gaaaanz toll. Respekt. Aber ganz ehrlich, Geld ist doch nicht alles bei der Arbeit. Viel wichtiger sind doch nette Kollegen und Raum für eigene Ideen, oder? Also wir können nicht mehr als … zahlen.

Mein Lieblings-Pecorino ist in Heu gereift und seine Rinde während der Reifung ständig mit Olivenöl eingerieben worden. Er heißt glaube ich Pecorino in Grotta und kostet ca. 3-4 Euro pro 100 Gramm. Gute Dinge kosten Geld. Im Supermarkt krieg ich für 4 Euro womöglich ein Pfund Käse, aber will ich diesen Käse? Nein, lieber 100 gr geilen Käse als einen Pack Gouda mit Farbstoffen und Plastikrinde.

Ich will den Betrieb finden, der sagt: Mensch, Frau …, wir brauchen Ihre Erfahrungen, aber wir stellen Sie nur für das ein, was sonst niemand machen kann. Wir bieten Ihnen eine 50%-Stelle von der Sie leben können. Ruhen Sie sich an Ihren arbeitsfreien Tagen bitte aus, damit Sie Top-Leistungen bei uns bringen. Da würde ich ja sagen.

Bei der Verabschiedung fragten sie, ob ich einen Berliner möchte. Ich zierte mich nur ein wenig und nahm ihn. Also nett waren sie schon.

Jobangebot


Ich habe heute einen 400-Euro-Job angeboten bekommen! Ich hatte mich bei derselben Einrichtung auf eine halbe Stellen beworben (Projektkoordination). Und verbunden mit der Absage für die halbe Stelle wurde mir der 400-Euro-Job angeboten: Dateneingabe, Aktualisierungen. Und der Chef sagt zu mir: überlegen Sie sich in Ruhe, ob das interessant für Sie ist. Lange überlegen muss ich da wohl nicht – 400 Euro sind 400 Euro, ne?! Ist nett, dass er an mich gedacht hat. Es ist ein Trostpreis, aber ein ziemlich guter, der mir noch genügend Zeit lässt, nebenher andere Sachen zu machen.

Natürlich könnte ich mich darüber aufregen, dass sie für die halbe Stelle eine Verwaltungsfachkraft genommen haben. Und ich mit meinem Studium und jahrelanger Berufserfahrung Dateneingabe machen soll. Aber das tu ich nicht. Mir geht es inzwischen bei der Jobsuche nicht mehr vor allem um’s Ansehen – ich muss nicht von mir sagen können, dass ich bei der Stadt X im Kulturamt für die großen Veranstaltungen zuständig bin – oder bei irgendeiner Dax-Firma in der Personalabteilung sitze. Sondern es kann auch ganz nett sein, einfach auf relativ unspektakuläre, vielleicht sogar stressfreie Weise ein paar Euro zu verdienen. Und noch viel Zeit für cool stuff zu haben.

Stellenanzeige


Ich habe heute eine Stellenanzeige gelesen, auf die ich mich nicht bewerben werde. Denn ich bin leider keine eierlegende Wollmilchsau. Mich würde mal eine Statistik interessieren, wieviele Menschen es in Deutschland und Russland zusammen genommen gibt, die

a) perfekt Deutsch und Russisch sprechen UND

b) DaF oder Germanistik studiert haben UND

c) Projektmanagement-Erfahrung haben UND

d) über Verhandlungsgeschick verfügen UND

e) die ganzen Soft Skills wie Fähigkeit zu konzeptionellem und analytischem Denken, Teamfähigkeit, Kontaktfähigkeit, Organisationsgeschick, Belastbarkeit, Bereitschaft zu Dienstreisen haben UND

f) Word, Excel, Outlook, Powerpoint beherrschen UND

g) und dann noch bereit sind, sich in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit einzuarbeiten UND

h) wieviele davon gerade single, entschuldigung: auf Jobsuche sind UND

i) Residenten der Russischen Föderation sind UND

i) dazu Lust haben, in Moskau zu arbeiten, nach russischem Arbeits- und Tarifrecht.

Whow, wollen wir hier mal ne kleine Umfrage starten? Wieviele von diesen 9 Kriterien davon erfüllt Ihr? Ich: 6. Schreibt einfach nen Kommentar mit Eurer Quote.

Arbeitgeberin müsste ich sein. Oder als Single-Frau in derselben Position wie es etwa eine deutsche Stadtverwaltung ist, die eine Stelle im Kulturbereich ausschreibt. Ich würde über 100 fein gemachte Bewerbungen bekommen, die auf meine Anforderungen (Frau, reich, attraktiv, mindestens 170, exzellente Schnippel- und Spülfähigkeiten, mehrjährige Erfahrung im Bodenwischen oder die Bereitschaft, sich darin einzuarbeiten, gut im Bett, lange Haare, lange lockige Haare, abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium ist Grundvoraussetzung, aber bitte keine Promotion!) passen. Danke.

Wie schreibt man eine Bewerbung?


Wie schreibt man eine Bewerbung? Ups, nicht eine Bewerbung, nicht die erste Bewerbung, sondern die gefühlte 99. Bewerbung?

Da ist so oft das Männchen im Kopf, das sagt, ach komm, es wird sowieso nichts, mach doch lieber etwas, das dir Spaß macht. Schreib z.B. weiter an deinem Blog! Männchen im Kopf, du bist mir Befehl, ich gehorche dir hiermit.

Phrasen dreschen, Textbausteine neu zusammenzusetzten, und dabei immer wieder versuchen, eine auf die Stelle maßgeschneiderte Bewerbung hinzubekommen. 99 mal sagen, auf immer neue Weise: ich bin die Richtige für den Job, weil a) b) c).

Darf man beim Bewerbungen schreiben kotzen? Mein Bruder hat ein T-Shirt mit der Aufschrift: montags könnt ich kotzen. Ich brauch eins: beim Bewerbungen schreiben könnt ich kotzen. Aber wahrscheinlich ist das zu lang für ein T-Shirt. Nee, ich brauch kein T-Shirt, ich brauch einen Job.

Whow, vielleicht ist hier ja jemand, der mir einen Job anbieten möchte? Nicht dass ich ganz arbeitslos wäre, aber latent unterbezahlt und mit einem Tick zuviel Freizeit. Gerade soviel Freizeit, dass man das Gefühl hat, anstatt Kaffee trinken zu gehen Bewerbungen ersinnen zu müssen.

An diejenigen Ratsuchenden, die wegen der Überschrift dieses Artikels hier gelandet sind: sorry. Ehrlich sorry.