Zähne


„Du wirst dir an ihr die Zähne ausbeißen“. „Vergebene Liebesmüh“. „Du musst wissen, was dir wichtig ist“. „Niemand außer dir kann die Entscheidung treffen“. „Würdest du sie auch dann wollen, wenn die Frauen bei dir Schlange stehen?“

Freund D gestern abend. Danke.

Advertisements

Hellsehen


Aaaalso.

Ich hab Tarot probiert. Astrologie. Numerologie. Feng Shui. Küchenpsychologie. Philosophie. Und ganz viele Freunde gefragt, und selbst auch ein bisschen nachgedacht.

Aber was mach ich nur mit ihr? Ihr = die Ex, die vielleicht ihren Ex-Status verlieren soll.

Mein Problem mit Entscheidungen ist, dass ich glaube, es gäbe EINE richtige Entscheidung. Diese Entscheidung gilt es, mit dem Denken, mit Tarot, Astrologie, … etc zu ermitteln. So nach dem Motto: wenn ich nur lange genug nachdenke, abwäge, analysiere, fühle, werde ich wissen, was die richtige Entscheidung ist.

Aber das wäre Hellsehen.

Es gibt keine richtige Entscheidung, die man im Voraus erkennen kann. Es stellt sich immer erst im Nachhinein heraus, welche Entscheidung richtig oder falsch war. Und dann kann man eigentlich nicht von richtig oder falsch sprechen.

Eine richtige Entscheidung ist die, die man getroffen hat. Ich für mich bin froh, wenn ich eine Woche lang dieselbe Meinung über eine Sache habe. Z.B. als ich aus meiner alten Wohnung ausgezogen bin. Da habe ich ewig überlegt, und habe immer wieder meine Meinung geändert. Am Stuttgarter Bahnhof klebt in Leuchtbuchstaben ein Spruch von Hegel: „… dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum ist“. Ja, ewig zaudern bringt auch nichts, aber man kann auch nicht einfach drauflos und kopflos alles umschmeißen.

Und jetzt mit der Ex: sie ist nicht die Frau, die ich mir für eine Beziehung vorgestellt habe. Aber ich mag sie sehr und denke manchmal, dass auch etwas, das abseits meiner Vorstellungen und Erwartungen ist, sehr gut und schön sein kann. Aber bin ich bereit für eine lockere Beziehung mit einer Frau, die sich nicht binden will, die über ihre Gefühle nicht so spricht… Ist es zuviel Arbeit? Wieweit bin ich bereit, frustriert zu sein, mich zu ärgern, nicht die Kuscheleinheiten zu bekommen, die ich mir wünsche und ein Stück weit in einer Beziehung auch erwarte… In wieweit bin ich bereit, mich selbst in Frage zu stellen…

Reicht es zu denken, dass wir eine gute, tolle Beziehung haben könnten, wenn wir die vielen Dinge geklärt haben? Wenn sie endlich eingesehen hat, dass sie doch eine Beziehung will. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass nicht nur sie das Problem sein kann (ach nee!) Wie sang doch der gute Michael:

I’m starting with the man in the mirror
I’m asking him to change his ways
And no message could have been any clearer
If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make a change

Wiedersehen


mit der Ex.

Ja, genau, die Hundepostkarte hat gewirkt. Wir wollen uns zum Aussprechen treffen.

Ich habe sie seit 3 Monaten nicht gesehen.

Ich mag sie immer noch und würde mir etwas Ernsthaftes mit ihr wünschen. Sie mag mich auch, will aber keine Regelmäßigkeit.

Ich versuch jetzt mal, das alles gaaaaar nicht zu bewerten, ohne Erwartungen hinzugehen.

Ich hoffe einfach, dass wir neu anfangen können, dass wir einen gemeinsamen Weg finden, eine andere Art, miteinander umzugehen. Respektvoller, ehrlicher, liebevoller, verbindlicher. Ich glaube, ich kann ein Stück weit damit klar kommen, dass wir uns unregelmäßig sehen. Aber sie muss mir trotzdem vermitteln, dass sie mich mag und dass ich ihr wichtig bin.

Ich will nicht nur für kostenlosen Sex da sein.

Drückt mir die Daumen

Miss you


Hab ne Postkarte von der Ex bekommen. Ein trauriges Hundebaby guckt mich an.

Hinten drauf steht, sie vermisst mich sehr. Dass ich mich doch mal wieder melden soll.

Dafür gibts sicher eine Hotline und das ist nicht meine Festnetznummer.

Hast du nicht gesagt, du liebst mich nicht? Hast du nicht gesagt, Sex ist dir nicht so wichtig? Hast du nicht gesagt, du willst keine Beziehung? Warum auf einmal dieses Hundebaby, wo du doch weißt, dass ich Katzen lieber mag? Es rührt mich trotzdem.

Aber sag mir: was willst du?

Zöllibat


Vor ziemlich genau vier Jahren hatte ich das letzte Mal Sex mit einer anderen Person. Tja. Das gibt mir schon manchmal zu denken. Ich bin schließlich keine 80, wo man dann irgendwann denkt: ok, mir ist das nicht mehr so wichtig.

Mir ist es wichtig! In den letzten vier Jahren hab ich meine beiden Hände und eine kleine Auswahl an wohlgeformten Silikonteilen gedatet.

Und es gab da noch eine Frau, mit der ich einen Spaß-Zungenkuss ausgetauscht hab – die Frau hatte eine wahnsinns-erotische Ausstrahlung, aber die Art wie sie mir die Zunge in den Mund geschoben hat war so gewollt scharf, dass es mich abgetörnt hat.

Und dann gabs da noch eine Frau, die ich beim zweiten Date so begrabscht habe (und sie mich), wie es eben in der Öffentlichkeit bzw. unter dem Kneipentisch geht. Stundenlang haben wir die Arme umeinander gelegt, Oberschenkel gestreichelt, Händchen gehalten, die Haut unter dem Ärmel gestreichelt, bis ich am Kochen war. Sie wollte nicht bei mir übernachten, sie wollte nicht mal einen Kuss von mir zum Abschied, und ließ mich allein zurück, geiler als jeder Seeman kurz vorm Heimaturlaub.

Und das ist es, mein „Sexleben“ in den letzten vier Jahren. Und das eine ist, dass ich selbst meine beste Liebhaberin bin. Und das andere ist, dass ich mir die Nähe von einer anderen Person wünsche.

Und ich date und date und merke schon, wie leicht es mir fällt, mich mit unbekannten Frauen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich kann mich mit ihnen unterhalten, ohne vor Schüchternheit unter den Tisch zu kriechen, oder aus dem Stottern nicht mehr rauszukommen. Manchmal kommt mir das Daten wie ein Job vor, wie eine Pflicht, so wie Lebensmittel einkaufen. Es ist ja auch immer interessant und nett. Aber bisher teile ich mein Bett allenfalls mit meinen heißgeliebten schwulen Freunden oder mit verheirateten Freundinnen von auswärts.

Kann es vielleicht einmal richtig knallen?!

Lesbische Sexmythen (und vielleicht der eine oder andere Fakt)


Ein schwuler Freund, 16 Jahre älter als ich, hat mir nicht geglaubt, dass Lesben einander fisten.

Es ist nicht so, dass dieser Freund ein Kind von Traurigkeit ist. Nein, wenn ich mit ihm unterwegs war, konnte es passieren, dass er sich plötzlich von mir verabschiedete, in ein Taxi stieg und zu einer Schwulen-Disco fuhr, um dort mit einem Mann Sex zu haben. Dieser Freund hat so eine erotische Ausstrahlung, dass er automatisch alle Blicke auf sich zieht (nicht ganz unschuldig an dieser Ausstrahlung waren gelegentlich Substanzen wie Marihuana oder Kokain). Er ist unheimlich sexy und schön, Ende 40. Dieser Mann hat mir beigebracht, aus mir herauszugehen, mich auf andere Menschen sexuell einzulassen. Dass dabei nicht nur seine magische Ausstrahlung geholfen hat sondern auch mehrere Runden Bier, getoppt von Shots, ist eine andere Geschichte.

Und dieser Mann, der selbst mit wahrscheinlich Hunderten von Männern in allen möglichen und unmöglichen Situation Sex hatte, kann sich nicht vorstellen, dass zwei Frauen einander fisten. Weil das so gewalttätig ist. Ich sage ihm, es ist nicht gewalttätig, man geht langsam vor.

Viele Menschen denken, Lesben küssen, streicheln und lecken einander stundenlang, und wenn sie total versaut sind, nehmen sie noch einen Dildo. Nicht gerade eine tolle Werbung für uns!! Es hört sich nach Blümchensex an, nach Langeweile, nach vegetarisch und Rohkost und Vollkornspaghetti.

Je nach Standpunkt müssen wir Lesben als Wichsvorlage für notgeile Männer herhalten, als Inspiration für gelangweilte Ehefrauen von Männern, deren Zunge nach 2 Minuten einschläft (diese Frauen haben sich eigentlich bisher vor lesbischem Sex geekelt, aber wenn’s in der Cosmo steht, kann man’s ja mal probieren). Wir Lesben haben entweder gar keinen Sex (Stichwort „lesbian bed death“) oder es schnallt sich immer die männlichere von uns einen Dildo um. In lesbischen Magazinen werden auch mal Analtoys getestet, damit der Rest des Magazins nicht so schrecklich bieder und lustfeindlich wirkt wie er bei Licht betrachtet ist.

Und irgendwie wissen alle, dass das Klischees sind und in Wirklichkeit etwas anderes in unseren Betten abgeht. Oder?

Ich weiß eigentlich gar nicht, was die Lesbe an sich im Bett macht. Ich weiß nur, was ich bisher gemacht habe, was Freundinnen machen, und was in den Büchern steht.

Selbst der Sex bei L-Word wird nach ein paar Folgen langweilig. Die Frauen sehen dabei immer so aus, als müssen sie unheimlich scharf beim Sex aussehen. And boy do they look hot. Sie wissen, dass sie scharf aussehen – und dass Dellen in ihren Oberschenkeln später zuverlässig wegretuschiert werden.

Dabei ist das Besondere am Sex ja gerade, dass man sich fallen lassen kann. Dass man einmal in diesem Flow ist, in dem das Aussehen nicht zählt, sondern nur Berührungen, Gerüche, Stöhnen, Haut, Hitze, Erregung. Wenn ich dann noch überlegen muss, ob ich gerade erregt gucke oder meine Brüste richtig liegen oder mein Haar erotisch zerzaust und nicht einfach nur zerzaust ist, macht es nicht mehr so viel Spaß.

Für manche Menschen erscheint lesbischer Sex „cute“, als Augenweide. Das kann er sein, muss er aber nicht. Es ist wie beim Flamenco. Wer sich nicht auskennt, denkt bei Flamenco an rot-schwarze Rüschenkleider, Fächer, schwarze Dutts und gefällige Gitarrenmusik, bei der jeder wunderbar mitklatschen kann. Das ist der Blümchensex-Flamenco, den man in Barcelona in den Tablaos auf der Rambla ebenso findet wie in Robinson-Clubs auf den kanarischen Inseln (vermute ich). Richtiger Flamenco hört sich für viele an, als hätte der Sänger Bauchweh, kein Rhythmusgefühl und die Noten für den restlichen Teil des Liedes zuhause vergessen. Flamenco ist nicht gefällig, sondern im besten Fall roh, unangepasst, wild, unter die Haut gehend, kathartisch.

Wir Lesben streicheln einander nicht stundenlang. Ich zumindest nicht. Der lesbische Sex, den ich bisher hatte, war auch nicht immer automatisch wunderschön und lebensverändernd und voller Liebe. Nur weil ich selbst eine Frau bin, heißt das nicht, dass ich automatisch weiß, was eine andere Frau mag, auf welche Berührungen sie abfährt.

Und was geht nun bei uns im Bett ab? Nun: ich habe nie eine Frau geleckt, während sich ein Mann dazu einen runtergeholt hat. Ich weiß nicht, wie scharf wir ausgesehen haben. Ein weiterer Klassiker, 69, ist trickier als man denkt und erfordert etwas Übung und Phantasie. Dildos haben wir so gut wie nie benutzt, für einen lesbischen Bettentod waren wir nicht lange genug zusammen, und Analdildos haben uns (noch) nicht interessiert.

Was da noch übrigbleibt? 4 Brüste, 2 Münder, 2 Vaginas, 4 Beine und Arme, 20 Finger und Hunderttausende von Haaren.

Was mich im Bett am meisten antörnt? Wenn ich mit einer Frau lachen kann.