Ne Freundin gestern


Wir haben nicht mehr so engen Kontakt, aber gestern haben wir uns gesehen.

„Das scheint ja bei dir ein Muster zu sein“ (immer wieder an Frauen zu geraten, die aus welchen Gründen auch immer nicht zu haben sind)

„Mein Mann war ursprünglich nur eine Übergangslösung, weil ich in der neuen Stadt niemanden kannte.“ (sie haben vor 7 Wochen geheiratet und es war die schönste Hochzeit, die ich erlebt habe)

„Selbst wenn wir uns streiten, gehen wir nie zerstritten ins Bett. Wir sind beide nicht die Menschen, die etwas auf die Goldwaage legen oder lange nachtragend sind. Wir besinnen uns einfach darauf, dass wir uns doch lieben, und dann versöhnen wir uns wieder.“

Und ich meinte, dass es jetzt, wo ich gerade versuche, mich emotional von einer Frau zu lösen, schon sehr wehtut. Und dass Trennungen sehr weh tun. Und wie weh eine Trennung tun muss, wenn man viele Jahre zusammen war. Ich glaube, davor habe ich Angst. Und Angst, dass ich mich nicht trennen werde, weil ich vor diesem Schmerz so Angst habe. Und sie meinte, dass ich doch ein bisschen Vertrauen in andere Menschen haben soll, und dass ich mir vielleicht deshalb Frauen aussuche, die nicht zu haben sind – weil es da garantiert keinen Trennungsschmerz geben wird, da es keine Beziehung geben wird.

Ich kenne sie vom Philosophie-Studium. Food for tought

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Geraten


Ich bin ganz offen: ich gerate seit Jahren an Frauen, die aus irgendwelchen Gründen keine Beziehung mit mir möchten. In der Hinsicht bin ich ein Trüffelschwein (äh, Moment, passt das Bild? Naja, ich meine einfach nur, dass ich mir mit der Zielstrebigkeit eines Trüffelschweins vergebene oder beziehungsunwillige Frauen aussuche, mit einer Ausnahme).

Und die Frauen, die ich in diesem Zusammenhang bisher gedatet habe, sind toll. Wir haben uns gut verstanden, uns gut unterhalten, lustige bis sehr lustige Dinge getan. Und immer habe ich gedacht: sie wird schon zu mir kommen, sie braucht nur etwas Zeit (um über ihre Ex hinwegzukommen, um zu erkennen, dass sie zwar eigentlich keine Beziehung will, aber mit mir schon, oder, um sich von ihrer Freundin zu trennen).

Und irgendwie merke ich, wie schwer das für mich ist. Dass ich damit meine Bedürfnisse umgehe und meine Gefühle bremse. Und auch wenn mir die Freundschaften mit den Frauen Nähe und Spaß und Verstehen geben, habe ich das Gefühl, gegen eine Wand zu rennen, ich fühle mich ausgeliefert.

Da ist so viel in mir, das ich zu geben habe, und ich gehe damit von Frau zu Frau, wie eine Marktfrau, die ihre Waren anbietet, die immer wieder bei der selben Frau vorbeigeht und fragt: willst du nicht doch meine tollen Waren, sie werden dich auch bestimmt glücklich machen. Nein? Wirklich nicht?

Und die Frauen sagen: also gut, Sex habe ich schon, Liebe will ich nicht, aber Vertrauen, Zuhören und Nähe, geht das?

Und ich sage: „ok“ und knirsche mit den Zähnen und fühle mich als Opfer und bemitleidenswert, weil ich an die falschen Frauen gerate.

Ist es zu spät für Vorsätze? Ich gehe ab heute zu der Frau, die das Gesamtpaket nimmt, und die auf dem Markt auf mich zugerannt kommt und sagt: gerne!

Fabulous


Warum sind eigentlich meine ganzen Überschriften auf Englisch? Kann mir das jemand sagen? Hm.

Wegen Zöllibat und so: das Ende des Zöllibats ist ja bei mir schon ne Weile her. Also das Ende des Zöllibats vor dem jetzigen Zöllibat. Mit anderen Worten: die Zeit, in der ich Sex hatte und eine Beziehung.

Ich bin der Meinung, dass ich damals, kurz bevor ich meine letzten Erfahrungen gemacht hatte, fabulous war. Ich hab mich toll gefühlt und hatte eine tolle Ausstrahlung. Ich war entspannt, hab viel geraucht, hab in ner WG gelebt, in einem anderen Land, hab Kurzgeschichten geschrieben, meine ersten schwulen Freunde gehabt, tolle Klamotten getragen, war ein paar Gramm leichter… Eigentlich bin ich seither noch toller geworden. Ich rauche nicht mehr, habe längere Haare, bin bei fast allen geoutet, habe aufrichtigere, tiefere Freundschaften, …

Damals war ich offen für alles. Fürs Schreiben, für Abenteuer, für neue Leute. Hm. Inzwischen bin ich umgeben von so vielen tollen Leuten, dass ich gar nicht mehr so offen für neue Freunde bin, vielleicht.

Ich will eigentlich von ganzem Herzen eine Beziehung. Aber wenn ich dann eine Frau kennenlerne, die zu mir passen könnte, denke ich: was, die? Es gibt doch sicher noch hübschere, jüngere, größere, femininere Frauen als sie. Und wenn ich mich mit ihr einlasse, dann wars das erstmal mit Frauen daten. Die Vorstellung, nicht mehr zu daten, ist so ungewohnt. Nicht weil ich das Daten so liebe, sondern weil ich es einfach gewohnt bin. Gewohnt zu suchen, zu zittern, auf Gefühle zu warten, auf Zeichen von ihr, zu überlegen, was ich will… Dass das auf einmal wegfällt ist eine komische und beängstigende Vorstellung.

Man muss es auch aushalten, geliebt und verehrt zu werden. Ich bin da nicht so gut darin. Als das letzte Mal zwei Kolleginnen begeistert von meinem Outfit waren und sich gar nicht mehr einkriegten („und die Ohrringe passen so gut zu dem Oberteil, und ein Zopf steht dir super, und dann dieser tolle Kragen“) war mir das peinlich und ich hätte am liebsten „hört auf“ gerufen. Klar will ich toll aussehen. Klar will ich gut tanzen können. Klar will ich geliebt werden. Aber wehe jemand macht mir ehrlich gemeinte Komplimente.

Ich muss es langsam angehen lassen. Ich bin immer noch fabulous, aber auf eine andere Weise. Ruhiger, gesetzter. Was immer das heißen mag.

Here come the brides


Bei manchen Luxushotels auf Mauritius, den Seychellen oder auf Bali gibt es besondere Angebote für Paare in den Flitterwochen. So zahlt die Braut im einen Hotel 30 % weniger für die Übernachtung. Oder übernachtet im anderen gar völlig kostenlos. Nur das Essen muss sie zahlen.

Da stellt sich meinem sparbewussten Geist doch die Frage: was, wenn es zwei Bräute und keinen Mann gibt?

Da würde ich doch sofort meine nicht vorhandene Freundin aufs Standesamt zerren: „Schatz, wir können eine Woche im 6-Sterne blablaba mit unserer eigenen Freiluftbadewanne auf Bali wohnen. Let’s do it!“

Eigentlich könnte ich mal so eine Anzeige bei Lesarion aufgeben. „Hast du Lust, dich mit mir durch Luxushotels zu schnorren?“

So finde ich die Frau fürs Leben.

bloß keine kotzenden Pferde


Vor zwei Jahren habe ich mit einer Frau gemailt, die an heißen Nächten interessiert war. Wir mailten eine Woche hin und her, bevor wir uns trafen. In den Mails hatten wir uns Sachen geschrieben wie „aha, du willst also zum Abendessen im Restaurant eine Krawatte tragen – solange du sonst nichts trägst bin ich einverstanden“. Ich konnte es kaum erwarten sie zu sehen und lief dauergrinsend und dauerfeucht durch die Gegend. Beim Treffen stellte sich heraus: die Frau ist absolut nicht mein Fall, nicht mal für eine Nacht, aber wir redeten über unsere Jobs. Sie muss in ihrem Job immer gucken, dass alles glatt läuft, alles absprechen, organisieren, koordinieren, optimieren. Und sie meinte, dass sie das auch auf ihre Freizeit überträgt. Sie musste tagsüber schon wissen, ob der Club abends eine Garderobe hat, an der sie ihren Rucksack abgeben kann. Denn wenn nicht, würde sie etwas komplett anderes anziehen müssen oder so (ich erinnere mich nicht mehr). Auf mich wirkte sie etwas gestresst und frustriert, weil sie sich für den gutbezahlten, sicheren Job und gegen ein Studium entschieden hat.

So, und ich bin ja auch so ne Projektkauffrau ab und an. In meinem anderen Job koordiniere ich auch Termine, Leute, Interessen… Und diese Denke: worauf muss ich bei diesem Vorgang achten, was könnte passieren, wenn ich X tue, was muss ich vermeiden – diese Denke überträgt sich auf mein Privatleben. Auf meinen Umgang mit Freunden, mit der Frau, die ich gerade date. In meinen Jobs muss ich Handwerker, Oberbürgermeister, Kulturschaffende, Jugendliche, Verwaltungsfachangestellte als rohe Eier betrachten. Meine Mails sollte ich im Konjunktiv formulieren, und in jedem Satz ein Bitte fallen lassen, und am besten jede Aussage als Frage formulieren. Nach dem Motto: ich hab schon Pferde kotzen sehen. Bloß niemanden beleidigen (und man kann sich gar nicht vorstellen, mit was man Leute alles beleidigen kann), übergehen, sich im Ton vergreifen…

Und wenn ich der Frau, die ich gerade date, am Morgen nach unserem 7. sexfreien Date ein weiteres Treffen nächste Woche vorschlage und sie sich nicht zurückmeldet – dann denke ich sofort: das Pferd kotzt. Denke, ich hätte noch wenigstens bis zum Mittag mit meiner SMS warten sollen. Oder, dass sie noch ne andere im Auge hat und ich gestern naja was auch immer nicht genug war.

Und wenn ich mal einem Freund direkt sage, dass ich am Wochenende doch nicht zu ihm in die zwei Stunden entfernte Stadt fahre, weil ich einfach nur meine Ruhe will und keine Lust auf Gesellschaft, auch nicht die von guten Freunden, habe – dann habe ich kurz Angst, dass ich zu direkt bin und er meinen könnte, ich mag ihn nicht mehr oder dass ich langweilig bin. Aber das tut er nicht.

Und die Frau, die ich gerade date, weiß vielleicht mein direkt zum Ausdruck gebrachtes Interesse zu schätzen. I will keep you posted.

Tipp des Tages


von einer anderen Freundin, die ich auch Seelenverwandte nenne.

Wenn Menschen am Anfang einer Beziehung, also bei Dates, distanziert sind, dann wollen sie sich vielleicht einfach schützen. Dass sie noch den Schmerz von der letzten Trennung verarbeiten und vorsichtig sind, wenn sie sich auf etwas Neues einlassen. Ihr Tipp ist: warten, wie es sich entwickelt. Die andere Möglichkeit, die sie vorschlägt: mit der Frau schlafen. Denn körperliche Nähe bewirkt, dass wir uns in die Person verlieben (das sind irgendwelche chemischen Prozesse, die das bewirken – so haben es Forschungen ergeben).

Das Problem ist nur: ich brauche ein gewisses Maß an Vertrautheit, um jemanden auch nur zu küssen. Oder Promille im Blut. Ihre Distanziertheit bewirkt ja gerade, dass ich mich nicht traue, mich ihr körperlich zu nähern. Ein oder zwei Bier reichen da auf keinen Fall! Und außerdem will ich sie nicht mit Alkoholfahne zum ersten Mal küssen, und ich will diesen Moment bewusst erleben. Jaja. Am besten vorher noch meditieren, damit ich ihn voll auskosten kann 😉

Ich werde mich auf jeden Fall weiter mit ihr treffen und weiter hier berichten. Drückt mir die Daumen!