Bist du meine neue Wohnung?


Die letzte Wohnung, die ich in der neuen Stadt besichtigt habe, war 15 Quadratmeter groß. Wir reden hier nicht von einem WG-Zimmer, sondern von einer kompletten Wohnung. In meiner Heimatstadt war mein Arbeitszimmer 15 Quadratmeter groß, ich konnte mir nicht vorstellen, wie man eine Wohnung darin unterbringen kann, also habe ich einen Besichtigungstermin ausgemacht. Hohe Decken, hohe Fenster mit Blick auf den Garten und auf eine urban anmutende Backsteinmauer, Tomaten vor dem Fenster. Das Bett war natürlich in der Höhe eingebaut, darunter ein ordentlich großes Bad. Eine kleine Küchenzeile mit Bartisch und -Hockern, ein Schreibtisch und sogar ein Sessel passten in den Rest des Kleinods. Es war eine der charmantesten Wohnungen, die ich je gesehen habe, und für einen kurzen Moment überlegte ich: Bist du meine neue Wohnung? So etwas Originelles, dann könnte ich mich auch originell und künstlerisch fühlen. Genau, wie eine Künstlerin im Schlafwagenabteil, nur dass sie da nicht nach 10 Stunden aussteigt, sondern dort WOHNT. Die derzeitige Bewohnerin ist eine der nettesten Menschen, die mir auf meiner Wohnungssuche begegnet sind. Wirkt gar nicht geduckt oder eingeengt, sondern fröhlich, authentisch, offen.

Ich denke oft, mit der Wahl meiner Wohnung ein Statement zu machen, mich irgendwie toll darzustellen. Ich denke zum Beispiel: hey, wenn ich in diese Siff-WG ziehe, kann ich hinterher sagen, ich habe in einer Siff-WG gelebt und mich über Rauch in der Küche geärgert und mich ob des Schimmels im Bad geschüttelt, das hat mich als Autorin geprägt. Und dass ich mich natürlich als viel geselligeren Menschen sehen könnte. Andererseits habe ich schon einmal vier Wochen in einem Studentinnenwohnheim in Russland gelebt und ich sag euch: da war genug Siff und so wenig Privatsphäre (keine Türen an den Toilettenkabinen), dass es zumindest für meine erste Lebenshälfte vollauf reicht. Also nein, Siff-WG, du bist nicht meine neue Wohnung.

Ich hätte mir natürlich auch die obere Etage einer Stadtvilla mit einer Frau und ihren zwei Kindern (2 und ca. 6 Jahre alt) teilen und mir dabei supertolerant, kinderlieb und lässig vorkommen können. Zumindest in den Momenten, in denen ich mich nicht dafür hasse, von den Kindern und ihren schrillen Stimmen genervt zu sein und hin- und herzuüberlegen, ob ich etwas sagen soll, kann, darf.

Ich hätte eine Wohnung ohne Einbauküche nehmen können und – obwohl ich beim Packen weder an Bohrmaschine, Schraubenzieher, nicht mal an einen Meterstab gedacht habe, ganz zu schweigen von muskulösen Hilfskräften – irgendwie eine Einbauküche besorgen, zusammenstückeln, einen Herd und die Spüle anschließen können (es gibt ja schließlich Youtube-Anleitungen), Schränke an die Wand dübeln, und mir dabei tough und selbständig und Frauenpowermäßig vorkommen können, nur hätte ich keinem von den blauen Flecken, Nervenzusammenbrüchen und Verwünschungen erzählen dürfen.

Was nehme ich nun, hoffend, dass es vollends klappt? Eine 2-Zimmerwohnung im 6. Stock mit Einbauküche, Waschmaschine, Lampen an den Decken und einem großen Bett. Und ich komme mir dabei weder originell, tough, gesellig, künstlerisch oder sonst etwas vor, sondern weiß, dass ich in einer Wohnung Platz, viel Licht, eine funktionierende Kochstelle und Privatsphäre brauche. Und das eingebaute Fitnessstudio ist auch nett.

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Freude heute


  • Besuch bei meiner Mama, durch den wild wuchernden Garten spazieren, Tomaten und Paprika ernten, frisch gebackenen Hefezopf und eigene neue Kartoffeln aus dem Backofen essen, zuhören.
  • schwarze Halbschuhe finden, die bequem sind und ganz gut aussehen. Ich wohne ja in Stuttgart mit ca. 22 Millionen Schuhläden, aber beim Schuhekaufen schwöre ich auf das Schuhgeschäft nahe meines Heimatdorfes. Die haben eine große Auswahl an „Bequem-Schuhen“ und ich fühle mich da manchmal frühzeitig gealtert. Dafür haben sie genug, aber nicht zuviel Auswahl in Größe 43, so dass ich maximal 8 Paar Schuhe anprobieren muss. Auch finde ich es angenehm, dass mir die Verkäuferin beim In-den-Schuh-Schlüpfen hilft, selbst wenn ich noch alleine schaffen würde. Bequeme Schuhe – herrlich!
  • ein kostenloses Virenprogramm finden, das auf Windows 2000 läuft und meinen fast 9 Jahre alten Rechner nicht komplett lahmlegt.
  • meine Chino-Hose tragen (ist jetzt zum 3. Mal dabei, bitte nicht mehr wählen)
  • Lesben-Pornos gucken, und zwar solche, bei denen ich Anregungen für die eigene Praxis bekomme (hier schon einmal ein großes NEIN an alle, die aufgrund dieses Begriffs hier landen. Hier gibt’s keine Lesbenpornos zum Gucken, und ich sag auch nicht, wo ich meine finde, aber du darfst gerne den restlichen Blog lesen)
  • sehen, dass sie am Stuttgarter Hauptbahnhof die Scheiben aus den Gleisdächern genommen haben und meine Fotos davon nun endgültig historisch sind (naja, nur halbe Freude).

Und was sind eure Top 6 (oder 3, oder 5, oder 10) heute?

Here come the brides


Bei manchen Luxushotels auf Mauritius, den Seychellen oder auf Bali gibt es besondere Angebote für Paare in den Flitterwochen. So zahlt die Braut im einen Hotel 30 % weniger für die Übernachtung. Oder übernachtet im anderen gar völlig kostenlos. Nur das Essen muss sie zahlen.

Da stellt sich meinem sparbewussten Geist doch die Frage: was, wenn es zwei Bräute und keinen Mann gibt?

Da würde ich doch sofort meine nicht vorhandene Freundin aufs Standesamt zerren: „Schatz, wir können eine Woche im 6-Sterne blablaba mit unserer eigenen Freiluftbadewanne auf Bali wohnen. Let’s do it!“

Eigentlich könnte ich mal so eine Anzeige bei Lesarion aufgeben. „Hast du Lust, dich mit mir durch Luxushotels zu schnorren?“

So finde ich die Frau fürs Leben.

Zöllibat


Vor ziemlich genau vier Jahren hatte ich das letzte Mal Sex mit einer anderen Person. Tja. Das gibt mir schon manchmal zu denken. Ich bin schließlich keine 80, wo man dann irgendwann denkt: ok, mir ist das nicht mehr so wichtig.

Mir ist es wichtig! In den letzten vier Jahren hab ich meine beiden Hände und eine kleine Auswahl an wohlgeformten Silikonteilen gedatet.

Und es gab da noch eine Frau, mit der ich einen Spaß-Zungenkuss ausgetauscht hab – die Frau hatte eine wahnsinns-erotische Ausstrahlung, aber die Art wie sie mir die Zunge in den Mund geschoben hat war so gewollt scharf, dass es mich abgetörnt hat.

Und dann gabs da noch eine Frau, die ich beim zweiten Date so begrabscht habe (und sie mich), wie es eben in der Öffentlichkeit bzw. unter dem Kneipentisch geht. Stundenlang haben wir die Arme umeinander gelegt, Oberschenkel gestreichelt, Händchen gehalten, die Haut unter dem Ärmel gestreichelt, bis ich am Kochen war. Sie wollte nicht bei mir übernachten, sie wollte nicht mal einen Kuss von mir zum Abschied, und ließ mich allein zurück, geiler als jeder Seeman kurz vorm Heimaturlaub.

Und das ist es, mein „Sexleben“ in den letzten vier Jahren. Und das eine ist, dass ich selbst meine beste Liebhaberin bin. Und das andere ist, dass ich mir die Nähe von einer anderen Person wünsche.

Und ich date und date und merke schon, wie leicht es mir fällt, mich mit unbekannten Frauen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich kann mich mit ihnen unterhalten, ohne vor Schüchternheit unter den Tisch zu kriechen, oder aus dem Stottern nicht mehr rauszukommen. Manchmal kommt mir das Daten wie ein Job vor, wie eine Pflicht, so wie Lebensmittel einkaufen. Es ist ja auch immer interessant und nett. Aber bisher teile ich mein Bett allenfalls mit meinen heißgeliebten schwulen Freunden oder mit verheirateten Freundinnen von auswärts.

Kann es vielleicht einmal richtig knallen?!

Lesbische Sexmythen (und vielleicht der eine oder andere Fakt)


Ein schwuler Freund, 16 Jahre älter als ich, hat mir nicht geglaubt, dass Lesben einander fisten.

Es ist nicht so, dass dieser Freund ein Kind von Traurigkeit ist. Nein, wenn ich mit ihm unterwegs war, konnte es passieren, dass er sich plötzlich von mir verabschiedete, in ein Taxi stieg und zu einer Schwulen-Disco fuhr, um dort mit einem Mann Sex zu haben. Dieser Freund hat so eine erotische Ausstrahlung, dass er automatisch alle Blicke auf sich zieht (nicht ganz unschuldig an dieser Ausstrahlung waren gelegentlich Substanzen wie Marihuana oder Kokain). Er ist unheimlich sexy und schön, Ende 40. Dieser Mann hat mir beigebracht, aus mir herauszugehen, mich auf andere Menschen sexuell einzulassen. Dass dabei nicht nur seine magische Ausstrahlung geholfen hat sondern auch mehrere Runden Bier, getoppt von Shots, ist eine andere Geschichte.

Und dieser Mann, der selbst mit wahrscheinlich Hunderten von Männern in allen möglichen und unmöglichen Situation Sex hatte, kann sich nicht vorstellen, dass zwei Frauen einander fisten. Weil das so gewalttätig ist. Ich sage ihm, es ist nicht gewalttätig, man geht langsam vor.

Viele Menschen denken, Lesben küssen, streicheln und lecken einander stundenlang, und wenn sie total versaut sind, nehmen sie noch einen Dildo. Nicht gerade eine tolle Werbung für uns!! Es hört sich nach Blümchensex an, nach Langeweile, nach vegetarisch und Rohkost und Vollkornspaghetti.

Je nach Standpunkt müssen wir Lesben als Wichsvorlage für notgeile Männer herhalten, als Inspiration für gelangweilte Ehefrauen von Männern, deren Zunge nach 2 Minuten einschläft (diese Frauen haben sich eigentlich bisher vor lesbischem Sex geekelt, aber wenn’s in der Cosmo steht, kann man’s ja mal probieren). Wir Lesben haben entweder gar keinen Sex (Stichwort „lesbian bed death“) oder es schnallt sich immer die männlichere von uns einen Dildo um. In lesbischen Magazinen werden auch mal Analtoys getestet, damit der Rest des Magazins nicht so schrecklich bieder und lustfeindlich wirkt wie er bei Licht betrachtet ist.

Und irgendwie wissen alle, dass das Klischees sind und in Wirklichkeit etwas anderes in unseren Betten abgeht. Oder?

Ich weiß eigentlich gar nicht, was die Lesbe an sich im Bett macht. Ich weiß nur, was ich bisher gemacht habe, was Freundinnen machen, und was in den Büchern steht.

Selbst der Sex bei L-Word wird nach ein paar Folgen langweilig. Die Frauen sehen dabei immer so aus, als müssen sie unheimlich scharf beim Sex aussehen. And boy do they look hot. Sie wissen, dass sie scharf aussehen – und dass Dellen in ihren Oberschenkeln später zuverlässig wegretuschiert werden.

Dabei ist das Besondere am Sex ja gerade, dass man sich fallen lassen kann. Dass man einmal in diesem Flow ist, in dem das Aussehen nicht zählt, sondern nur Berührungen, Gerüche, Stöhnen, Haut, Hitze, Erregung. Wenn ich dann noch überlegen muss, ob ich gerade erregt gucke oder meine Brüste richtig liegen oder mein Haar erotisch zerzaust und nicht einfach nur zerzaust ist, macht es nicht mehr so viel Spaß.

Für manche Menschen erscheint lesbischer Sex „cute“, als Augenweide. Das kann er sein, muss er aber nicht. Es ist wie beim Flamenco. Wer sich nicht auskennt, denkt bei Flamenco an rot-schwarze Rüschenkleider, Fächer, schwarze Dutts und gefällige Gitarrenmusik, bei der jeder wunderbar mitklatschen kann. Das ist der Blümchensex-Flamenco, den man in Barcelona in den Tablaos auf der Rambla ebenso findet wie in Robinson-Clubs auf den kanarischen Inseln (vermute ich). Richtiger Flamenco hört sich für viele an, als hätte der Sänger Bauchweh, kein Rhythmusgefühl und die Noten für den restlichen Teil des Liedes zuhause vergessen. Flamenco ist nicht gefällig, sondern im besten Fall roh, unangepasst, wild, unter die Haut gehend, kathartisch.

Wir Lesben streicheln einander nicht stundenlang. Ich zumindest nicht. Der lesbische Sex, den ich bisher hatte, war auch nicht immer automatisch wunderschön und lebensverändernd und voller Liebe. Nur weil ich selbst eine Frau bin, heißt das nicht, dass ich automatisch weiß, was eine andere Frau mag, auf welche Berührungen sie abfährt.

Und was geht nun bei uns im Bett ab? Nun: ich habe nie eine Frau geleckt, während sich ein Mann dazu einen runtergeholt hat. Ich weiß nicht, wie scharf wir ausgesehen haben. Ein weiterer Klassiker, 69, ist trickier als man denkt und erfordert etwas Übung und Phantasie. Dildos haben wir so gut wie nie benutzt, für einen lesbischen Bettentod waren wir nicht lange genug zusammen, und Analdildos haben uns (noch) nicht interessiert.

Was da noch übrigbleibt? 4 Brüste, 2 Münder, 2 Vaginas, 4 Beine und Arme, 20 Finger und Hunderttausende von Haaren.

Was mich im Bett am meisten antörnt? Wenn ich mit einer Frau lachen kann.

Sextalk


Da sieht man eine lesbische Bekannte mal wieder – in letzter Zeit hatten wir wenig Kontakt. Sie hatte eine schlimme Trennung hinter sich und eine neue turbulente Beziehung. Ich hatte meine eigenen Probleme.

Aber heute haben wir uns mal wieder getroffen, teilen ein Sandwich und ein paar Pommes rot-weiß, begleitet von ner Halben, und auf einmal reden wir über Sex mit Frauen. Ich habe ihr erzählt, was ich mit meiner Exfreundin im Bett gemacht habe. Dass mir die langen Haare meiner Ex gefallen haben, weil sie so schön auf meinen Oberschenkeln gekitzelt haben – bis sie sich die Haare kinnlang schneiden ließ, was ich sehr bedauert habe. Wir erzählen von Dildos und ihren Anwendungsmöglichkeiten. Und sie erzählt mir, was mit ihrer Ex lief (oder eher nicht lief) und mit ihrer jetzigen Freundin.

Solche Dinge und noch mehr haben wir uns erzählt, teilweise Sachen, die meine ältesten Freunde und Freundinnen nicht wissen. Aber sie auf einmal. Und das alles, während ein Ehepaar mit 2-jähriger Tochter mit uns am Tisch sitzt und Thai-Gemüse, Linsen, Spätzle und Saiten plus Pommes futtert. Meine Bekannte hat Angst, dass sie mithören und zuckt regelmäßig bei den Worten Dildo, Sex, lesbisch, Freundin zusammen. Sie blickt immer wieder scheel in die Richtung der Kleinfamilie. Ganz nervös werden ihre Blicke, wenn ich von schwulen Männern in Unterhosen berichte. Die Familie scheint mit sich selbst beschäftigt, und der Mann haut immer wieder mit der Tochter in den Raucherbereich ab. Und wir reden weiter, ob es für ein lesbisches Paar normal ist, von Anfang an Oralsex zu haben, oder ob man dafür erst mehr Vertrauen aufbauen muss. Ich: nein, sie: ja.

Irgendwas muss in den Pommes gewesen sein.