Absage, wertschätzende


Die hier kam von einer Personalberatungsfirma (nennt man die so?) – eine Firma, die Führungskräfte für andere Firmen aussucht, wenn die Firma sich selbst nicht drum kümmern oder anonym bleiben will.

Persönlich – Vertraulich
Fraulinde
Fraulindestraße 44
44444 Fraulindestadt

Sehr geehrte fraulinde,

ich möchte mich heute nochmals für Ihre Bewerbung herzlich bedanken. Die gründliche Prüfung aller verfügbaren Informationen hat ergeben, dass mein Klient Ihre Bewerung nicht weiterverfolgen möchte.

Für die aufgewendete Zeit, für Ihre Mühe und das uns entgegen gebrachte Vertrauen möchte ich mich bei Ihnen ganz persönlich bedanken. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie anlässlich einer anderen Ausschreibung in der Zukunft den Kontakt zu mir wieder aufnehmen würden.

Für Ihre berufliche Zukunft wünsche ich Ihnen das Beste.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. (Assistentin)

xx yy
Vorstand

Da sie sich nach der (ebenfalls netten) Eingangsbestätigung eine Weile nicht gemeldet hatten, rechnete ich eh nicht mehr mit einer Einladung, und so habe ich mich über diese wohlformulierte Absage fast gefreut.

Diese Absage ist einfach einen Tick netter als die anderen. Ich finde es gut, dass der Mensch mir für meine Zeit und meine Mühe dankt und nicht davon ausgeht, dass Bewerbungsschreiber eh Assis sind, die gefälligst ihren Arsch in Jogginghose zum Schreibtisch zum produktiven Bewerbungsschreiben bewegen sollen. Und auch die Aussage, dass ich gerne wieder Kontakt mit ihm aufnehmen könnte, finde ich gut – klar ist es eine Floskel, aber es ist eben anders formuliert als in den restlichen Absagen und dadurch wirkt es echt. Auch dass er mir für meine berufliche Zukunft „das Beste“ wünscht, gefällt mir – anstatt das übliche, abgedroschene „viel Erfolg“.

Und so hat die Firma einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Firmen: auch wenn ihr uns als potentielle Mitarbeiter aussortiert habt, hinterlasst bitte trotzdem einen guten Eindruck bei uns.

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Absage, mal wieder


Sehr geehrte fraulinde,

wir bedanken uns für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse, dass (!) Sie dem xxx entgegengebracht haben. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns im Bewerbungsverfahren für die o.a. Stelle anderweitig entschieden haben.

Für Ihren weiteren beruflichen und persönlichen Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Hey man, ist doch klar, alles locker, yo! Sie bitten mich um Verständnis? Aber bitte gerne! Ich würde mich auch nicht einstellen. Sollten Sie Bedarf haben, den Unterschied zwischen dass und das erklärt zu bekommen, können Sie sich selbstverständlich jederzeit gerne an mich wenden. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach auch persönlich und beruflich alles Gute und viel Spaß mit dem/der neue/n Kollege/in.

Peace!

Absage – international


Ach, die gute alte UNESCO – sowas traut sich auch nur eine internationale Organisation.

Dear Madam,

I wish to refer to your candidature for the above-mentioned post and regret to inform you that it has been decided to cancel the recruitment procedure for this post.

May I take this occasion to thank you once again for the interest you have shown in the programmes and activities of UNESCO.

Yours sincerely,

blabla

Sprich: blabla hatte keinen Bock mehr auf das ganze Bewerbungsverfahren. Also wurde es einfach gecancellt. Es gibt eh schon genug Weltkulturerbe.

Absage – von einer Universität


Eine Universtität muss natürlich auch bei den Absagen als etwas wichtiger abheben.

Sehr geehrte Fraulinde,

nach einem langwierigen und schwierigen

(schließlich ging es um nicht weniger als eine neue Verwaltungsangestellte – es hat zwar nicht die Tragweite des Nahostkonflikts, aber fast. )

Entscheidungsfindungsprozess

(und schon haben wir das neue längste Wort der Welt geschaffen!)

wurde über die Besetzung

(dass das mal klar ist: es wurde entschieden. Ich bin nur ein kleines Rädchen im Getriebe und kann gar nichts dafür)

der oben genannten Mitarbeiterstelle

(denn es wäre zu umständlich, die Bezeichnung der Stelle hier nochmal zu nennen. Sonst könnten wir ja keine Standard-Absage mehr verwenden)

entschieden. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben. Wir möchten uns nochmals für Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle bedanken und Ihnen alles Gute für Ihre weitere berufliche Zukunft wünschen.

(dann tu das doch, man!)

Ihre Bewerbungsunterlagen erhalten Sie beigefügt zu unserer Entlastung zurück.

(Sie können sich gar nicht vorstellen, wie belastend solche Bewerbungsunterlagen sein können.)

Mit freundlichen Grüßen

i.A.

xyz

Absage – etwas bemüht


Sehr geehrte Fraulinde,

leider müssen wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen zurücksenden

(Hinter mir steht ein Mann mit einer Waffe und droht mich umzubringen, wenn ich nicht sofort Ihr Eigentum zurückschicke. Ich hätte sie ja wirklich gerne behalten, aber ich muss.).

Wir hatten ein sehr dichtes Bewerberfeld

(hier hat einer gedacht: ich schreib nicht den üblichen Scheiß sondern denke mir mal was Neues aus. Aber hallo, Formel 1 war am Sonntag, heute ist ein Wochentag!!)

mit nahezu gleichrangigen Qualifikationen, sodass wir Ihre guten und aussagekräftigen Unterlagen

(wie redundant ist das denn: ich würde doch nie zulassen, dass Bäume für etwas Aussageloses gekillt werden.)

bedauerlicher Weise

(! ätsch, Rechtschreibreform falsch verstanden – dieses Wort schreibt man zusammen)

nicht berücksichen konnten.

Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren beruflichen Werdegang alles Gute und viel Erfolg

(danke, kann ich brauchen, denn diese Absage ist wohl der größte Rückschlag meiner Laufbahn).

Mit freundlichen Grüßen

Schönste Absagen Teil 3


auch köstlich, von einer deutschen Stadt, vom Dezernat „Stadtsteuerung“, Bereich „Personal“.

„Ihre Bewerbung um eine Volontariatsstelle im xxx-Zentrum

Sehr geehrte Fraulinde,

vielen Dank für Ihre Bewerbung.

Nach eingehender Prüfung

(wir haben eine state-of-the-art Maschine, wo man die Bewerbung einlegt, und wenn sie am Ende in Streifen geschreddert rauskommt, nehmen wir sie nicht)

hat sich ergeben, dass Ihre Bewerbung nicht berücksichtigt werden konnte.

(Ooh, schade).

Die Zahl unserer Volontariatsplätze ist nämlich begrenzt

(ach, sagen Sie bloß – wir im Süddeutschen sagen übrigens anstatt „nämlich“ „fai“ – wussten Sie das?),

wobei die Anzahl der Bewerbungen nach wie vor die Zahl der angebotenen Volontariatsstellen um ein Vielfaches übersteigt.

(Lässt sich das nicht auch in einer einfachen, mathematischen Formel ausdrücken? Kommen Sie, das kriegen Sie bestimmt hin).

Deshalb bitten wir Sie um Verständnis, wenn wir Ihre Bewerbungsunterlagen wieder zurücksenden

(hallo? Das ist ja voll assi).

Wir hoffen, dass Sie sehr bald

(schon morgen!)

eine geeignete Volontariatsstelle finden und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute

(danke, denn gerade geht es mir scheiße, dank Ihrer Absage).

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

(denn so eine Absage darf ich nicht eigenmächtig eintüten und zurückschicken)

y“

Ok, jetzt muss ich aber eine richtige Bewerbung schreiben.

Liebhaberei


Liebhaberei nennt das Finanzamt Tätigkeiten, mit denen man auch über mehrere Jahre hinweg keinen Gewinn erzielt bzw. sogar Verluste macht. Das Finanzamt geht dann davon aus, dass man diese Tätigkeit, z.B. Briefmarken sammeln, hauptsächlich ausübt, weil sie einem Spaß macht, und nicht weil man damit seinen Lebensunterhalt finanziert. Dadurch raus ergeben sich bestimmte steuerliche Nachteile, aber genau weiß ich das nicht mehr.

Es gibt ausgeschriebene Stellen, die eigentlich Liebhaberei sind. Und damit meine ich nicht, dass man mit dem/der Vorgesetzten was anfangen muss, um die Stelle zu bekommen. Es sind Stellen, bei denen man so wenig verdient, dass man es nicht mehr als Arbeit, sondern als Liebhaberei auffassen muss.

Ich hatte mich letztes Jahr bei einer Stadtverwaltung im Bereich Kunst und Städtepartnerschaften beworben. Es war eine halbe Stelle, einstellige TVÖD-Tarifgruppe. Dort wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich hatte mich vorher informiert, wieviel Euro ich im Monat bei dieser Stelle verdienen würde. Dreistellig brutto. Sollte aber an mindestens 4-5 Tagen dort sein. Und die Personalerin fragte mich noch, als sie die dreistellige Zahl nannte: „reicht Ihnen das?“ In einem Ton, der suggerierte: „ich weiß, dass das niemandem reicht, aber haben Sie sonst noch irgendein Einkommen in Form von gutverdienendem Ehemann, Mieteinnahmen, Konten in der Schweiz?“

(für Euch zur Info: nein, nein, nein) Nicht nur, dass die wollten, dass ich an 4-5 Tagen dort bin. Ich sollte ja auch bei Veranstaltungen am Wochenende und bei Reisen in die Partnerstädte dabei sein. Umstände, die es so gut wie unmöglich machen, einen zweiten Job nebenher zu haben, denn was soll ich denen sagen: äh, nachmittags kann ich im Prinzip schon, wenn ich nicht gerade nach Frankreich oder Kroatien muss oder ne Ausstellung vorbereite…

Wovon träumen manche Leute nachts? Naja, das wurde nichts.

Es gab auch noch eine andere Stelle bei einer anderen Stadtverwaltung. Dort sollte man Führungen und Veranstaltungen in einem Museum organisieren. In TVÖD so niedrig eingestuft, dass man eher von einem Taschengeld als von einem Verdienst sprechen kann. Natürlich musste man dafür Kunstgeschichte studiert haben, man muss ja intelligent gucken können, wenn man Kunsthistoriker für Führungen gewinnen will. Genau! Man muss auch, wenn man sie dann für die Führung herbestellt und ihnen einen Kaffee serviert, im richtigen Ton sagen können: „Da kennen Sie sich ja viel besser aus, ich bin da gerade nicht so in der Materie drin.“ In der Stellenanzeige stand auch, dass dieser Job „besonders für eine Wiedereinsteigerin geeignet ist“. Mag jemand übersetzen? Hier meine Version: „Wir suchen eine Frau, dessen Mann genug verdient, und die eigentlich gar kein Geld verdienen will, sondern nur mal ihren Bälgern daheim entfliehen will und ihr Studium nicht gänzlich versanden lassen will.“ Ja, ich bin böse, ich bin vielleicht auch neidisch auf Frauen, die einfach von ihrem Mann ein Kind bekommen können. Aber es ist erstens unverschämt, einer Kunsthistorikerin 10 Euro auf die Stunde zu zahlen (egal wieviel ihr Mann oder ihre Eltern oder ihre Lebenspartnerin verdient) und zweites ist es unverschämt, eine Mutter auf die Stelle setzen zu wollen. Warum muss sie Kinder ausgetragen haben?!

Ich habe mich auf diese Stelle auch beworben und es wurde nichts. Zufällig lernte ich diese „Wiedereinsteigerin“ mit Kunstgeschichte-Abschluss später in einem anderen Zusammenhang kennen, die Gewinnerin aus 80 Bewerbungen. Sie schnitt Brot zu einer Pressekonferenz auf, empfing uns Besucherinnen mit einer der Kunst gegenüber demütigen Haltung, sie zeigte uns die Toilette, machte Small Talk und schlich immer im Hintergrund umher, auf flachen Schuhen und in Figur verhüllenden Gewändern.

Spätestens da wurde mir klar, warum sie mich nicht genommen haben.