Roughing it, oder: sommerliche Rucksacktour (ohne Packesel)

Ich bin ja ein vielseitiger Mensch. Ich hänge ganz gern in einem Vier-Sterne-Hotel ab und lasse mich mit organisiertemTransfer dorthin kutschieren. In so einem Hotel gibt es pro Person ca. 15 Handtücher, ein fertig bezogenes Bett mit Betthupferl, endloses Duschgel und täglichen Reinigungsservice.

Ich nächtige aber auch gerne in Jugendherbergen und bewege mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort. Und manche Jugendherberge versteckt sich ganz schön in einem Örtchen: mein Rucksack muss also so bestückt sein, dass ich schonmal bequem eine halbe Stunde damit gehen kann. Und es ist einfach praktisch, wenn man den Rucksack z.B. beim Warten auf den Zug oder Kaffee holen etc. aufbehalten kann, ohne davon gleich lahme Beine zu bekommen.

Für die letzte Tour habe ich mir einen neuen, kompakten Rucksack geleistet. Er hat 50 +10 Liter (die 10 sind für die obere Klappe) und er sitzt auf meinem Rücken wie maßgeschneidert. Er hat alle möglichen Extra-Schlaufen, um Dinge zu befestigen, und sogar ein „Wassersystem“. Ich könnte da also einen Beutel Wasser hineintun, und mir dann über einen Schlauch Wasser zuführen. Aber nein, so sportlich, dass ich keine Hand zum Wasserflasche hervorholen freihabe, bin ich noch nicht unterwegs.

Hier ist meine Packliste für 2,5 Wochen Sommerurlaub in Skandinavien (ich war nicht in Berghütten unterwegs, hatte kein Zelt dabei etc. Würde ich mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte wandern, hätte ich alles noch etwas reduziert, z.B. 2 T-Shirts weniger, kein Handtuch, sondern mit T-Shirt abtrocknen etc).

– 5 T-Shirts, am besten aus dünner Baumwolle oder Viskose, so dass sie leicht sind und schnell trocknen. Die T-Shirts müssen einiges verkraften, nämlich waschen mit Shampoo, Auswringen von Hand, trocknen in der Sonne, evtl. Sonnencreme-Flecken, … Ich habe mir extra ein paar günstige T-Shirts für den Urlaub gekauft und dann noch zwei alte, abgetragene mitgenommen.

– 1 Langarmshirt aus dünnem Stoff in schwarz (dann fühle ich mich auch für einen eventuellen abendlichen Restaurantbesuch angemessen gekleidet)

– 1 ärmelloses Top zum Schlafen (kann man auch als Unterhemd anziehen)

– Sporthose (Shorts) zum Schlafen (habe ich auch an den Strand und auf den Weg in die Gemeinschaftsdusche angezogen)

– 3/4-Hose, dünn. Meine hatte schon ein paar Mini-Löcher, was mir aber sowas von egal war, bin schließlich im Urlaub. Die habe ich meistens bei Tageswanderungen angehabt.

– lange Hose zum Wandern / für kühleres Wetter. Hier hätte ich gerne eine super-funktionelle Outdoor-Hose gehabt, war aber für meine Kurven nicht nicht zu haben. FY, dachte ich mir und nahm meine abgewetzte Cordhose mit, die ich auch schon zum Walking anhatte. Sie hat Stretch, ist zu 30% aus Polyester, viel leichter als eine Jeans und trocknet schnell. Take that, Fjäll Räven!

– 1 Paar Leggings: zum Schlafen, oder als lange Unterhose, oder auch gerne für eine Tageswanderung, wenn ich gerade meine ganzen anderen Sachen gewaschen habe.

– 1 langärmeliges leichtes Funktions-Shirt

– Handtuch: nicht weiß, so dass man es auch an den Strand mitnehmen kann. Ich hatte so ein schrottiges altes Mikrofaser-Handtuch dabei, das zwar leicht ist, aber nicht richtig trocknet. Muss mir für den nächsten Trip ein gescheites Mikrofaser-Handtuch holen.

– Schal aus Leinen oder dünner Baumwolle: als Schal an kühlen Tagen oder an heißen Tagen mit krassem Wind, als Strandtuch, als Sonnenschutz am Strand, zum Abtrocknen

– Sandalen

– Trekking- oder Walking-Schuhe (möglichst wasserdicht)

– Fleece-Pulli

– Sonnenhut

– Sonnenbrille

– Shampoo (zum Haare waschen, als Duschgel und zum Klamotten waschen; für 2,5 Wochen ca. 100 ml. Ich kaufe mir meistens ein billiges beim Discounter und fülle es in kleine Flaschen um)

– Regencape

– Badeanzug

– Schlafsack (aber vorher checken, ob das in den Jugendherbergen erlaubt ist – in meinem Fall waren Schlafsäcke oft aus hygenischen Gründen verboten und ich musste Bettwäsche leihen. Aber für Berghütten ist er natürlich unverzichtbar)

– Kamera plus Filme (ja, Filme in meinem Fall! Ja, wirklich! Oder falls du digital fotografierst: dann eben das Zeug, dass man für Digitalfotografie benötigt!)

– 2 Bücher (aber nur solche, die du wirklich lesen wirst, nicht solche, von denen du denkst, dass du sie lesen SOLLST)

– Toilettenartikel wie Deo, Sonnencreme, Zahnpasta (und hier natürlich die rote kleine), Zahnbürste, Q-Tipps, Tampons, Gesichtscreme, Pflaster und Schere, was gegen Kopfweh

Nice to have, aber nicht dabeigehabt:

– Tupperdose für Lebensmittelreste oder Stullen

– Schlappen für siffige JH-Böden oder einen kurzen Weg zum Strand

So, das war’s auch schon! Ich bin eigentlich ziemlich stolz auf diese Liste, weil diese Zusammenstellung super funktioniert hat. Das Gute ist, dass die meisten Teile mehrere Funktionen haben und dass man sie entweder einzeln oder übereinander tragen kann.

Ich persönlich habe es sehr genossen, 2,5 Wochen lang immer wieder das gleiche zu tragen und meinen übervollen Kleiderschrank nicht zu sehen. Einfach alles, was ich brauche, in meinem tollen Rucksack dabei zu haben. Für einen meiner Freunde wäre die limitierte Klamottenauswahl der blanke Horror, aber ich fand es sehr befreiend.

Was schleppt ihr so mit euch durch die Weltgeschichte?

A propos: in einigen Jugendherbergen habe ich Traveller gesehen, die ihren Laptop dabei hatten. Fand ich zuerst doof, weil ich eher einen auf unplugged machen wollte, aber sie haben ihn auch benützt, um mit Freunden zu skypen, Tagebuch zu schreiben… Das hat natürlich was! In diesem Fall nimmst du am besten einen Hartschalenkoffer und ein Stahl-Fahrradschloss mit, denn dann kannst du deinen Laptop im Koffer einschließen und den Koffer ans Hostelbett ketten. Dann ist aber nichts mehr mit „1,2 km zur abgelegenen Juhe latschen“.

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3 Gedanken zu „Roughing it, oder: sommerliche Rucksacktour (ohne Packesel)

  1. Pingback: Neue Fotos « Küchenquatsch

  2. Hallo hallo liebe fraulinde!

    Bei mir wäre noch eine Regenhose dabei. Und seit neuestem bin ich Klamotten aus Merinowolle verfallen… Nicht vorrangig der Leichtigkeit und Natürlichkeit wegen (wobei das auch Punkte sind, die nicht zu verachten sind) sondern weil es noch wärmt wenn nass und VOR ALLEM – Nicht stinkt! Muss also unterwegs auch weniger häufig gewaschen werden. Die feinen Schafwollfassern haben eine natürliche antibakterielle Wirkung – für unterwegs ist das sehr praktisch. Ein Slogan eines großen Merinowolleklamottenherstellers und -vertreibers ist daher: Think don’t stink! 🙂 Und das leichte, natürliche, noch nass wärmende und nicht so schnell stinkende hat natürlich seinen angemessenen Preis.

    Alles fing an mit einem 20 € Merino T-Shirt von Albrecht-Discount Süd. Jetzt kam kürzlich ein Langarmshirt der Marke Ortovox hinzu (Frauenversion. Pluspunkte für lange Ärmel und Gesamtlänge sowie den normalen Schnitt um die Bauchgegend, der mich nicht wie Presswurst aussehen lässt. Letztlich kam gestern noch meine sportliche Leggins von Icebreaker dazu. Yippie yippie yay! I’m hooked.

    Eine weitere mögliche Kombination deines Rucksackinhaltes ist die von langer Unterhose/Leggins mit kurzer Hose darüber. Hab ich in Neuseeland kennen und lieben ❤ gelernt!! Dort ist es oft windig und wechselt zwischen recht kühl und ordentlich warm 🙂 Wird dort von beiden der bekanntesten Geschlechter getragen.

    liebst,
    herlinde

    • liebe herlinde,

      danke für diesen ausführlichen Kommentar und die Tipps! Da spricht die echte Outdoor-Expertin! Mit Merino-Wolle habe ich auch schon geliebäugelt, aber mich kratzt Wolle meistens, z.B. bei Mützen. Oder ist Merino so superfein, dass es nicht kratzt? müsste ich veilleicht mal probieren.
      der Look „kurze Hose“ über Leggings sieht auch schick aus! ich freue mich ja immer, wenn man aus wenig viel machen kann! Yeah – jetzt muss ich nur noch die nächste Reise planen.

      liebe Grüße
      fraulinde

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