Warum Abnehmwillige zu Feinschmeckern werden sollten

Wenn du abnehmen willst, werde schleckig. Schleckig heißt, nicht alles zu essen, sondern das jeweilige Essensangebot kritisch zu mustern, zu beschnuppern, zu probieren, und im Zweifelsfall mit der Entrüstung eines Monarchen die Diener aufzufordern, eine solche Geschmacksbeleidigung sofort wegzuschaffen.

Werde wählerisch, werde snobbistisch, was dein Essen betrifft.

In unserer heutigen Zeit darf Essen kein Geld mehr kosten, keine Zeit verschwenden und weder Fett noch Kohlenhydrate haben. Essen ist für die einen ein notwendiges Übel, für die anderen seelischer Halt und Trost. Ich gehöre zu denen, für die es manchmal Trost ist. Ich tröste mich mit Kartoffelchips, die vor Aromen und Geschmacksverstärkern nur so strotzen. Aber eigentlich denke ich: wenn ich mich schon mit Essen tröste, dann sollte es wenigstens feines Essen sein. Es ist ja vielleicht das Merkmal von vielen Abhängigkeiten, dass man sich mit minderwertigen Substanzen „belohnt“ und sich so erst recht schadet. Ein Alkoholiker trinkt billigen Schnaps, ich esse Chips.

Dann war ich in Venedig auf Feinschmeckertour mit zwei Freunden. Wir sind in venezianischen Bars gewesen und haben mittags Chichetti gegessen (das norditalienische Pendant zu Tapas, z.B. eingelegte Babyartischocken). Am anderen Ende des dunklen, holzverkleideten Raumes waren Fischer in ihren wasserabweisenden Hosen. Sie haben die Chichetti ebenso genossen wie wir. Hier holt man sich hier in der Mittagspause einen „LKW“ beim Bäcker.

Abends haben wir in Venedig als Aperitiv Spritz getrunken und baten um etwas zum Knabbern dazu. Man brachte uns große Stücke von verschiedenen feinen Hartkäsen. Hierzulande mag man fast schon den Boden küssen, wenn man zum Bier Salzstangen vom Discounter bekommt.

Gutes Essen hat so viel Lebensqualität! Nach Venedig habe ich dann erstmal drei Wochen lang keine Chips und keine Gummibären mehr gegessen. Inzwischen schon wieder. Aber warum eigentlich? Schade um die Rohstoffe, die für so billigen Süßkram verschwendet werden.

Vielleicht sollte ich mir beim nächsten Frust einfach geilen norditalienischen Hartkäse holen, gereiften Asagio oder einen Provolone. Das würde mir richtig guttun, weil es Luxus ist, kein billiger Trost. Und als geizige Schwäbin würde ich so lange daran zehren, dass ich davon gar nicht zunehmen kann.

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