Um die Ohren hauen


Das „Um-die-Ohren-Hauen“ ist eine wichtige Instanz beim Schreibprozess. Es ist die super-ultimative zuverlässige Bremse.

Denn in Schreibwerkstätten wollen hilfsbereite Menschen Sätze identifizieren, die „Ihnen später jeder Lektor um die Ohren haut“ oder die „Ihnen später jeder Literaturkritiker um die Ohren haut“. Tun Sätze weh? Soll man einfach Strg-X machen und gut ist, ungefähr so wie ein Kilo abnehmen und gut ist? Machen Sie das 12 Wochen lang und Sie sind perfekt, ebenso wie Ihr Text? So dass man mir irgendwann nichts mehr um die Ohren hauen kann?

Und kann ich die Um-die-Ohren-Hauen-Sätze nicht einfach drin lassen, denn falls ich so viel Glück haben sollte, dass mein Roman überhaupt veröffentlicht wird und dann noch das Riesenglück habe, dass er bei knapp 100.000 Neuerscheinungen pro Jahr überhaupt von irgendjemandem rezensiert wird, können sie mir soviel um die Ohren hauen wie sie wollen, oder? Und möchte ich wirklich den Literaturkritikern ihre – vielleicht einzige – Freude nehmen?

Ich schreibe gerade einen Text für einen Wettbewerb, eine ganz neue Geschichte, zu der mich die neue Frau inspiriert hat. Wir kommen dabei beide schräg rüber, sie glaube ich noch weniger schräg als ich. Soll ich die Geschichte abschicken mit dem Risiko, dass sie unter die ersten zehn kommt und veröffentlicht wird? Für wie eitel halte ich mich eigentlich zu glauben, dass sie Top Ten wird?* Falls wir wirklich zusammenkommen sollten UND ich in die Top Ten komme, kriegt sie die Geschichte mit. Wird sie es verstehen oder wird sie mir die Geschichte um die Ohren hauen? Setze ich mit der Einreichung der Geschichte eine bis jetzt nicht existierende Beziehung aufs Spiel? Soll ich andersherum auf einen möglichen Punkt in meiner aktuell leeren Publikationsliste verzichten, nur weil ich vielleicht unter irgendwelchen glücklichen Umständen, die ich mir momentan nicht ausdenken kann, mit dieser Frau zusammenkommen könnte?

Zu viele Variablen, das hasse ich.

Vielleicht würde mir ein Skihelm gut stehen.

* mittel-eitel, würde ich sagen, und die schiere Logik sagt, dass sich bei den Wettbewerben und Stipendien ca. 10-20 Menschen pro Preis / Stipendium bewerben, also wenn man das wie ich schon seit einer Weile macht, ist es irgendwann soweit.

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Jetzt schon mal wegen Januar verrückt machen


Denn heute haben wir unseren Skiurlaub gebucht. 3 Jungs und ich, im Wallis, eine Woche. Sie wollten eine abgelegene, große Hütte mit offenem Kamin, Whirlpool und Sauna. Ich wollte etwas in der Nähe des Lifts. 3 gegen 1. Grmpf. Mein Hintergedanke ist, dass eben nicht alle immer gleichzeitig aufbrechen möchten – und wenn man nur mit dem Auto zum Lift kommt, müssen alle immer auf den tranigsten warten. Mit Auto ist immer alles so umständlich. Bis man den ganzen Krempel im Auto verstaut hat, bis alle drin sind, bis man am Lift einen Parkplatz gefunden hat, bis man vom Parkdeck im Untergeschoss dann mal auf der Gondelebene ist…

So kriegt mein dauernd unterfordertes Hirn genug Nahrung, um sich mehr als zwei Monate lang Sorgen machen zu können.

Wird der Freund, mit dessen Auto wir fahren, an Schneeketten denken? Brauchen wir welche?

Müssen wir einen Zeitplan machen, wer wann in die Sauna und den Whirlpool darf? Denn so groß ist das alles nicht, dass man da zu viert rein kann.

Werden wir noch weitere Leute fragen, ob sie mitkommen möchten, die vielleicht nicht alle mögen?

Wo kriegen wir Feuerholz her?

Ach man…

Ach, es wird schon gut werden…

grummelgrummel

 

Eigentlich sollte ich


packen. Weil ich morgen mit mir unbekannten Menschen eine Woche ins Wallis zum Skifahren fahre. Morgen um 5:30 früh beginnt die Gepäckeinladung, um 6 Uhr starten wir. Da ich keinen dieser Menschen kenne, kann ich ihnen auch nicht zuviel Gepäck ausreden, mit ihnen über eine sinnvolle Abfahrtszeit diskutieren, Einkaufslisten aushandeln,… Es gibt da irgendwo ein Wesen, das das alles macht, sich um die Hütte, Skipässe und Brötchen zum Frühstück kümmert, wahrscheinlich schon einen Koch-, Putz- und Speiseplan für die ganze Woche erstellt hat.

Und ich muss einfach nur machen, was dieser Mensch mir sagt. Das nenne ich Entspannung.

zum Thema Überwindung


Ich muss jetzt einfach mal etwas zum Thema Überwindung schreiben. Erstmal an alle Ratsuchende, die hierherkommen und etwas zum Thema Bewerbung wissen wollen: ich freue mich über Eure Besuche, aber es gibt gute Ratgeber im Internet für Bewerbungen. Hier findet Ihr keine Standardanschreiben, Lebensläufe und auch keine Textbausteine. Die Arbeit haben sich schon andere gemacht und ins Netz gestellt. Falls Ihr konkrete Fragen zu Bewerbungen habt, könnt Ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen, und je nach vorhandener Zeit werde ich ihn auch beantworten.

Beruflich muss ich oft fremde Menschen anrufen und um einen Gefallen bitten oder ihnen erklären, welche Qualifikationen jemand zu bieten hat. Es kostet mich jedes Mal eine unheimliche Überwindung, irgendwo anzurufen. Ich habe Angst, demjenigen die Zeit zu stehlen, ihn oder sie zu belästigen. Und frage mich immer: warum sollte er mir zuhören und womöglich gar helfen wollen?

Überwindung prägt mein Leben. Wenn ich mich nicht schon unzählige Male zu etwas überwunden hätte, säße ich, wie es mir in der 11. Klasse mein Deutschlehrer E.E. prophezeite, im Elfenbeinturm. Es kostete mich Überwindung, vor eine Klasse fremder Schüler in einem fremden Land hinzustehen und ihnen etwas beizubringen (warum sollte ausgerechnet ich dazu in der Lage sein? Ich kann nicht gut erklären, ich bin zu groß, zu alt, kann ihre Muttersprache zu wenig, bin eine Frau). Jedes einzelne Vorstellungsgespräch kostete mich Überwindung, jeder Anruf, ob eine Stelle noch frei ist. Jedes Date kostete mich Überwindung, zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen und zu sagen: hi, schön, dich endlich mal kennenzulernen. Auch beim ersten Skifahren bzw. Gondelfahren nach 10 Jahren musste ich mich überwinden, mich in dieses metallene Ding an einem Draht setzen, mich dann auf die Piste wagen, wo erfahrene Boarder und Kinder im Geschwindigkeitsrausch an mir vorbeihuschten.

Bei Telefonaten bereite ich mich meistens eine Weile vor, schreibe mir Formulierungen auf, spreche sie vor mich hin, simuliere das Telefonat. Solange, bis ich mich halbwegs sicher fühle, bzw. richtig Lust darauf bekomme, sie endlich mal auszuprobieren.

Manchmal hat man Angst, manchmal nur Schiss. Angst habe ich, wenn ich eine steile, vereiste rote Piste runterfahren soll. Dann sag ich: Leute, ich wart hier mal auf Euch, bzw.: seid ihr wahnsinnig, ich will noch was von euch haben! Ich habe Schiss oder Respekt vor einer roten Piste, die aber ganz gut beschneit, breit und leer aussieht – und die fahr ich dann, weil ich weiß, dass ich damit umgehen kann. Dass ich einfach so schnell fahre, wie ich es mir zutraue, mich konzentriere, und auch eine Pause mache, wenn ich mich überwältigt fühle oder das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren.

Notizen einer Schwarzseherin


Unsere Ferienwohnung

Ich komme gerade von einem einwöchigen Urlaub zurück. Skifahren im Wallis, in einer Ferienwohnung mit 4 Freunden.

Ich habe ab und an mal beruflich Projekte abgewickelt. Herumrennen, telefonieren, gucken, dass alles klappt. Eisberge vorausahnen und großräumig umschiffen. Das ist eigentlich ein sehr kreativer Job. Intellektuell anspruchsvoll, geleitet von der Maxime: ich hab schon Pferde kotzen sehen.

Ich will das mal am Beispiel des Skiurlaubs verdeutlichen:

Ausgangssituation: 5 Freunde und ihr Gepäck, Lebensmittel für eine Woche, ein Mercedes Kombi mit über 200 PS und einem Skiträger.

Was kann alles schief gehen und wie kann man das verhindern?

Erster kritischer Faktor: soviel Gepäck und Essen, dass wir Menschen keinen Platz mehr im Auto haben. Eine Möglichkeit, das zu verhindern: Freunde 1-4 anrufen und ihnen alles „Doppelte“ ausreden („was willst du mit einer zweiten Bettwäschegarnitur, einer zweiten Jacke, einer zweiten Mütze, einem zweiten Handtuch, einem zweiten Paar Handschuhe? Es gibt dort auch Münz-Waschmaschinen!!“). Andere Möglichkeit: Spaghetti anstatt Penne kaufen (genauso viel Pasta, aber Spaghetti haben keine Luftlöcher und sind daher platzsparender) Spül- und Putzmittel in kleine Fläschchen abfüllen und groß draufschreiben: Konzentrat!! (damit nicht die Putzwütigen beim ersten Saubermachen gleich alles verbraten). Dritte Möglichkeit: die Person mit den breitesten Hüften (die habe als einzige Frau in unserer Gang ich!) auf den Beifahrersitz setzen – so spart man auf der Rückbank ca. 10 cm in der Breite ein.

Zweiter kritischer Faktor: Stau: kann man nichts machen, nur früh losfahren

Dritter kritischer Faktor: früh losfahren, da unrealistisch. Die Treff- und Abfahrtszeit. Zwei (Gruppe A) reisen mit dem Zug zwei Stunden zum Rest der Gruppe. Gruppe A sollte möglichst früh da sein, aber da sie ja zwei Stunden unterwegs ist, will sie auch nicht um 5 Uhr aufstehen. Besonders weil bekannt ist, dass aus Gruppe B der eine zum Trödeln neigt und der andere meistens den Wecker überhört. Soll also Gruppe A um 5 Uhr aufstehen, damit sie um 9 Uhr bei Gruppe B ist, um dann noch eine Stunde zu warten, bis auch der Trödler gegen 10 mit dem Frühstück fertig ist? Gruppe A entschließt sich dagegen und steht um kurz nach 10 am entsprechenden Bahnhof. Gruppe B ist da, aber es stellt sich heraus, dass der zum Trödeln neigende seinen Pass zuhause vergessen hat. Zuhause stellt sich heraus, dass der Pass gar nicht zuhause ist, sondern gerade in der Botschaft neu beantragt wird, und dass sein spanischer Personalausweis seit dem Sommer abgelaufen ist. Wir versuchen trotzdem, ihn über die Schweizer Grenze zu schmuggeln. Start mit einer halben Stunde Verspätung.

Warum haben wir uns eigentlich Sorgen um den Stau gemacht? Es gab keinen, nur in der Gegenrichtung. Reingepasst hat irgendwie auch alles. Ich saß ja vorne.

Skifahren


im Wallis scheint immer die Sonne

 

Einer kann super fahren, einer kann boarden, ich bin komplett aus der Übung, einer ein bisschen, und einer hat noch nie mehr als 10 Zentimeter Schnee live gesehen.

Drei davon müssen sich am ersten Tag die Ausrüstung leihen. Ich und der komplette Neuling leihen uns Helme dazu, die sich als sehr praktisch herausstellen – wir fallen zwar nicht hin, aber meine Ski knallen beim Versuch, sie möglichst kräfteschonend auf den Schultern zu balancieren, immer wieder gegen meinen Helm. Mein Helm knallt auch gegen die Gondeltür, gegen den Kopf eines Freundes… Eigentlich sollte ich immer so einen Helm tragen (meine Freunde frotzeln: “da kommt Helmi”).

Der komplette Neuling befindet – nachdem er einen Tag lang auf so einem Fließband gefahren ist und wir ihn alle mit so Tipps wie “Talski belasten”, “in die Knie gehen” belästigt haben – dass Skifahren nichts für ihn ist. Mich nervt am Skifahren am meisten, dass man nicht Ski anschnallen und losfahren kann, sondern erstmal mit dem Auto zur Gondel muss, vom Parkplatz die Ski die Treppen hoch zum Ticket Office, dann vom Ticket Office die Ski nochmal zur Gondel, dann nach dem Aussteigen der Gondel die Ski wieder die Treppe runter, dann wieder Hanschuhe anziehen, Sonnenbrille aufsetzen, nein umgekehrt, sonst funktionierts nicht, nochmal was trinken, den Pony unter den Helm, und dann ist man schon, Gott sei gelobt, bereit zum Fahren.

Am ersten Nachmittag haben wir uns auf eine rote Piste gewagt. Mir und einem anderen wurde es zu krass und wir sind einen anderen Weg gegangen, kamen bei einer anderen Gondel heraus und und mit der Gondel in einem anderen Ort an. Damit weit weg vom Auto. Wir suchen den Bus, schlittern mit den profillosen Skistiefeln einen nicht-gestreuten Gehweg hinunter, die Ski zuerst auf den Schultern balancierend und dann nur noch entnervt hinterherziehend (meine sind ja eh geliehen).

Mir reichts, ich will meine Ski zurückgeben. Wir treffen unsere anderen Freunde, fahren zum Skiverleih, und ich frage meinen Leidensgenossen, der mit mir den Weg runtergeschlittert ist: fährst du morgen mit mir nochmal die ganz leichten Pisten? Er sagt ja und ich behalte meine Ski erstmal.

Die vier anderen fahren in wechselnden Konstellationen blaue Pisten und ab und zu auch mal eine rote. Mein Leidensgenosse hat Angst vor Sesselliften und vor Pisten, die über 2000 Meter hoch liegen. Und hat an einem Tag Angst, überhaupt zu fahren. Er kann fahren, aber traut sich auf einmal nur noch im Pflug die Piste herunter. Ich will eigentlich nur fahren, egal wo, nur nicht alleine, und in dem Tempo, wo’s noch Spaß macht und ich gleichzeitig das Gefühl habe, die Ski und Buckel unter Kontrolle zu haben. Und will nicht hinfallen, weil ich nicht weiß, ob ich mich geschickt fallen lassen kann, und weil ich außerdem statt einer Skihose meine Jeans mit Schlag über einer langen Unterhose anhabe. Die Jeans soll nicht kaputt gehen und wenig Schnee abkriegen, da sie nicht so schnell trocknet.

Ach ja, meine Handschuhe – ich wollte Gepäck sparen und habe nur gestrickte Fingerhandschuhe aus Polyacryl-Wolle eingepackt, habe ich am ersten Tag verloren. Zum Glück hielt sich mein Leidensgenosse nicht an meine 1-statt-2-Predigt und hatte ein zweites Paar Skihandschuhe dabei, die ich benutzen konnte.

Urlaub mit Freunden


Was mich gerade viel mehr beschäftigt als Kochen ist mein anstehender Urlaub mit vier schwulen Männern. Wir kennen uns (bis auf einen von ihnen) sehr gut, ich habe sie sehr lieb (bis auf den einen Neuen logischerweise). Aber seit Tagen beschäftigt mich einzig und allein die Frage, wie ich ihr Gepäck dezimieren könnte. Wir fahren zu fünft mit einem Mercedes Kombi in die Schweiz. Und einer von ihnen will da tatsächlich zwei Garnituren Bettwäsche für die sieben Tage und 3 große und 3 kleine Handtücher mitnehmen. Dem dezenten Hinweis, man könne sich auch Shampoo und Duschgel in kleine Flaschen abfüllen, entgegnete er mit: dann brauch ich aber kleine Flaschen. Er braucht auch zwei Mützen, zwei Paar Handschuhe, zwei Jacken, zwei alles. Weil man die Snowboard-Handschuhe ja nicht zum so rumlaufen anziehen kann. Auch ein großes Kissen ist im Gespräch, falls es dort nur 40x80cm Kissen gibt. Wenn’s so weitergeht, kann unser Gepäck mit Fahrer in die Schweiz düsen, und wir müssen Zug fahren.
Hab ich schon erwähnt, dass ich eher der unkomplizierte Typ bin und bisher hauptsächlich mit dem Rucksack unterwegs war? Und glaubt mir, wenn man das alles schleppen muss, während man eine italienische Küstenstadt nach einer bezahlbaren Unterkunft abläuft, füllt man sich Shampoo in kleine Flaschen um, damit man 100 Gramm Gewicht spart und kauft sich diese Zahnpasta in der roten Minitube, die für eine Weltreise reicht (und spart nochmal 5 Gramm oder so!). Ich nehme ein winziges Handtuch mit, keine Hausschuhe, keinen Fön, weil ich spätestens nach fünf Minuten den Fön, die Hausschuhe und das große Handtuch (womöglich noch das extra Badetuch für den Strand) verfluchen würde. Aber es gibt andere Arten von Reisenden, und zu denen gehören meine Freunde: „ich pack zuhause den größten Koffer voll, den ich finden kann und fass ihn erst wieder in meinem Hotelzimmer an. Ich weiß eigentlich gar nicht, wieviel er wiegt.“ Für Gran Canaria und den Playa Ingles (Schwulenhochburg) braucht man natürlich auch mindestens drei Outfits pro Tag. Aber für den Winterurlaub in der Schweiz? Keiner von uns muss dort einen Schönheitswettbewerb gewinnen, und eine gay bar gibt’s dort auch nicht. (Aber was, wenn doch???) Ich werde meine ältesten Pullis und Shirts anziehen, hauptsache warm und kuschelig.
Nachher bin’s womöglich doch ich, die das meiste Gepäck hat. Ich bin dafür – und hier krieg ich die Kurve zum Hauptthema – dass wir statt fünf Handtüchern pro Person lieber Lebensmittel von zuhause mitbringen. Der Name bezeichnet schon die Wichtigkeit: Leben -smittel! Spaghetti, Tomatenpassata, Brühpulver, Gewürze, Knoblauch, Reis, Müsli, Zucker, Kaffee.