Ich hab heute die Druckfahnen bekommen


Ich wollte schon sehr lang mal den Satz sagen können: Ich hab heute die Druckfahnen bekommen. Heute kamen meine ersten Druckfahnen für meine allererste Veröffentlichung in einer Anthologie.

Druckfahne hört sich wie etwas an, das ein Druckereimitarbeiter nach einem harten Arbeitstag in einem Maschinenraum ohne natürliches Licht  hat, aber tatsächlich ist es eine Vorschau auf den Text, wie er nachher gedruckt aussehen wird. Der Grafiker oder die Grafikerin hat also mein schönes Geschreibsel von einer Word-Datei in ein Layoutprogramm gesetzt und Grafiken, Fotos, Seitenränder, Schnittränder eingefügt. Und ich muss / kann noch mal drübergucken, ob z.B. Zeilenumbrüche, Absätze, Trennungszeichen stimmen, all so’n Kram. Und ich habe heute drei Schreibfehler gefunden, die unserem Oberlektor entgangen sind. Man schreibt z.B. „Schienenbein“ nicht wie die Schiene, sondern Schienbein. Die Druckfahne ist quasi das letzte Ultraschallbild, bevor das Baby rauskommt.

Natürlich kann man zu diesem Zeitpunkt keine ganzen Absätze mehr streichen oder einen ganz anderen Text schicken. Wobei man das schon können kann, aber das zerhaut dem Grafiker die ganze Layout-Datei, und damit macht man sich so kurz vor dem Drucktermin nicht direkt Freunde. Wenn ich jetzt also beim Ganz-Genau-Lesen gemerkt hätte: „oh nein, niemals“, hätte ich nur noch Kommas ändern können und fingernagel- und gummibärenmampfend zuschauen müssen, wie das Zeug gedruckt und verbreitet wird. Das Foto von mir ist supersuperdoof ausgeschnitten, aber das lass ich jetzt so.

Der gute Kant, der Immanuel, hat es anscheinend gebracht, Sekunden vor dem Druck nochmal die Buchstaben umstellen zu lassen, weil ihm des nachts noch genauere, passende Formulierungen für seine Ideen eingefallen sind.

Ich glaube übrigens, die Druckfahne wurde erfunden, damit dem Drucker die Fahne erspart bleibt.

Und warum schreib ich das alles? Weil das meine Art ist, riesengroße Freude zu zeigen.

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Die Beschmissenheit


Seit Tagen geht mir ein umständliches Wort im Kopf herum, das meine Situation hier ziemlich gut beschreibt. Beschmissenheit.

Normalerweise nehme ich Philosophen und andere Menschen, die umständliche Wörter kreieren, nicht ernst. Martin Heidegger sprach z.B. von der Geworfenheit des Menschen in die Welt, was bei mir, als ich das Wort in einer Vorlesung hörte, einen Lachanfall auslöste. Geworfenheit soll ausdrücken, dass der Mensch sich nicht ausgesucht hat, auf der Welt zu sein. Ich habe einen Abschluss in Philosophie, finde aber, dass man – sollte man es notwendig finden, über dieses Phänomen zu reden – auch eine Verbkonstruktion verwenden kann (es sei denn, man ist JuristIn).

Das würde dann so lauten: „Der Mensch wurde in die Welt geworfen“.

Oder: „Die Annahme, dass der Mensch in die Welt geworfen wurde, ist eine wichtige Voraussetzung für blablabla“.

Oder: (gerade noch so): „Das Geworfen-Sein…“

Und jetzt tu ich das auch. Ich rede von meiner Beschmissenheit, und zwar im Master Literarisches Schreiben. Manche überlesen vielleicht auch das m in Beschmissenheit, diese Doppeldeutigkeit ist gewollt. Für eine Kommilitonin ist das Studium hier beschissen, sie geht zurück in ihren alten Beruf. Wir haben sie gestern verabschiedet und dabei alle zusammen ein paar Runden übers Studium gemeckert. Sie war im ersten Semester meine Lieblingskommilitonin, meine Stütze, bei der ich mich oft ausgekotzt habe. Es war schön mit ihr. Aber auch sehr meckerig. Und gerade will ich mal nicht meckern.

Es sind noch zehn Tage bis Semesterbeginn und egal was andere jetzt schon Schlechtes über die Seminare und Dozenten prophezeien: ich find’s geil. Ich weiß nicht, was kommt, aber ich finde es geil, hier zu sein. Wegen der Beschmissenheit.

Ich fühle mich wie ein Kind in einem riesengroßen Sandkasten, das die ganze Zeit mit Dingen beschmissen wird. Ich darf den ganzen Tag spielen und ausprobieren und entdecken, und es kommt immer mehr dazu, Berge von Spielzeug, Wagenladungen von Sand, auch ganz viel heiße Luft, ganz viel Scheiß, giftiges Spielzeug, das unter dubiosen Bedingungen produziert wurde, Vintage Stuff (leider viel zu wenig davon), ich muss aufpassen, davon nicht erdrückt zu werden, und manchmal landet das Zeug auch am Kopf oder anderen empfindlichen Stellen, das tut weh und bewirkt im Nachhinein, dass ich entweder einen großen Bogen um den Werfer mache oder aber mich freue und mit viel mehr Spaß weiterspiele. Und manchmal schiebe ich das alles zur Seite und suche mir außerhalb etwas zum Spielen.

Und ja, der Spielplatz ist mir zu unorganisiert, manchmal viel zu oberflächlich und gleichgültig, manchmal viel zu schwierig.

Trotzdem glaube ich, dass ich sehr viel aus dieser Beschmissenheit ziehe. Ich habe am Anfang gemeint, ich werde mit Konfetti beworfen und kann mir die Taschen damit vollschaufeln. Aber es sind große, schwere Brocken, von denen ich Rücken- und Kopfschmerzen kriege, wenn ich sie alle einpacke.

Gefühlt kann ich von all dem Zeug zwischen 3 und 5% brauchen. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das eine ganz schlechte Investition, vor allem angesichts der 780 Euro Semestergebühr. Aber da die insgesamte Beschmissenheit so unvorstellbar groß ist, kommt da richtig viel zusammen.

Wie beim Goldsuchen. 

Jahresrückblick 2012


Hey Ihr Lieben,

bei AlexamAlex habe ich diesen Fragebogen für den Jahresrückblick gefunden, danke für die Inspiration.

Zugenommen oder abgenommen?

Weder noch. Ich habe seit Jahren mein Wohlfühlgewicht und genau die richtige Menge Hüftgold.

Haare länger oder kürzer?

Länger. Sie bekommen aber am 5. Januar einen neuen Schnitt von einer neuen Frisuerin. Ich habe eben sehr feine Haare, da sieht es ab einer gewissen Länge einfach nur platt aus.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Konnte noch nie kurzssichtig von weitsichtig unterscheiden 🙂

Mehr Kohle oder weniger?

Weniger, da ich anfange zu studieren. Ich kann aber mehr mit der wenigen Kohle anfangen, da die Mieten in Hildesheim niedrig sind. Ich kann ganz Niedersachsen bereisen dank tollem Studiticket.

Der hirnrissigste Plan?

Mich bei Gay-Parship anzumelden. War ja ganz nett und ich finde es schön, die K dort kennengelernt zu haben, aber es ist ein komisches, unromantisches Geschäftsmodell.

Die gefährlichste Unternehmung?

Küstenwanderung in Cornwall bei Nebel, Regen, Hitze, Wind. Aber auch sehr geil.

Mehr Sport oder weniger?

Zuerst mehr, da ich bei Wind und Wetter und Schnee und Hitze und allem gewalkt bin. Durch Verlagerung des Hauptwohnsitzes kann ich leider nicht mehr mit meiner Lieblingsgruppe walken. Außer jeden Tag in den 4. Stock Altbau klettern geht leider kaum Sport.

Die teuerste Anschaffung?

Ein Sofa vom Trödel.

Das leckerste Essen?

Hui, das kommt vielleicht morgen in Form eines sechsgängigen, vegetarischen Silvestermenüs. Und dann gibt es so viele leckere selbstgekochte Essen, an die ich mich ob ihrer Häufigkeit nicht mehr erinnern kann. Hightlights sind immer, wenn ich mit anderen Menschen zusammen esse, wie z.B. vorgestern mit zwei lieben Freundinnen eine einfache Bohnensuppe mit Kartoffeln, Zwiebeln, Nudeln und Broccoli.

Das beeindruckenste Buch?

Paradise von der guten A.L. Kennedy, das ich anlässlich eines Referats wieder angelesen und gemerkt habe, dass ich gerne so intensiv, furchtlos und ehrlich wie sie schreiben möchte. Auch sehr geil war Die Schatten des Windes von Zafon.

Das enttäuschendste Buch?

Gibt es in dem Sinne nicht, da ich Bücher, die mich nicht ansprechen, nach dem ersten Satz, spätestens aber nach dem ersten Kapitel zur Seite lege.

Der ergreifendste Film?

Oh je, ich vergesse immer, welche Filme ich geschaut habe. Hm, „Fremde Haut“ fand ich sehr klasse und ergreifend. Ist ja schon etwas alt, hat aber die beste Sexszene zwischen zwei Frauen, die ich kenne. Beste im Sinne von: ich kann die Anziehung zwischen den beiden Frauen förmlich spüren, es steht etwas auf dem Spiel, es ist schön gefilmt.

Der beste Theaterbesuch?

Das Ballett Fräulein von S. im Staatstheater Stuttgart

Die beste Musik?

Russische Pop- und Rockmusik, gerne aus den 90ern oder 80ern und vermischt mit internationalen Hits von Dr. Alban und Captain Hollywood. Zu finden auf diversen russischen Radiosendern, z.B. diesem hier für Pop und dem hier für Rock. Auch bei Radio Aktiv Hameln gibt es sonntags von 18-20 Uhr aktuelle russische Musik bei „Russian City“.

Und die jüngste tolle Entdeckung ist die Best-of-CD von Joan Armatrading, die mir eine liebe Freundin geliehen hat.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Arbeiten, Pendeln, dann ab Oktober: Schreiben, übers Schreiben schreiben, übers Schreiben nachdenken, reden, Referate halten. Yeah.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?

Oh, das ist nicht gerecht, da eine herauszupicken. Mit meinen lieben Freundinnen, meiner Familie, meinen neuen Kommilitonen, meiner Walking-Gruppe, mit mir selbst, mit fremden Frauen im Urlaub (nicht, was ihr denkt: alles platonisch!)

Vorherrschendes Gefühl 2012?

Yeah. Krass.

2012 zum ersten Mal getan?

Nach Schottland geflogen und süchtig geworden. Nach Cornwall gereist und ebenfalls süchtig geworden. Einen Steinkreis begangen.

2012 nach langer Zeit wieder getan?

Den überwiegenden Teil meiner Zeit dem Schreiben widmen. Eine WG aufmachen.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Gar nix.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Mach ’ne Therapie.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ich glaube, der Samen für Trichterwinde an M.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Mich auf die Steinkreise in Cornwall hinweisen. Mich in der ersten Woche in Hildesheim beherbergen, obwohl sie mich kaum kannte.

Die schönste neue Bekanntschaft, die ich gemacht habe?

K. und S. und A. vom Studium. Endlich mal einen Abend mit M. und A. verbringen.

Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

und ja, ich finde es immer toll, wenn man solch mutige entscheidungen trifft
und etwas macht, was man irgendwie richtig für sich findet, was aber
unsicherheiten mit sich bringt und das, obwohl man doch endlich
sicherheiten hat. weil: wann, wenn nicht jetzt? und aus unsicherheiten
können ja wieder sicherheiten werden.

Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

wenn ich das wüsste.

2012 war mit einem Wort…?

Whow.

Danke an alle, die dazu beigetragen haben!!! Rutscht alle gut, sicher, elegant und achtsam rüber und habt ein tolles, neues Jahr!

cheers & hugs,

fraulinde

Freude heute


  • dass ich noch Urlaub habe
  • Russischen Zupfkuchen und Emma lesen in meinem Lieblingscafé. Ich bin da so selten, weil es abseits meiner üblichen Routen liegt.
  • mit Freundin M telefonieren, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe.
  • M abends treffen, später mit Freundin, und mit ihnen über Feminismus, Sex, Urlaub, Literatur, selbstgebastelte Ohrringe  und den neuen Kellner schwätzen. Kann man bei einem Roman noch von einem Erzähler sprechen, oder nur noch von Stimme, Fokalisierung, Ton, Point of View? Ist Sex zwischen einer lesbischen und einer bis dato heterosexuellen Frau Heterosex? Ist es ungerecht, wenn der Mann Elternzeit nimmt und eine Putzfrau eingestellt wird, wenn die Frau während der Elternzeit das Putzen miterledigt hat? Kommt etwa sprudelndes Wasser aus dem Hahn der Kneipe, oder warum bringt der Kellner ungefragt Sprudel zum Wein? Und warum ist meine Lieblingskellnerin heute für die Küche eingeteilt?
  • meine Chino-Hose tragen
  • endlich mal Wolken am Himmel und ein hohes Niederschlagsrisiko (88%, juhu!)
  • Regentropfen auf der Haut