Wisst ihr, was ich richtig gut fände?
A) wenn alle Bibliotheken, Geschäfte und alle Orte, in denen man während seines Aufenthaltes seine Tasche mit Pfand einschließen kann, sich auf
EIN EINHEITLICHES PFAND einigen würden. Das würde den Studenten und allen Menschen wie mir, die immer ihren halben Hausstand dabei haben, das Leben etwas erleichtern. Ist doch nicht so schwer: 1 Euro oder 2 Euro.
B) wenn sich alle einstellenden Firmen, Institutionen auf
EIN EINHEITLICHES VERFAHREN BEIM VORSTELLUNGSGESPRÄCH einigen würden. Damit würden sie allen arbeitssuchenden Menschen und vor allem sich selbst das Leben ungeheuer vereinfachen.
Mir würde es ungeheuer helfen, wenn es irgendwo eine Liste mit Fragen gäbe, die immer, wirklich immer drankommen. Dann könnte ich mich dafür vorbereiten. Ich könnte wie für eine Prüfung lernen. [kurze Zwischeninfo für alle, die sich noch für das einheitliche Pfand interessieren - davon kommt jetzt in diesem Artikel nichts mehr, es war nur ein Aufhänger für das Thema "Vorstellungsgespräch"]
Ich hatte vor ca. 2 Wochen ein Vorstellungsgespräch (VG1), bei dem ich mich nicht so sehr vorbereitet habe. Habe mir zwar die Webseite angeschaut, ihre Pressearbeit, mir Fragen dazu überlegt, mich auf die typischen Fragen vorbereitet wie: Was sind Ihre Stärken, Schwächen, warum wollen Sie bei uns arbeiten… Und dann artete das VG1 in eine Grillparty aus. Ratet mal, wer das Stück Fleisch auf dem Rost war… Die wollten ganz genau wissen, wie ihr Unternehmen strukturiert ist, wieviele Mitarbeiter es gibt und meinten dann vorwurfsvoll: “Sie haben einen Unternehmensteil vergessen.” (Böse fraulinde, ganz übel). Bei der Frage nach meinen Schwächen ließen sie sich auch nicht mit dem chaotischen Schreibtisch abspeisen, den ich trotzdem jeden Abend aufräume. Wie sich das fürs Grillgut gehört, trat mir schon nach kurzer Zeit gaaanz viel Wasser aus den Poren. Und irgendwann hab ich bei ihren Fragen innerlich nur noch gelacht und hatte dann wohl eine Scheißegal-Einstellung. Aber sie waren noch nicht ganz durch mit ihrem fünfseitigen Fragenkatalog. “Was machen Sie in Ihrer Freizeit?”, las die Personalassistentin von ihrem Skript ab.
Eins wissen sie: sie wollen nicht mit mir zusammenarbeiten – die Unterlagen haben sie mir schon zurückgeschickt. Aber: wissen sie auch, wie ich mich im normalen Arbeitsalltag mache? Kann man das überhaupt durch Fragen herausbekommen?
Gestern hatte ich wieder ein Vorstellungsgespräch (VG 2), das komplett anders lief. Ein kleiner, gemeinnütziger Verein. Inzwischen bin ich es ja schon gewöhnt, dass mir da mindestens 80% des Vorstands plus noch andere wichtige Leute gegenübersitzen und weiß auch, dass der Großteil davon nichts sagen wird. Bei einem Vereins-VG geben sie sich meistens Mühe, dem Bewerber zu zeigen, wie vertraut z.B. die Geschäftsführerin mit dem Vorsitzenden umgeht, was für ein lockeres, kameradschaftliches, gleichwohl respektvolles Verhältnis man hat. Und auch wenn ein Vorstand wie gestern den Vorsitzenden anpflaumt, als er mir Sprudel einschenkt: “jetzt mach aber mal fertig mit deinem Sprudel, du gehst mir grad echt aufn Sack” ist das einfach der herzlich-humorvolle Umgangston, bei dem am besten auch die Bewerberin schmunzelt.
Und natürlich haben die mich auch gefragt, warum ich mich dort beworben habe, und wie ich mir die Stelle vorstelle. Bei der Frage, wieviele Mitglieder denn so zu der von mir zu organisierenden Versammlung kommen, sagt er eine Zahl und lässt sich dann breit über die Funktion der MV aus. Als ich vorschlage, die Facebook-Seite des Vereins mehr zu nutzen, entspinnt sich eine Diskussion zwischen dem Vorstand und dem Geschäftsführer (“vielleicht” vs. “des brauch mr net”). Mhm. So irgendwie haben sie glaub ich schon kapiert, dass ich was drauf habe. Aber ihr Redeanteil war bei 80%. Da kann ich nur hoffen, dass neben meinen wenigen Worten meine Frisur und Klamotten meine Kompetenz unterstrichen haben.
Für dieses Interview hab ich mich tief in das Thema des Vereins eingearbeitet. Ich könnte jetzt Vorträge darüber halten. Haben sie mir Fragen dazu gestellt? Nein.
Die Vorstellungsgespräche waren wie Tag und Nacht. Und beide meiner Meinung nach nicht zielführend. Im ersten haben sie vor allem meine fachliche Seite gecheckt. Im zweiten eher meine persönliche, insbesondere meine Zuhörfähigkeit.
Aber ob ich zu der Stelle und der Umgebung passe?
Wieso schicken die Unternehmen uns Bewerbern nicht einfach eine Liste mit 50 Fragen, aus denen wir uns 10 aussuchen und beantworten können. Das fänd ich gut.