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Sommer in Cordhose

Sommer in Cordhose

Da willste mal outdoorsy sein und dir was tolles gönnen, denkst dir, ach, ich habe gar keine gescheite feste unempfindliche Hose im Schrank, also geb ich mal ein bisschen Geld aus. Konkret wollte ich eine Outdoor-Hose von Fjäll Räven, weil ich den Stoff einfach so göttlich finde und außerdem nach Schweden reisen wollte. Da ich lange Beine habe, finde ich küssenswert, dass die meisten ihrer Hosen noch längere Beine haben, wirklich lange Beine, die man sich dann abschneiden und umnähen lassen muss. Denn selbst im tiefsten Wald will ich nicht mit Hochwasserhosen rumlaufen.

Aber einfach nur 150 Euro auf den Tisch legen und mit einer passenden Hose aus dem Geschäft zu laufen wäre ja billig, viel zu einfach. Es ist, als müsste sich der ambitionierte Outdoor-Fan diese Hose ebenso hart erarbeiten wie ein Lagerfeuer nach 3 Tage Dauerregen. Tja, vor den Spaß haben die Outdoor-Herstellen (nicht nur Fjäll Räven) die harte Arbeit gesetzt.

Mein erster Versuch in einem großen Sportgeschäft: eine Hose passt, sie sieht an mir ungefähr aus wie eine schlabbrige Jogginghose. Nein, so will ich auch auf dem einsamsten Pfad nicht herumlaufen, auch um die Tiere nicht zu beleidigen. Und falls ich doch Tiere ärgern will, tut es auch eine schlabbrige Jogginghose beim Discounter für 12 Euro. Pah.

Im Outdoor-Spezial-Laden: Fjäll Räven Größe 48 zwickt etwas, aber da sie nur ein Modell in Größe 48 dahaben, denke ich, dass mir ein anderer Schnitt (gibt’s bei denen so was wie loose fit?) passen könnte.

Nächster Halt: ein super-Riesen-Outdoor-Laden in Berlin. Die eine Fjäll Räven Hose sieht ziemlich klasse aus. Die könnte ich ohne weiteres zum nächsten Lesben-Event anziehen und würde wahrscheinlich eine Telefonnummer nach der anderen kassieren. Nur: zum Wandern wäre sie etwas unbequem, denn sie ist hinten an den Oberschenkeln einen Tick eng, was mich auf die Dauer wahnsinnig machen würde. Da überlege ich mir lieber ein paar nette Ansprech-Sätze und mache noch ein Selbstbewusstseins-Training für die Telefonnummern (kommt mich halb so teuer wie eine Hose). Aber ich verlor noch nicht den Mut, denn mein Ziel war ja das Ursprungsland von Fjäll Räven – Schweden.

Schweden ist wunderbar, und zum am Strand entlang wandern brauchte ich wirklich keine Outdoor-Hose. Aber ich wollte auch noch einen Satz nördlich des Polarkreises machen und da etwas wandern. Also ging in ein Sportgeschäft in Südschweden. Dort traf ich den geduldigsten Verkäufer der Welt. Insgesamt habe ich bestimmt 30 Damen- und Herren-Modelle anprobiert (und er sie alle wieder zusammengefaltet), doch er meinte lächelnd: “komm einfach nächste Woche wieder, da kriegen wir neue Ware. Ich habe auch das Problem, dass mir die FJ Hosen in der Hüfte zu eng sind – das liegt nicht an dir, keine Sorge.” Am liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen.

Nächste Woche war ich schon weitergezogen. Unterwegs begegneten mir Männer, die aussahen, als würden sie Drillinge kriegen. Schwangeren Männern passt Fjäll Räven, zur Not tragen sie bauchfrei. Und ich fuhr weiter. Aber auch in einer Shopping-Mall kurz vor der norwegischen Grenze gabe es Damen-Fjäll-Räven-Hosen einfach nur bis 48. Und keine passte.

Den Satz nach Norden sparte ich mir. Meine Tageswanderungen im südlichen Teil von Schweden machte ich in meiner uralten Stretch-Cordhose von K&L Ruppert oder einer ¾-Hose von H&M – ist ja auch schwedisch.

FJ: wenn ihr Hosen macht, in denen ich nicht nur Frauen aufreißen, sondern auch bequem wandern kann, let me know.

Sperrmüll

Sperrmüll

Sperrmüll ist für mich wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Ich kenne die Gehwege meiner Gegend so gut, dass mir sofort auffällt, wenn etwas Zusätzliches dort steht oder liegt. Dann freue ich mich. Und seit einigen Jahren gibt es ja nicht mehr nur zwei Spermüll-Termine pro Jahr, sondern ca. jeden Monat einen. Das heißt: ganz viele Feiertage für mich.

Kürzlich war auch wieder einer. Ein guter.

Sperrmüll an sich rockt. Denn man kann so schön Leute damit schockieren. („Ich habe da mal ein wunderschönes Schafsfell von IKEA gefunden, es ist jetzt mein Bettvorleger.“ Antwort: „Iiiiih“. Meine Beschwichtigung: „Es lag ganz oben drauf.“)

Sperrmüll ist anarchisch. Es bringt die Menschen zusammen und man kommt ins Gespräch („Das ist aber ein schöner Spiegel,“ sage ich zu dem älteren Mann mit dunklem Schnauzer, der mit einem Lumpen über das Spiegelglas reibt und mit der Taschenlampe beleuchtet. Er zeigt auf kleine Pünktchen auf dem Glas. Ich: „das ist normal bei so alten Spiegeln, das sieht man im normalen Licht nicht.“ Ich wühle im selben Haufen und bitte den Herrn, mir mit der Taschenlampe zu leuchten.)

Sperrmüll bietet die Möglichkeit, wertvolle Rohstoffe weiterzuverwenden. Heute sah ich, wie ein Mann den Deckel von einer Art Kühlschrank oder Mini-Herd aufgeklappt hatte und Teile aus dem Innern herausschraubte. Ich hätte ihn gerne gefragt, an welchen Teilen er interessiert ist, aber ich verstehe nicht so viel vom Innenleben elektrischer Geräte.

Beim vorletzten Sperrmüll sichtete ich einen sehr großen Sperrmüll-Haufen und bemerkte einen attraktiven Mann in meinem Alter, der den Haufen von allen Seiten mit einer Spiegelreflexkamera fotografierte. Ich sagte, dass die Sachen wirklich schön sind, nur leider ist das eine Tischchen schon etwas kaputt, und er klagte mir sein Leid, dass er kaum die Sachen rausgestellt hatte, da fingen die Leute schon an sie durchzwühlen und auf dem ganzen Gehweg zu verteilen, und dass er es jetzt fotografierte, damit morgen früh nicht noch zwei Waschmaschinen dastehen. Stünde ich auf Männer, wäre das ein Super-Gesprächseinstieg und der mögliche Beginn von etwas Dauerhaftem.

Ich bin mir auch klar darüber, dass so „dumpster diving“ für mich ein Spaß ist, aber andere Menschen wirklich nicht genug Geld für Möbel oder überhaupt für ihren Lebensunterhalt haben – und gleichzeitig haben andere so viel Geld, dass sie noch brauchbare, oft sogar schöne, wertvolle Möbel wegschmeißen.

Ich liebe den Sperrmüll, weil die Dinge nichts kosten, weil es direkt vor der Haustür ist und man sie nicht weit nach Hause schleppen muss und weil die Teile oft viel origineller sind als das, was man neu in den Läden bekommt. Meine Freunde bewundern gerade die Möbelstücke, die ich oder meine Mutter (sie hat mich zum Glück damit angesteckt) vom Gehweg gezogen haben.

Ich gehe dabei nicht wahllos vor (ich schleppte einmal zwei Eisenstühle durch die ganze Stadt und in den 2. Stock – im Dunkeln sahen sie super aus, aber im Licht sah man, dass sie dunkle Macken hatten – tolles Workout für die Arme, aber die kamen gleich zum nächsten Sperrmüll).

Meine Grundsätze:

  • Sperrmüll-Gegenstände möglichst bei Tageslicht betrachten
  • Nur Dinge mitnehmen, die ganz sind (wenn ich schöne, aber kaputte Dinge mitnehmen würde, hätte ich bald den ganzen Keller voll mit „unerledigten Projekten“)
  • Hände weg von Dingen, die ein Kabel haben (wg. möglichem Stromschlag oder Kurzschluss oder so was)
  • Nur Dinge, die halbwegs sauber sind (also keine Kissen, die seit Tagen in einer Pfütze liegen)
  • Nur Dinge, die man gut waschen oder putzen kann.
  • Normalerweise nehme ich auch kein Geschirr, weil man wirklich nicht weiß, ob in der hübschen Tasse nicht mal Terpentin war oder so.
  • Nur Dinge, die ich mit bloßen Händen nach Hause trage (z.B. kleiner Tisch, Stühle…)

Meistens entscheide ich mich für kleine Dekosachen, kürzlich z.B. ein rosa Kissen, eine flauschige Decke, eine kleine Tasche und eine Dose für Kleinkruschd. Die Sachen sind richtig schön vintage, total geil.

  • Zuhause betrachte ich die Sachen erst einmal genauer bei Licht. Haben sie irgendwelche großen Macken, ist irgendetwas Ekliges dabei?
  • Ich bin mir darüber klar, dass das Zeug von der Straße kommt und da auch mal Glasscherben oder übler Dreck dran sein kann. Deshalb vorsichtig anfassen, notfalls mit Handschuhen; in jedem Fall die Hände danach gründlich waschen.
  • Textilien wasche ich mit 60 Grad (Feinwäsche, niedrige Schleuderzahl) – da wird es für mich sauber genug (es heißt ja immer, dass 60 Grad auch für Unterwäsche und Putzlappen ok ist, also…).
  • Empfindliche Sachen wasche ich im Kissenbezug. Der ist auch praktisch, falls der Stoff sich beim Waschen in seine Bestandteile auflöst – dann landen diese nämlich nicht in der Waschmaschine.
  • Dosen oder andere Oberflächen werden mit Spülmittel gut sauber. Ich reibe sogar behandeltes Holz mit Spülmittel ab. Wenn es damit nicht sauber wird, müsste es man mit einer Mischung aus Terpentin und Aceton putzen, aber da weiß ich gerade das Mischverhältnis nicht, also büdde googeln, ja?

Das rosa Kissen ist jetzt der Blickfang in meinem Wohnzimmer. Vom Rest habe ich mich dann doch wieder getrennt. Die Dose bekam ich nicht richtig sauber, die Decke war nach dem Waschen sehr ausgedünnt, und die Tasche wurde im Wasserbad brüchig.

Aber bald ist ja wieder ein Feier-, äh, Sperrmülltag.

Make your own Badesalz

Make your own Badesalz

Hier gibt’s einen schönen Artikel, wie man selbst Badesalz herstellen kann. Er hat mich inspiriert zu einer sparsameren, noch mehr do-it-yourself-mäßigeren Variante.

Für die Badesalze im oben verlinkten Artikel benötigt man Duftöle, die ich nicht zuhause habe und mir auch nicht extra zulegen wollte. Dafür hatte ich grobes Meersalz zuhauf (genau, das für die Salzmühle). Meins stammte vom Penny und war eher günstig, deshalb verwendete ich es. Fleur de Sel oder Himalaya-Salz hätte ich – besäße ich es denn – weiterhin in mein Essen gestreut.

Ich gab also 1-2 Esslöffel grobes Meersalz in einen Kaffeebecher.

Dann vermischte ich es mit ca. 1 EL Olivenöl. Auch hier nahm ich das von Bertolli und nicht den luxuriösen Testsieger der Stiftung Warentest.

Dann presste ich eine Bio-Zitrone aus, vermischte den Saft mit dem Salz und schnitt die ausgepressten Hälften in Scheiben. Die Scheiben vermischte ich auch mit der Salz-Öl-Mischung und zerstampfte alles mit einem Mörser-Stößel. In meinem Gewürzregal lachten mich auch gemahlener Zimt und grüne Kardamom-Kapseln an. Von beidem gab ich eine kleine Menge zu meinem Badesalz (die Kapsel aufbrechen und zerdrücken). Das ganze ließ ich eine Weile ziehen.

Als ich dann bereit für mein Bad war, ließ ich heißes Wasser in die Wanne, legte mich hinein und gab den Inhalt des Kaffeebechers dazu. Es roch lecker, erfrischend und entspannend. Ich merkte, wie das Olivenöl in meine Haut einzog. Auch meine Haarspitzen wurden so ganz nebenbei von dem Olivenöl durchtränkt. Und ich hatte Spaß dabei, die Zitronenscheibchen wieder aus dem Wasser zu fischen.

Das war echt nett! Wenn du es nachmachen willst, musst du nur 4 Dinge beachten:

- die Wanne ist nachher ölig und rutschig, also vorsichtig beim Aufstehen. Und die Wanne musst du hinterher leider auswischen.

- es schwimmen Zitronenfasern im Wasser herum, die du am Ende dann von der Haut spülen musst (am besten nur mit Wasser und ohne Seife, da die Seife den Ölfilm auf der Haut entfernen würde)

- deine Haarspitzen sind danach fettig.

- aufheben kannst du das Badesalz nicht oder wahrscheinlich nicht sehr lange, da die frische Zitrone wahrscheinlich irgendwann schimmelt.

Ich kann mir das auch sehr gut mit Orangen, Rosmarin, Nelken, Pfefferminz vorstellen. Viel Spaß beim Planschen.

Sparen

Sparen

Ich weiß nicht, was das ist. Aber es macht mir Angst. Alle wollen immer das Beste, in jeder Situation – und gleichzeitig nicht mehr als nötig zahlen.

Ich merke das an mir. Wenn ich Zug fahre, und der Zug noch leer ist, suche ich mir einen schönen Platz aus. Nicht zu nah an den Türen, weg von aromatisch duftenden Pommestüten und Dönern, weg von Menschen, die irgendwie komisch aussehen. Für die 30 Minuten möchte ich einen Platz, an dem ich mich wohl fühle und von nichts beeinträchtigt werde (Stimmen, Musik, Gerüche, Blicke).

Was mache ich, wenn der Zug schon voll ist? Ich laufe so lange, bis ich einen leeren Viererplatz gefunden habe, auf dem ich mich ausbreiten kann. Manchmal ist der leere Viererplatz eine Illusion, dann suche ich einen Vierer, auf dem nur einer sitzt. Und ärgere mich gleichzeitig, wenn ich Vierer sehe, die von einer Person und ihrem Gepäck (sei es der turmhohe Hartschalenkoffer oder nur bewusst verteilte Einkaufstüten und Jacken) scheinbar komplett belegt wird. Du Ei, denke ich mir da, kannst du nicht ein bisschen Rücksicht nehmen und Platz machen? Ich mache doch immer Platz, wenn ich sehe, dass viel los ist. Und gehe so lange durch den Zug, bis ich einen Platz finde, wo niemand komisches sitzt und auch meine anderen Kriterien (s.o.) halbwegs erfüllt sind.

Eines Sonntag abends bin ich nach einem Besuch meiner Mutter wieder nach Hause gefahren, mit einem Regionalexpress. Der Zug war schon gut gefüllt, als ich eingestiegen bin. Es hatte keinen Sinn, lange durch den Zug zu laufen, also fragte ich eine Dame, ob neben ihr noch ein Platz frei sei. Sie guckte mich komisch an, nickte aber und nahm ihre Hanfbeutel vom Sitz neben sich.

Ihr gegenüber saß eine jüngere Frau, die sie wohl nicht kannte – und die hatte eine große Reisetasche auf dem Platz neben sich geparkt. Ich setzte mich also neben die ältere Dame, und merkte, dass es ziemlich eng ist. Sie guckte mich wieder komisch an, und fing dann an zu lachen. Ich versuchte, etwas von ihr wegzurutschen, und sah dann, dass die ältere Frau zwischen sich und dem Fenster eine Handtasche auf dem Sitz hatte. Deswegen war die Bank nicht breit genug.

Der Zug fuhr und ruckelte, und ich berührte immer wieder mit meinen Hüften die Frau neben mir. Sie lachte und versuchte gleichzeitig, ihr Lachen zu verbergen. Dabei sah sie immer wieder die Frau mir gegenüber an, die auch schon versuchte, das Lachen zu unterdrücken. Sie lachten über mich! Mich nervte es langsam und ich fragte: “haben Sie ein Problem? Soll ich mich woanders hinsetzen?” Und die Frau neben mir: “nein, ich hab halt nur immer weniger Platz.”

Es gibt nicht viele Menschen, denen ich gerne den Kopf aus dem Fenster beim fahrenden Zug raushalten würde und sie anschließend aller irdischen Güter inklusive Handtasche entledigen würde, aber diese Frau ist eine solche Kandidatin.

Sie hätte nur ihre Handtasche wegnehmen müssen. Dann wäre genug Platz gewesen. Ja, ich habe breite Hüften. Aber ich nehme auf Sitzbänken in Zügen exakt die Hälfte der Bank ein. Die Frau hätte die Handtasche einfach auf ihren Schoß stellen oder ins Fach über dem Sitz legen können. Aber manche Menschen empfinden es einfach als unerträglich, etwas auf ihren Schoß zu stellen. Vielleicht kriegen sie davon Ausschlag oder so. Oder Migräne. Und schon gar nicht würden sie ihre Handtasche irgendwo außer Armlänge ablegen (“Nein, da ist alles drin!!”). Hallo, was ist mit Menschlichkeit?

Die Frau lachte weiter, schaute die andere Frau verstohlen an, die fast schon Tränen lachte. Sie redeten kein Wort, sondern lachten einander gegenseitig zu, Am Ziel verabschiedeten sich die beiden mit einem Grinsen und “Tschüss”.

Es ist dieses “ich geb nichts von meinem Teil ab und ich mache nicht mehr Platz als absolut nötig und schließlich habe ich ja x,50 Euro dafür bezahlt und jetzt will ich auch was für mein Geld.” Was soll das? ist es nicht genug, von A nach B zu kommen? Muss jede Fahrt mit dem Zug die bestmögliche werden – die mit dem meisten Platz, mit den wenigsten Störungen? Können wir nicht einfach mal lockerlassen und zufrieden sein? Muss ich mich überall ausbreiten können, mir es bequem machen, schlafen können (und mich dabei so ausbreiten, dass ich 4 Plätze wegnehme)? Hallo?  Es ist dieses – wenn ich dem anderen etwas gebe, worauf er keinen schriftlichen, gerichtlich besiegelten Anspruch hat, mache ich Verluste – oder noch schlimmer – ich spare in dem Moment nicht.

Ich weiß, dass wenn ich mich auf den “perfekten”, leeren, geruchsfreien Viererplatz setze, spätestens 3 Stationen weiter sich jemand dazusetzt. Bisher hab ich noch keinen Ausschlag von anderen Menschen bekommen.

Mein Wunsch zum Frühjahrsanfang: macht anderen Menschen Platz

gebt mal der Bahn ne Pause

gebt mal der Bahn ne Pause

Wisst ihr, was ich absolut unoriginell, langweilig und nervig finde? Wenn Leute über die Deutsche Bahn meckern. Es gibt sogar ein geistloses Buch darüber, vielleicht die Bibel aller Bahn-Meckerer.

Wisst ihr, über was ich mich aufrege? Über Leute, die über die Bahn meckern. Was gibts zu meckern? Ja, sie mag nicht immer pünktlich sein. Ja, die Züge mögen überfüllt sein. Ja, für das Tarifsystem braucht man mindestens ein Philosophie-Grundstudium. Und einen Wochenend-Intensivkurs an der VHS für die neuen Fahrkartenautomaten mit Touch-Screen. (Übrigens: warum hat inzwischen fast die Hälfte aller Menschen freiwillig ein Handy mit Touchscreen, weigert sich aber, sich mit dem Fahrkartenautomaten auseinanderzusetzen?)

Ich fahre viel Bahn. Ich bin stolze BahnCard25-Besitzerin, habe auch noch eine Monatskarte vom örtlichen Tarifverbund, blicke im Tarifchaos halbwegs durch und schaffe es meistens, dem Fahrkartenautomaten in weniger als 3 Minuten ein Baden-Württemberg-Ticket single abzuluchsen. Ich freue mich auch nicht, wenn ein Zug mal Verspätung hat – kürzlich fiel ein Zug einfach mal ganz aus – und ich saß in meinem Dorf fest. Aber anstatt das als völlige Inkompetenz der DB zu werten, bin ich einfach in den nahegelegenen Supermarkt vor der Kälte geflüchtet. Meine Freunde mussten eine halbe Stunde auf mich warten – auch nicht super, aber ist es das Ende der Welt?

Ich denke, jeder hat eine Story, wo einem die Bahn einen Strich durch die wohl durchdachten Reisepläne gemacht hat. Wo die ausgedruckte “Fahrtempfehlung” einfach nur die bestmögliche, aber unrealistische Reiseroute darstellt. Ich habe schon teure ICE-Tickets gelöst, und musste dann 40 Minuten lang im Zug stehen – ich habe schon teuere ICE-Tickets gelöst, und kam später als der günstigere IC an. Und immer wieder die Situation, dass Menschen von beiden Seiten in denselben Waggon einsteigen, sich in der Mitte des Waggons treffen und aneinander vorbeiwollen. Alles schon erlebt. Und trotzdem mag ich die Bahn.

Sie bringt mich überall hin – irgendwann.

Was mich aufregt, ist, wenn Menschen hohe Ansprüche an einen IRE (Interregioexpress) haben. Das ist ein Zug, der meistens so schnell wie ein IC ist, kaum hält, und den man aber noch mit den Ländertickets oder dem Wochenend-Ticket beutzen kann. Sie wollen einen Viererplatz für sich alleine, und das natürlich am Freitagabend. Und dafür nicht mehr als 20 Euro ausgeben. Wenn aus irgendeinem unerfindlichen Grund die Anzahl der Passagiere die der Viererplätze übersteigt, ist die Bahn schuld. Dann heißt es genervt: “oh, die Züge sind so scheiße!” Dabei ärgern sich die Menschen nur, dass ihr ach so geniales Sparvorhaben nicht aufgegangen ist. Weil nämlich alle Menschen die selbe Idee haben.

Dabei hat die Bahn einige IREs schon mit extra Abstellfläche für Gepäck ausgestattet.  Weil sie weiß, dass die Leute lieber laufen würden, als 10 Euro mehr für einen komfortableren Zug auszugeben. Ja, die IREs sind attraktiv für Urlauber. Manche Leute nehmen ihre komplette Snowboard-Ausrüstung in den IRE – und verteilen sie so auf den Viererplätzen, dass es 90% der Menschen peinlich ist, zu fragen, ob da noch ein Platz frei ist. Und wenn dann jemand Forsches kommt, der darauf besteht, sich dort hinzusitzen, sind die Züge scheiße. Anstatt vielleicht mal zu überlegen, ob man vielleicht die Erwartungen zu hoch sind?

Der Snowboarder oder die Dame mit ihrem silbernen Hartschalenkoffer größer als mein Kleiderschrank könnten folgendes tun:

- statt eines Ländertickets einfach mal gucken, wieviel teurer denn die IC oder ICE-Verbindung ist (da gibts ja wiederum die Sparpreise, wenn man im Voraus bucht). Und dann überlegen, ob man den höheren Preis für deutlich mehr Komfort und mehr Platz haben möchte.

- nicht gerade am Freitag- oder Sonntagabend fahren. Da fahren nämlich alle, falls ihr es noch nicht gemerkt habt.

- weniger Gepäck mitnehmen

- die Habseligkeiten anstatt in ein riesengroßes, sperriges Gepäckstück lieber in zwei kleine Rucksäcke oder Taschen zu packen, die man unter dem Sitz oder im Gitter über dem Sitz verstauen kann.

Hört nur einfach bitte auf, für kleines Geld Spitzenkomfort zu erwarten. Und macht Platz für andere Leute.

zukünftige Ex-Honorarkraft

zukünftige Ex-Honorarkraft

meine Honorartätigkeit wurde mir heute mit dreiwöchiger Frist gekündigt.

Im Vertrag steht “vier Wochen Kündigungsfrist”. Egal.

Ich will nur, dass allen, die sich auf eine Honorartätigkeit einlassen, klar ist, was es bedeutet. Deshalb hier ein paar Tipps für Honorarkräfte, Selbständige – alles aus eigener Erfahrung, aber ohne Gewähr.

1) Egal wie sicher die Auftragslage, die Projekte etc. des Betriebs scheinen: als Honorarkraft hat man kaum Sicherheit. Theoretisch können sie einem wahrscheinlich auch von heute auf morgen kündigen.

2) Der Auftraggeber hat bei Honorarkräften auch die Möglichkeit, die Stundenzahl, die man pro Woche oder Monat arbeiten darf, zu reduzieren. Er kann z.B. sagen: im August ist bei uns wenig los, da kannst du zuhause bleiben. Oder: wir haben gerade wenig Aufträge, also darfst du nur noch 10 Stunden pro Woche arbeiten.

- das hört sich ja erstmal verständlich an. Aber du musst dann eben schauen, wie du eine Weile ohne oder mit weniger Geld klar kommst. Außerdem hast du ja vielleicht Fixkosten wie die Krankenversicherung, was ja schonmal bis zu 200 oder 300 Euro ausmachen kann.

3.) Urlaub und Krankheit sind natürlich unbezahlt. Allderings können sie dir auch nicht verbieten Urlaub zu machen. Blöd gucken können sie zwar, sie können es auch mental abspeichern als “die macht ja mit uns was sie will”, aber verbieten können sie es nicht.

4.) Als Honorarkraft bist du leichter loszuwerden als jemand fest Angestelltes. Wenn eine Dumpfbacke vor vielen Jahren mal einen unbefristeten Vertrag bekommen hat, und aufgrund ihrer Unfähigkeit immer wieder von Abteilung zu Abteilung geschoben worden, und nun für deine Abteilung vorgesehen ist – was passiert dann wohl? Die fitte, kreative multitaskingfähige Honorarkraft muss weichen.

5.) Man bekommt sein Gehalt nicht zum 1. des Monats, sondern muss – um überhaupt Geld zu bekommen – eine Rechnung schreiben, auf dieser ein Zahlungsziel angeben, die irgendwo einreichen, die wird dann bearbeitet, und irgendwann landet der Betrag dann auf deinem Konto. Da kann es dann auch mal der 1. des übernächsten Monats werden – muss nicht, aber kann.

6.) Versuch mal, als alleinstehende Honorarkraft einen Kredit zu bekommen! Hah! Auch wenn heute selbst Daimler Kurzarbeit macht und Leute entlässt und selbst der Stempel auf der Stirn “Daimler-Mitarbeiter” nicht mehr heißt als “ich arbeite heute, jetzt, in diesem Moment bei Daimler”. Du bist Honorarkraft. Aber sicher auch redegewandt – ich wünsch es dir. Auch bei der Wohnungssuche sind die Vermieter inzwischen schon so schlau, dass sie sich mit “ich bin berufstätig” nicht mehr zufrieden geben, sie fragen sofort auch nach Befristungen, bzw. ob man angestellt ist.

7.) Als schlecht bezahlte Honorarkraft kann man eh kaum etwas zur Seite legen. Aber du musst dennoch damit rechnen, dass du irgendwann irgendwo etwas nachzahlen musst oder ab sofort doch monatliche Beträge abführen musst.

a) bei der Steuer: Wenn du nicht schon jeden Monat Vorsteuer oder Umsatzsteuer abführen musst, musst du erst zu einem späteren Zeitpunkt einen Batzen auf einmal zahlen – und zwar dann, wenn du die Einkommenssteuererklärung gemacht hast: dann wird ermittelt, wieviel Umsatzsteuer und Einkommenssteuer du zahlen musst. Das musst du dann dem Finanzamt überweisen. Also dafür solltest du unbedingt etwas zur Seite legen.

b) Krankenversicherung. Das ist ein für mich immer noch etwas undurchsichtiges Kapitel. Je nach Familienstand (ja, eheähnliche Gemeinschaften zählen auch), Gesamthaushaltseinkommen, sonstige Vermögen, Arbeitsstunden pro Woche, Monatseinkommen… musst du ganz unterschiedliche Beiträge zahlen. Am besten überlegst du dir zu Beginn der Tätigkeit, welche Stundenzahl und welches Monatseinkommen sinnvoll ist.

Aber Achtung: wehe, es ändert sich etwas an deiner Stundenzahl oder dem Einkommen, oder dein/e Partner/in verliert auf einmal den Job oder läuft dir ganz davon… Dann sieht es mit der Krankenversicherung alles wieder ganz anders aus und du musst unter Umständen wieder höhere Beiträge abführen. Also dafür auch vielleicht irgendeine Reserve haben… ja, ich weiß…

c) Rentenversicherung: sagen wir mal so: in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen darfst du als Honorarkraft immer. Gute Nachrichten, oder?! Aber je nach Art der Tätigkeit MUSST du in die RV einzahlen – meines Wissens z.B. bei Lehrtätigkeiten, und zwar 19,5 % vom Gehalt. Eine Freundin hat das jetzt nach einem Jahr Lehrtätigkeit erfahren… Existenzgründer können sich machmal auch befreien lassen, aber bei manchen Tätigkeiten geht das wohl nicht. Das Gute bei der Rentenversicherung ist, dass man zwar monatliche Beiträge abführen muss, es aber später wieder ausgeglichen wird, wenn man den Steuerbescheid einreicht und ersichtlich ist, wieviel du tatsächlich verdient hast – ähnlich wie bei der Gas-/Stromrechnung.

Ich weiß, manchmal hat man keine Wahl, ob man einen Job als Honorarkraft annimmt oder nicht – viele Jobs sind nur auf Honorarbasis ausgeschrieben. Ich will euch nicht abschrecken, aber es muss euch einfach klar sein, was da auf euch zukommen kann.