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P.

P.

P.

eigentlich ist es so eklig, dass ich es gar nicht ausschreiben will. P.

Pol…

Polye…

Ok: Polyester. Das meine ich. Jetzt ist es raus. Schüttel! Brrr!

Inspiriert von der coolen Marisa auf New Dress a Day (sie kauft sich gebrauchte Klamotten und näht daraus Tag für Tag ein neues, tolles Oberteil) habe ich mich auch in Second-Hand-Läden gewagt. Und zwar in die billigsten der billigen, wo ein Kleid nur 2,50 Euro kostet und an der Kasse noch einmal 20% Rabatt abgezogen wird. (Es gibt auch Second-Hand-Läden, in denen H&M-T-Shirts 8 Euro kosten und Röcke 20 Euro , Kleider gleich mal 50 Euro- ja sischä!…) Aber ich war in den günstigen Läden, um Futter für meine Auftrenn- und Zerschnippelwut zu finden.

Voller Stolz trug ich pralle Einkaufstüten nach Hause, trennte als erstes immer die Schulterpolster aus den Teilen, probierte, trennte, schnippelte, nähte. Am Samstag auf dem Flohmarkt fand ich sogar ein Kleid, das mir auf Anhieb passte, in orange mit rosablauen Blüten. Ich war selig und konnte es kaum erwarten, das Teil endlich zu tragen.

Klar hatte ich auf dem Etikett gelesen, dass das Kleid aus 100% P. besteht. Aber es war flatterig und da dachte ich: wird schon ok sein.

Ich zog es am nächsten Morgen an (ja, sogar ungewaschen, so sehr freute ich mich über das Teil – und es roch neutral und sah sauber aus). Vom Gefühl her war es so, als hätte ich zwei flatternde Plastik-Müllsäcke an. Meine Haut denkt, das ist vielleicht so eine neuartige Schönheitsanwendung und schwitzt. Nicht nur unter den Achseln, sondern wirklich aus jeder Pore. Jede Pore presst alles Wasser heraus, das sie in sich trägt, das Wasser sammelt sich in Speckrollen, das Kleid wird an den Speckrollen nass. Da der Schweiß nicht durch das P.-Kleid entweichen kann, bleibt alles schön auf der Haut stehen und entwickelt so einen Geruch.

Den Geruch von nassem Hund.

Wollte ich nur mal gesagt haben.

Die meisten alten Klamotten sind aus Polyester. Oder aus Viskose, was, so meine ich, auch Kunstfaser ist. Und ja, sie haben tolle Muster und sehen so geil nach Vintage aus. Aber inzwischen stell ich mir die Frage, ob ich die alten Dinger echt stundenlang umnähen will, wenn ich sie nachher kaum tragen mag, weil sie mich stinken lassen. Und dagegen kommt auch kein Deo an – außer vielleicht man versprüht eine ganze Flasche auf der Haut.

Hm.

Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

Gleicher

Gleicher

Da mein sozialversicherter Job ausgelaufen ist, muss ich leider wieder meiner “Lieblingstätigkeit” nachgehen und Bewerbungen schreiben. Da ruft mich eine Bekannte an, die einen kleinen Übersetzungsauftrag für mich hat. Und sie bestärkt mich darin, meinen Weg zu gehen, Geduld zu haben und damit zu rechnen, dass es Jahre dauern kann, bis man erste Erfolge sieht.

Sie hat 10 Jahre gebraucht, bis sie mit ihrem “Unternehmen” und ihrem besonderen Mix aus Dienstleistungen erste Erfolge erzielt hat. Sie sagt, ich soll Mut haben, das zu tun, was ich liebe. Und wenn man das tut, was man liebt, merken das die Leute, werden auf einen aufmerksam, möchten, dass man etwas für sie macht.

Das hat so gutgetan. Ich überlege mir gerade ernsthaft, mich hauptberuflich selbständig zu machen, aber ich biete so meiner Meinung nach völlig verschiedene Dienstleistungen an, die gar nicht zusammenpassen. Ich weiß gar nicht, wie ich damit auftreten soll. Aber ich denke, das Ganze kann sich entwickeln, die Idee kann sich entwickeln, und irgendwann wird etwas “Rundes” daraus. Es hat keinen Sinn, mich in irgendeine Schublade zu pressen, nur damit ich wie die anderen bin.

“Wer ständig versucht, wie die anderen zu sein, wird vor allem eins: gleicher.” Das ist leicht abgewandelt aus dem Buch “Alles, außer gewöhnlich” von Peter Kreuz und Anja Förster. Und irgendwie kann es ja – als Unternehmerin oder überhaupt – nie der Sinn sein, das gleiche anzubieten.

Beispiel: mein Wintermantel ist fertig. Er ist rostrot. Weniger als 1 % der Bevölkerung trägt rote Wintermäntel. Das heißt, ich falle auf mit dem Ding. Zwei Freunde haben – unabhängig voneinander – den Mantel als Nikolauskostüm gesehen, das nur noch durch eine rote Mütze mit blinkenden Herzchen ergänzt werden müsste. (Ich hab Euch trotzdem lieb!) Mir gefällt der Mantel, muss mich aber auch erst an seine Andersartigkeit und seine Blickfang-Qualitäten gewöhnen. (was sollte ich auch sonst machen als das Werk lieben lernen und es tragen, bis es sich auflöst?).

Meine Mutter hat mir als Kind und Jugendliche immer sehr viel genäht. Und selten sahen diese Klamotten aus wie die der anderen. Und so sehr ich meine Mutter liebe: manchmal habe ich mich für ihre selbstgenähten Klamotten geschämt, weil ich überzeugt war, dass man sieht, dass sie selbst genäht sind. Dass alle denken, wir haben nicht genug Geld, um Klamotten zu kaufen. Selbst nähen hat für mich so etwas Ärmliches – auch wenn’s meine Mutter nähtechnisch voll drauf hat.

Ich wollte nicht anders aussehen, ich wollte nicht auffallen. Ich wollte einfach nur die trendigen Klamotten, die auch meine Mitschüler hatten – sogar die Jeans mit Ledereinsatz an der Seite! (oh je, gabs das wirklich mal?) Ich wollte natürlich auch nicht die Billigversion aus irgendeinem Restpostengeschäft, sondern die coole, die so aussah wie alle anderen.

Und seit ich meinen rostroten Mantel ausführe, merke ich, dass ich diese leichte Angst immer noch habe: dass jemand merkt, dass der Mantel selbst genäht ist: nicht weil der Schnitt oder die Verarbeitung schlecht sind (das sind sie nämlich nicht), sondern weil er anders ist. Dass die Leute denken: wieso trägt sie sowas? Hat sie das nötig? Gerade ist doch lila in. Und der Kragen ist total unmodern, ebenso wie Raglan-Ärmel. Dass sie es fast als Beleidigung empfinden, dass ich so rumlaufe.

Am ersten Abend, als ich den Mantel anhatte, bin ich nachts eine halbe Stunde lang mit dem Zug nach Hause gefahren und es saßen 3 Weihnachtsmarkt-trunkene Mädels Anfang 20 um mich herum. Sie trugen alle schwarze Jacken. Und ich fühlte mich unwohl ob meines Mantels. Ich hatte Angst, dass sie mich anstarren, sich über mich lustig machen, denken: was ist das denn für eine Komische, die selbstgemachte Sachen trägt? Ich will nicht in diese langweilige Ökoschublade gesteckt werden… Ich will eher, dass die Leute denken: hey geil, wo hast du das denn her? (das sagen auch manche)

Oh je, das ist echt so ne Sache mit Selbermachen. Da braucht man schon auch Selbstbewusstsein. Immerhin tu ich mir die Klamotten freiwillig an – meine Mutter hilft mir beim Nähen, da ich Anfängerin bin. Es ist nicht so leicht, den eigenen Stil durchzuziehen. Oder habe ich nur Angst vor meinem eigenen Mut?

Schneide(r)n

Schneide(r)n

Was ist eigentlich aus der guten alten Tradition geworden, wie sie mir von einer aus Rumänien stammenden Freundin überliefert wurde? Die Freundin war es als Kind gewohnt, mit ihrer Mutter oder ihren Verwandten, aktuelle Versandhauskataloge aus dem Westen unterm Arm, zur Schneiderin zu stapfen und zu fragen: kannst du mir das aus diesem Stoff machen?

Heute geht man nicht mehr zur Schneiderin, sondern zum Schönheitschirurgen, in die Apotheke für Schlankheitsdrinks, ins Fitnessstudio… Mit allem kann man tausende von Euro loswerden.

Warum denkt eigentlich keine daran, dass sie, bevor er sich die Brüste vergrößern, Fett absaugen, liften lässt, sich mal gescheit einkleidet?! Mit gescheit meine ich: Farben, die das Gesicht zum Leuchten bringen und Klamotten, die einem wie angegossen sitzen und das Beste aus der Figur machen.

Hm, nein, die Frauen (ich eingeschlossen) glauben lieber, mit ihnen stimmt was nicht, weil sie nicht in die neue XXX-Kollektion oder in sackartige T-Shirts von der Stange passen. So nach dem Motto: wenn mir die Standard-Klamotten nicht passen oder stehen, muss ich etwas an mir verändern. Und wenn ich dann im Fitness-Studio einen drei-Jahres-Vertrag abgeschlossen habe, wird es schon etwas bringen, oder?

Vielleicht. Vielleicht würde mich so ein Knebelvertrag zu einer durchtrainierten, strahlenden, gesunden Frau machen. Vielleicht hätte ich aber auch nach 2 Monaten keinen Spaß mehr daran und würde in den restlichen 34 Monaten jedes Mal einen Stich im Bauch spüren, wenn der Mitgliedsbeitrag fürs Fitnessstudio auf dem Kontoauszug erscheint.

Hey, ich bin für Sport, Bewegung, Fitness – ich brauche das, um mich wohlzufühlen mindestens ebensosehr wie Schokolade.

Es ist nur so: man muss sich darüber klar sein, dass wir alle unterschiedliche Figuren und Proportionen haben. Vielleichtwürde ich mir im Studio 15 Kilo abtrainieren. Dann kann es aber immer noch passieren, dass mir die T-Shirts und Hosen von der Stange nicht passen. Weil ich groß bin, breite Schultern, lange Arme, breite Hüften etc. habe. Manche Dinge kann man nur mit ganz ungesicherten, experimentellen Operationen ändern (Arme kürzen z.B.) – ok, das ist eklig und absolut indiskutabel.

Wir sind keine Menschen von der Stange.

Seit ich angefangen habe zu nähen, ist mir bewusst, an welchen Stellen man überall Klamotten anpassen kann: nicht nur die Länge von Ärmeln oder des ganzen Kleidungsstücks, nicht nur die Breite der Hüfte und Taille- sondern auch die Breite der Schultern, die Breite der Oberarme, den Brustumfang; man kann wunderbar am Rücken- und Vorderteil Abnäher anbringen, so dass die Figur optimal betont wird und das Teil nicht absteht, wenn man z.B. ein Hohlkreuz hat.

Und da ist es eigentlich fast wie ein Lottogewinn, wenn einem ein Kleidungsstück von der Stange halbwegs passt. Weil es eben so viele Parameter gibt, in denen wir uns unterscheiden.

Irgendwie kann man den Designern fast keinen Vorwurf machen, denn sie können nur versuchen, die Klamotten so zu machen, dass sie irgendeinem Teil von Frauen passen, die eben zufällig die gleiche Oberweite haben. Oder in einem anderen Fall den gleich langen Oberkörper, oder gleich lange Beine.

Es ist ja wunderbar, wenn man eine Klamottenmarke gefunden hat, bei der man weiß, dass sie einem passt. Mir passen z.B. die Jeans von C&A gut. Oder die Oberteile von Long Tall Sally.

Warum ist es uns / mir so wichtig, in Klamotten von der Stange reinzupassen? Warum ziehe ich stundenlang durch die Läden, um etwas passendes zu finden, nehme Unmengen von Klamotten (“denken Sie bitte nächstes Mal daran, maximal 5 Teile”) mit in die Umkleide, es passt nichts, ich werde frustriert, ich kaufe mir zum Trost Modesschmuck oder eine Brezel, weil ich zudem völlig ausgehungert bin…

Ja, es ist schade, dass mir die zum Teil richtig geilen Klamotten nicht passen. Und ich fühle mich so, als würde mir die schöne Kleidung vorenthalten. Als wäre es meine Schuld, dass mir die Sachen nicht passen. Wenn ich nur kleiner, schlanker, weniger kurvig wäre, könnte ich die schönste und bestgekleidete Frau der Welt werden.

Hm.Vor ein paar Tagen war ich beim H&M und hab eine wunderbare Bluse aus der Mollie-Abteilung probiert, die mir 3 Nummern zu groß war (leider gab es sie nicht mehr kleiner). Anstatt mich zu ärgern, hab ich mir den Schnitt genau angeguckt. Schießlich kann ich mir selbst eine solche Bluse nähen, wenn ich will – mit viel Geduld und Spucke zwar, aber immerhin.

Ätsch!

Spruch des Tages

Spruch des Tages

… dieses Mal von einer Damenschneidermeisterin, bei der ich gerade einen Nähkurs machen:

“Man ist wie man ist”.

Das sagt sie immer, wenn wir beim Anprobieren der Werke den Bauch einzuziehen oder auf die ach so breiten Hüften hinweisen.

Sprich: wir sind alle erwachsene Frauen, teils älter, teils jünger, und wir schneidern uns Klamotten, die uns passen. Wir verbringen Monate damit, ein Kleidungsstück zu machen, das genau so ist, wie wir es haben wollen (wir haben uns den Schnitt, den Stoff, die Knöpfe, die Art der Taschen, der Kragen, was auch immer… selbst herausgesucht.). Wir nähen etwas, das uns – mit all unseren unterschiedlichen Proportionen, Körperhaltungen, Gewohnheiten – perfekt passt.

Ich nähe mir einen Wintermantel, habe das Ding heute im schon ziemlich fortgeschrittenen Stadium anprobiert, und alle waren begeistert. Eine sagte zu mir: dieser Kragen ist so schön und passt perfekt zu Ihrer Frisur und ihrem Gesicht, das sieht aus wie gemalt.

In diesem Moment war ich ein Supermodel, ein Filmstar.

Und das einfach, weil ich etwas trage, das genau zu mir passt- mit all meinen Kurven und meinen tollen Haaren und Augen und langen Armen.

Wir Frauen sind alle toll.