Schlagwort-Archive: Lebenslauf

Betr.: VG

Betr.: VG

Ich hatte ja das Vorstellungsgespräch vor ein paar Tagen, aufgrund der im Fieberwahn geschriebenen Bewerbung.

Also: nett waren sie ja schon, viel rumkommen würde ich bei dem Job auch, Freizeit hätte ich im Sommer wenig und sonst eher viel, der Arbeitsplatz ist nur 2 Kilometer Luftlinie von zuhause.

Nur zahlen wollen sie nicht viel. Man muss vielleicht dazusagen, dass es eine gemeinnützige Institution ist. Das Gespräch lief gut, bis zu dem Punkt, an dem sie nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt haben. Die nicht unverschämt ist, aber auch so, dass man nicht noch 3 andere Jobs nebenher braucht. Als ich die Zahl genannt habe, ging bei ihnen glaube ich der Rolladen runter, es wurde 2 Grad kälter im Raum.

Bis zu diesem Punkt sagten sie: “Ist ja toll, was Sie bisher gemacht haben, wie spannend. Ja, aha.” Und als sie die Zahl hörten, las ich in ihren Augen: “Aber dass Sie bei uns Geld verdienen wollen, finden wir nicht so gut.” Und einer sagte tatsächlich: “Wissen Sie, wir bezahlen unsere Angestellten – im Unterschied zum öffentlichen Dienst – nicht nach Alter und Gewicht. Bei uns müssen Sie erstmal beweisen, was Sie können.”

Die Frage, ob ich einen eigenen PKW habe, musste ich verneinen. Warum auch, ich habe zwei U-Bahn-Linien und eine Buslinie in der Nähe von meiner Wohnung. Einen PKW zu haben hätte mir sicher einen entscheidenden Vorteil verschafft, da man für diese Tätigkeit oft in entlegene Dörfer fahren muss. Aber selbst wenn ich ein Auto hätte, ist die Frage, ob ich es hätte behalten können, bei diesem Gehalt. Ok, ich übertreibe, ich habe schon deutlich miesere Gehaltsangebote gesehen, und außerdem reicht so ein großer Sack Reis sicher für einen ganzen Monat. Aber langsam nervt es mich, immer zu hören – falls ich denn mal ein VG (Vorstellungsgespräch) habe – wie interessant mein Lebenslauf ist. Und dass sie dann traurig gucken, wenn ich ein Jahresgehalt nenne, für das ein Ingenieur morgens nichtmal aufstehen würde. Als ob ich nicht genug an dieser Tätigkeit interessiert bin, denn wenn ich wirklich interessiert wäre, würde ich ja auch für 3 Euro die Stunde arbeiten. So ungefähr ist der Ton.

Die Leute glauben einfach, dass alles und jeder billig zu haben ist. Jaja, wir wissen, Sie sprechen alle Weltsprachen außer Chinesisch, haben auf verschiedenen Kontinenten gearbeitet, können Projekte schmeißen, Verhandlungen mit Bauern oder Beamten oder Künstlern führen, geilen Kaffee kochen und zudem noch schreiben, telefonieren, recherchieren. Finden wir gaaaanz toll. Respekt. Aber ganz ehrlich, Geld ist doch nicht alles bei der Arbeit. Viel wichtiger sind doch nette Kollegen und Raum für eigene Ideen, oder? Also wir können nicht mehr als … zahlen.

Mein Lieblings-Pecorino ist in Heu gereift und seine Rinde während der Reifung ständig mit Olivenöl eingerieben worden. Er heißt glaube ich Pecorino in Grotta und kostet ca. 3-4 Euro pro 100 Gramm. Gute Dinge kosten Geld. Im Supermarkt krieg ich für 4 Euro womöglich ein Pfund Käse, aber will ich diesen Käse? Nein, lieber 100 gr geilen Käse als einen Pack Gouda mit Farbstoffen und Plastikrinde.

Ich will den Betrieb finden, der sagt: Mensch, Frau …, wir brauchen Ihre Erfahrungen, aber wir stellen Sie nur für das ein, was sonst niemand machen kann. Wir bieten Ihnen eine 50%-Stelle von der Sie leben können. Ruhen Sie sich an Ihren arbeitsfreien Tagen bitte aus, damit Sie Top-Leistungen bei uns bringen. Da würde ich ja sagen.

Bei der Verabschiedung fragten sie, ob ich einen Berliner möchte. Ich zierte mich nur ein wenig und nahm ihn. Also nett waren sie schon.

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder eine Bewerbung. Mein Bewerbungs-Ich addiert Textbausteine und spuckt neue Phrasen zu “teamfähig, Organisationstalent und flexibel” aus. Mit aufgrund von Erkältung vernebeltem Hirn und heißer Stirn. Mal schauen, was dabei rauskommt. Moment, werden die regelmäßigen LeserInnen fragen: du hast doch erst ein Jobangebot bekommen. Warum bewirbst du dich nochmal?

Erstens ist das mit dem 400-Euro-Job noch nicht ganz sicher. Und über den Studenlohn, bzw. wieviele Stunden in diesen 400 Euro enthalten sein sollen, haben wir auch noch nicht geredet.

Mein anderer aktueller Job ist auch weniger als 50 Prozent Beschäftigungsumfang und immer auf drei Monate befristet. Ich bin sehr froh um diesen Job, aber irgendwie wäre etwas mehr Sicherheit doch schön. Ich habe diese Stelle jetzt seit ca. 1,5 Jahren, bekam zwischendurch innerhalb des Betriebs ein komplett neues Aufgabengebiet – und mache parallel dazu wechselnde andere Tätigkeiten. Ich arbeite mich praktisch alle drei Monate in etwas Neues ein. Neue Leute, neue Firma, neue Aufträge und Aufgaben, neue Strukturen und Abläufe. Ich bin ein Zwilling, ich komme ganz gut mit Veränderung und Neuem klar. Aber ich merke auch, dass es mich anstrengt. Und dann ständig Bewerbungen zu schreiben, nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Es wäre nett, bei einer einzigen Firma angstellt zu sein, für ein oder zwei Jahre am Stück; und dann können sie mir gerne neue Aufgabengebiete zuweisen oder mich an einen anderen Ort versetzen.

Bin ich eine schlechte Bewerbungsschreiberin? Dieser Gedanke kommt mir bei fast jeder Bewerbung. Vielleicht kann ich einfach keine Anschreiben verfassen, vielleicht ist mein Lebenslauf zu unübersichtlich, zu un-knackig. Vielleicht kann ich mich einfach selbst nicht gut genug darstellen. Es ist auch so schwierig, zu schreiben, was man sagen will, was man im Kopf hat. Die Bewerbungen von anderen kann ich ganz toll überarbeiten und tunen, aber meine eigene?

Ich strebe immer ein Anschreiben an, das zum Heulen schön ist, den anderen im Innersten bewegt und etwas über meine Lebensphilosophie aussagt. Ein kleines Kunstwerk eben, das oben drauf auf der Mappe liegt und in jedem Fall beim Empfänger bleibt. Vielleicht hat sich ja schon jemand mein Bewerbungsschreiben zuhause übers Bett gehängt, oder wenigstens an die Cubicle-Wand gepinnt, als Erinnerung daran, auf was es im Leben ankommt. Schnief.

Beim Arbeitsamt bekommt man pro nachgewiesener Bewerbung 5 Euro. Aber diesen Antrag habe ich nicht gestellt, denn so billig sind meine Werke nicht zu haben. So!

Noch ne Bewerbung, noch’n Post

Noch ne Bewerbung, noch’n Post

Ich versuche heute mein Glück in Toronto. Da habe ich mal im letzten Jahrhundert gelebt und es ist weltweit wohl meine Lieblingsstadt. Meine Seelenverwandte wohnt dort. Da ist ein Job ausgeschrieben, der auf mich passen würde. Problem: die Bewerbungsfrist endet heute, und ich muss meinen Lebenslauf erstmal noch überarbeiten. Ne englische Version von vor drei Jahren habe ich schon, aber jetzt muss ich die aktualisieren und mir ein Anschreiben ausdenken. Und tu mir dabei leid.

Aber schon während ich diesen Post schreibe, merke ich, dass ich dazu gar keinen Grund hab. Wie schlimm ist es, sich in Kanada bewerben zu können?! Oh, ich Arme. Jetzt ganz schnell weiterschreiben, sonst ist die Bewerbungsfrist um.

Ja, ich will nach Toronto, aber zu diesem Job fehlt mir die passende Ausbildung. Und außerdem haben die sicher schon 20 Bewerbungen von Leuten, die bereits in Toronto wohnen. Ich glaube, ich will einfach immer schwierigere Bewerbungen schreiben. Ich sehe es als persönliche Herausforderung. Jede abgeschickte Bewerbung gibt mir einen Kick. Und ich finde es toll, dass ich in der Lage bin, Bewerbungen auf englisch zu schreiben