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свадьба [swadba]

свадьба [swadba]

das heißt “Hochzeit” auf Russisch.

Eben hat mir ein Bekannte aus Russland geschrieben, dass sie geheiratet hat. Ich habe eine Weile nichts von ihr gehört; ich kenne sie aus eine Austauschprogramm, das ich einmal mitbetreute, und die Frau war so gut, dass sie ein Stipendium für einen weiteren Aufenthalt in Deutschland bekommen hat. Sie ist so ein lieber Mensch, irgendwie glaube ich auch sehr traurig, aber so herzlich und natürlich.

Auf den Hochzeitsfotos, die sie mitgeschickt hat, habe ich sie zum ersten Mal geschminkt gesehen.

Ich habe geheult, als ich davon gelesen habe, es hat mich berührt, und ich weiß gar nicht warum.

Dachte ich vielleicht, dass sie lesbisch ist, weil sie mich zum Abschied vor über einem Jahr so fest gedrückt hat und “ich liebe dich” gesagt hat? Vielleicht habe ich es irgendwie gehofft.

Vielleicht dachte ich auch, dass sie mit ihren zwei Deutschlandaufenthalten in Russland einen besseren Job bekommt als den, den sie jetzt hat.

Vielleicht fand ich auch ihren Mann komisch, der auf den ersten Blick sehr stämmig und hart rüberkommt, aber sie (wenn ich genauer hinschaue) sehr lieb anlächelt.

Ich finde es manchmal traurig, wenn ich Hochzeitsbilder sehe. Wenn sich Frauen für einen Tag so besonders stylen und sich ein besonderes Kleid kaufen und professionelle Fotos machen lassen. Ich denke da so: und? Ich finde das so traurig, weil sie den Tag ihres Lebens haben und ich mich nicht mitfreue. So: und? Du hast einen Vertrag unterzeichnet, dass du mit einem Menschen zusammenleben wirst. Und? Und?

Vielleicht war ich auch traurig, weil ich aus der Hochzeit geschlossen habe, dass sie jetzt erst mal nicht mehr nach Deutschland kommt, sondern bald Kinder haben wird.

Vielleicht ist es auch nur PMS.

Ich und meine Gedanken. Ich würde sie einfach gerne wieder ungeschminkt an mich drücken, die Tanja.

Geraten

Geraten

Ich bin ganz offen: ich gerate seit Jahren an Frauen, die aus irgendwelchen Gründen keine Beziehung mit mir möchten. In der Hinsicht bin ich ein Trüffelschwein (äh, Moment, passt das Bild? Naja, ich meine einfach nur, dass ich mir mit der Zielstrebigkeit eines Trüffelschweins vergebene oder beziehungsunwillige Frauen aussuche, mit einer Ausnahme).

Und die Frauen, die ich in diesem Zusammenhang bisher gedatet habe, sind toll. Wir haben uns gut verstanden, uns gut unterhalten, lustige bis sehr lustige Dinge getan. Und immer habe ich gedacht: sie wird schon zu mir kommen, sie braucht nur etwas Zeit (um über ihre Ex hinwegzukommen, um zu erkennen, dass sie zwar eigentlich keine Beziehung will, aber mit mir schon, oder, um sich von ihrer Freundin zu trennen).

Und irgendwie merke ich, wie schwer das für mich ist. Dass ich damit meine Bedürfnisse umgehe und meine Gefühle bremse. Und auch wenn mir die Freundschaften mit den Frauen Nähe und Spaß und Verstehen geben, habe ich das Gefühl, gegen eine Wand zu rennen, ich fühle mich ausgeliefert.

Da ist so viel in mir, das ich zu geben habe, und ich gehe damit von Frau zu Frau, wie eine Marktfrau, die ihre Waren anbietet, die immer wieder bei der selben Frau vorbeigeht und fragt: willst du nicht doch meine tollen Waren, sie werden dich auch bestimmt glücklich machen. Nein? Wirklich nicht?

Und die Frauen sagen: also gut, Sex habe ich schon, Liebe will ich nicht, aber Vertrauen, Zuhören und Nähe, geht das?

Und ich sage: “ok” und knirsche mit den Zähnen und fühle mich als Opfer und bemitleidenswert, weil ich an die falschen Frauen gerate.

Ist es zu spät für Vorsätze? Ich gehe ab heute zu der Frau, die das Gesamtpaket nimmt, und die auf dem Markt auf mich zugerannt kommt und sagt: gerne!

Sie

Sie

Sie ist so toll. Die Neue in meinem Leben. Ist erst seit 12 Tagen da. Dreimal haben wir uns gesehen. Waren schon heiße Schokolade trinken, im Kino, auf Fototour, im Vorort-McDonalds, in meiner Wohnung, auf meiner Couch. Haben stundenlang telefoniert, gekuschelt, gelacht. Uns fast geküsst. Jetzt wohnt sie für ein paar Wochen in einer anderen Stadt, kommt aber bald wieder. Sie hat eine Freundin. Die Neue macht, dass ich meine Probleme mit meinem Herzen sehe und vor Erleichterung heule. Sie macht, dass ich über Dinge reden kann, vor denen ich sonst Angst habe. Ich traue mich mehr als je zuvor und fühle mich sicher.

Und irgendwie ist es gerade egal, dass sie eine Freundin hat. Weil wir im Moment so eine schöne, tiefe Verbindung haben und uns gegenseitig Nähe geben.

Vielleicht sind wir uns so nah, dass sie bald diesen Blog hier lesen darf.

D.A.T.E

D.A.T.E

Yeah, gestern hatte ich ein Date. Und was für ein herrliches.

Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Person kennenlernt, die auch noch dem Geschlecht angehört, das ihr euch für Beziehungen ausgesucht habt (in meinem Fall: Frauen), und mit dieser Person redet, ihr gegenübersitzt und denkt: das ist sie. Die und keine andere. Mein Mensch.

Sie haut mich so richtig um. Sagt lauter richtige Sachen. Ich will ihre Hand nehmen, sie knutschen, und ich verkrafte es fast gar nicht, dass ich sie so toll finde und wir uns so gut verstehen und uns super-persönliche Sachen erzählen. Es ist schön mit ihr, dass es fast zu viel und zu schnell ist.

Und dann erwähnt sie nebenbei ihre Freundin. Ich lasse sie erstmal weiterreden und frage dann: habe ich das eben richtig verstanden, dass du eine Freundin hast?

Und sie so: ja.

Wir reden weiter. Sie ist immer noch toll, am liebsten würde ich rausgehen und heulen, stattdessen sieht sie mir an, dass mich etwas beschäftigt, sie nennt es so: die Gedanken rattern wie ein Zug durch dein Gehirn.

Und ich sage: hey, ich finde es gerade voll schade, dass du eine Freundin hast. Mit dir kann ich so gut reden und das haut mich gerade um.

Und sie so: ja, ich merke, diese Barriere ist gar nicht da.

Wir quatschen weiter, erzählen noch mehr persönliche Dinge. So gerne würde ich einiges davon hier schreiben, aber das möchte sie nicht. Skurrile, schöne Sachen sind das. Ich will dann auch nicht mehr heulen sondern bin so froh, dass wir das Thema “Beziehung” geklärt haben. Ich habe mich schon mit so vielen Single-Frauen getroffen und es blieb auf der freundschaftlichen Ebene und keine von uns hat angesprochen, ob aus der Beziehung mehr werden kann oder soll. Und was mir an dieser Frau am besten gefallen hat, ist, dass ich aus irgendeinem Grund sehr direkt und offen mit ihr reden kann, auch über schwierige Gefühle.

Yeah.

Schreibwerkstatt, Baby!

Schreibwerkstatt, Baby!

Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass ich am Wochenende an einer Schreibwerkstatt teilnehmen werde. Dort wird ein Autor, dessen Buch Elke Heidenreich gelobt hat, mit mir und anderen Schreibenden an unseren Prosatexten arbeiten.

Man musste sich mit einer Kurzgeschichte bewerben, und sie haben mich tatsächlich ausgewählt. Ich konnte es kaum glauben und bekam sofort Panik! So etwas empfinde ich als Glück und Strafe zugleich.

Da mag ich mal eine Anekdote einstreuen. Zu Oberstufen-Zeiten war eine Kollegin aus dem Französisch-Leistungskurs in einem Blockflöten-Quartett, das regelmäßig bei Jugend-Musiziert-Wettbewerben mitmachte. Das Quartett war sehr gut und spielte moderne, sehr schwierige Stücke. Für meine Kollegin gab es ein Horror-Stück, in dem sie viele schwierige, gut hörbare Stellen hatte. Als sie dieses Stück bei einem Wettbewerb aufführten, war sie schrecklich nervös und empfand es als Qual. Sie brachte es aber gut hin, und das Quartett gewann den ersten Platz.

Was tat die Kollegin, als ihre Gruppe als Sieger ausgerufen wurde? Sie heulte, weil der erste Platz auch bedeutete, in die nächste Runde zu kommen, und das bedeutete wiederum, das Stück bei einem weiteren Wettbewerb aufführen zu müssen.

So geht’s mir gerade, wenn ich daran denke, meine vielleicht gerade zu 20% fertige Kurzgeschichte, die sich auch noch um ein lesbisches Paar dreht, von einem erfolgreichen Autor und anderen Schreibenden diskutieren zu lassen. Gut, man sollte ausdrücklich eine unfertige Erzählung einreichen, mit denen man weiterarbeiten kann. Mit so einer selbst geschriebenen Geschichte öffne ich mich, auch wenn sie nicht autobiographisch ist. Es ist ein Werk, das in mein Herz blicken lässt, ein Werk mit vielen Fehlern und Mängeln, aber wohl auch Stärken, sonst hätten sie mich nicht für die Werkstatt ausgewählt. Puh.

Zöllibat

Zöllibat

Vor ziemlich genau vier Jahren hatte ich das letzte Mal Sex mit einer anderen Person. Tja. Das gibt mir schon manchmal zu denken. Ich bin schließlich keine 80, wo man dann irgendwann denkt: ok, mir ist das nicht mehr so wichtig.

Mir ist es wichtig! In den letzten vier Jahren hab ich meine beiden Hände und eine kleine Auswahl an wohlgeformten Silikonteilen gedatet.

Und es gab da noch eine Frau, mit der ich einen Spaß-Zungenkuss ausgetauscht hab – die Frau hatte eine wahnsinns-erotische Ausstrahlung, aber die Art wie sie mir die Zunge in den Mund geschoben hat war so gewollt scharf, dass es mich abgetörnt hat.

Und dann gabs da noch eine Frau, die ich beim zweiten Date so begrabscht habe (und sie mich), wie es eben in der Öffentlichkeit bzw. unter dem Kneipentisch geht. Stundenlang haben wir die Arme umeinander gelegt, Oberschenkel gestreichelt, Händchen gehalten, die Haut unter dem Ärmel gestreichelt, bis ich am Kochen war. Sie wollte nicht bei mir übernachten, sie wollte nicht mal einen Kuss von mir zum Abschied, und ließ mich allein zurück, geiler als jeder Seeman kurz vorm Heimaturlaub.

Und das ist es, mein “Sexleben” in den letzten vier Jahren. Und das eine ist, dass ich selbst meine beste Liebhaberin bin. Und das andere ist, dass ich mir die Nähe von einer anderen Person wünsche.

Und ich date und date und merke schon, wie leicht es mir fällt, mich mit unbekannten Frauen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich kann mich mit ihnen unterhalten, ohne vor Schüchternheit unter den Tisch zu kriechen, oder aus dem Stottern nicht mehr rauszukommen. Manchmal kommt mir das Daten wie ein Job vor, wie eine Pflicht, so wie Lebensmittel einkaufen. Es ist ja auch immer interessant und nett. Aber bisher teile ich mein Bett allenfalls mit meinen heißgeliebten schwulen Freunden oder mit verheirateten Freundinnen von auswärts.

Kann es vielleicht einmal richtig knallen?!

Lesbische Klosterschülerinnen

Lesbische Klosterschülerinnen

Ja, das ist ein reißerischer Titel, so krieg ich meine Statistik mal wieder hoch (denn wenn ich nur etwas über Rosenkohl und sonnengetrockente Tomaten schreibe, liest das kein Schwein). Sorry schon mal an alle, die hier Pornobilder erwarten. Go somewhere else.

Aber die Frau, die ich gerade date, und ich sind lesbische Klosterschülerinnen. Ein Porno über uns wäre – keiner. Denn wir sitzen uns immer brav gegenüber. Halten auch auf dem Sofa in einer Bar einen Sicherheitsabstand von mindestens 2 cm. Erzählen uns Sachen, sie von ihrem naturwissenschaftlichen Studium, ich von meinen 1000 Jobs, wir beide vom Studium in den USA, wir lachen, wir lächeln. Bei unserem fünften Treffen haben wir uns zum Abschied umarmt. Das ging von mir aus. Und heute, bei unserem sechsten Treffen, haben wir uns auch schon zur Begrüßung umarmt. Wenn das so weitergeht, landen wir im Bett im Jahr 2015.

Wer hat eigentlich gesagt, dass Lesben zum dritten Date den Umzugswagen mitbringen? Oder machen sie das, bevor sie sich das erste Mal geküsst haben?

Ja, krass oder? Da schreib ich über lesbischen Sex, da häng ich mit schwulen Männern rum (wobei die gerade aus verschiedenen Gründen sexuell eher zurückhaltend sind). Und schaff es nicht, diese Dame mal zufällig zu berühren.

Ich weiß nicht mal, ob ich mir eine Beziehung mit ihr vorstellen kann. Ich finde sie sehr attraktiv, witzig, intelligent, sie interessiert sich für Kunst, ist sportlich, eine zum Pferde stehlen…

Ich finde sie so gutaussehend und sie redet so viel, dass ich mir neben ihr manchmal wie ein unbeholfener Klotz in billigen Klamotten vorkomme. Ich weiß nicht mal, ob ich mich ihr nähern soll. Denn erstens weiß ich nicht, ob ich das wirklich will (meine eine Hirnhälfte sagt “sie ist total scharf, worauf wartest du” – aber meine andere Gehirnhälfte sagt “vielleicht passt sie nicht zu dir”). Und zweitens weiß ich nicht, ob sie etwas von mir will. Ich kann ihre Signale nicht lesen, sofern sie welche sendet.

Ich glaube, wenn ich mir sage, sie will nichts von mir, dann werde ich jede ihrer Handlungen als abweisend betrachten. Und wenn ich mir sage, dass sie mich toll findet, finde ich dafür auch genug Belege. Ich weiß es nicht, was sie will und was ich will.

Es ist zum Heulen. Und vor lauter Panik, dass ich mich ihr nähern sollte, mich aber nicht traue, und vor lauter Nachdenken darüber, ob sie etwas von mir will, kann ich unsere Treffen gar nicht richtig genießen. Ich bin nicht locker, nur manchmal, wenn wir über irgendetwas voll lachen können. Meistens warte ich auf die Entscheidung: wird es was oder wird es nichts? Dabei treff ich die Entscheidung womöglich selbst, indem ich so angespannt bin.

Langsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder eine Bewerbung. Mein Bewerbungs-Ich addiert Textbausteine und spuckt neue Phrasen zu “teamfähig, Organisationstalent und flexibel” aus. Mit aufgrund von Erkältung vernebeltem Hirn und heißer Stirn. Mal schauen, was dabei rauskommt. Moment, werden die regelmäßigen LeserInnen fragen: du hast doch erst ein Jobangebot bekommen. Warum bewirbst du dich nochmal?

Erstens ist das mit dem 400-Euro-Job noch nicht ganz sicher. Und über den Studenlohn, bzw. wieviele Stunden in diesen 400 Euro enthalten sein sollen, haben wir auch noch nicht geredet.

Mein anderer aktueller Job ist auch weniger als 50 Prozent Beschäftigungsumfang und immer auf drei Monate befristet. Ich bin sehr froh um diesen Job, aber irgendwie wäre etwas mehr Sicherheit doch schön. Ich habe diese Stelle jetzt seit ca. 1,5 Jahren, bekam zwischendurch innerhalb des Betriebs ein komplett neues Aufgabengebiet – und mache parallel dazu wechselnde andere Tätigkeiten. Ich arbeite mich praktisch alle drei Monate in etwas Neues ein. Neue Leute, neue Firma, neue Aufträge und Aufgaben, neue Strukturen und Abläufe. Ich bin ein Zwilling, ich komme ganz gut mit Veränderung und Neuem klar. Aber ich merke auch, dass es mich anstrengt. Und dann ständig Bewerbungen zu schreiben, nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Es wäre nett, bei einer einzigen Firma angstellt zu sein, für ein oder zwei Jahre am Stück; und dann können sie mir gerne neue Aufgabengebiete zuweisen oder mich an einen anderen Ort versetzen.

Bin ich eine schlechte Bewerbungsschreiberin? Dieser Gedanke kommt mir bei fast jeder Bewerbung. Vielleicht kann ich einfach keine Anschreiben verfassen, vielleicht ist mein Lebenslauf zu unübersichtlich, zu un-knackig. Vielleicht kann ich mich einfach selbst nicht gut genug darstellen. Es ist auch so schwierig, zu schreiben, was man sagen will, was man im Kopf hat. Die Bewerbungen von anderen kann ich ganz toll überarbeiten und tunen, aber meine eigene?

Ich strebe immer ein Anschreiben an, das zum Heulen schön ist, den anderen im Innersten bewegt und etwas über meine Lebensphilosophie aussagt. Ein kleines Kunstwerk eben, das oben drauf auf der Mappe liegt und in jedem Fall beim Empfänger bleibt. Vielleicht hat sich ja schon jemand mein Bewerbungsschreiben zuhause übers Bett gehängt, oder wenigstens an die Cubicle-Wand gepinnt, als Erinnerung daran, auf was es im Leben ankommt. Schnief.

Beim Arbeitsamt bekommt man pro nachgewiesener Bewerbung 5 Euro. Aber diesen Antrag habe ich nicht gestellt, denn so billig sind meine Werke nicht zu haben. So!