Schlagwort-Archive: große Frauen

Gisele

Gisele

Jeden Tag starrt sie mich mehrmals mit ihren großen blauen Augen an: Gisele Bündchen. Die U-Bahn-Haltestellen sind voll mit Gisele in Esprit-Klamotten. Mir gefällt an diesen Plakaten Giseles natürlicher Look sehr.

Ich habe eins mit Gisele gemeinsam: wir sind beide 1,80 m groß. Ich wiege wahrscheinlich ein oder zwei Kilo mehr als sie (oder auch drei), aber das soll hier keine Rolle spielen. Es gibt zwei Plakate in der Serie, auf denen sie einen Blazer an hat. Und ich finde, dass ihr dieser Blazer beidesmal zu kurz ist. Er geht ihr gerade einmal bis zum Beginn der Hüfte. Vielleicht ist das ja der neue Trend – für mich sieht es schlicht zu kurz aus. Es sieht ein bisschen so aus, als wollte sie sich zu einer besonderen Gelegenheit schick machen, hat aber keinen Blazer gefunden, der ihr richtig passt, und so muss sie einen tragen, der ihr zu kurz ist, und überspielt das aber mit Lässigkeit.

Auf dem Plakat mit dem schwarzen Blazer hat sie die Ärmel so lässig hochgeschoben – ich könnte wetten, dass das gemacht wurde, weil ihr die Ärmel zu kurz sind.

Ist es jetzt die neue Mode, dass wir alle zu kurze Blazer tragen? Denn wenn Gisele das trägt, ist das ja vielleicht richtig cool? Das würde ja bedeuten, dass ich in ein bis zwei Jahren, wenn der Trend bis zur allerbreitesten Masse durchgeschlagen ist, bei Geschäftsterminen oder festlichen Anlässen auch zu kurze Blazer tragen kann, ohne kritische, mitleidige Blicke zu ernten. Denn hey, das trägt man jetzt so.

Oder wird dieser bescheidene Blog-Artikel Esprit dazu veranlassen, Blazer für 1,80 m große Frauen (z.B. Gisele oder fraulinde) zu schneidern, die in der Länge passen?

Das wäre ja mal ein Wort.

it sucks being tall

it sucks being tall

ja, ich dachte nie, dass ich das so krass sagen würde. wenn selbst long tall sally, spezialist für große frauen, klamotten entwirft, die mir nicht mehr passen. größe 20 ist mir als trenchcoat zu eng. 22 ist mir als blazer zu groß. die ärmel bei dem blazer in größe 22 sind weit – da passen meine bestimmt nicht dünnen arme zweimal rein. und im brustbereich ist noch viiiiiel platz. der blazer sitzt, als hätte ich meine bh-polster vergessen. ums revers herum schwabbelt der stoff. toll. das einzige, was stimmt, ist die ärmellänge, hurra. ein top, größe 22, ist im brustbereich ok, dafür an der schulter zu weit (ich dachte nie, dass ich sagen kann, dass ein top mir in der schulter zu WEIT ist) und in den ärmeln zu eng. echtes presswurst-feeling. zu wissen, wie man sich als presswurst fühlt? unbezahlbar. zu denken, dass man trotz BH-Größe 90 D eigentlich 90 F bräuchte, um den blazer auszufüllen? auch unbezahlbar. und das zeug bestelle ich ja aus england. ich zahle also das porto fürs hierher liefern lassen – ok, gerne – aber dann ja auch noch fürs zurückschicken. nur weil die keine gescheiten schnitte haben oder solche models, die an einem tag dünne ärmchen und gleichzeitig hammerwerferinnenschultern haben, und am nächsten dolly-buster-oberweite und hammerwerferinnenarme. herzlichen glückwunsch.

was ganz gut passt, ist der mantel.

aber ich bin so traurig gerade. was soll ich denn tun? wie soll ich mich jemals gescheit anziehen können?! ich könnte jetzt einen blazer anfangen zu schneidern, der in ca. einem halben jahr fertig ist. die dazu passende hose wäre dann so gegen sommer fertig. hallo? und nur weil die modefirmen keine gescheiten schnitte hinkriegen.

ich ärgere mich einfach nur. ich will einfach auch einmal etwas gescheites, schönes, schickes tragen, so was richtig klassisches.

tja, die entsprechenden jobs schminke ich mir gerade eh ab. und auf alle anderen events komm ich dann eben als die ach so kreative, extravagante, coole frau, die hoffentlich genug selbstbewusstsein hat, um zu ihrem zusammengestückelten outfit zu stehen.

ach, scheiße!

Karl, schneiderst du mir ein Abendkleid?

Karl, schneiderst du mir ein Abendkleid?

Noch ein Wort zu den Top-Designern. Und Top-Models.

Können sie schneidern? Können sie gute Schnitte machen?

Hm, keine Ahnung. Ich weiß nur, dass sie sich an den Models orientieren. Die Models auf dem Laufsteg haben Größe 32 oder 34. Die Klamotten, äh, Entschuldigung, Haute-Couture-Kleidung, werden den Models vor der Show extra angepasst. So mit Sicherheitsnadeln und so. Von wegen, “wenn ich die richtige Figur hätte, würde mir alles passen”. Vergiss es, nichtmal Models haben die “richtige Figur”.

Ja, die Designer mögen kreativ sein, Trends vorgeben, uns auf neue Ideen bringen. Finde ich super. Aber können sie auch z.B. einer kurvigen, 185 cm großen Frau ein gut sitzendes Abendkleid entwerfen?

Schneide(r)n

Schneide(r)n

Was ist eigentlich aus der guten alten Tradition geworden, wie sie mir von einer aus Rumänien stammenden Freundin überliefert wurde? Die Freundin war es als Kind gewohnt, mit ihrer Mutter oder ihren Verwandten, aktuelle Versandhauskataloge aus dem Westen unterm Arm, zur Schneiderin zu stapfen und zu fragen: kannst du mir das aus diesem Stoff machen?

Heute geht man nicht mehr zur Schneiderin, sondern zum Schönheitschirurgen, in die Apotheke für Schlankheitsdrinks, ins Fitnessstudio… Mit allem kann man tausende von Euro loswerden.

Warum denkt eigentlich keine daran, dass sie, bevor er sich die Brüste vergrößern, Fett absaugen, liften lässt, sich mal gescheit einkleidet?! Mit gescheit meine ich: Farben, die das Gesicht zum Leuchten bringen und Klamotten, die einem wie angegossen sitzen und das Beste aus der Figur machen.

Hm, nein, die Frauen (ich eingeschlossen) glauben lieber, mit ihnen stimmt was nicht, weil sie nicht in die neue XXX-Kollektion oder in sackartige T-Shirts von der Stange passen. So nach dem Motto: wenn mir die Standard-Klamotten nicht passen oder stehen, muss ich etwas an mir verändern. Und wenn ich dann im Fitness-Studio einen drei-Jahres-Vertrag abgeschlossen habe, wird es schon etwas bringen, oder?

Vielleicht. Vielleicht würde mich so ein Knebelvertrag zu einer durchtrainierten, strahlenden, gesunden Frau machen. Vielleicht hätte ich aber auch nach 2 Monaten keinen Spaß mehr daran und würde in den restlichen 34 Monaten jedes Mal einen Stich im Bauch spüren, wenn der Mitgliedsbeitrag fürs Fitnessstudio auf dem Kontoauszug erscheint.

Hey, ich bin für Sport, Bewegung, Fitness – ich brauche das, um mich wohlzufühlen mindestens ebensosehr wie Schokolade.

Es ist nur so: man muss sich darüber klar sein, dass wir alle unterschiedliche Figuren und Proportionen haben. Vielleichtwürde ich mir im Studio 15 Kilo abtrainieren. Dann kann es aber immer noch passieren, dass mir die T-Shirts und Hosen von der Stange nicht passen. Weil ich groß bin, breite Schultern, lange Arme, breite Hüften etc. habe. Manche Dinge kann man nur mit ganz ungesicherten, experimentellen Operationen ändern (Arme kürzen z.B.) – ok, das ist eklig und absolut indiskutabel.

Wir sind keine Menschen von der Stange.

Seit ich angefangen habe zu nähen, ist mir bewusst, an welchen Stellen man überall Klamotten anpassen kann: nicht nur die Länge von Ärmeln oder des ganzen Kleidungsstücks, nicht nur die Breite der Hüfte und Taille- sondern auch die Breite der Schultern, die Breite der Oberarme, den Brustumfang; man kann wunderbar am Rücken- und Vorderteil Abnäher anbringen, so dass die Figur optimal betont wird und das Teil nicht absteht, wenn man z.B. ein Hohlkreuz hat.

Und da ist es eigentlich fast wie ein Lottogewinn, wenn einem ein Kleidungsstück von der Stange halbwegs passt. Weil es eben so viele Parameter gibt, in denen wir uns unterscheiden.

Irgendwie kann man den Designern fast keinen Vorwurf machen, denn sie können nur versuchen, die Klamotten so zu machen, dass sie irgendeinem Teil von Frauen passen, die eben zufällig die gleiche Oberweite haben. Oder in einem anderen Fall den gleich langen Oberkörper, oder gleich lange Beine.

Es ist ja wunderbar, wenn man eine Klamottenmarke gefunden hat, bei der man weiß, dass sie einem passt. Mir passen z.B. die Jeans von C&A gut. Oder die Oberteile von Long Tall Sally.

Warum ist es uns / mir so wichtig, in Klamotten von der Stange reinzupassen? Warum ziehe ich stundenlang durch die Läden, um etwas passendes zu finden, nehme Unmengen von Klamotten (“denken Sie bitte nächstes Mal daran, maximal 5 Teile”) mit in die Umkleide, es passt nichts, ich werde frustriert, ich kaufe mir zum Trost Modesschmuck oder eine Brezel, weil ich zudem völlig ausgehungert bin…

Ja, es ist schade, dass mir die zum Teil richtig geilen Klamotten nicht passen. Und ich fühle mich so, als würde mir die schöne Kleidung vorenthalten. Als wäre es meine Schuld, dass mir die Sachen nicht passen. Wenn ich nur kleiner, schlanker, weniger kurvig wäre, könnte ich die schönste und bestgekleidete Frau der Welt werden.

Hm.Vor ein paar Tagen war ich beim H&M und hab eine wunderbare Bluse aus der Mollie-Abteilung probiert, die mir 3 Nummern zu groß war (leider gab es sie nicht mehr kleiner). Anstatt mich zu ärgern, hab ich mir den Schnitt genau angeguckt. Schießlich kann ich mir selbst eine solche Bluse nähen, wenn ich will – mit viel Geduld und Spucke zwar, aber immerhin.

Ätsch!

Spruch des Tages

Spruch des Tages

… dieses Mal von einer Damenschneidermeisterin, bei der ich gerade einen Nähkurs machen:

“Man ist wie man ist”.

Das sagt sie immer, wenn wir beim Anprobieren der Werke den Bauch einzuziehen oder auf die ach so breiten Hüften hinweisen.

Sprich: wir sind alle erwachsene Frauen, teils älter, teils jünger, und wir schneidern uns Klamotten, die uns passen. Wir verbringen Monate damit, ein Kleidungsstück zu machen, das genau so ist, wie wir es haben wollen (wir haben uns den Schnitt, den Stoff, die Knöpfe, die Art der Taschen, der Kragen, was auch immer… selbst herausgesucht.). Wir nähen etwas, das uns – mit all unseren unterschiedlichen Proportionen, Körperhaltungen, Gewohnheiten – perfekt passt.

Ich nähe mir einen Wintermantel, habe das Ding heute im schon ziemlich fortgeschrittenen Stadium anprobiert, und alle waren begeistert. Eine sagte zu mir: dieser Kragen ist so schön und passt perfekt zu Ihrer Frisur und ihrem Gesicht, das sieht aus wie gemalt.

In diesem Moment war ich ein Supermodel, ein Filmstar.

Und das einfach, weil ich etwas trage, das genau zu mir passt- mit all meinen Kurven und meinen tollen Haaren und Augen und langen Armen.

Wir Frauen sind alle toll.

Lobhudelei

Lobhudelei

Wir unterbrechen die Sendepause für ein paar wichtige Verbraucherinformationen.

Meine Damen, die ihr vielleicht auch etwas größer und / oder etwas runder als der Durchschnitt seid, darf ich euch ein paar Tipps geben?

1.) Der BH ist dein bester Freund!

Wenn ihr etwas füllig seid und zeigen wollt, dass ihr Kurven habt: kauft euch einen gescheiten BH. Ich weiß, das ist kein neuer Tipp, und die guten kosten echt viel Geld, aber sie lassen euch gleich 5 Kilo schlanker aussehen. Ich bin gestern bei Karstadt super beraten worden (vieeeel besser als bei Hunkemöller, Ulla Popken und einem alteingesessenen unabhängigen Wäschegeschäft). Die Verkäuferin bat mich, in dem BH, den ich gerade trug, die Arme nach oben zu heben (so wie beim Tatort in “Hände hoch!”). Wenn sich in dieser Position, Arme über dem Kopf, der untere Teil des BHs, da wo der Bügel ist, nach oben schiebt, sitzt der BH nicht richtig. Der BH muss die Brust komplett umschließen, auch wenn man die Arme hebt. Nur dann kann er die Brust richtig stützen. Und die Stelle, an der die Bügel vorne in der Mitte zusammenlaufen, darf nicht abstehen, sondern muss auf der Haut liegen. In meinem Fall war der BH von der Unterbrustweite her zu groß. Anstatt 95C habe ich jetzt 90D. Der neue BH sitzt etwas straffer, was aber angenehm ist, und meine Brüste fühlen sich leicht an. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Haltung sich verbessert, da meine Brüste (ob ihrer Größe von der Dame, die ich gerade date,  heißgeliebt) nicht mehr so nach vorne ziehen. Der BH ist superbequem, macht einen wunderschönen, runden, natürlichen Busen, hat über 50 Euro gekostet und ist von Anita (www.anita.com). Ich krieg wirklich null Geld von irgendeiner Firma dafür, dass ich sie lobe oder tadele, aber mit diesem BH bin ich superzufrieden und sehe ihn als Investition, die mich in jedem noch so schlichten Oberteil gut aussehen lässt.

2.) Die Klamotten müssen DIR passen, nicht du den Klamotten. Finde also den Laden, der für deine Figur schneidert!

Für Klamotten in langen Größen gibt es Long Tall Sally in Großbritannien. Sie haben mehrere Läden dort, aber ich habe online bestellt. Die Mode ist so designt, dass sie großen Frauen passt – also längere Ärmel, entsprechend tiefere Taille, tiefere Taschen… Die Sachen sind für meine Begriffe eher schlicht – so schlicht, dass ich zuerst gar nicht dazu verleitet war, sie zu bestellen – aber viele haben dann doch ein gewisses Extra und sehen angezogen super aus. Schaut es euch einfach an, http://www.longtallsally.com   Ich habe lauter Komplimente für die Klamotten bekommen. Sie sind einfach klassisch schön, aber nicht langweilig, sie sitzen einfach super und viele Tops sind aus reiner Baumwolle, einer wirklich tollen Qualität. Und ich glaube ja auch, wenn ein schlichtes Top gut sitzt, sieht es um Klassen besser aus wie ein ausgefallenes Oberteil, das an den Ärmeln zu kurz ist.
Die Größen bei LTS gehen bis XL, was mir gut passt und locker sitzt. Die Tops kosten ab 15 Euro, aber man muss noch 10 Euro Versand dazurechnen, und mitbedenken, dass man einen Teil eventuell wieder zurückschicken muss, und zwar versichert! Bei der Deutschen Post habe ich letztes Mal 24 Euro für so ein Paket bezahlt, aber bei Hermes geht es glaube ich billiger. Aber selbst diese Extra-Kosten sind es mir wert, gut sitzende, hochwertige Klamotten zu haben.

2a) Jeans für große / langbeinige Frauen: C und A hat drei neue (?) Schnitte, die Frauennamen haben. Ein Modell davon ist mit regular waist und bootleg (heißt Sarah), und es gibt sie auch in langen Längen. Sie sind 99% Baumwolle und nur 1% Elasthan und sitzen super, kosten nur 35 Euro. Es ist auch kein super-trendiges Modell, sondern einfach gut und schlicht.

3a) Pimp deine schönen, gutsitzenden, schlichten Klamotten mit Accessoires!

Da finde ich New Yorker ziemlich gut. Ich habe New Yorker bisher immer verabscheut, weil die Klamotten meiner Ansicht nach aus so billigem, dünnen Material sind und ich mir in ihnen immer wie eine Wurst vorkomme. (Für meine Länge und Breite sind die Teile allerdings auch nicht gemacht, muss man ehrlich sagen). Aber die Accessoires dort sind toll. Ketten, Handtaschen, Ohrringe, Armbänder, Schals… Ganz toll und günstig. Ich liebe es, wenn man mit so ein paar Teilen sein Outfit aufpeppen kann (diese ganze Idee vom Einsatz von Accessoires habe ich erst seit einem halben Jahr begriffen)

Heute komme ich also in meinen C und A Jeans, meinen LTS-Top und New Yorker Ohrringen und NYer-Handtasche, den Anita-BH drunter, in meinem Tanzkurs (ach ja, und die Haare frisch geschnitten, für meine Begriffe viel zu kurz), und die eine Dame, die ich immer so wegen ihrer geschmackvollen Mode bewundere, schreit durch den ganzen Raum: du siehst immer besser aus, wie machst du das bloß?

Bitte sehr.