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Wer ist hier die coole Sau?

Wer ist hier die coole Sau?

Gestern war ich mit Freundin M und ein paar anderen Menschen im Stuttgarter Palast der Republik. Vor dem Krieg war das vielleicht 15 m2 große Glasgebäude ein Klohäuschen. Der Palast gilt als coole, lässige Lokalität. Menschen holen sich drinnen ein abgestandenenes SchwabenBräu und setzen sich dann auf den Betonboden um das Häuschen oder stehen in Grüppchen herum. Dass sie dabei den Durchgangsweg für spät-arbeitende oder shoppende Menschen besetzen, passt schön zur Wir-sind-ja-so-genügsam-und-unkompliziert-Attitüde. So war das eigentlich immer.

Bis letztes Jahr Bänke am Palast auftauchten. Keine schrottigen Bierbänke, sondern solide Holzbänke mit Tischen. Seit diesem Jahr gibt es auch Plastikstühle, leere Bierkästen und runde Tische. Wenn die Herrentoilette im Untergeschoss nicht so stinken würde, könnte man fast meinen, man hätte es mit einem gediegenen Betrieb der Freiluftgastronomie zu tun. Also: früher war der Palast wirklich cool, jetzt ist er immer noch ganz ok cool. So cool, dass die Coolen ruhigen Gewissens hingehen und ihre farbenprächtigen Tattoos zur Schau stellen können. Dass sie sich entweder über weiß-behemdete Männer aus Dörfern ärgern können, die auf der Treppe sitzen, das Angebot an nackter weiblicher Haut begaffen und den Weg zur Bar blockieren, oder aber darüber, dass sie die Leuchtreklame aus dem Gravis-Store zu sehr blendet.

Beim Nachhauseweg mussten wir die Theodor-Heuss-Straße entlanggehen. Da sind auch viele, die denken, sie sind cool. Von denen wir aber denken, sie sind die Oberspießer. M schob ihr Fahrrad durch die Menschenaufläufe vor den „In-Bars“ und musste aufpassen, dabei keins der Mädchen in 10cm-Heels aus dem Gleichgewicht zu bringen. Alle haben sie sich in ihr schickstes Was auch immer geworfen, sind um halb zwölf schon sternhageldicht und erzählen morgen beim Sonntagsbraten, wie toll der Abend in der Stadt gestern war. M und ich fühlen uns in unseren verpöppelten Strickjacken und Schlabber-T-Shirts wie die Coolen aus Berlin und denken, dass die anderen bestimmt denken: hey, da kommen zwei Mädels aus Berlin. Vielleicht denken sie aber auch: denen sieht man echt an, dass sie aus der Provinz kommen. Können die sich für nen Abend in der Stadt nicht ein bisschen schick machen?

Da kann der Tag nur noch gut werden…

Da kann der Tag nur noch gut werden…

Schreibt mich eben eine 22-jährige auf Lesarion an:

na wie gehts dir? du bist richtig hübsch =) was suchste so? ich such eher nix festes

Das geht doch runter wie nochwas!

Fröhliches Eiersuchen wünscht fraulinde!

 

P.S.: um in Kontakt mit 22-jährigen zu bleiben, braucht man ICQ oder Skype – solche Späßchen schließt mein Computer leider aus. End of story.

Ding

Ding

Man man man, da schreibe ich monatelang nichts, und krieg immer noch mindestens 15 Klicks pro Tag. Das macht mich ein bisschen stolz. Die Menschen kommen hierher, weil sie wissen wollen, wie man Country Potatoes macht oder wo man Sex auf Gran Canaria findet (Antwort zum letzteren: überall).

Mir passieren ja ständig blogwürdige Dinge, allein fehlt mir die Zeit zum Schreiben. Heute habe ich sie.

Diese Woche. Gute Freundin (M). Sie hat ne Neue. Wir in unserer Lieblingskneipe. Bei mir gibt’s Veggie-Burger und französischen Rotwein, bei M Hefeweizen und die eine oder andere frittierte Kartoffel von meinem Teller. Mir läuft so richtig schön die Ketchup-Mayo über die Finger, der handgehäkelte Veggie-Burger zerbricht in Achtel. Perfekt!

Wisst ihr eigentlich, was das Altern mit sich bringt? Größere Zahnzwischenräume. Sowas hatte ich früher nie, aber seit ich ca. 33,5 bin, bleibt mir immer wieder etwas zwischen zwei Backenzähnen hängen. Ich habe zusätzlich zur Haupt-Zahseide fürs Bad eine zweite Zahnseide angeschafft, die ich immer in meinem Rucksack herumtrage.

Also hängt nach dem leckeren Mahl etwas zwischen meinen Zähnen. Mein Rucksack ist zuhause. Die Kneipe hält für so etwas Zahstocher bereit, allein aufstehen will ich nicht, wir sind wir eingekeilt zwischen einem Mann-Frau-Paar und zwei Männern. Ich frage die Männer, ob ich einen Zahnstocher ihrer Oliven haben könnten. Der eine entsetzt: “die sind doch gebraucht!” (na und, will ich mir deine Bakterien einfangen oder dir meine verpassen? Also.) Aber die Kellnerin eilt zum Tresen und bringt mir einen Zahnstocher. Das wollte ich ja auch nicht, sie wegen diesem Mini-Ding rennen lassen.

M fängt an, vom Sex mit ihrer Neuen zu erzählen. Ich halte die Hand vor den Mund und stochere. Stochere. Piekse. Probiere es von der anderen Seite. Kaue auf dem Zahnstocher. Nix. Wir reden über Oralsex, über Epiliergeräte und das erste Mal mit einer Neuen. Der Zahnstocher ist inzwischen von beiden Seiten stumpf. Die Freundin fragt: “haschs jetzt endlich”. Ich werde langsam verzweifelt. Mit Wein nachspülen hilft nicht. Ich überlege, eine dritte Zahnseide für Jacken anzuschaffen, gleich einem Labello-Arsenal.

M sagt, dass die Neue voll abgeht, und dass es ein Geben und Nehmen ist.

Besonders hartnäckig sind Salatstücke und Kraut, der Killer Topaz-Äpfel.

“Nimm doch ein Haar. Geh aufs Klo und nimm ein Haar,” quengelt M. Ich kenne die Neue noch nicht einmal, aber ich finde es schön, dass M und ich mal wieder so gut über Sex reden können. Da geh ich nicht aufs Klo. Ich fahre mir über den Kopf, suche die richtige Länge. Ziep. Als außer M gerade niemand zu gucken scheint, umwickle ich die Finger mit dem Haar und versuche mein Glück. Das Haar reißt.

Es geht um den intimen Geruch einer Frau und darum, ob man das gut finden muss / will, oder ob manchmal einfach eine Dusche angesagt ist. We agree to disagree.

M ist noch zum Kino verabredet. Auf dem Weg nach draußen verlange ich noch einen Zahnstocher, der genauso schnell stumpf wird. Eine halbe Minute später, und ich hätte den Bus nach Hause verpasst.

Die erste Zahnseide nach 1,5 Stunden Stochern? Unbezahlbar.

Noch zum Glück und so

Noch zum Glück und so

Heute morgen dachte ich mir: nur ich ganz alleine kann mich glücklich machen. Ich habe es selbst in der Hand (und ich rede hier nicht von Selbstbefriedigung, denn dann spräche ich von ZWEI Händen). Ich brauche dazu keine Partnerin.

Ich weiß aus meinen Nicht-Single-Zeiten, dass ich auch mit Partnerin gute und schlechte Tage hatte. Dass es nichts direkt mit der Partnerin zu tun hat, wie ich mich fühle, sondern allein mit meiner Sichtweise auf die Dinge, meinen Gefühlen, meinen Interpretationen.

Es ist z.B. meine Entscheidung, ob ich mich auf dem Weg zur Arbeit von langsam gehenden Menschen zur Weißglut treiben lasse, die zum ersten Mal im Leben auf einem Großstadtbahnhof  sind und unkontrolliert stehen bleiben und ohne Rücksicht auf Verluste ihren Trolley durch die Gegend ziehen, und ob ich den Autofahrern hinterherbrülle, die bei Rot über die Ampel fahren (das kommt in letzter Zeit so oft vor, ich vermute da einen Trend bei den Autofahrern).

Ich kann mich genausogut entscheiden, ein Lächeln aufzusetzen und mich am Duft von frisch geschnittenem Gras oder einem Stück blauen Himmel zwischen den Wolken erfreuen. So wie heute morgen – äh, nee, da gab’s kein frisch geschnittenes Gras, sondern ich bin einfach früh aufgestanden und hab schon an meinem Roman geschrieben (bin gerade an einer Sexszene) und mir leckeres Vesper hergerichtet (Überreste meines türkischen Geburtstagsmenüs, u.a. vegetarischer Brotaufstrich und Köfte aus roten Linsen) – da kann der Tag nur noch gut werden.

Ich kann mich also entscheiden, ob ich an etwas Schönes denke oder nicht. Klar, manchmal beschäftigt mich auch etwas Unangenehmes so sehr, dass ich nicht einfach auf was Schönes umschalten kann. Aber oft denkt mein Gehirn einfach, nicht weil es ein Problem lösen muss, sondern weil es einfach seinen Denk-Job erfüllt. Also rattert und rattert es – und das kann es genauso gut mit was Schönem!

Essen ist immer ein schönes Thema. Oder Urlaub, vergangener oder zukünftiger. Oder Sex, erinnerter oder phantasierter oder beschriebener.

Und dann ist Sport auch noch ganz klasse, um glücklich zu sein – mein Favoriten gerade sind Walking und Squash. Wenn das Wetter mich lässt :) ))) Heute gibt es mir Stubenarrest. Danke!

Ne Freundin gestern

Ne Freundin gestern

Wir haben nicht mehr so engen Kontakt, aber gestern haben wir uns gesehen.

“Das scheint ja bei dir ein Muster zu sein” (immer wieder an Frauen zu geraten, die aus welchen Gründen auch immer nicht zu haben sind)

“Mein Mann war ursprünglich nur eine Übergangslösung, weil ich in der neuen Stadt niemanden kannte.” (sie haben vor 7 Wochen geheiratet und es war die schönste Hochzeit, die ich erlebt habe)

“Selbst wenn wir uns streiten, gehen wir nie zerstritten ins Bett. Wir sind beide nicht die Menschen, die etwas auf die Goldwaage legen oder lange nachtragend sind. Wir besinnen uns einfach darauf, dass wir uns doch lieben, und dann versöhnen wir uns wieder.”

Und ich meinte, dass es jetzt, wo ich gerade versuche, mich emotional von einer Frau zu lösen, schon sehr wehtut. Und dass Trennungen sehr weh tun. Und wie weh eine Trennung tun muss, wenn man viele Jahre zusammen war. Ich glaube, davor habe ich Angst. Und Angst, dass ich mich nicht trennen werde, weil ich vor diesem Schmerz so Angst habe. Und sie meinte, dass ich doch ein bisschen Vertrauen in andere Menschen haben soll, und dass ich mir vielleicht deshalb Frauen aussuche, die nicht zu haben sind – weil es da garantiert keinen Trennungsschmerz geben wird, da es keine Beziehung geben wird.

Ich kenne sie vom Philosophie-Studium. Food for tought

Alleinstellungsmerkmal

Alleinstellungsmerkmal

Heute mal wieder etwas Philosophischeres. Achtung, Logik!

Ich glaube, unsere Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, dass Frauen Kinder bekommen. Das Alleinstellungsmerkmal von Frauen ist die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Aber ganz von vorne!

Fakt ist: Es werden Kinder geboren. Und von wem? Natürlich von Frauen. Frauen bringen Kinder zur Welt. Ok.

Es ist die Aufgabe von Frauen, Kinder auf die Welt zu bringen, weil das sonst niemand kann. Männer können das nicht, junge Mädchen und alte Frauen auch nicht. Also bringen Frauen zwischen, sagen wir: 13 und 42 Kinder zur Welt.

Aber nur, weil diese Fähigkeit, Kinder zu bekommen, auf Frauen zwischen 13 und 42 beschränkt ist, heißt das nicht, dass jede Frau zwischen 13 und 42 Kinder bekommen wird.

Soweit alles logisch? Gähnt ihr schon?

Daraus folgt, dass es immer Frauen geben wird, die keine Kinder bekommen. Weil sie keinen Bock auf Hosenscheißer haben, weil sie mit Frauen zusammen sind, weil sie unfruchtbar sind, weil sie Behinderungen haben, weil sie keine/n Partner/in haben… Was auch immer die Gründe sein mögen: manche Frauen sind kinderlos.

Und gleichzeitig gibt es so viele Angebote, um Frauen, die Kinder bekommen, zu unterstützen. Es gibt Teilzeitarbeitsplätze, Kinderbetreuung, teilweise noch eine Jobgarantie nach der Elternzeit, Schwangeren kann man schlecht kündigen, Programme, die Wissenschaftlerinnen mit Kind fördern… Wunderbar, toll, super, und manches kommt ja auch Vätern zugute, die sich für Elternzeit oder einen Teilzeitjob entscheiden.

Mein Eindruck ist, dass oft angenommen wird, dass den Frauen durch das Kinderkriegen ein Nachteil entstehen könnte: dass ihnen mit Kindern die Karriere erschwert wird, dass sie Beruf und Erziehung vereinbaren müssen, und deshalb gibt es Programme wie Förderung von Wissenschaftlerinnen mit Kind. Und ich sehe auch, dass eine Frau mit Kind, ob allein erziehend oder nicht, mehr Verantwortung zu tragen hat als ich für mich alleine.

Gleichzeitig finde ich, dass es für (werdende) Mütter so viele Angebote gibt, dass der “Nachteil” des Kinderkriegens durch diese ganzen Angebote schon fast wieder zu einem Vorteil wird. Kinderkriegen wird belohnt! Mit Mutterschutz, Elternzeit, Kündigungsschutz, Jobgarantie, Förderprogrammen.

Klar treffen diese Vorteile nicht auf alle Mütter zu.

Aber wer garantiert nie in den Genuss dieser Vorteile kommt, sind Frauen OHNE Kinder. Also ich zum Beispiel. Wenn ich eine Doktorarbeit planen würde (worüber ich letztes Jahr nachdachte), wären mir mit Kind ganz tolle Stipendienprogramme offen gestanden. Tja, schade.

Wo sind die Stipendien für alleinstehende Lesben ohne Kinder? Wo ist mein Kündigungsschutz, meine attraktive Teilzeitstelle?

Ich würde ja vielleicht gerne etwas zur Vermehrung der Bevölkerung tun und meine super Gene weitergeben, aber meine herzallerliebste Krankenkasse zahlt mir keine künstliche Befruchtung, und schon gar nicht die Fahrt nach Holland und auch nicht die Partnerinnenvermittlung.

Und gleichzeitig kriegen die Personalentscheider beim Blick auf meinen Jahrgang wahrscheinlich Bauchstechen: aua, die sucht sich jetzt noch eine Stelle und wird, sobald sie einen unbefristeten Vertrag hat, schwanger.

Einerseits stehe ich unter Generalverdacht, habe aber auf der anderen Seite keine Vorteile. Ist doch scheiße! Ungerecht! Klar könnten manche sagen: ohne Kinder hast du es sowieso schon einfacher.

Wirklich?

Ja, ich weiß von Müttern, wie anstrengend Kinder sind, aber gleichzeitig bekommen sie Anerkennung für ihre Leistung.

Ich wünsche mir einfach auch ein bisschen Anerkennung für meine Art zu leben. Ich stelle der Gesellschaft vielleicht keinen zukünftigen Rentenkasseneinzahler für Verfügung, aber vielleicht einen tollen Roman oder eine interessante Veranstaltung, schöne Fotos, einen Blog :)

Es gibt Bewunderung für Frauen, die Karriere machen, und auch für Frauen, die Kinder und Karriere miteinander vereinbaren, und teilweise auch Bewunderung für Vollzeit-Mütter. Aber finde, es haben auch die Menschen Bewunderung verdient, die weder Kinder haben, noch Karriere machen, sondern sich ehrenamtlich engagieren, eigene künstlerische Projekte verfolgen, Freundschaften und Beziehungen pflegen und schauen, dass es ihren Nächsten gut geht.

Das ist für dich, Frau K – herzlich willkommen

Das ist für dich, Frau K – herzlich willkommen

So, Frau K darf jetzt auch hier lesen :)

Und ich schreibe heute über ein Thema, das auf diesem Blog hier neu ist.

Selbstbefriedigung.

Hier ging es ja schon oft um Sex zwischen zwei Menschen. Tatsache ist jedoch, dass ich sehr viel mehr Sex mit mir selbst als mit einer anderen Person habe. Also warum sollte ich nicht einmal über Solo-Sex schreiben?!

Aber was nur?

Gibt es eigentlich so etwas wie lesbische Selbstbefriedigung? (es gibt ja auch “lesbischen Sex”) Befriedigt sich eine Lesbe anders als eine Hetero-Frau? Gibt’s da Studien dazu? Was meint ihr?

Das würde mich echt brennend interessieren.

Mir fallen da keine Unterschiede ein. So, wie Hetero-Frauen dabei vielleicht Fantasien von Frauen haben, habe ich manchmal Fantasien von Männern.

Ein schwuler Bekannter meinte vor kurzem: er ist zu alt, um es sich noch selbst zu machen. Sprich: wenn er Bock auf Sex hat, sucht er sich jemanden.

Aber ich finde das so: warum sollte ich mir die Mühe machen, eine Frau anzusprechen, anzubaggern, abzuschleppen – was heißt Mühe – ich stehe eh nicht mehr auf One Night Stands – wenn ich doch nur einen Orgasmus will?! Das ist ein bisschen wie: warum soll ich nach Los Angeles zur Filmpremiere fliegen, wenn ich mir zuhause die DVD angucken kann?

Und ich finde inzwischen gar nicht mehr, dass Selbstbefriedigung ein trauriger Ersatz für Sex mit einer anderen Person ist. Im Gegenteil: es ist einfach eine andere Art von Sex: schön, unkompliziert, fast immer und überall möglich, heiß, entspannend. Ich tue mir dabei selbst etwas Gutes, ich ehre meine Bedürfnisse und meinen Körper.

Es ist wie mit dem Kochen (ist eigentlich nicht alles im Leben “wie mit dem Kochen”, fällt mir gerade ein?!): das eine Mal kaufe ich mir leckere Zutaten und koche etwas Feines für mich und genieße es alleine. Und das andere Mal kaufe ich auch leckere Zutaten und koche mit einer anderen Person etwas Feines, quatsche mit ihr dabei, gucke ihr während des Essens in die Augen und wir genießen zusammen. Aber die nächstbeste von der Straße zerren und sagen: hey, iss heute abend mit mir, weil ich unbedingt essen muss und für mich alleine nichts kochen mag?

Nö.

Und manchmal ist es schön, dass ich mir beim Solo-Sex nicht noch Gedanken um eine andere Person machen brauche, sondern einfach mit mir alleine bin (übertragen aufs Kochen: dass ich mir nicht überlegen brauche, ob es der anderen auch schmeckt, und ob sie meine Art Zwiebeln zu schneiden mag). Und manchmal kommt man eben erst mit einer anderen Person auf neue Ideen.

Kann eure Kommentare kaum erwarten :)

свадьба [swadba]

свадьба [swadba]

das heißt “Hochzeit” auf Russisch.

Eben hat mir ein Bekannte aus Russland geschrieben, dass sie geheiratet hat. Ich habe eine Weile nichts von ihr gehört; ich kenne sie aus eine Austauschprogramm, das ich einmal mitbetreute, und die Frau war so gut, dass sie ein Stipendium für einen weiteren Aufenthalt in Deutschland bekommen hat. Sie ist so ein lieber Mensch, irgendwie glaube ich auch sehr traurig, aber so herzlich und natürlich.

Auf den Hochzeitsfotos, die sie mitgeschickt hat, habe ich sie zum ersten Mal geschminkt gesehen.

Ich habe geheult, als ich davon gelesen habe, es hat mich berührt, und ich weiß gar nicht warum.

Dachte ich vielleicht, dass sie lesbisch ist, weil sie mich zum Abschied vor über einem Jahr so fest gedrückt hat und “ich liebe dich” gesagt hat? Vielleicht habe ich es irgendwie gehofft.

Vielleicht dachte ich auch, dass sie mit ihren zwei Deutschlandaufenthalten in Russland einen besseren Job bekommt als den, den sie jetzt hat.

Vielleicht fand ich auch ihren Mann komisch, der auf den ersten Blick sehr stämmig und hart rüberkommt, aber sie (wenn ich genauer hinschaue) sehr lieb anlächelt.

Ich finde es manchmal traurig, wenn ich Hochzeitsbilder sehe. Wenn sich Frauen für einen Tag so besonders stylen und sich ein besonderes Kleid kaufen und professionelle Fotos machen lassen. Ich denke da so: und? Ich finde das so traurig, weil sie den Tag ihres Lebens haben und ich mich nicht mitfreue. So: und? Du hast einen Vertrag unterzeichnet, dass du mit einem Menschen zusammenleben wirst. Und? Und?

Vielleicht war ich auch traurig, weil ich aus der Hochzeit geschlossen habe, dass sie jetzt erst mal nicht mehr nach Deutschland kommt, sondern bald Kinder haben wird.

Vielleicht ist es auch nur PMS.

Ich und meine Gedanken. Ich würde sie einfach gerne wieder ungeschminkt an mich drücken, die Tanja.

Geraten

Geraten

Ich bin ganz offen: ich gerate seit Jahren an Frauen, die aus irgendwelchen Gründen keine Beziehung mit mir möchten. In der Hinsicht bin ich ein Trüffelschwein (äh, Moment, passt das Bild? Naja, ich meine einfach nur, dass ich mir mit der Zielstrebigkeit eines Trüffelschweins vergebene oder beziehungsunwillige Frauen aussuche, mit einer Ausnahme).

Und die Frauen, die ich in diesem Zusammenhang bisher gedatet habe, sind toll. Wir haben uns gut verstanden, uns gut unterhalten, lustige bis sehr lustige Dinge getan. Und immer habe ich gedacht: sie wird schon zu mir kommen, sie braucht nur etwas Zeit (um über ihre Ex hinwegzukommen, um zu erkennen, dass sie zwar eigentlich keine Beziehung will, aber mit mir schon, oder, um sich von ihrer Freundin zu trennen).

Und irgendwie merke ich, wie schwer das für mich ist. Dass ich damit meine Bedürfnisse umgehe und meine Gefühle bremse. Und auch wenn mir die Freundschaften mit den Frauen Nähe und Spaß und Verstehen geben, habe ich das Gefühl, gegen eine Wand zu rennen, ich fühle mich ausgeliefert.

Da ist so viel in mir, das ich zu geben habe, und ich gehe damit von Frau zu Frau, wie eine Marktfrau, die ihre Waren anbietet, die immer wieder bei der selben Frau vorbeigeht und fragt: willst du nicht doch meine tollen Waren, sie werden dich auch bestimmt glücklich machen. Nein? Wirklich nicht?

Und die Frauen sagen: also gut, Sex habe ich schon, Liebe will ich nicht, aber Vertrauen, Zuhören und Nähe, geht das?

Und ich sage: “ok” und knirsche mit den Zähnen und fühle mich als Opfer und bemitleidenswert, weil ich an die falschen Frauen gerate.

Ist es zu spät für Vorsätze? Ich gehe ab heute zu der Frau, die das Gesamtpaket nimmt, und die auf dem Markt auf mich zugerannt kommt und sagt: gerne!

Diätquatsch

Diätquatsch

Ich finde Diäten langweilig, zum Gähnen, uninspirierend, unsexy. Yes. Ich habe mich lang mit ihnen beschäftigt und es geht immer noch eine gewisse Faszination von ihnen aus, dieses Rechnen mit Kalorien und Fett-Grammen und % des GDA, die tollen Fotos neben den kalorienarmen Rezepten und Fettspartricks. Ja, es fasziniert mich. Und wenn ich mich mit Diäten und fettarmen Zubereitungsarten beschäftige, fühle ich mich klug und gleichzeitig so leer.

Ich habe schon versucht abzunehmen, da hatte ich noch nicht mal meine Tage. Meine Mutter und auch die eine oder andere Verkäuferin sagten ab und zu: “ein bisschen könnteste du schon abnehmen.” Und es ist so verführerisch: abnehmen zu können, nur ein paar Kilo, für einen strafferen Bauch oder schmalere Oberschenkel, ein definierteres Gesicht. In schickere Klamotten reinpassen zu können. Es ist doch ganz einfach. Einfach statt dem normalen Käse den fettarmen nehmen, sagen die Diäten. Gemüse in Brühe statt in Öl dünsten. Ganz einfach. Statt Butter eine mit Yoghurt zu nehmen. Es schmeckt doch genauso gut, man merkt den Unterschied gar nicht, schreiben sie.

Dieser Diätquatsch berührt mich und macht mich traurig. Ich habe nach dem Abi 4 Wochen lang gefastet und es hat mir gefallen, frei von Gelüsten auf Schokolade und Pommes und auf überhaupt alles zu sein. Ich glaube, das ist es auch, was mich immer noch fasziniert an Diäten: den Körper unter Kontrolle zu haben, meine Gefühle und Bedürfnisse. Mein Seelenleben zu kontrollieren, damit ich nach ein paar Monaten nicht mehr in der Molli-Abteilung bei H&M einkaufe, sondern in der bis Größe 44.

Meine Gefühle sind ans Essen gekoppelt. Ich habe Glücksgefühle bei Nudeln mit Sahnesoße (mit Sahne und Käse in vollfetten Versionen), auch bei einer guten Tomatensoße oder einem Risotto. Wenn ich jetzt versuche, das Risotto mit Joghurtbutter und ohne Parmesan zuzubereiten und die Tomatensoße ohne Olivenöl, beschäftige ich mich mit dem falschen Ende meines Problems.

Ich habe Gefühle, die sich in Gelüsten zeigen. Wenn ich traurig bin, habe ich vielleicht Gelüste auf Schokolade, wenn ich mich unwohl fühle, auf Chips… Ich versuche gerade, im jeweiligen Zustand zu ergründen: was macht mich gerade traurig? Warum habe ich mich in dieser Situation unwohl gefühlt? Was hat mich gestört? Was wünsche ich mir?

Das klappt auch ganz gut. Aber trotzdem habe ich mir das Diät-Extra einer Frauenzeitschrift mehrmals durchgelesen. Denn warum nicht hier und da ein paar Kalorien einsparen, da, wo es nicht wehtut? Gestern war ich wieder am sparen. Ich war ja so fettarm unterwegs mit meiner Broccoli-Lauch-Pasta, die ich statt mit Crème fraîche mit wenig bio-Erdnusspaste abgerundet hat. Als sich später meine Freundinnen Pizza liefern ließen, hätte ich mir am liebsten Pommes bestellt.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr: die Käse-, Crème-fraîche- und Olivenöl-Industrie zu unterstützen. Und weiterhin mit der neuen Frau telefonieren. Sie gibt mir die Ruhe und Nähe, die ich suche. Da bin ich, wie ich bin.

Ich habe Fehler und Schwächen. Ich kenne sie. Vielleicht ist mein BMI über 25 einer davon. Und egal, wieviele Möglichkeiten es gibt, “dagegen etwas zu tun”, als sei es die globale Klimaerwärmung: ich beschäftige mich lieber mit dem, was mir mein Körper sagen will. Hallo Körper, mein neuer bester kluger Freund.