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Notizen einer Schwarzseherin

Notizen einer Schwarzseherin

Unsere Ferienwohnung

Ich komme gerade von einem einwöchigen Urlaub zurück. Skifahren im Wallis, in einer Ferienwohnung mit 4 Freunden.

Ich habe ab und an mal beruflich Projekte abgewickelt. Herumrennen, telefonieren, gucken, dass alles klappt. Eisberge vorausahnen und großräumig umschiffen. Das ist eigentlich ein sehr kreativer Job. Intellektuell anspruchsvoll, geleitet von der Maxime: ich hab schon Pferde kotzen sehen.

Ich will das mal am Beispiel des Skiurlaubs verdeutlichen:

Ausgangssituation: 5 Freunde und ihr Gepäck, Lebensmittel für eine Woche, ein Mercedes Kombi mit über 200 PS und einem Skiträger.

Was kann alles schief gehen und wie kann man das verhindern?

Erster kritischer Faktor: soviel Gepäck und Essen, dass wir Menschen keinen Platz mehr im Auto haben. Eine Möglichkeit, das zu verhindern: Freunde 1-4 anrufen und ihnen alles „Doppelte“ ausreden (“was willst du mit einer zweiten Bettwäschegarnitur, einer zweiten Jacke, einer zweiten Mütze, einem zweiten Handtuch, einem zweiten Paar Handschuhe? Es gibt dort auch Münz-Waschmaschinen!!”). Andere Möglichkeit: Spaghetti anstatt Penne kaufen (genauso viel Pasta, aber Spaghetti haben keine Luftlöcher und sind daher platzsparender) Spül- und Putzmittel in kleine Fläschchen abfüllen und groß draufschreiben: Konzentrat!! (damit nicht die Putzwütigen beim ersten Saubermachen gleich alles verbraten). Dritte Möglichkeit: die Person mit den breitesten Hüften (die habe als einzige Frau in unserer Gang ich!) auf den Beifahrersitz setzen – so spart man auf der Rückbank ca. 10 cm in der Breite ein.

Zweiter kritischer Faktor: Stau: kann man nichts machen, nur früh losfahren

Dritter kritischer Faktor: früh losfahren, da unrealistisch. Die Treff- und Abfahrtszeit. Zwei (Gruppe A) reisen mit dem Zug zwei Stunden zum Rest der Gruppe. Gruppe A sollte möglichst früh da sein, aber da sie ja zwei Stunden unterwegs ist, will sie auch nicht um 5 Uhr aufstehen. Besonders weil bekannt ist, dass aus Gruppe B der eine zum Trödeln neigt und der andere meistens den Wecker überhört. Soll also Gruppe A um 5 Uhr aufstehen, damit sie um 9 Uhr bei Gruppe B ist, um dann noch eine Stunde zu warten, bis auch der Trödler gegen 10 mit dem Frühstück fertig ist? Gruppe A entschließt sich dagegen und steht um kurz nach 10 am entsprechenden Bahnhof. Gruppe B ist da, aber es stellt sich heraus, dass der zum Trödeln neigende seinen Pass zuhause vergessen hat. Zuhause stellt sich heraus, dass der Pass gar nicht zuhause ist, sondern gerade in der Botschaft neu beantragt wird, und dass sein spanischer Personalausweis seit dem Sommer abgelaufen ist. Wir versuchen trotzdem, ihn über die Schweizer Grenze zu schmuggeln. Start mit einer halben Stunde Verspätung.

Warum haben wir uns eigentlich Sorgen um den Stau gemacht? Es gab keinen, nur in der Gegenrichtung. Reingepasst hat irgendwie auch alles. Ich saß ja vorne.

Urlaub mit Freunden

Urlaub mit Freunden

Was mich gerade viel mehr beschäftigt als Kochen ist mein anstehender Urlaub mit vier schwulen Männern. Wir kennen uns (bis auf einen von ihnen) sehr gut, ich habe sie sehr lieb (bis auf den einen Neuen logischerweise). Aber seit Tagen beschäftigt mich einzig und allein die Frage, wie ich ihr Gepäck dezimieren könnte. Wir fahren zu fünft mit einem Mercedes Kombi in die Schweiz. Und einer von ihnen will da tatsächlich zwei Garnituren Bettwäsche für die sieben Tage und 3 große und 3 kleine Handtücher mitnehmen. Dem dezenten Hinweis, man könne sich auch Shampoo und Duschgel in kleine Flaschen abfüllen, entgegnete er mit: dann brauch ich aber kleine Flaschen. Er braucht auch zwei Mützen, zwei Paar Handschuhe, zwei Jacken, zwei alles. Weil man die Snowboard-Handschuhe ja nicht zum so rumlaufen anziehen kann. Auch ein großes Kissen ist im Gespräch, falls es dort nur 40x80cm Kissen gibt. Wenn’s so weitergeht, kann unser Gepäck mit Fahrer in die Schweiz düsen, und wir müssen Zug fahren.
Hab ich schon erwähnt, dass ich eher der unkomplizierte Typ bin und bisher hauptsächlich mit dem Rucksack unterwegs war? Und glaubt mir, wenn man das alles schleppen muss, während man eine italienische Küstenstadt nach einer bezahlbaren Unterkunft abläuft, füllt man sich Shampoo in kleine Flaschen um, damit man 100 Gramm Gewicht spart und kauft sich diese Zahnpasta in der roten Minitube, die für eine Weltreise reicht (und spart nochmal 5 Gramm oder so!). Ich nehme ein winziges Handtuch mit, keine Hausschuhe, keinen Fön, weil ich spätestens nach fünf Minuten den Fön, die Hausschuhe und das große Handtuch (womöglich noch das extra Badetuch für den Strand) verfluchen würde. Aber es gibt andere Arten von Reisenden, und zu denen gehören meine Freunde: “ich pack zuhause den größten Koffer voll, den ich finden kann und fass ihn erst wieder in meinem Hotelzimmer an. Ich weiß eigentlich gar nicht, wieviel er wiegt.” Für Gran Canaria und den Playa Ingles (Schwulenhochburg) braucht man natürlich auch mindestens drei Outfits pro Tag. Aber für den Winterurlaub in der Schweiz? Keiner von uns muss dort einen Schönheitswettbewerb gewinnen, und eine gay bar gibt’s dort auch nicht. (Aber was, wenn doch???) Ich werde meine ältesten Pullis und Shirts anziehen, hauptsache warm und kuschelig.
Nachher bin’s womöglich doch ich, die das meiste Gepäck hat. Ich bin dafür – und hier krieg ich die Kurve zum Hauptthema – dass wir statt fünf Handtüchern pro Person lieber Lebensmittel von zuhause mitbringen. Der Name bezeichnet schon die Wichtigkeit: Leben -smittel! Spaghetti, Tomatenpassata, Brühpulver, Gewürze, Knoblauch, Reis, Müsli, Zucker, Kaffee.