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Undercover in der Umstandsmodenabteilung

Undercover in der Umstandsmodenabteilung

Nein, ihr habt nichts verpasst. Aber eine Bekannte meinte, dass sie öfters etwas in der Mama-Abteilung kauft, weil die Teile einfach schön bequem sind. Also checkte ich das mal ab. Mir gefielen die Oberteile dort – sie sind lang, um den Bauch herum lässig geschnitten, schmeicheln den Hüften und so. Ja. Gekauft habe ich mir nichts, weil ich dann doch Angst hatte, dass man sieht, dass bei den Oberteilen extra-viel Platz für Bauch ist.

Ich bin nicht schwanger und will auch nicht so tun – nicht dass mir jemand um den Hals fällt.

Aber als ich mich in der Umkleidekabine in Umstandsblusen betrachtete, wollte ich auf einmal einen Bauch. Ich konnte mir mich auf einmal mit Bauch vorstellen. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Kind darin auch wollte, und wenn ja, ob wirklich für die nächsten 17 Jahre. Aber die Umstandsbluse ausfüllen wollte ich. Irgendwie.

Eine Bekannte hat mir gependelt, dass ich ein Mädchen haben werde. Mein Gefühl sagt mir, dass es so sein könnte, aber gleichzeitig habe ich Angst vor der Verantwortung, und mein Kopf listet ewig viele Voraussetzungen auf, die erst einmal erfüllt sein müssen.

1. Voraussetzung: Beziehung. Dafür werde ich mir wahrscheinlich eine Frau aussuchen. Dann muss die Beziehung erst einmal wachsen und stabil werden, so dass wir eines Tages sagen: meine Liebe, ich möchte ein Kind mit dir. Dann kommt die

2. Voraussetzung: Sperma. So, wie ich mich kenne, werde ich bestimmt monatelang überlegen, woher. Samenbank? Kumpel? Wenn Kumpel, DNA-Test? HIV-Test? Vertrag machen, ob Unterhalt und wie oft sehen? Ich seh schon, da reichen einige Monate gar nicht.

3. Voraussetzung: mir Gedanken machen, welche Unterstützung ich mir holen möchte.

4. Voraussetzung: dass ich noch fruchtbar bin.

Und irgendwie komme ich in dem Thema nicht weiter, schon gar nicht mit dem Verstand. Ich möchte mir einerseits Gedanken darüber machen, weiß aber, dass ich mich im Moment nicht dafür oder dagegen entscheiden kann. Ich denke, es kommt dann sowieso alles anders und vielleicht auch dann, wenn ich gar nicht mehr damit rechne.

Aber wo ich meine Klamotten kaufen werde, weiß ich schonmal.

bist du mein Mensch?

bist du mein Mensch?

“Nichts ist beglückender, als den Menschen zu finden, den man den Rest seines Lebens ärgern kann.” Agatha Christie

Dieses Zitat beschreibt eine wie ich finde tolle neue Sichtweise auf Beziehungen. Genau so eine Beziehung wünsche ich mir.

Und die Dame vom Sonntag könnte ich mir gut vorstellen, eine Weile meines Lebens zu ärgern (mit “für den Rest meines Lebens” tu ich erst einmal langsam). So. Ihr hat es genauso wie mir gefallen, während des Deutschlandspiels gegen England mit mir im Biergarten OHNE Fernseher zu sitzen. Später in meiner Wohnung waren wir uns einig darüber, wie man eine schnelle Tomatensoße mit Zucchini zubereitet. Anschließend saßen wir uns auf meinem Balkon gegenüber, beide barfuß, tranken ein bisschen Sekt und redeten über Beziehungen, übers Kinder haben – ganz allgemein natürlich, und ich fand es einfach gut und interessant, so viel Neues über sie zu erfahren, nachdem ich sie schon einige Monate lang kenne. Es kribbelte nicht bei mir, und während des Gesprächs habe ich mich schon immner wieder gefragt und innerlich angestupst: hey, wieso kribbelt es gerade nicht bei dir, ist doch alles voll toll gerade?!

Aber eigentlich… eigentlich komm ich gerade runter von diesem “Es muss so richtig knallen”.

Ich will eine Beziehung. Keine Sommeraffäre, keine Fernstbeziehung, keinen One Night Stand, sondern jemanden, mit dem ich ein paar Jahre meines Lebens teilen kann. Es tut so gut, diesen Stress loszulassen, mich nicht zu fragen, ob es bei mir kribbelt, wenn sie mir gegenübersitzt, ob mein Pferdeschwanz noch perfekt sitzt, ob ich Gloss nachlegen soll… Darauf kommt es auf einmal überhaupt nicht mehr an.

Sondern auf unsere Bedürfnisse. Ich muss erst einmal meine Bedürfnisse erkennen. Bisher habe ich mir immer überlegt, was ich tun muss, um der anderen zu gefallen – und es endete damit, dass ich mich total verbogen habe und mich abhängig fühlte. Aber wenn ich über meine Bedürfnisse nachdenke, ganz ruhig und ehrlich mit mir selbst, mache ich mich frei (nicht so wie beim Arzt, sondern ihr versteht schon) und bekomme Klarheit. Dann kann ich – jenseits von: aber sie ist so cool und ich will so gerne eine Freundin – in Ruhe überlegen, ob es so ungefähr passen könnte.

Und je mehr ich mir über meine Bedürfnisse klar werde, desto mehr entdecke ich, dass sie ein paar davon erfüllt (und ein paar nicht). Ratet mal, was das in mir auslöst?

Kribbeln.

Herzklopfen.

Sehnsucht.

neverending story

neverending story

Warum müssen wir eine Beziehung haben, warum müssen wir Sex haben? Jeder glaubt, ohne Beziehung müsste ich arm dran und traurig sein. Und so langsam bin ich das auch. Und deshalb begebe ich mich auf Dates. Treffe mich weiter mit Frauen, die auch nur im entferntesten Interesse an mir haben könnten.

Hat jemand das Buch “He s just not that into you” gelesen (zu deutsch: er steht einfach nicht auf dich)? In einem Kapitel gehts um Männer, die nicht anrufen, weil sie angeblich viel zu tun haben, 1000 Dinge im Kopf haben oder ständig unterwegs sind. Manche Frauen glauben ihnen die Erklärungen bzw. Ausreden – aber die Autoren, Greg Behrendt und Liz Tuccillo, sagen: er steht einfach nicht auf dich. Denn jeder Mann würde die Frau, die er mag anrufen – gerade dann wenn er viel Stress hat. Er würde die Telefonate mit ihr als willkommene Abwechslung zu seinem Stress sehen.

Die Madame, die ich gerade date, ist so ein Mann. Mir ist es eigentlich egal, ob der Stress und “alles geht drunter und drüber” nur eine Ausrede sind – oder ob sie mich total scharf findet aber es irgendwie nicht auf die Reihe kriegt mich anzurufen. Es ist mir egal.

Was mir heute bei der Lektüre dieser Bücher aufgegangen ist: ich will mit jemandem zusammen sein, der oder die mich anruft, wenn sie viel zu tun hat. Nicht dreimal am Tag, nicht mal unbedingt jeden Tag, aber wenigstens mehrmals die Woche. Und mit der ich mich mindestens ein Mal die Woche treffen kann. Das will ich nicht, weil ich nicht allein sein kann, oder ständig Aufmerksamkeit brauche. Es ist auch nicht ihre Pflicht, mich in regelmäßigen Abständen anzurufen, um ein Ausflippen meinerseits zu vermeiden.

Ich will, dass sie mich anruft und sich mit mir trifft, weil sie Zeit mit mir verbringen und mich in ihrem Leben haben will.

Ja, es gibt manchmal bei mir auch Tage, wo ich abends mit niemandem mehr reden will. Mit niemandem. Oder wo ich abends noch arbeiten muss. Ich hab auch nicht gerade viel Zeit.

Ich weiß noch nicht, ob ich diese Madame ziehen lassen soll. Jetzt ist sie eine Woche lang an einem Ort, wo sie unplugged von Handy und Email ist – und es tut richtig gut, keinen Anruf von ihr erwarten zu können – was sag ich, sie schreibt mir ja nur SMS. Es ist entspannend – sonst habe ich immer darauf gehofft, dass sie sich meldet und was mit mir machen will.

Aber bei der ganzen Dating-Sache gehts gar nicht so sehr darum: will sie mich? Sondern: passen unsere Lebensstile und Gewohnheiten und Prioritäten zusammen?