Schlagwort-Archive: Anschreiben

Päppen

Päppen

kennt ihr das Wort?

Das mach ich grad. Päppen, gerne auch “zusammenpäppen”, bedeutet zusammenkleben. Auch das Adverb “päp” ist damit verwandt und heißt arschknapp oder supernah.

Genau, ich guck mal wieder in meinen alten Anschreiben nach schönen, berührenden, erhebenden Sätzen und bastle sie zu einem neuen Anschreiben zusammen. Copy and paste. Hah, päppen ist sicher mit “paste” verwandt (wobei “paste” ja eigentlich einfügen heißt). Hat bestimmt der gute Shakespeare von uns Schwaben geklaut, nur dass wir zu seiner Zeit vielleicht noch Suaben hießen.

Aber sowohl päppen und paste haben so etwas von spachteln, “was nicht passt wird passend gemacht”, irgendwas zusammenpfriemeln, pfuschen, überdecken, hinklatschen.

Tja, liebe Hochschule, Sie dürfen gespannt auf mein Päpp-Werk sein.

Mit freundlichen Grüßen

fraulinde

Mehrere Leben

Mehrere Leben

Ich bräuchte mehrere Leben. Mehere Persönlichkeiten.

Was ist jetzt los, fragt ihr euch vielleicht.

Ganz einfach: ich schreibe seit ein paar Wochen wieder Bewerbungen. Und jetzt in diesem Moment versuche ich mich wieder an einem neuen Werk, aka ANSCHREIBEN.

Und ich habe es so satt, immer wieder die gleichen Sätze zu schreiben, neu anzuordnen, von immer den selben Tätigkeiten zu schreiben. Das langweilt mich sehr.

Ich habe vor einiger Zeit sogar ein Bewerbungstraining mitgemacht. Also teilgenommen, nicht geleitet.

Und da erfuhr ich “in a nutshell” noch einmal, wie man Anschreiben verfasst (und ihr dachtet, das Anschreiben verfassen hat noch nicht den Status einer Wissenschaft?)

1. Schritt:

Man klaube Schlagwörter aus der Anzeige heraus, also was die von einem wollen. Beispiele:

  • Erfahrung in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Texte verfassen
  • Office-Kenntnisse
  • Diplom-Übersetzer

blablabla – also im Prinzip alle geforderten Erfahrungen, Kenntnisse oder Abschlüsse.

Man klaube weiter, und zwar nach den geforderten soft skills. Das sind so Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Flexibilität, Kreativität und so’n Rotz, äh, Kompetenzen.

2.) Mach eine schöne Liste mit diesen Begriffen.

3.) Jetzt wirst du merken: ein paar von diesen Dingern hab ich und kann ich. Toll, oder? YEAH! Glückwunsch. Freu dich!

4.) Jetzt überlegst du dir, in welchen Jobs du diese Tätigkeiten schon gemacht hast, also wo du schon Erfahrungen gemacht hast. Schreib das hinter die Liste mit den Begriffen.

5.) Überlege dir nun, welche Soft Skills du bei welchen Tätigkeiten angewandt hast. Überlege dir Beispiele, Erfolgsgeschichten!

6.) Nun verbindest du die Soft Skills mit den Erfahrungen und machst schicke Sätze draus. Anstatt zu schreiben: “ich habe Erfahrungen in der Projektorganisation (gäääähn)” bringst du noch eine Soft Skill mit rein und beschreibst etwas genauer, was du gemacht hast: “meine Organisationsfähigkeit konnte ich unter Beweis stellen, als ich bei Firma X die Veranstaltung Y in Abstimmung mit Z konzipierte, organisierte und durchführte” (etwas weniger gähn).

7.) Nun mach das für alle Erfahrungen und Kompetenzen, die in der Anzeige gefordert sind.

8.) Blogge über deine Erfahrungen, denn auf die Dauer wird man bei so einem “berufliche Erfahrungen immer wieder durchrühren und neu zusammenkneten und an die angegebene E-Mail-Adresse senden” aggressiv.

Ach ja, und wenn ich mehrere Leben gleichzeitig hätte, könnte ich aus einem größeren Pool von Erfahrungen und Beispielen schöpfen. Habe ich aber nicht, zumindest ist mir davon nichts bekannt.

Stattdessen schreibe ich die 100. Variante von “ich bin so toll und lad mich gefälligst ein” und komme wir wie eine schlechte Autorin vor. Eine Autorin, die den 100. Arztroman schreibt.

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder

Es schreibt wieder eine Bewerbung. Mein Bewerbungs-Ich addiert Textbausteine und spuckt neue Phrasen zu “teamfähig, Organisationstalent und flexibel” aus. Mit aufgrund von Erkältung vernebeltem Hirn und heißer Stirn. Mal schauen, was dabei rauskommt. Moment, werden die regelmäßigen LeserInnen fragen: du hast doch erst ein Jobangebot bekommen. Warum bewirbst du dich nochmal?

Erstens ist das mit dem 400-Euro-Job noch nicht ganz sicher. Und über den Studenlohn, bzw. wieviele Stunden in diesen 400 Euro enthalten sein sollen, haben wir auch noch nicht geredet.

Mein anderer aktueller Job ist auch weniger als 50 Prozent Beschäftigungsumfang und immer auf drei Monate befristet. Ich bin sehr froh um diesen Job, aber irgendwie wäre etwas mehr Sicherheit doch schön. Ich habe diese Stelle jetzt seit ca. 1,5 Jahren, bekam zwischendurch innerhalb des Betriebs ein komplett neues Aufgabengebiet – und mache parallel dazu wechselnde andere Tätigkeiten. Ich arbeite mich praktisch alle drei Monate in etwas Neues ein. Neue Leute, neue Firma, neue Aufträge und Aufgaben, neue Strukturen und Abläufe. Ich bin ein Zwilling, ich komme ganz gut mit Veränderung und Neuem klar. Aber ich merke auch, dass es mich anstrengt. Und dann ständig Bewerbungen zu schreiben, nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Es wäre nett, bei einer einzigen Firma angstellt zu sein, für ein oder zwei Jahre am Stück; und dann können sie mir gerne neue Aufgabengebiete zuweisen oder mich an einen anderen Ort versetzen.

Bin ich eine schlechte Bewerbungsschreiberin? Dieser Gedanke kommt mir bei fast jeder Bewerbung. Vielleicht kann ich einfach keine Anschreiben verfassen, vielleicht ist mein Lebenslauf zu unübersichtlich, zu un-knackig. Vielleicht kann ich mich einfach selbst nicht gut genug darstellen. Es ist auch so schwierig, zu schreiben, was man sagen will, was man im Kopf hat. Die Bewerbungen von anderen kann ich ganz toll überarbeiten und tunen, aber meine eigene?

Ich strebe immer ein Anschreiben an, das zum Heulen schön ist, den anderen im Innersten bewegt und etwas über meine Lebensphilosophie aussagt. Ein kleines Kunstwerk eben, das oben drauf auf der Mappe liegt und in jedem Fall beim Empfänger bleibt. Vielleicht hat sich ja schon jemand mein Bewerbungsschreiben zuhause übers Bett gehängt, oder wenigstens an die Cubicle-Wand gepinnt, als Erinnerung daran, auf was es im Leben ankommt. Schnief.

Beim Arbeitsamt bekommt man pro nachgewiesener Bewerbung 5 Euro. Aber diesen Antrag habe ich nicht gestellt, denn so billig sind meine Werke nicht zu haben. So!

Noch ne Bewerbung, noch’n Post

Noch ne Bewerbung, noch’n Post

Ich versuche heute mein Glück in Toronto. Da habe ich mal im letzten Jahrhundert gelebt und es ist weltweit wohl meine Lieblingsstadt. Meine Seelenverwandte wohnt dort. Da ist ein Job ausgeschrieben, der auf mich passen würde. Problem: die Bewerbungsfrist endet heute, und ich muss meinen Lebenslauf erstmal noch überarbeiten. Ne englische Version von vor drei Jahren habe ich schon, aber jetzt muss ich die aktualisieren und mir ein Anschreiben ausdenken. Und tu mir dabei leid.

Aber schon während ich diesen Post schreibe, merke ich, dass ich dazu gar keinen Grund hab. Wie schlimm ist es, sich in Kanada bewerben zu können?! Oh, ich Arme. Jetzt ganz schnell weiterschreiben, sonst ist die Bewerbungsfrist um.

Ja, ich will nach Toronto, aber zu diesem Job fehlt mir die passende Ausbildung. Und außerdem haben die sicher schon 20 Bewerbungen von Leuten, die bereits in Toronto wohnen. Ich glaube, ich will einfach immer schwierigere Bewerbungen schreiben. Ich sehe es als persönliche Herausforderung. Jede abgeschickte Bewerbung gibt mir einen Kick. Und ich finde es toll, dass ich in der Lage bin, Bewerbungen auf englisch zu schreiben