Ich bräuchte mehrere Leben. Mehere Persönlichkeiten.
Was ist jetzt los, fragt ihr euch vielleicht.
Ganz einfach: ich schreibe seit ein paar Wochen wieder Bewerbungen. Und jetzt in diesem Moment versuche ich mich wieder an einem neuen Werk, aka ANSCHREIBEN.
Und ich habe es so satt, immer wieder die gleichen Sätze zu schreiben, neu anzuordnen, von immer den selben Tätigkeiten zu schreiben. Das langweilt mich sehr.
Ich habe vor einiger Zeit sogar ein Bewerbungstraining mitgemacht. Also teilgenommen, nicht geleitet.
Und da erfuhr ich “in a nutshell” noch einmal, wie man Anschreiben verfasst (und ihr dachtet, das Anschreiben verfassen hat noch nicht den Status einer Wissenschaft?)
1. Schritt:
Man klaube Schlagwörter aus der Anzeige heraus, also was die von einem wollen. Beispiele:
- Erfahrung in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit
- Texte verfassen
- Office-Kenntnisse
- Diplom-Übersetzer
blablabla – also im Prinzip alle geforderten Erfahrungen, Kenntnisse oder Abschlüsse.
Man klaube weiter, und zwar nach den geforderten soft skills. Das sind so Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Flexibilität, Kreativität und so’n Rotz, äh, Kompetenzen.
2.) Mach eine schöne Liste mit diesen Begriffen.
3.) Jetzt wirst du merken: ein paar von diesen Dingern hab ich und kann ich. Toll, oder? YEAH! Glückwunsch. Freu dich!
4.) Jetzt überlegst du dir, in welchen Jobs du diese Tätigkeiten schon gemacht hast, also wo du schon Erfahrungen gemacht hast. Schreib das hinter die Liste mit den Begriffen.
5.) Überlege dir nun, welche Soft Skills du bei welchen Tätigkeiten angewandt hast. Überlege dir Beispiele, Erfolgsgeschichten!
6.) Nun verbindest du die Soft Skills mit den Erfahrungen und machst schicke Sätze draus. Anstatt zu schreiben: “ich habe Erfahrungen in der Projektorganisation (gäääähn)” bringst du noch eine Soft Skill mit rein und beschreibst etwas genauer, was du gemacht hast: “meine Organisationsfähigkeit konnte ich unter Beweis stellen, als ich bei Firma X die Veranstaltung Y in Abstimmung mit Z konzipierte, organisierte und durchführte” (etwas weniger gähn).
7.) Nun mach das für alle Erfahrungen und Kompetenzen, die in der Anzeige gefordert sind.
8.) Blogge über deine Erfahrungen, denn auf die Dauer wird man bei so einem “berufliche Erfahrungen immer wieder durchrühren und neu zusammenkneten und an die angegebene E-Mail-Adresse senden” aggressiv.
Ach ja, und wenn ich mehrere Leben gleichzeitig hätte, könnte ich aus einem größeren Pool von Erfahrungen und Beispielen schöpfen. Habe ich aber nicht, zumindest ist mir davon nichts bekannt.
Stattdessen schreibe ich die 100. Variante von “ich bin so toll und lad mich gefälligst ein” und komme wir wie eine schlechte Autorin vor. Eine Autorin, die den 100. Arztroman schreibt.