Ich habe keinen Fernseher zuhause. Mich hat der Grand Prix nie interessiert. Gestern war ich bei einer Freundin zum Kochen, die sich den Grand Prix Eurovision de la Chanson nicht entgehen lassen wollte.
Es ist ein bisschen wie mit den Dildos: Dildos sehen lustig aus, und die vibrierenden erinnern mit ihrem Brummgeräuschen an elektrische Zahnbürsten. Dildos sind eigentlich zum Schmunzeln, wenn man sie sieht. So ging es mir anfangs. Als ich sie mich berühren ließ, lachte ich nicht mehr sondern war total angetörnt.

Beim Grand Prix ist es ähnlich: gähnende Langeweile, eine hochgezogene Augenbraue und Schmunzeln verwandeln sich in orgasmische Lachanfälle. Miss Moldawien ist wie Heidi im Weltall, (oder Heidi auf LSD, wie meine Gastgeberin gestern meinte). Hinter ihr hüpften 5 Männer in Trachtuniform durch die Gegend. Heidi hatte auch so eine Art Dirndl an, mit extrem kurzem Rock, dazu rotgefärbte Haare. Den Song fand ich gut, die Frau witzig – nur war ich etwas irritiert, weil sich das Lila ihres Rockes ganz schlimm mit dem roten Geflimmer im Hintergrund biss.
Überhaupt die Bühne. Sie ist so groß, dass jeder Sänger sich scheinbar dazu genötigt sieht, mindestens 5 Tänzer auf die Bühne zu bringen. Auch müssen alle Interpreten im Vorfeld nicht nur ihren Song üben, sondern überlegen, welche Farben und welches Muster sie auf der Bühne haben wollen. Die meisten hopsen über die Bühne, die Bühne flimmert wie wild, und man kriegt gar nix mehr von den Liedern mit.

Man erinnert sich bei vielen Sängern nur noch an ihre „Accessoires“: den Sänger aus Griechenland in seinem weißen Anzug – zu einem Zeitpunkt bewegte sich ein Bühnenelement, so dass er aussah wie ein Mensch auf einem Laufband auf dem Flughafen. Yeah. Miss Ukraine war von komischen Rädern umgeben und trug ein knallrotes Lackkostüm. Der spätere Gewinner hatte eine Geige. Die Damen aus Serbien behaupteten, nobody parties like serbian girls do. Wer hätte das gedacht.

Am meisten erinnere ich mich an die Frau aus Malta, die eine schöne Ballade sang. Der Bühnenhintergrund war fast nicht wahrnehmbar, dafür weiß ich noch ihren Namen: Chiara. Sie hatte ein schwarzes Kleid mit einem Pailetten-besetzten Ausschnitt an.

Die estnische Sängerin war toll, die russische auch. Minimale Bühnenshow, gute Lieder, schöne Frauen, Verzicht auf Hupfdohlen.

Es ist, wie wenn die Dame, die ich gedatet habe, zu einem Vorstellungsgespräch zum Diplomarbeits-Praktikum eingeladen wird und einen schwarzen Polyester-Hosenanzug trägt – weil man das eben so macht. Es ist eine große, internationale Firma. Und an diesem Tag hat es 30 Grad. Wenn wir uns treffen, trägt sie sportlich-schicke Blusen, Tops mit passenden Ohrringen und sieht einfach super aus und so gestylt, dass ihr sportlich-femininer Typ unterstrichen wird. Madame, trau doch deinem Mundwerk, deinem Hirn und der Wettervorhersage; Europa: habt Vertrauen in eure Songs oder schreibt Songs, die auf einer minimalistischen Bühne bestehen.

Selten so gelacht. Vielen Dank! Irgendwie ist doch alles irgendwo und irgendwann zum Lachen: Musik, Dildos, Daten, Kochen, Vorstellungsgespräche. In diesem Sinne, gehabt euch wohl!