Die Frau, mit der ich vor langer Zeit mal zusammen war und eigentlich auch mal den Rest meines Lebens mit ihr verbringen wollte, ist verlobt. Das habe ich heute auf irgendeinem sozialen netzwerk in einem nebensatz erfahren. Mit der, mit der sie vor mir und nach mir zusammen ist. Herzlichen Glückwunsch.

eine andere frau will den mann heiraten, mit dem sie mal lange zusammen war, sich getrennt hat, aber immer noch zusammen lebte, und jetzt gemerkt hat, dass er der mann ihres lebens ist. cheers to you, ch! herzlichen glückwunsch!! ich freue mich sehr für dich.

und ich will eigentlich erst wieder jemanden an mich ranlassen, wenn ich quasi verlobt bin. weil ich – sobald ich mit jemandem schlafe – diese vertrautheit und diese verbindung spüre. so als kännten wir uns seit x jahren. es ist so ein fake vertrauen. aber irgendwie auch gar nicht fake. ich hänge dann an dieser person

. durch sex entsteht irgendwie dieses grundvertrauen, zumindest bei mir, und ich will dann alles geben, meine seele geben, sagen, dass ich diese person liebe… und da wäre es einfach schön, wenn die andere person auf dem selben stand ist. hm.

ich glaube, so etwas wie einen freien Willen haben wir Frauen nicht, oder? Wir sind keine selbstbestimmten Wesen, sondern nur von unseren Reproduktionsorganen und Männern gesteuert.

Es ist doch für uns Lesben so: wenn du am Anfang deines Coming Outs stehst und was mit Frauen anfängst, heißt es: “hattest du schonmal nen Freund?” (das heißt es eigentlich später auch immer wieder) oder “du bist noch nicht dem richtigen begegnet” oder “das ist vielleicht bei dir auch noch nicht so festgelegt” (O-Ton meine Mutter). Hm. Kann man ignorieren. Aber unterschwellig heißt es ja, dass dein Interesse für Frauen hinterfragt wird. Bzw. dein Desinteresse an Männern. “Bist du dir wirklich sicher, dass du nichts von Männern willst?”

Auch die anderen Lesben wollen ja mit sogenannten Bi-Frauen gar nichts zu tun haben – und bi bist du irgendwie schon, wenn du mal nen Mann nackt gesehen hast und nicht schreiend davongelaufen bist. So. Irgendwann hören diese Fragen vielleicht mal auf. Du bist mit Frauen zusammen. Willst Frauen. Findest es total klasse. Wirst verletzt, verliebst dich wieder, und so weiter.

Und irgendwann verliebst du dich vielleicht in einen Mann. Ja, die Frauen, die sich in meinem Umkreis in einem Mann verliebt haben, waren durchschnittlich 32,41 Jahre alt. So alt wie ich gerade. Und die meisten Freunde, Außenstehende, erklären dieses sich in einen Mann verlieben mit der biologischen Uhr. So als ob sie ihr Abtrünnigsein entschuldigen wollten. “Sie kann ja nichts dafür. Die Natur ist stärker.”

Bullshit! Dürfen wir uns vielleicht einfach verlieben in wen wir wollen? Ohne dass jemand unsere Gefühle hinterfragt oder für uns erklären oder entschuldigen will? Können wir bitte einfach mal etwas NICHT in Bezug auf Männer machen dürfen?

Es ist doch so: wenden wir uns von den Männern ab, finden das die Leute komisch, und wenn wir uns den Männern wieder zuwenden, ist es auch irgendwie nicht recht.

Hallo?!

Lasst uns einfach sein.

Da hab ich jetzt mal einen sozialversicherten Job, einen Arbeitsvertrag für 2 Jahre, fast Vollzeit und ein Gehalt, das für Ingenieure einen Halbtagsjob bedeuten würde, aber ich kann auf jeden Fall 5 mal im Jahr zum Friseur gehen…

Da hab ich also nun so einen Job, zum ersten Mal seit Ende meines Studiums vor 4 Jahren. Nach einer ersten etwas rauhen Woche sind wir schon alle per du, und meine Chefin fängt an, mir Komplimente zu machen. Über meinen Arbeitsstil und -einsatz, über mein ach so frisches Aussehen, und schließlich unterhalten wir uns ihre gerade stattfindende Entgiftungskur (“ich hab gemerkt, mein Mülleimer ist ziemlich voll”).

Ich sage:”ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich keine Diät mache sondern esse, was mir Spaß macht, ich mein Gewicht halte oder sogar abnehme.”

Und sie sagt: “ja, du wirkst auch so, als ob du damit gut umgehen kannst. Das strahlst du so aus.” Sprich: wie toll, dass du zu deinem Übergewicht stehst.

Kleine Info am Rande: verbeamtet würde ich nicht werden, gerade wegen meines Gewichts, und mein BMI ist irgendwo zwischen “geht grad noch so” und “bedenklich”. Ich sehe mich aber nicht als dick oder übergewichtig. Ich bin kurvig, ja, aber ich bewege mich sehr viel, kann Skifahren, mache Yoga, spiele Squash. Aber in den Augen mancher Menschen steht es völlig außer Frage, dass ich dick bin – zu dick. Sie bewundert mich dafür, wie ich zu meinem “Übergewicht” stehe. Danke, Boss!

Sie ist in meinen Augen schlank, fühlt sich aber zu dick. Sie erzählt mir fast jeden Tag, wie wahnsinnig Appetit sie auf einen Döner hat – kocht sich aber in der Mittagspause eine fettfreie Gemüsesuppe. Ich würde die Wände hochgehen. Wäre unausstehlich.

Sie sagt: “mir passt nichts mehr richtig.” Ich sage: “ich habe auch mal etwas weniger gewogen aber irgendwann einfach die zu eng gewordenen Klamotten entsorgt.”

Ich sage: “egal was ich mittags esse, ich stell mich abends in die Küche und mach mir nochmal was.”

Sie sagt: “ja, das habe ich früher auch gemacht, und das wurde mir zum Verhängnis.”

Soso. Ich sag nur: real women have curves! Und mir gefällt es wirklich gut dort!

ich glaube, es geht darum, in der Lage zu sein, die etwas erklärungsintensiveren Gefühle auszudrücken. Sich zu trauen, eine vielleicht etwas komplizierte Erklärung für eine Entscheidung zu geben.

Beispiel. Ich mag nicht auf eine Riesenfeier gehen, wo ich einen Abend lang von ca. 500 Homosexuellen umgeben sein werde. (ja, die sind zwar alle “toootal normal” und “wie du und ich” (d.h. genauso lesbisch und schwul wie ich), aber es werden trotzdem Männer in Frauenkleidern erwartet und Männer mit Pompons). Also im Prinzip alles normal queer. Ich will da nicht hin, weil mir das zuviel Tamtam ist. Aber meine Vereinskollegen fragen mich, warum ich denn nicht hingehe. Und heute, als ich bei dieser Frage gezögert habe, hat einer nachgeschoben; gell, es ist dir einfach zuviel, 500 Homosexuelle auf einem Haufen.

(Bingo, aber ich habe mich nicht getraut, einfach ja zu sagen). Stattdessen fange ich an zu basteln: “also, mir war das nicht so bewusst, dass die Feier ausgerechnet an diesem Tag ist – und jetzt hab ich eben schon was anderes vor.” Es ist einfach, zu sagen, “ich hab schon was vor”. Wobei dann natürlich sofort die Vermutung geäußert wird: “so, du hast was Besseres vor.”

Und wenn ich einfach zugestimmt hätte, dass diese Feier mir zuviel ist? Erstens hätte ich dann ja nicht mein Gehirn anschmeißen müssen um eine Erklärung zu basteln. Und zweitens hätte ich dann Angst, dass sie mich verstoßen.

Dabei hätten sie wahrscheinlich Respekt ob meiner Ehrlichkeit. Nur habe ich bei “Ehrlichkeit” immer Angst, dass jemand es falsch versteht. So nach dem Motto: “die mag uns nicht”. Dabei ist es eigentlich ein Geschenk, wenn man jemandem die Wahrheit sagt, auch eine, die eine ausführlichere Erklärung mit sich bringt als “ich habe schon was vor”. Wie gesagt, wenn ich eine Ausrede bastle, um ihnen nicht direkt zu sagen, dass die Feier (und damit sie) mir zuviel sind, vermuten sie ja trotzdem das Richtige, nämlich dass ich etwas besseres vor und damit keine Lust habe.

Hey, die anderen durchschauen mich besser als ich mir vorstellen kann. Also bin ich gleich lieber aufrichtig. Wenn ich mich nur nicht ans “meinem unterforderten Gehirn endlich mal was zu geben und es eine in meinen Augen pfiffige Erklärung basteln lassen” gewöhnt hätte.

Mein Internet funktioniert wieder zuhause. Die Telekom hat meine Zugangsdaten bei meinem Umzug einfach gesperrt oder gelöscht. Toll, oder? Toll ist auch dass man – jetzt, als Teil der ganztags arbeitenden Bevölkerung – nur dann bei den Hotlines anrufen kann, wenn auch der Rest der arbeitenden Bevölkerung es tut. Sprich, man landet in der Endlos-Schleife. Nach 10 Minuten wandere ich mit Telefon ins Bad und hole mir den Nagelclipper, um wenigstens nebenher etwas sinnvolles zu tun. Ständig der Spruch ” der nächste freie Kundenbetreuer ist bereits für Sie reserviert.” Und ich glaub das auch noch. Nach 20 Minuten: “zur Zeit sind alle Anfrageplätze belegt. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.” Tut tut tut.

FY.

Noch ein Versuch: Nägel feilen. Das selbe. Im T-Shop rufen die dann die Hotline an. Und irgendwie gehts jetzt. Abrakadabra.

Und was bringts mir? Zu sehen, dass mir die eine Frau immer noch nicht geschrieben hat….

Weil jetzt im INternetcafe die nächsten 12 Minuten angebrochen sind, gibt es endlich mal wieder einen Post. bin nämlich umgezogen und hatte noch nicht die Zeit zu meditieren und mich dadurch in den mentalen Zustand zu versetzen, mein DSL zuhause einzurichten. Außerdem sind Splitter, Kabel, Anleitung auf verschiedene, unbeschriftete Umzugskartons verteilt. Das lass ich mal noch. Deshalb also Internetcafé.

Aber ich wollte ja schon soviel bloggen. Über die Brigitte ohne Models, mit “richtigen” Frauen – das alles gefällt mir gar nicht. ich guck nur die Frauen mit ihren Charaktergesichtern an und vergess dabei die Mode. Nee, wenn ich mir für fast 3 Euro eine Zeitschrift kaufe, will ich Perfektion sehen. nicht Frauen wie mich, die man mit etwas Styling auch attraktiv hinkriegt. Nein, ich will Retousche, Photoshop, alles was geht. Wenn ich ne Faltencreme für 100 Euro kaufe, will ich auch nicht, dass sie nur aus zwei Zutaten besteht (sowas würde ich nie tun…)

Ich wollte auch bloggen, dass ich einen neuen Job habe. Den, den du, cameroonic, mir vor gut einem Jahr empfohlen hast. Es hat doch noch geklappt und ich bin mal sehr gespannt. Das Büro ist am Arsch der Welt aber man kann dort in der Pause wunderbar durch die Felder spazieren. Es ging irgendwie alles ziemlich schnell. Mein Leben ist durch Umzug und Job auf einmal vorhersehbar geworden, beständig.

Aaaaaah!

Liebe Leserinnen und Leser,
nun gibt es meinen Blog schon fast ein Jahr lang. Ursprünglich hatte ich geplant, Rezepte und Geschichten übers Kochen reinzustellen. Dann gabs aber immer andere Dinge, die ich gerade spannender finde.

Aber so zu Weihnachten ist natürlich wieder Kochen angesagt, und schon gestern habe ich einen hammerleckeren Rote-Beete-Salat gemacht. Hier das Rezept.

Man nehme:

einige rote Beete (roh)

diese ungeschält solange kochen, bis sie weich sind (50-75 Minuten, je nach Größe).

währenddessen das Dressing für den Salat machen:

1 große oder 2 kleine Zwiebeln sehr fein schneiden, in eine große Salatschüssel mit Deckel geben; Salz, Pfeffer, gemahlener Koriander, evtl. etwas Piment, Himbeeressig und Sonnenblumenöl miteinander verrühren und durchziehen lassen.

Mit der Gabel in die rote Beete hineinstechen und prüfen, ob sie weich sind. Sie sollten nicht butterweich sein, sondern das Innerste sich noch leicht hart anfühlen.

Nun die rote Beete einzeln rausnehmen und schälen, vierteln und in Scheiben schneiden. Der Sinn ist, dass die rote-Beete-Stücke möglichst warm in das Dressing kommen und sich so optimal mit dem Dressing verbinden. Also mit der Gabel eine Beete rausnehmen, die Gabel drinlassen und schälen, und so klein schneiden, dass man sie Beete möglichst nicht anfassen muss (sie sind ja heiß und färben wie nochwas). Die Stücke ins Dressing geben, umrühren und zudecken. Dann die nächste Beete rausnehmen, usw., bis alle verarbeitet sind.

Umrühren und ein paar Stunden ziehen lassen und genießen.

Wenn die Hände nachher trotzdem verfärbt sind: etwas Natron auf die leicht feuchten Hände geben, verteilen, und mit heißem Wasser abspülen.

Wisst ihr, was ich absolut unoriginell, langweilig und nervig finde? Wenn Leute über die Deutsche Bahn meckern. Es gibt sogar ein geistloses Buch darüber, vielleicht die Bibel aller Bahn-Meckerer.

Wisst ihr, über was ich mich aufrege? Über Leute, die über die Bahn meckern. Was gibts zu meckern? Ja, sie mag nicht immer pünktlich sein. Ja, die Züge mögen überfüllt sein. Ja, für das Tarifsystem braucht man mindestens ein Philosophie-Grundstudium. Und einen Wochenend-Intensivkurs an der VHS für die neuen Fahrkartenautomaten mit Touch-Screen. (Übrigens: warum hat inzwischen fast die Hälfte aller Menschen freiwillig ein Handy mit Touchscreen, weigert sich aber, sich mit dem Fahrkartenautomaten auseinanderzusetzen?)

Ich fahre viel Bahn. Ich bin stolze BahnCard25-Besitzerin, habe auch noch eine Monatskarte vom örtlichen Tarifverbund, blicke im Tarifchaos halbwegs durch und schaffe es meistens, dem Fahrkartenautomaten in weniger als 3 Minuten ein Baden-Württemberg-Ticket single abzuluchsen. Ich freue mich auch nicht, wenn ein Zug mal Verspätung hat – kürzlich fiel ein Zug einfach mal ganz aus – und ich saß in meinem Dorf fest. Aber anstatt das als völlige Inkompetenz der DB zu werten, bin ich einfach in den nahegelegenen Supermarkt vor der Kälte geflüchtet. Meine Freunde mussten eine halbe Stunde auf mich warten – auch nicht super, aber ist es das Ende der Welt?

Ich denke, jeder hat eine Story, wo einem die Bahn einen Strich durch die wohl durchdachten Reisepläne gemacht hat. Wo die ausgedruckte “Fahrtempfehlung” einfach nur die bestmögliche, aber unrealistische Reiseroute darstellt. Ich habe schon teure ICE-Tickets gelöst, und musste dann 40 Minuten lang im Zug stehen – ich habe schon teuere ICE-Tickets gelöst, und kam später als der günstigere IC an. Und immer wieder die Situation, dass Menschen von beiden Seiten in denselben Waggon einsteigen, sich in der Mitte des Waggons treffen und aneinander vorbeiwollen. Alles schon erlebt. Und trotzdem mag ich die Bahn.

Sie bringt mich überall hin – irgendwann.

Was mich aufregt, ist, wenn Menschen hohe Ansprüche an einen IRE (Interregioexpress) haben. Das ist ein Zug, der meistens so schnell wie ein IC ist, kaum hält, und den man aber noch mit den Ländertickets oder dem Wochenend-Ticket beutzen kann. Sie wollen einen Viererplatz für sich alleine, und das natürlich am Freitagabend. Und dafür nicht mehr als 20 Euro ausgeben. Wenn aus irgendeinem unerfindlichen Grund die Anzahl der Passagiere die der Viererplätze übersteigt, ist die Bahn schuld. Dann heißt es genervt: “oh, die Züge sind so scheiße!” Dabei ärgern sich die Menschen nur, dass ihr ach so geniales Sparvorhaben nicht aufgegangen ist. Weil nämlich alle Menschen die selbe Idee haben.

Dabei hat die Bahn einige IREs schon mit extra Abstellfläche für Gepäck ausgestattet.  Weil sie weiß, dass die Leute lieber laufen würden, als 10 Euro mehr für einen komfortableren Zug auszugeben. Ja, die IREs sind attraktiv für Urlauber. Manche Leute nehmen ihre komplette Snowboard-Ausrüstung in den IRE – und verteilen sie so auf den Viererplätzen, dass es 90% der Menschen peinlich ist, zu fragen, ob da noch ein Platz frei ist. Und wenn dann jemand Forsches kommt, der darauf besteht, sich dort hinzusitzen, sind die Züge scheiße. Anstatt vielleicht mal zu überlegen, ob man vielleicht die Erwartungen zu hoch sind?

Der Snowboarder oder die Dame mit ihrem silbernen Hartschalenkoffer größer als mein Kleiderschrank könnten folgendes tun:

- statt eines Ländertickets einfach mal gucken, wieviel teurer denn die IC oder ICE-Verbindung ist (da gibts ja wiederum die Sparpreise, wenn man im Voraus bucht). Und dann überlegen, ob man den höheren Preis für deutlich mehr Komfort und mehr Platz haben möchte.

- nicht gerade am Freitag- oder Sonntagabend fahren. Da fahren nämlich alle, falls ihr es noch nicht gemerkt habt.

- weniger Gepäck mitnehmen

- die Habseligkeiten anstatt in ein riesengroßes, sperriges Gepäckstück lieber in zwei kleine Rucksäcke oder Taschen zu packen, die man unter dem Sitz oder im Gitter über dem Sitz verstauen kann.

Hört nur einfach bitte auf, für kleines Geld Spitzenkomfort zu erwarten. Und macht Platz für andere Leute.

Da mein sozialversicherter Job ausgelaufen ist, muss ich leider wieder meiner “Lieblingstätigkeit” nachgehen und Bewerbungen schreiben. Da ruft mich eine Bekannte an, die einen kleinen Übersetzungsauftrag für mich hat. Und sie bestärkt mich darin, meinen Weg zu gehen, Geduld zu haben und damit zu rechnen, dass es Jahre dauern kann, bis man erste Erfolge sieht.

Sie hat 10 Jahre gebraucht, bis sie mit ihrem “Unternehmen” und ihrem besonderen Mix aus Dienstleistungen erste Erfolge erzielt hat. Sie sagt, ich soll Mut haben, das zu tun, was ich liebe. Und wenn man das tut, was man liebt, merken das die Leute, werden auf einen aufmerksam, möchten, dass man etwas für sie macht.

Das hat so gutgetan. Ich überlege mir gerade ernsthaft, mich hauptberuflich selbständig zu machen, aber ich biete so meiner Meinung nach völlig verschiedene Dienstleistungen an, die gar nicht zusammenpassen. Ich weiß gar nicht, wie ich damit auftreten soll. Aber ich denke, das Ganze kann sich entwickeln, die Idee kann sich entwickeln, und irgendwann wird etwas “Rundes” daraus. Es hat keinen Sinn, mich in irgendeine Schublade zu pressen, nur damit ich wie die anderen bin.

“Wer ständig versucht, wie die anderen zu sein, wird vor allem eins: gleicher.” Das ist leicht abgewandelt aus dem Buch “Alles, außer gewöhnlich” von Peter Kreuz und Anja Förster. Und irgendwie kann es ja – als Unternehmerin oder überhaupt – nie der Sinn sein, das gleiche anzubieten.

Beispiel: mein Wintermantel ist fertig. Er ist rostrot. Weniger als 1 % der Bevölkerung trägt rote Wintermäntel. Das heißt, ich falle auf mit dem Ding. Zwei Freunde haben – unabhängig voneinander – den Mantel als Nikolauskostüm gesehen, das nur noch durch eine rote Mütze mit blinkenden Herzchen ergänzt werden müsste. (Ich hab Euch trotzdem lieb!) Mir gefällt der Mantel, muss mich aber auch erst an seine Andersartigkeit und seine Blickfang-Qualitäten gewöhnen. (was sollte ich auch sonst machen als das Werk lieben lernen und es tragen, bis es sich auflöst?).

Meine Mutter hat mir als Kind und Jugendliche immer sehr viel genäht. Und selten sahen diese Klamotten aus wie die der anderen. Und so sehr ich meine Mutter liebe: manchmal habe ich mich für ihre selbstgenähten Klamotten geschämt, weil ich überzeugt war, dass man sieht, dass sie selbst genäht sind. Dass alle denken, wir haben nicht genug Geld, um Klamotten zu kaufen. Selbst nähen hat für mich so etwas Ärmliches – auch wenn’s meine Mutter nähtechnisch voll drauf hat.

Ich wollte nicht anders aussehen, ich wollte nicht auffallen. Ich wollte einfach nur die trendigen Klamotten, die auch meine Mitschüler hatten – sogar die Jeans mit Ledereinsatz an der Seite! (oh je, gabs das wirklich mal?) Ich wollte natürlich auch nicht die Billigversion aus irgendeinem Restpostengeschäft, sondern die coole, die so aussah wie alle anderen.

Und seit ich meinen rostroten Mantel ausführe, merke ich, dass ich diese leichte Angst immer noch habe: dass jemand merkt, dass der Mantel selbst genäht ist: nicht weil der Schnitt oder die Verarbeitung schlecht sind (das sind sie nämlich nicht), sondern weil er anders ist. Dass die Leute denken: wieso trägt sie sowas? Hat sie das nötig? Gerade ist doch lila in. Und der Kragen ist total unmodern, ebenso wie Raglan-Ärmel. Dass sie es fast als Beleidigung empfinden, dass ich so rumlaufe.

Am ersten Abend, als ich den Mantel anhatte, bin ich nachts eine halbe Stunde lang mit dem Zug nach Hause gefahren und es saßen 3 Weihnachtsmarkt-trunkene Mädels Anfang 20 um mich herum. Sie trugen alle schwarze Jacken. Und ich fühlte mich unwohl ob meines Mantels. Ich hatte Angst, dass sie mich anstarren, sich über mich lustig machen, denken: was ist das denn für eine Komische, die selbstgemachte Sachen trägt? Ich will nicht in diese langweilige Ökoschublade gesteckt werden… Ich will eher, dass die Leute denken: hey geil, wo hast du das denn her? (das sagen auch manche)

Oh je, das ist echt so ne Sache mit Selbermachen. Da braucht man schon auch Selbstbewusstsein. Immerhin tu ich mir die Klamotten freiwillig an – meine Mutter hilft mir beim Nähen, da ich Anfängerin bin. Es ist nicht so leicht, den eigenen Stil durchzuziehen. Oder habe ich nur Angst vor meinem eigenen Mut?

Weiß jemand, wo man ihn machen kann? Tipps bitte in den Kommentar schreiben.

Dieser Schein würde meine Chancen bei anderen Frauen deutlich verbessern. Denn dann könnte ich damit werben: “du musst mir gar nicht sagen, was du fühlst, denkst und willst. Ich sehe hell! Ich kann Gedanken lesen.”

Meiner Erfahrung nach erwarten einige Frauen das.

Meine Ex zumindest. Sie sagte: “du musst doch fühlen, dass ich dich mag. Wieso soll ich dir das sagen? Es ist doch klar, dass ich gerne mit dir zusammen bin. Wäre ich sonst hier? Wieso willst du Händchen halten? Wieso sollen wir über Gefühle reden?” Mein Hellseherschein hätte mir da sehr genützt, vielleicht sogar von der Arbeitsagentur gefördert. Ohne ist man in Beziehungen zu Frauen eigentlich aufgeschmissen. Denn wie soll ich denn bitte wissen, ob z.B. ihr Nicht-Melden bedeutet, dass sie

a) im Stress ist

b) sauer auf mich ist

c) ihre Freiheit haben will

d) testen will, ob ich mich melde, weil ich sie unbedingt sehen will

e) testen will, ob ich es aushalte, mich mal eine Woche lang nicht zu melden

f) ihr Telefon gerade spinnt.

Tja. Ich soll fühlen, wann ich ihre Hand nehmen darf, und wielange ich sie halten darf. Ebenso, wann ich mich melden darf, ohne dass sie sich bedrängt fühlt.

Einfach zu sagen, was man will, wäre anscheinend irgendwie uncool und würde bedeuten, dass man sich NICHT ohne Worte versteht und die Beziehung demzufolge nicht der Rede wert ist.

Ich bin vielleicht nicht der feinfühligste Mensch, aber ich merke meistens ganz gut, was in den anderen Menschen vorgeht. Nur bei ihr ists schwierig. Wenn ich dann frage, ob alles ok ist und sie ja sagt und ich irgendwie “fühle” (ja, fühle), dass etwas nicht stimmt, sollte ich fühlen, was nicht stimmt und was sie jetzt von mir braucht… Würden uns der Blitz treffen, wenn sie es mir einfach sagt?

Über aufmunternde Kommentare freue ich mich – und vielen Dank an Freundin D gestern für die ausführliche Diskussion zum Thema!

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