Wisst ihr eigentlich, wie heilsam es sein kann, bei Traurigkeit und ewig kreisenden Gedanken Sport zu machen oder einen Kuchen zu backen?

Ich vergesse das immer wieder. Ich bin traurig und tu mir selbst leid und blase Trübsal und fühl mich von meinen Gedanken niedergedrückt… dabei müsste ich einfach nur ne Runde joggen. Oder zum Squash und anschließend in die Sauna. Oder ein neues Backrezept ausprobieren, ein möglichst aufwendiges. Das macht meinen Kopf frei, fegt einmal durch und bringt alles wieder an den richtigen Platz.

Hey, ich weiß, das ist platt. Jeder weiß das irgendwie, oder? Aber man vergisst es. Oder ich denke dann, ich muss meine momentane Traurigkeit ernst nehmen, die Ursachen erforschen, eine Lösung finden. Ist bestimmt auch manchmal wichtig…

Also gibts leckeren Kuchen für die Familie, bis sich die Madame Ex gemeldet hat und sagt, ob sie mich sehen will – und Wutausbrüche beim Squash.

„Du wirst dir an ihr die Zähne ausbeißen“. „Vergebene Liebesmüh“. „Du musst wissen, was dir wichtig ist“. „Niemand außer dir kann die Entscheidung treffen“. „Würdest du sie auch dann wollen, wenn die Frauen bei dir Schlange stehen?“

Freund D gestern abend. Danke.

Aaaalso.

Ich hab Tarot probiert. Astrologie. Numerologie. Feng Shui. Küchenpsychologie. Philosophie. Und ganz viele Freunde gefragt, und selbst auch ein bisschen nachgedacht.

Aber was mach ich nur mit ihr? Ihr = die Ex, die vielleicht ihren Ex-Status verlieren soll.

Mein Problem mit Entscheidungen ist, dass ich glaube, es gäbe EINE richtige Entscheidung. Diese Entscheidung gilt es, mit dem Denken, mit Tarot, Astrologie, … etc zu ermitteln. So nach dem Motto: wenn ich nur lange genug nachdenke, abwäge, analysiere, fühle, werde ich wissen, was die richtige Entscheidung ist.

Aber das wäre Hellsehen.

Es gibt keine richtige Entscheidung, die man im Voraus erkennen kann. Es stellt sich immer erst im Nachhinein heraus, welche Entscheidung richtig oder falsch war. Und dann kann man eigentlich nicht von richtig oder falsch sprechen.

Eine richtige Entscheidung ist die, die man getroffen hat. Ich für mich bin froh, wenn ich eine Woche lang dieselbe Meinung über eine Sache habe. Z.B. als ich aus meiner alten Wohnung ausgezogen bin. Da habe ich ewig überlegt, und habe immer wieder meine Meinung geändert. Am Stuttgarter Bahnhof klebt in Leuchtbuchstaben ein Spruch von Hegel: „… dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum ist“. Ja, ewig zaudern bringt auch nichts, aber man kann auch nicht einfach drauflos und kopflos alles umschmeißen.

Und jetzt mit der Ex: sie ist nicht die Frau, die ich mir für eine Beziehung vorgestellt habe. Aber ich mag sie sehr und denke manchmal, dass auch etwas, das abseits meiner Vorstellungen und Erwartungen ist, sehr gut und schön sein kann. Aber bin ich bereit für eine lockere Beziehung mit einer Frau, die sich nicht binden will, die über ihre Gefühle nicht so spricht… Ist es zuviel Arbeit? Wieweit bin ich bereit, frustriert zu sein, mich zu ärgern, nicht die Kuscheleinheiten zu bekommen, die ich mir wünsche und ein Stück weit in einer Beziehung auch erwarte… In wieweit bin ich bereit, mich selbst in Frage zu stellen…

Reicht es zu denken, dass wir eine gute, tolle Beziehung haben könnten, wenn wir die vielen Dinge geklärt haben? Wenn sie endlich eingesehen hat, dass sie doch eine Beziehung will. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass nicht nur sie das Problem sein kann (ach nee!) Wie sang doch der gute Michael:

I’m starting with the man in the mirror
I’m asking him to change his ways
And no message could have been any clearer
If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make a change

Sehr geehrte(r) fraulinde,

(naja, das (r) verbunden mit einer persönlichen Anrede hätten sie sich sparen können)

wir kommen zurück auf Ihre E-Mail-Bewerbung vom x.x.200x.

Auf unsere Ausschreibung erreichten uns viele Bewerbungen, so dass uns die Auswahl nicht leicht gemacht wird. Leider können wir Sie bei der Besetzung
der Stelle nicht berücksichtigen.

Wir möchten Sie daher nicht länger auf eine Antwort warten lassen und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute.

Die uns freundlicherweise überlassene E-Mail-Bewerbung werden wir aus Datenschutzgründen vernichten.

Mit freundlichen Grüßen

Das ist toll: denn erstens finde ich es rücksichtsvoll, wenn sie einem Teil der Bewerber schon nach der Vorauswahl absagen. Und zweitens finde ich auch den Hinweis nett, dass sie meine Bewerbung mit den persönlichen Daten vernichten werden.

Andere Betriebe behandeln E-Mail-Bewerbungen so, dass sie den angehängten Lebenslauf, die Zeugnisse etc. ausdrucken (meist auf billigem Papier), eine Absage auf Papier schreiben und zusammen mit den billigen Ausdrucken meiner Bewerbungsunterlagen zurückschicken. Und da soll ich nicht mit dem Kopf gegen die Wand rennen?

Ach, die gute alte UNESCO – sowas traut sich auch nur eine internationale Organisation.

Dear Madam,

I wish to refer to your candidature for the above-mentioned post and regret to inform you that it has been decided to cancel the recruitment procedure for this post.

May I take this occasion to thank you once again for the interest you have shown in the programmes and activities of UNESCO.

Yours sincerely,

blabla

Sprich: blabla hatte keinen Bock mehr auf das ganze Bewerbungsverfahren. Also wurde es einfach gecancellt. Es gibt eh schon genug Weltkulturerbe.

Eine Universtität muss natürlich auch bei den Absagen als etwas wichtiger abheben.

Sehr geehrte Fraulinde,

nach einem langwierigen und schwierigen

(schließlich ging es um nicht weniger als eine neue Verwaltungsangestellte – es hat zwar nicht die Tragweite des Nahostkonflikts, aber fast. )

Entscheidungsfindungsprozess

(und schon haben wir das neue längste Wort der Welt geschaffen!)

wurde über die Besetzung

(dass das mal klar ist: es wurde entschieden. Ich bin nur ein kleines Rädchen im Getriebe und kann gar nichts dafür)

der oben genannten Mitarbeiterstelle

(denn es wäre zu umständlich, die Bezeichnung der Stelle hier nochmal zu nennen. Sonst könnten wir ja keine Standard-Absage mehr verwenden)

entschieden. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben. Wir möchten uns nochmals für Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle bedanken und Ihnen alles Gute für Ihre weitere berufliche Zukunft wünschen.

(dann tu das doch, man!)

Ihre Bewerbungsunterlagen erhalten Sie beigefügt zu unserer Entlastung zurück.

(Sie können sich gar nicht vorstellen, wie belastend solche Bewerbungsunterlagen sein können.)

Mit freundlichen Grüßen

i.A.

xyz

Wir versuchen es wieder (so lang man Träume noch leben kann).

Es war einfach so schön, sie wieder zu sehen, und so vertraut. Wie kann ich sie nicht liebhaben? Wir reden über das, was wir in den letzten drei Monaten gemacht haben. Und ich freu mich so, sie zu sehen, mit ihr zu reden und zu lachen. Das Kribbeln zu spüren. Ich will es einfach mit ihr nochmal probieren. Wir sind in einem Restaurant und essen Suppe. Wir umarmen und küssen uns um Abschied. Ich freu mich und winke ihr, als sie im Auto an mir vorbeifährt. Irgendwas war in der Suppe, oder im sizilianischen Rotwein. Mein Magen sticht und grummelt und mir ist schlecht. Ich laufe Richtung Bahnhof und mir ist elend. Ist es wegen ihr? Macht mir das alles Angst? Hab ich mich auf nen schlechten Deal eingelassen? Hab ich zuwenig von ihr gefordert und mir ihre Bedingungen diktieren lassen? Oder war es nur das Glutamat, der Chili und der Knoblauch in der Tomatensuppe? Ich habe noch Zeit, bis die Bahn fährt, und so höre ich einem Straßenmusiker mit Gitarre zu, der melancholische russische Balladen singt. Ich verstehe Fetzen davon, die Musik streichelt mich. Sie begleitet mich in meiner Unsicherheit, meinen Zweifeln, meinem Glück, in diesem Schweben.

Als ich am nächsten Tag einem Freund davon erzähle und er fragt, ja seid ihr jetzt zusammen, usw., merke ich erst, wie unklar das alles ist, wie schwammig und vage. Ich kann kaum in Worte fassen, warum ich mich darauf eingelassen habe. Weiß nur, dass ich es von ganzem Herzen will. Ich könnte heulen, weil ich Angst habe, dass ich wieder darunter leide, sie selten zu sehen. Dass sie wieder manchmal so kalt wirkt. Dass ich nicht weiß, was in ihr vorgeht.

Ich hatte aber auch den Eindruck, dass uns der Abstand gut getan hat, dass wir einander zu schätzen wissen, dass wir liebevoller und sanfter miteinander umgehen. Und ja, ich will wieder mit ihr ficken.

Soweit meine Argumentationslinie, die ich mir für etwas gebastelt habe, das man eigentlich gar nicht erklären kann.

mit der Ex.

Ja, genau, die Hundepostkarte hat gewirkt. Wir wollen uns zum Aussprechen treffen.

Ich habe sie seit 3 Monaten nicht gesehen.

Ich mag sie immer noch und würde mir etwas Ernsthaftes mit ihr wünschen. Sie mag mich auch, will aber keine Regelmäßigkeit.

Ich versuch jetzt mal, das alles gaaaaar nicht zu bewerten, ohne Erwartungen hinzugehen.

Ich hoffe einfach, dass wir neu anfangen können, dass wir einen gemeinsamen Weg finden, eine andere Art, miteinander umzugehen. Respektvoller, ehrlicher, liebevoller, verbindlicher. Ich glaube, ich kann ein Stück weit damit klar kommen, dass wir uns unregelmäßig sehen. Aber sie muss mir trotzdem vermitteln, dass sie mich mag und dass ich ihr wichtig bin.

Ich will nicht nur für kostenlosen Sex da sein.

Drückt mir die Daumen

Da schreibt mir die Ex ja so ne Karte und bittet mich darum, mich mal wieder zu melden. Das tu ich. Und wer antwortet nicht? Die Ex.

Ich bin nicht etwa gegen bunt gemusterte oder auffällige Klamotten oder gegen tiefe Dekolletés. Im Gegenteil! Bunt gemusterte Sachen sind klasse (Dekolletes natürlich auch!). Sie müssen nur zu mir passen. Es muss nur die Message rüberkommen: ich steh im Vordergrund, ich hab mir das ausgesucht, weil es mich toll aussehen lässt. Bei allen Klamotten muss immer das Gesicht zur Geltung kommen. Die Farben müssen deinen Teint strahlen lassen, deine Augen zum Leuchten bringen, den Schwung deiner Haare imitieren…

Es gibt viele Frauen, die so angezogen sind, dass man den ganzen Tag nur auf die Klamotten starrt. Ich hatte mal so eine Kollegin. Sie hatte wirklich teure, ausgefallene Designerstücke. Aber ich fragte mich den ganzen Tag immer: ok, ist ja ganz einfallsreich entworfen, aha, da ist das Detail – aber ich hab nur die Klamotten gesehen. Wenn ich zufällig in das Gesicht der Kollegin gesehen habe, wirkte ihr Gesicht blass, schmal, langweilig im Vergleich zu ihren ausgefallenen Klamotten. Trug sie dagegen einfach mal einen schwarzen Rock mit schwarzem Rolli und hochgesteckten Haaren, sah sie einfach klasse aus. Ihr Gesicht kam zur Wirkung.

Manchmal ist es echt so, dass wir uns bei bestimmten Menschen nur an die Klamotten erinnern, aber nicht ans Gesicht.

Stellt euch einmal Frau Merkel vor. Was seht ihr?
Stellt euch jetzt Gerhard Schröder vor. Was seht ihr?

Ich sehe bei Frau Merkel knallige Blazer, die Falten schlagen und ihre Hüften betonen. Bei Schröder sehe ich das kantige, ausdrucksstarke Gesicht. Seine Anzüge fallen nicht auf. Vielleicht noch die rote Krawatte.

Bei Klamotten ist es so: die besten stechen nicht hervor. Die besten Anzüge sind die, die man gleich vergisst. Die so perfekt sind, dass sie mit der Person verschmelzen, sodass das Gegenüber nachher vielleicht nicht mehr genau weiß, welche Farbe der Anzug hatte – aber dafür, was der Mensch gesagt hat, oder dass er einfach ein kompetenter, interessanter Gesprächspartner war.

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